Was haben wir an der Costa Brava so getrieben?

Über unseren Spanien-Urlaub habe ich nämlich schon geschrieben, von der gemeinsamen Urlaubsplanung, der harmonischen Anreise und dem Großfamilien-Leben unter Palmen. Die Details zum Campingplatz gab es dann nochmal gesondert zum Nachlesen, aber auch da hätte es den Rahmen gesprengt noch die Ausflugstipps oder die Umgebung reinzuquetschen. Schade. Müsst ihr nochmal durch einen dieser Reiseberichte durch. Ich kann da ja auch nichts für (doch, aber das nur rein theoretisch).

Urlaub in der Bucht von Rosas

Natur und Beton

Ihr erinnert euch? Der Campingplatz Las Palmeras liegt direkt am Meer in der Nähe des kleinen Städtchens Sant Pere Pescador in der Bucht von Rosas. Die Landschaft hier ist eher flach und man sieht in der Ferne die teilweise noch schneebedeckten Berge der Pyrenäen. Die Bucht ist riesig, der Sandstrand breit.

Am Strand stehend, kann man aber auch fast von jeder Stelle die größeren Städte wie Empuriabrava und Rosas dank der monumentalen Bausünden (ja, das ist wertend… ich finde sowas furchtbar hässlich) ausmachen. Empuriabrava wurde in den 60er Jahren extra für den Tourismus am Reißbrett geplant und aus dem Boden gestampft. Ich muss immer an die Referendarin im Spanischunterricht der Oberstufe denken, die mit uns die ganzen bösen Folgen des Massentourismus in Spanien durchkaute, wenn ich solche Städte sehe.

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Hier gibt es reichlich Beton – in allen Farben, Formen und Höhen, aber auch eine große Promenade, Einkaufstraßen mit zahlreichen Geschäften und Lokalen, eine Marina zum Schiffe gucken und zahlreiche Kanäle, an denen die ganzen Ferienhäuser liegen. Also sind wir auch einen Vormittag zu fünft dort langgebummelt, haben Schiffe geguckt, über Jetskis gefachsimpelt und den Geschmack der Yachteigner kritisiert.

Uns war es aber dort dann am Ende doch zu ungemütlich. Die mittägliche Einkehr haben wir dann auf die Bar des Campingplatzes verschoben.

Trotzdem: Dank dieser Städte und der ganzen Fremdenverkehrsinfrastruktur kann man in dieser Region auf beinahe jede Freizeitaktivitäten wie Kart fahren oder den Besuch eines großen Aqua Parks zurückgreifen. Es gibt nichts, was man nicht machen könnte, wenn dem Nachwuchs langweilig wird. Gerade wenn das Wetter nicht nach Strand schreit und es nicht allzu heiß ist, ist auch der Schmetterlingspark in der Nähe zu empfehlen.

Gemütlicher geht es auch

Ich mag historischen Stadtzentren und bummle gerne durch schmale Gassen. Deswegen lege ich euch Castelló d’Empúries als kleinen Ausflug ans Herz. Neben der Kathedrale und den vielen alten, toten Steinen, die man bewundern kann, gab es dort so viele schöne Cafés und Tapasbars, dass ich am liebsten den ganzen Tag irgendwo an einem lauschigen Plätzechen gesessen und meinen Cortado geschlürft hätte. Das verhindert derzeit aber effizient unser Krümel. Wenn man im Wechsel jeder eine halbe Stunde dem kleinen Kamikazekind hinterher gerannt ist, damit der andere sein Getränk trinken kann, sagt nicht nur die Kellnerin hinterher, dass kleine Kerl „guapo pero MUCHO! trabajo“ sei, man mag auch selber nimma.

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Sant Pere Pescador selbst ist ein recht authentischer kleiner Ort, in dem sich ganz offensichtlich erst in der relativ jungen Vergangenheit jemand Gedanken über das Aufhübschen für Touristen gemacht hat. Das hat den charmanten Vorteil, dass es weitestgehend von übermäßigen Betonschwemmen verschont und gemütlich geblieben ist. Ein paar Straßenzüge sind neu gepflastert, teilweise zur Fußgängerzone erklärt. Man kann durchaus einen Vormittag durch die Gassen bummeln und nette Boutiquen entdecken. Es ist aber nicht unbedingt ein historisches Juwel. Richtig viel los ist hier auch nicht. Wer es gerne trubeliger mag, der fährt nach L’Escala.

Richtig viel Stadt – und noch dazu eine der schönsten Europas – erreicht ihr mit dem Zug von Figueres aus. Dort geht es nämlich innerhalb von knapp zwei Stunden auf dem direkten Wege nach Barcelona. Das mag für einen Tagesausflug mit kleinen Kindern zu anstrengend sein, aber wenn man mit Teenies reist oder netterweise eine Großfamilie mit hat, die auf dem Campingplatz die Kinder hütet, könnte einen Tag in dieser grandiosen Stadt verbringen. Uns war es dieses Mal zu anstrengend, aber ich habe davon heimlich geträumt. Beim nächsten Mal, möchte ich das unbedingt einplanen. (In der Variante: Kinder bei der Verwandtschaft und damit am Strand zu lassen.)

Kultur und alte Steine

Richtig malerisch sind die toten Steine in St. Martin von wo aus man ganz toll am Strand entlang eine Promenade bis nach L’Escala laufen kann. Dort fährt sogar eine kleine Bimmelbahn an dem landschaftlich wirklich wunderschönen Küstenstreifen lang. Es gibt immer wieder schöne Badestellen, Spielplätze und der Weg ist auch mit Kinderwagen (oder in unserem Fall Bollerwagen) befahrbar.

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Auf der Strecke liegen auch die Ausgrabungen von Empuries. Wir selber haben sie nicht besucht, sind nur aus dieser unheimlich beeindruckenden Park vorbei gelaufen. Ich habe aber nur Schwärmerein gehört. Vor allem und gerade mit Kindern, sollen es richtig toll sein das Freillichtmuseum zu durchstreifen.

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Sport geht hier auch

Die Bedingungen müssen offensichtlich für Surfer optimal sein, denn es wimmelt in der Bucht nur so von ihnen. Am Strand empfand ich sie jetzt aber weder als störend noch aus rücksichtslos aus Sicht der besorgten Mama dreier Minis. Der Strand und die ganze Bucht sind einfach zu weitläufig, um sich da ständig in die Quere zu kommen. Die riesigen bunten Drachen der Kiter haben die Kinder schon beim Zusehen fasziniert. Netterweise kann man auch kleinere Modelle steigen lassen.

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Es gibt auch in direkter Nähe des Campingplatzes zahlreiche Möglichkeiten sich im und am Wasser sportlich zu betätigen. Surfschulen und Bootsverleih, Beach-Volleyball oder vielleicht doch eine Fahrradtour an der Küste entlang: die Angebote sind vielfältig.

Mir persönlich reicht der Sprint den Strand entlang hinter dem Krümel her völlig aus. Ansonsten sammle ich eben Muscheln, bade meine Füße im Meer oder baue Sandburgen, wenn ich nicht gerade Löcher in die Luft starre und mich einfach erhole. Die Kinder sind am Strand ja immer gut beschäftigt.

Es fühlt sich wie Urlaub an. 😉
Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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