Kategorie: Zwillinge

Baby schläft

Der Zauber des GEBURTStages meines Babys // TRIGGER Fehlgeburt

Mein Baby ist jetzt drei Jahre alt. Montag war es soweit mit allem, was so dazu gehört. Geschenke und Kuchen, Kerzen und Luftballons. Viele Luftballons.

Krümelchen ist ein besonderes Kind. Unser Drittes. Ein wildes. Eine Kind, das nicht nur voller Energie ist. Manchmal scheint es die Energie selbst zu sein. Wenn ich die Ruhe habe, dieses Kind einfach zu beobachten – in seiner unfassbaren Lebensfreude und Energie – dann geht mir das Herz auf. Soviel Glück. Er scheint bei allem Tatendrang, den er so zeigt, ganz bei sich zu sein.

Doch Krümelchen ist eben nicht nur Krümelchen. Mein Krümel ist ein Zwilling. Ein alleingeborener Zwilling. Er ist mein Baby mit Schutzengelchen.

Die Schwangerschaft mit Krümel war für mich emotional unfassbar schwierig. Sie war geplant, wie man eben so eine Schwangerschaft planen kann. Die Nachricht, dass es wieder zwei sind, dass da zwei Herzen schlagen, kam theoretisch überraschend.

Praktisch fühlte sie sich sofort richtig an. „Wir sind Zwillingseltern. Wir können nur Zwillinge.“ war mein erster Gedanke. Es passte. Wir freuten uns. Wir wussten genau, wie wundervoll (und ja natürlich auch irgendwie manchmal herausfordernd) Zwillinge sind.

Doch dann kam alles anders. Erst war der Schock. Dann die Angst, der Zwilling könne abgehen und den Krümel mitnehmen. Der Schutzengel aber blieb bei Krümelchen. Er begleitete ihn durch die ganze Schwangerschaft. Und ich wusste nicht wohin mit meinen Gefühlen. Trauern konnte ich nicht, denn Trauer fühlte sich falsch an. Wie ein Verrat an dem kleinen Baby, das da ihn mir wuchs. Das Baby, auf das wir uns so sehr freuten. Das kleine Krümelchen. Ich durfte nicht traurig sein.

Freuen konnte ich mich nicht, denn Freude fühlte sich falsch und unangemessen an. Ich hatte gerade ein Kind verloren, das ich nicht einmal in den Armen halten konnte, dessen Gesicht ich nicht kannte, das noch keinen Namen hatte. Wie sollte ich mich freuen, wenn ich doch gerade um das verlorene Baby trauern musste.

Es war für mich fast zuviel, zumindest zuviel es in Worte zu fassen. Über die Schwangerschaft schrieb ich fast nie, obwohl es das Blog schon gab. Ich sprach es aber aus, denn so oft wurde ich angesprochen, beglückwünscht zu meiner Schwangerschaft und jeder Zweite trat danach in das Fettnäpfchen: „Wieder Zwillinge?

Ich habe es versucht zu lächeln und „nein“ zu sagen. Doch das hat für mich nicht funktioniert. Also habe ich gesagt, wie es ist. „Es waren zwei, doch es schlägt nur noch ein Herz.“ Das war undiplomatisch und vielleicht nicht höflich, aber mein Weg, damit umzugehen.

Nun ist Krümel drei Jahre alt. Die Zeit hat vieles verändert. Nein, die Wunden heilen niemals gänzlich. Trauer verfliegt nicht irgendwann plötzlich. Ich habe nicht vergessen. Aber ich habe meinen Weg gefunden, damit umzugehen.

Ich rede darüber. Nicht täglich. Nicht einmal oft. Aber wenn die Trauer da ist, kann ich sie zulassen. Kann sie aussprechen. Kann sie niederschreiben. 

Krümelchen ist drei Jahre alt. Er hat Montagfrüh die Kerzen ausgepustet und die Geschenke ausgepackt. Er ging stolz mit Kuchen im Gepäck in den Kindergarten. Und bevor ich dann daheim all die Vorbereitungen für den Nachmittag treffen konnte, kamen mir die Tränen. Ich habe sie kommen lassen. Habe mich hingesetzt und an den Schutzengel gedacht.

