„Mama, warum bist Du eigentlich so dick?“

„Mama, nicht böse sein… aber warum bist Du eigentlich so dick?“

Meine Tochter klingt verlegen und hat scheinbar Sorge, dass ich wegen dieser Frage schimpfen könnte.

„Ich wäre gerne so dünn wie Ch.!“ (kleine und sehr zierlich Mutter unserer Kita-Freunde)

Ich erkläre meiner Maus, dass ich ihre Frage völlig in Ordnung finde und versuche ihr zu erklären, dass jeder Mensch anders ist und dass ich das eigentlich ziemlich toll finde, dass Menschen so unterschiedlich sind. Natürlich frage ich sie auch, warum sie so dünn sein möchte, wie Ch. und warum sie meint, zu dick zu sein.

Und natürlich wusste ich, dass ich die Antworten doof finden werden.

Die Jungs – die selben, die die Haare des Nasenbären immer zu lang finden – ärgern die Maus damit, dass sie angeblich zu dick ist. Alles Jungs, die dem Einheitsbild – sehr schlank und Igelfrisur – entsprechen. Jungs, die nichts gelten lassen, was anders ist als das, was sie von zu Hause kennen. Jungs, die andere Kinder spüren lassen, dass sie – wenn sie anders sind – nicht erwünscht sind, nicht dazu gehören.

Mit den Jungs sind wir relativ schnell durch. Die Murmels haben nicht vergessen, wie diese Jungs den Nasenbär für seine zu langen Haare geärgert haben. Sie wissen, dass diese Jungs immer wen suchen, den sie ärgern und ausgrenzen können.

Leider ändert dieses Wissen nichts daran, dass die Murmels auch von diesen Jungs anerkannt werden wollen. Sie wollen dazu gehören. Sie wollen, dass alle ihre Freunde sind. Sie verstehen Ausgrenzung nicht.

Auch diese Jungs sind eigentlich nicht böswillig. Sie spielen trotzdem mit den Murmels, wollen uns trotzdem besuchen. Für sie ist das scheinbar alles nur Spaß. Sie sehen und verstehen die Ernsthaftigkeit dahinter gar nicht. Es ist doch lustig, jemanden zu hänseln… Nein! Finde ich gar nicht. Ich finde es überhaupt nicht lustig, wenn meine Maus lieber super super dünn sein möchte, damit sie nicht mehr geärgert wird. Ich finde es nicht lustig, wenn mein Nasenbär seine Haare (die er eigentlich selber total gerne mag) immer kürzer und kürzer schneiden lässt, um nicht Ziel von Hohn und Spott zu sein. Ich finde es nicht lustig, wenn ich abends meine weinenden Kinder trösten muss. Es sind Kindergartenkinder… sie sind 5 Jahre jung.

Was mich aber wirklich betroffen macht, dass die Maus sich von Mädchen mit ähnlicher Statur anhören muss, dass sie zu dick sei! Bei dem einen Mädchen bin ich mir leider sicher, dass sie nur das an die Maus weitergibt, was sie selber zu Hause zu hören bekommt. Das andere Mädchen ist ihre beste Freundin und das schockiert mich ehrlich gesagt ziemlich. Ich kenne die Eltern. Die Mutter kenne ich bestimmt schon 20 Jahre. Wir teilen uns eine Nichte, unsere Kinder teilen sich eine Cousine. Ihre Schwester ist die Lebensgefährtin meines Bruders.

Dass ausgerechnet ihre beste Freundin ihr erzählt sie sei zu dick, macht sie und mich gleichermaßen betroffen.

Ist es sinnvoll, das Gespräch zu den Eltern zu suchen? Bei den Jungs und dem einen Mädchen macht das keinen Sinn… aber bei der besten Freundin? Ich denke, besonders die Worte der besten Freundin hallen nach.

Ich weiß auch nicht, was ich weiter tun soll?

Wir sagen ihr ständig, dass sie gut und richtig ist, wie sie ist. Aus tiefster Überzeugung.

Wir sagen ihr und ihrem Bruder ständig, dass jeder Mensch anders ist… und dass das gut so ist. Größe, Gewicht, Haarfarbe, Augenfarbe, Hautfarbe… Aus tiefster Überzeugung.

Sie sehen es in unserer Familie und unserem Umfeld – groß, klein, dick, dünn.

Ich versuche meine Murmels zu stärken, ihnen Liebe, Selbstvertrauen und Selbstsicherheit zu geben.

Beim Kita-Ausflug habe ich mit zwei Erzieherinnen gesprochen, die natürlich noch nie etwas mitbekommen haben… aber ein Auge darauf haben wollen. Schon klar…

Wie geht Ihr mit solchen Themen um? Was sagt Ihr Euren Kindern?