Die Trauer gehört dazu. Der Schutzengel gehört dazu. Er ist ein Teil von mir, ein Teil von Krümel, ein Teil unserer Familie, wie unser allererstes Sternenkind. Ich habe den Schutzengel beweint, ihm eine Geburtstagskerze angezündet und dann den Kuchen für den Kaffeetisch gemacht. Es war ein schöner Tag. Voller Freude. Und auch voller Trauer. Ich kann die Gefühle heute beide nebeneinander stehen lassen. Sie zulassen. Beide Emotionen gehören zusammen und dürfen gleichzeitig sein. Sie schließen sich nicht aus.

Mein Krümelchen mit seinem ganz besonderen Schutzengel ist drei Jahre alt. <3

Eure Kerstin

Trauer und Freude nach der Geburt eines alleingeborenen Zwillings // Fehlergeburt
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Mut machen Zwillingsschwangerschaft - gegen Sorgen und Angst

Zwillingsschwangerschaft: Ein Gastbeitrag gegen die Angst von Daniela

Kommentare bzw Rückmeldungen aller Art sind das Salz in der Suppe des Bloggens. Warum schreibt man denn ins Internet. Öffentlich. Wenn nicht um gelesen zu werden. Bei mir ging es von Anfang an darum, Ängste zu nehmen. Umso mehr habe ich mich die Tage über eine Mail von Daniela gefreut, die sich bedankte, dass ihr das Chaos-Blog Mut gemacht habe. Gefunden hat sie das Blog in ihrer Zwillingsschwangerschaft. Und heute gibt darf ich von ihr einen Text veröffentlichen. Ich freue mich sehr!

Sehr vieles in dem Text erinnert mich an meine eigene Schwangerschaft und nicht nur die Tatsache, dass es auch bei mir ein Pärchen war.


Diesen Text möchte ich für werdende Zwillingsmamas schreiben, die es von Unruhe und Sorge getrieben nicht lassen können im Internet zu lesen, auch wenn das meistens alles andere als Beruhigung bringt.

Mir ging es jedenfalls letztes Jahr so. Nach ein paar Tagen habe ich mir selbst verboten die Kombination der Worte „Frühschwangerschaft“ und „Zwillinge“ in Suchanfragen zu verwenden – 90% der Treffer wollte ich einfach nicht finden. Ich möchte Euch daher gern hier den Verlauf meiner Zwillingsschwangerschaft erzählen, weil sie so wenig dramatisch war und weil ich glaube solche Geschichten gibt es im Netz zwischen all den schlimmen Stories viel zu wenige. Einige kleine Aufreger gab es natürlich schon, aber ganz ohne kommt glaube ich kaum eine Schwangerschaft aus.

Wir haben sehr früh erfahren, dass wir gleich doppeltes Glück hatten. Weil wir in Urlaub wollten waren wir noch vorher beim ersten Ultraschall, nur eine gute Woche nach dem positiven Test. Zu dem Zeitpunkt waren die beiden nur jeweils mit viel Phantasie ein heller Punkt in einem dunklen Fleck – aber das da zwei Fruchthöhlen waren, das war unbestreitbar. Ich hatte mir von dem Termin eigentlich erhofft, dass damit alles greifbarer und realer wird – stattdessen war die Verwirrung nur größer! Nach diesem Schreck sind wir am nächsten Tag erstmal weg geflogen und haben uns auf den Kanaren plötzlich sehr für die dort zahlreich anzutreffenden Zwillings- und Geschwisterwagen interessiert…

Erst während des Urlaubs erwischte mich dann nach anfänglicher Dauermüdigkeit auch immer mehr die Übelkeit – und zwar 24/7, das ging ab dann für etwa 6 Wochen so. Aber ich hatte noch ziemlich Glück, denn mir war mehr latent schlecht. Eigentlich habe ich immer alles drin behalten was ich gegessen habe, nur Spaß gemacht hat Essen definitiv in diesen Wochen nicht. Trotzdem habe ich für mich rausgefunden, dass Essen auch das Einzige war was half – meine Rettung waren Vollkornbrötchen und -kekse, die ich praktisch über den ganzen Tag verteilt bissenweise gegessen habe. Relativ gut funktioniert hat ungefähr so ein Bissen pro 20 Minuten. Und obwohl ich an manchen Tagen wirklich keine halbstündige Besprechung ohne Essen ausgehalten habe, ist mir erstaunlicherweise keiner meiner Kollegen dahinter gekommen, Glück gehabt!

Unser zweiter Ultraschalltermin war direkt nach unserem Urlaub in SSW9, da bekamen wir zwei exakt gleich große Gummibärchen mit Herzschlag zu sehen, alles prima also. Und darüber haben wir uns schon so richtig freuen können, die Zwillings-Nachricht war also ausreichend gesackt. Damit wurde es dann auch endlich greifbarer – es stimmt schon was alle immer sagen, diesen Herzschlag zu sehen das macht irgendwas mit einem. Wir haben trotzdem weiterhin unser Geheimnis bewahrt und bis in SSW12 gewartet. Es ist Wahnsinn was in den drei Wochen noch weiter passiert – bis dahin waren die beiden deutlich gewachsen, hatten Ärmchen und die konnten sie auch bewegen! Mit dem deutlichen Gefühl, dass sie uns beide zugewunken hatten, sind wir dann auch mit der Nachricht in die Welt hinaus.

Vom Timing her etwas gemein war, was dann ein paar Tage später folgte – ich habe nämlich geblutet. Nachts um 2 Uhr. Wahrscheinlich sieht das immer mehr aus als es ist, aber es war immerhin genug, dass wir direkt mal ins Klinikum gefahren sind. Um da erstmal zwei Stunden auf dem Gang zu warten. Als dann endlich eine Ärztin erschien um mich zu untersuchen, hatte die zwar keine Lust; Zitat: „Sie wissen aber schon, dass ich da nichts machen kann“. Aber was im Ultraschall zu sehen war, hat uns sehr beruhigt: zwei quietschfidele Purzelbäume schlagende kleine Wesen – so aktiv habe ich sie nie wieder gesehen, ich schätze die hatten einiges vom mütterlichen Adrenalin abbekommen. Eine Erklärung für die Blutung ließ sich auch finden, glücklicherweise eine recht harmlose: In dieser Phase haben die Dottersäcke langsam ausgedient und es bilden sich die Plazenten. Und die unseres führenden Kindes oder das was sie mal werden wollte lag blöderweise direkt auf dem Muttermund. In der Konstellation kann sich schnell mal ein kleiner Bluterguss bilden ohne dass das gleich gefährlich ist. Bevor wir gingen, legte die Ärztin aber noch mal nach: „Sie brauchen nicht wieder herkommen, es sei denn Sie bluten so stark, dass Sie eine Ausschabung brauchen oder aber ständig kollabieren…“. Na herzlichen Dank aber auch! Man sollte sich schon vor der Berufswahl klarmachen, ob man Nachtdienste und Arbeit mit Menschen kombinieren will… so sind wir ohne jegliche weitere Empfehlung wieder heim. Am nächsten Tag hat mich meine niedergelassene Gynäkologin dann beraten und für zwei Wochen nach Hause auf die Couch geschickt – danach war alles wieder gut. Und die Plazenta ist auch nicht dort unten geblieben sondern brav hochgewachsen in den nächsten Wochen.