Mich überfordert es maßlos, dass es so früh schon Thema ist bzw. dass so was überhaupt Thema ist.

Außerdem finde ich meine Tochter nicht zu dick und meinen Sohn nicht zu langhaarig! So! <3

Wenn einer den Stein der Weisen für mich hat, immer her damit!

Alles Liebe

Tanja

 

Mein Name ist Tanja. Ich bin alleinerziehende, getrennt lebende, berufstätige Mama eines fünfjährigen Zwillingspaares - meine Murmels. Auf Twitter findet Ihr mich unter @Murmelmum und hier im Blog hat die liebe Kerstin mir ein kleines Dauergast-Apartment eingerichtet :-)

2 comments

  1. Ich kenne das. Meine Tochter (6) hört(e) auch ständig von ihrer besten Freundin „Du bist dicker als ich“.

    Dabei ist sie sehr sportlich und ernährt sich erstaunlich gesund („Kannst du nicht die dunklen Nudeln kochen?“, „Sind die Kartoffeln mit Haut? Oh Danke!“, „Kochst du mir Amaranth?“, „Ich mache mir einen Gurken-Möhren-Salat zum Nachtisch“). Sie ist halt nur normal und nicht zierlich. Deswegen dieser bescheuerte Satz.

    Vorher war Gewicht bei uns in der Familie kein Thema. Es gab nicht mal die Idee davon, dass dick oder dünn sein gut oder schlecht ist. Dann hat sich meine Tochter plötzlich Gedanken gemacht, die komplett unnötig sind. Und auch wenn ich versucht hab, ihr zu sagen, dass sie wunderschön ist und gut so wie sie ist und das Gewicht nicht wichtig, machte was mit ihr.

    Ich habe dazu schonmal einen Text geschrieben: https://meinglueck.wordpress.com/2017/06/06/warum-ich-mit-homophoben-afd-waehlern-im-magerwahn-befreundet-mit/

    Mein Fazit in dem Text war: „Mein nächstes Thema wird das Thema Körpergefühl sein.“
    Und deshalb hatte ich mir vorgenommen, mit der Mutter zu reden. Jener Mutter, die ihren Töchtern immer sagt „Iss nicht soviel, sonst wirst du zu dick“. Die Mutter, die selbst extrem auf ihr Gewicht achtet, weil sie als Kind zu dick war.

    Ich habe das Gespräch also geführt und diplomatisch darauf hingewiesen, dass ich denke, dass die Gewichtsvergleiche für meine Tochter schädlich sind. 
Sie hat daraufhin das Handy gezückt und etwas in Richtung „ist es normal, dass Kinder sich vergleichen“ gegoogelt.
Googles Antwort war: Völlig normal.

    Ich find ja gut, dass alles normal und OK ist. Aber in dem Fall hat es natürlich nicht geholfen.

    Ich habe dann wieder versucht, sehr viel mit meiner Tochter zu sprechen. Was geholfen hat war die Frage: „findest du denn Nataschas Mutter schöner als mich?“
    Sie hat überzeugend „nein“ gesagt. Und mein Mann zugestimmt „ich find Frauen wie deine Mama schöner“. Das hat geholfen.

    Außerdem erkläre ich ihr jetzt schon, wie unrealistisch zum Beispiel die Darstellung der Figuren bei „Wendy“ ist und wie gut dagegen, dass es im neuesten „Hanni und Nanni“-Film Mädchen mit unterschiedlicher Figur gibt. Weil Menschen halt unterschiedlich sind und das auch gut so ist.

    Inzwischen ist sie glaube ich so selbstbewusst, dass die Freundin sie nicht mehr damit ärgern kann. Deswegen tut sie es vielleicht auch nicht mehr…

  2. Liebe Tanja,

    Wir hatten solche Themen hier auch schon gehäuft.
    Vorallem die Größe wird hier oft verglichen Oder die Länge der Haare.

    Meine große (7) ist da auch anfälliger, sie nimmt sich immer schon viel zu Herzen und ist immer schon sehr selbstkritisch.
    Hinzu kam dann auch noch“kuck mal was ich für tolle Sachen habe“ und Autos sind nichts für Mädchen. Ich habe immer wieder mit ihr gesprochen, ihr gesagt, dass sie toll ist, wie sie ist. Jeder anders ist und auch sein darf!
    Zum Ende der Kindergartenzeit war sie aber auch selbstbewusst genug, wollte ihre Haare schneiden und fand sich dann ganz super so.

    Der kleineren(4) passt es nur nicht, wenn ihre Freunde (kommen jetzt alle zur Schule) sagen sie sei klein oder könne etwas noch nicht. Aber die ist von sich aus schon recht selbstbewusst.

    Ich drücke die Daumen, dass deine Kinder irgendwann/bald darüber stehen können

    Ganz liebe Grüße

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