Im Anschluss begann, so wie es alle immer sagen, die schönste Zeit der Schwangerschaft. Das zweite Trimester wie es im Buche steht: keine Übelkeit mehr, ein wachsendes Bäuchlein, das immer mehr wahrgenommen wird von der Umwelt, aber noch nicht sehr stört und die ersten zart spürbaren Kinderbewegungen. Gut, in der Phase wächst der Bauch dann irgendwann schon ziemlich rasant, was mitunter ganz schön spannt und auch die Tritte und Knüffe werden erheblich heftiger mit der Zeit, aber schön war es trotzdem. In diesen Wochen haben wir begonnen einzukaufen und die großen Anschaffungen wie Kinderwagen, Babyschalen, Möbel etc. zumindest auszusuchen. Anziehsachen haben wir praktischerweise im Paket von Freunden kaufen können, die ihre loswerden wollten und außerdem von Anderen zusätzliche Sachen geliehen bekommen. Beide hatten auch zierliche Kinder und deshalb einiges in Größe 50.

Außerdem stand natürlich noch eine andere wichtige Entscheidung an, um die wir uns in der Zeit gekümmert haben. Die Auswahl der richtigen Geburtsklinik. Für uns kristallisierten sich zwei Möglichkeiten heraus: zum einen das große Klinikum in dem wir schon mal nachts gewesen waren, mit Kinderstation höchster Stufe und allem drum und dran. Und zum anderen eine kleine familiärere Klinik, die Geburten ab SSW37 machen darf mit allgemein guten Bewertungen. Die Infoabende unterschieden sich deutlich. Im Klinikum hieß es zwar auch „wenn es gut läuft bekommen Sie gar keinen Arzt zu Gesicht“ aber reden durften nur der Chef der Gynäkologie und der von der Kinderklinik und beide zählten auf für welche Schwierigkeiten sie alles gerüstet seien. In der kleinen Klinik wurde die Veranstaltung von einer Hebamme geleitet! Vielleicht lag es auch an unserem nächtlichen Ausflug und der blöden Ärztin, aber ich habe mich sofort in der kleinen Klinik wohler gefühlt. Daher haben wir die Entscheidung erstmal vertagt – bei irgendwelchen Komplikationen kam ja ohnehin erstmal nur das große Klinikum in Frage und sollte es gut laufen blieb ja noch Zeit.

Der letzte, immer noch schöne aber beschwerlichere Teil der Schwangerschaft wurde dann in SSW28 von meiner Gynäkologin eingeläutet: Im Ultraschall war in meinem bis dahin mustergültig 4 cm langen Gebärmutterhals ein kleiner Trichter von 1,5 cm zu sehen – da hat sie mir sehr ruhig aber bestimmt direkt ein 100%iges Beschäftigungsverbot verpasst. Und das wo ich gerade erst wegen zunehmender Rückenbeschwerden eine Reduzierung auf täglich 5 Stunden organisiert hatte…möp! Ich muss schon sagen, dass ich einige Tage gebraucht habe um mich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Ich war zwar nicht so naiv, dass ich dachte ich schaffe es sicher bis zum regulären Mutterschutz, aber ich hatte eigentlich gehofft, mit der Reduzierung geht das noch eine Weile. Ich habe mich dann aber doch ganz gut entschleunigt bekommen und war brav. Bedeutet konkret, ich habe ab da viel Zeit auf dem Sofa verbracht, immer abwechselnd auf der linken und der rechten Seite liegend. Das wurde damit belohnt, dass beim Nachschauen eine Woche später der Trichter wieder weg war. Daraufhin meine Gyn zu mir mit strengem Blick: „Sie wollen jetzt aber nicht wieder arbeiten oder!?“ Ich bin mir sicher, sie hätte das nicht zugelassen. Aber ich wollte auch gar nicht mehr. Langsam wurde der Bauch einfach schwer, langes Stehen machte keinen Spaß mehr, langes Sitzen auch nicht und Autofahren schon gar nicht. Aber abgesehen davon ging es mir gut. Rückblickend gesehen waren die Wochen, die dann folgten so etwas wie meine Mutterschutzzeit: da haben wir Möbel aufgebaut und ich habe Babysachen gewaschen, sortiert und eingeräumt, habe mir jeden Tag eingekauft und gekocht worauf ich Lust hatte und das dann – meist in mehreren Portionen – aufgegessen. Der Hunger war eigentlich groß, aber viel auf einmal Essen war nicht mehr möglich, eine eigentlich fiese Kombination – aber ich hatte ja den ganzen Tag Zeit.

Ewig ging das aber nicht so weiter, denn in SSW32 war der Trichter wieder da. Diesmal war es umgekehrt, der Trichter war 2,5 cm tief und der Rest 1,5 cm. Das macht, wie ich gelernt habe einen großen Unterschied, denn bei unter 2 cm funktionaler Restlänge wird die Schulmedizin standardmäßig nervös. Zumindest vor Ende der 34. SSW, solange die Lungenreife noch nicht abgeschlossen ist. Meine Ärztin formulierte es so: „Wollen sie heute noch ins Klinikum fahren oder lieber erst morgen?“ Ups! Bevor ich wieder gehen durfte, erwähnte sie noch einen Fibronektin-Test, den die im Krankenhaus machen könnten und sollten. Kleiner Tipp noch am Rande, besser nicht dem Ehemann schreiben „nimm dir morgen frei, wir müssen ins Klinikum“ kurz vorm CTG und dann eine halbe Stunde nicht antworten. Er war ziemlich aufgescheucht hinterher…

Den Fibronektin-Test haben sie dann im Klinikum am nächsten Tag auch direkt als erstes gemacht. Diesen Test kann ich wirklich nur jedem schwer ans Herz legen, der in eine ähnliche Situation kommt. Fibronektin ist ein körpereigenes Klebeeiweiß und es gibt davon wohl eine ordentliche Schicht zwischen der oder den Fruchtblasenhüllen und der obersten Gebärmutterschicht. Die Schicht klebt praktisch kindliche und mütterliche Infrastruktur zusammen. Am Ende jeder Schwangerschaft löst sich diese Schicht auf und das Fibronektin wird im Abstrich nachweisbar. Ist es das vor SSW35, deutet das auf eine drohende Frühgeburt hin. Super ist der Test aber im anderen Fall, wenn trotz z.B. verkürztem Gebärmutterhals kein Fibronektin nachweisbar ist. Eine solche Verkürzung kann nämlich ein Anzeichen auf eine drohende Frühgeburt sein – oft bedeutet es aber auch nur, dass die Schwangerschaft einfach 2 cm tiefer ganz normal weiter verläuft. Und leider steht eben nicht dran, welcher Fall gerade vorliegt.

Bei mir war der Test negativ. Daraufhin schaute mich die (übrigens sehr nette) Ärztin im Klinikum aber etwas seltsam an und meinte „ich muss Ihnen aber trotzdem empfehlen sich stationär aufnehmen zu lassen und die Lungenreife durchführen zu lassen“. Ich glaube da habe ich sie seeehr verständnislos angeschaut und daraufhin hat sie äußerst vorsichtig genauer erklärt: „Der Test ist für Zwillinge nicht zugelassen, daher kann ich Ihnen nichts anderes raten. Aber es ist Ihre Entscheidung, was sagt denn Ihr Bauchgefühl?“ Das war eine echt blöde Situation, doch nach einigem hin und her überlegen sind wir wieder heim gefahren. Und ich war die nächsten zwei Wochen zu Hause noch braver als zuvor. Ob das notwendig war weiß ich nicht, aber geschadet hat es nicht, denn alle Werte waren in den folgenden vier Wochen konstant – das wurde mehrmals kontrolliert, anfangs sogar alle zwei Tage – und dann war die Lungenreife kein Thema mehr.

Ich will hier auf gar keinen Fall gegen die Lungenreifespritzen reden, die sind wirklich ein Segen für Frühgeborene und können den Unterschied zwischen atmen können und nicht atmen können ausmachen. Aber sie haben natürlich auch Nebenwirkungen, können z.B. Wehen auslösen und daher sollte man sich schon genau überlegen, ob sie wirklich notwendig sind. Und in unserem Fall waren sie es glücklicherweise nicht, der Test und mein Bauchgefühl hatten recht.

Apropos Bauch, ich habe sehr oft die Bemerkung gehört „der ist aber klein für Zwillinge“. Das letzte Mal, **Achtung Spoileralarm** während ich durch die OP-Schleuse geklettert bin. Vielleicht sind mir deshalb die meisten üblen Nebenwirkungen einer Zwillingsspätschwangerschaft erspart geblieben, die man so im Netz lesen kann. Ich konnte meinen Ehering bis zum Schluss tragen, die Rückenschmerzen ließen nach sobald ich nicht mehr gearbeitet habe und schlafen konnte ich auch bis zum Schluss, zwar nur in kurzen Etappen, weil drehen im Schlaf ging irgendwie nicht mehr aber das war schon mal eine gute Vorbereitung auf die Stillzeit. Und von Ischiasschmerzen und Sodbrennen weiß ich jetzt zwar wie sie sich anfühlen, aber es hätte viel schlimmer kommen können… ich will damit nur sagen, nicht jeder bekommt alles, keine Panik! Sogar Schwangerschaftsstreifen habe ich erstaunlich wenige abbekommen, nur an einer Stelle in der Nähe des Bauchnabels sind welche. Da bin ich morgens davon wach geworden, das irgendjemand irgendein recht spitzes Körperteil so weit ausgefahren hatte, dass es richtig weh tat. Und genau an dieser Stelle sind jetzt ein paar – das war wohl zusammen mit der allgemeinen Dehnung einfach zu viel. Ich habe immer so viel gegessen wie ich konnte und Hunger hatte, aber zugenommen habe ich insgesamt weniger als 15 kg und mit der Geburt gleich wieder 10 kg davon abgenommen – ich erinnere mich noch gut was für ein herrliches Gefühl es war plötzlich wieder ganz einfach aus der Hocke aufstehen zu können! Dafür habe ich ein paar Krampfadern und eine lästige Hämorrhide gewonnen und jede Menge Haare gelassen. Irgendwas erwischt eben doch jeden 😉

So langsam wurde eine Entbindung in der kleinen Klinik realistisch. Meine Gynäkologin war einverstanden damit zweigleisig zu fahren und wir haben von ihr zwei Überweisungen für zwei Geburtsvorbereitungsgespräche bekommen. Aber irgendwie hatte ich mir die kleine Klinik in den Kopf gesetzt, das war auch einfach ein schönes Ziel. Und jetzt war ich fast soweit und jetzt wollte ich da auch hin.

Am Ende haben wir es sogar bis zum Termin des geplanten Kaiserschnitt bei 38+0 geschafft. Der Gebärmutterhals war zwar komplett verstrichen, der Muttermund schon ein wenig auf und meine Tochter hat sich die letzten Tage eigentlich Mühe gegeben ihre Fruchtblase zu sprengen. Aber letztlich kam das alles nicht dagegen an, dass ich erkältet war, so richtig fies mit Stirnhöhle – und der Bauch wahrscheinlich deshalb die letzten Tage völlig ruhig war bis es mir pünktlich zum vereinbarten Termin wieder besser ging. Mein Wunsch nach einer natürlichen Geburt hat sich leider nicht erfüllt. Das lag daran, dass unsere Tochter unten in BEL in einem eigenwilligen halben Schneidersitz saß. Daher wurde uns doch deutlich davon abgeraten es natürlich zu versuchen, auch in der kleinen Klinik. Aber letztlich war auch der Kaiserschnitt in Teilnarkose ok: beide Kinder waren fit und brauchten keinerlei Unterstützung, ich habe ihre ersten Schreie hören und sie direkt sehen und berühren dürfen. Und nach etwa einer Woche war ich auch wieder halbwegs hergestellt. Das habe ich bei der Fahrt nach Hause dadurch bewiesen, dass ich ins Auto hinten auf den Mittelsitz geklettert bin ohne dass mein Mann eine der Isofix-Stationen ausbauen musste. Meine Kinder wogen bei der Geburt etwa 2600 bzw. 2700 g – also genug und ziemlich genau gleich viel – und eigentlich war es ja nett von ihnen, dass es nicht viel mehr war.

Somit war für uns die Entscheidung für die kleine Klinik genau die richtige. Wir waren praktisch für die schon ein komplexer Fall, was uns hier und da ein bisschen extra Aufmerksamkeit eingebracht hat, im positiven Sinne. Sie hatten auch eine Menge Geduld mit mir, die unbedingt stillen wollte. Und wir hatten das große Glück, dass beide Kinder von Anfang an getrunken haben.

Ich habe in den folgenden Monaten sehr viel Zeit mit Stillen zugebracht. Wir hatten recht kurze Stillabstände von oft nur 2 Stunden oder weniger wenn sie wach und aktiv waren, vielleicht reichte die Milch nur so. Und einzelne Mahlzeiten gingen auch recht lang, weil mein Sohn so ein langsamer Genusstrinker war und schwer beleidigt wenn ich versucht habe ihn vorzeitig abzuwürgen – das wurde erst nach etwa vier Monaten schlagartig besser als das restliche Leben auch immer spannender wurde. Wir hatten ein Sofa dauerhaft zur Tandem-Stillburg umfunktioniert, sodass ich dabei bequem saß und die beiden die ersten Monate tagsüber eigentlich immer gemeinsam gestillt habe. Tandem-Stillen ist auch vor allem anfangs als Troststrategie unbezahlbar um allein zwei schreiende Kinder zu beruhigen – mein Mann war nach einem gemeinsamen Monat zu Hause dann wieder arbeiten. Nachts habe ich die Kinder aber abwechselnd gestillt, denn im Liegen kann man dabei sogar schlafen. Wer jetzt sagt „um Himmels Willen, das kann ich mir nicht vorstellen, da hätte ich zu viel Angst“, dem kann ich nur erwidern „das dachte ich vorher auch…!“ Aber mit den ganzen Stillhormonen habe ich mich im Schlaf tatsächlich keinen Millimeter bewegt, sondern bin stattdessen irgendwann davon aufgewacht, dass mir die Hüfte weh tat. Natürlich klappt Stillen auch nicht immer gut, der Anfang ist mühsam und auch wenn es dann gut läuft, kann es immer wieder plötzlich schlechter laufen. In solchen Phasen können Zwillinge sogar ein großer Vorteil sein – z.B. wenn man zwei Kinder auf einen Milchstau ansetzen bzw. -legen kann oder wenn ein Kind noch gut trinkt und den Fluss für beide am laufen hält.

Zusammenfassend kann ich sagen, meine Schwangerschaft lief wie am Schnürchen. Ein uraltes Programm, das einfach von alleine ablief und das genau so wie es sein sollte, auch ohne dass ich es in allen Einzelheiten verstanden habe. Früher fand ich den Ausdruck „guter Hoffnung sein“ immer altmodisch und sperrig, aber jetzt habe ich verstanden was er bedeutet, denn genau darum geht es. Und das heißt heute vor allem, sich bloß nicht in Panik versetzen zu lassen von all diesen möglichen aber nicht immer sinnvollen Tests oder statistisch leicht erhöhten Risiken. Eine Zwillingsschwangerschaft ist zwar per se eine Risikoschwangerschaft, aber den Stempel bekommen Dank der vielen Kriterien 70% (!) aller Schwangerschaften – da haben die anderen 30% schon fast das Pech einfach zu langweilig zu sein. Meine Schwangerschaft wurde zwar zeitweilig ziemlich engmaschig überwacht, aber letztlich haben auch die Ärzte nur zugeschaut und gestaunt aber nie eingegriffen – mal abgesehen von der Abkürzung am Ende.


Liebe Daniela, danke für deine Mail und deinen Beitrag. <3

Ich wünsche euch weiterhin alles gute im fröhlich, turbulenten Familienalltag. <3

Deine Kerstin

Geburtstagsshirts für Zwillingspärchen zum 5. Geburtstag

Aus dem kunterbunten Leben: Zwillingsgeburtstag

Servus, da bin ich. Mich gibt es noch. 😉 Theoretisch liegen in den Entwürfen ganz viele fast fertige Texte und doch schreibe ich heute einfach mal, wonach mir der Kopf steht. Wie so ein Buddenbohm. Mag ich ja. Mach ich selten.


5 Jahre Mama

Das Blog wurde vor ein oder zwei oder drei Wochen vier Jahre alt und ich habe es nicht gefeiert. Skandal.

Viel spannender ist der Umstand, dass ich nun bereits fünf Jahre Mama bin! Zwillingsmama! Denn meine kleinen Babys wurde gestern fünf Jahre alt! Yeah!

Und sie sind so gar nicht mehr klein und gar keine Babys mehr. Sie sind richtige kleine Leute mit sehr eigenem Kopf und zudem auch schon im körperlichen Sinne wahnsinnig groß. Ja, das geht tatsächlich alles furchtbar schnell.

Die Geburtstagsvorbereitungen verliefen wie jedes Jahr ziemlich spontan-chaotisch. Das liegt zum einen daran, dass ich nachwievor nicht viel davon halte, es zu übertreiben und es dann aber gerne kurzfristig vermutlich doch mache. Spontan-Eskalation kann ich eben. Zum anderen planen die Zwillinge ihren Geburtstag seit elfeinhalb Monaten und auch ich immer habe immer mal wieder tolle Ideen. Aber die sind halt immer nur im Kopf.

Ja, ich könnte und wollte tolle Kuchen zaubern und Deko basteln und boah so ein Themengeburtstag wäre auch fein. Wenn es nach den Zwillingen ginge, dann hätte es einen Regenbogen-Feuerwehr-Ritter-Glitzer-Batman-Einhorn-Schmetterlings-Transformer-Geburtstag gegeben, denn die Wünsche wechseln täglich. Zumal sie vermutlich das Konzept Themen-Geburtstag nicht ganz verinnerlicht haben und leider über keinen eigenen Pinterest-Zugang verfügen.

Spontan ist super. Chaotisch.

Immerhin hatten sie mehr oder weniger präzise Wünsche geäußert. Der eine mehr, die andere weniger. Was das Besorgen von Geschenken erleichtert oder halt auch erschwert. Da waren wir dann aber nicht einmal knapp dran.

Richtig vorbildlich hatte ich auch schon vor Wochen Stoff für die Geburtstagsshirts besorgt, denn das war der einzige konkrete Wunsch der Tochter: Ein Elfen-Geburtstagsshirt.

Dummerweise habe ich mit dem Nähen bis wenige Tage vorher gewartet, dann meine Schnittmuster alle nicht mehr gefunden (fragt nicht!), dann ewig gebraucht neue Schnittmuster vorzubereiten, natürlich erstmal alle Teile verkehrt zusammengenäht und musste chaotische Überstunden schieben.

Fünf Tage vor dem Geburtstag wusste ich nicht einmal, wann wir Kindergeburtstag feiern. Da habe ich mich dann schon gefragt, worum das bei mir quasi immer so läuft. Warum ich mir niemals nie angewöhnen kann, etwas früher anzufangen. Nicht, dass ich Sorgen hätte, am Ende nicht fertig zu werden oder meine, dass alles perfekt sein müsse, aber es könnte doch entspannter ablaufen!!!

Tut es hier aber nicht. Weil wegen isso.

Geburtstagsshirts für Zwillinge zum 5. Geburtstag

Wir feiern wie die Feste fallen

Sonntag stand ich dann also in der Küche und rührte ganz liebevoll drei Backmischungen Muffins zusammen. Denn für den Kindergarten mussten es Schoko-Muffins mit Smarties werden. So muss das. Sagen die Zwillinge.

Hat Mama fein gemacht.

Und dann noch Schoko-Mini-Guglehupf gebacken, denn meiner Meinung nach gehören auf die Teller der Geburtstagskinder am Morgen KUCHEN! Ohne geht nicht.

Die Nacht vor dem Geburtstag ist mit fünf Jahren nicht mehr zum Schlafen da. Wer sich also fragt, wann das anfängt: Bei uns jetzt!

Ab ein Uhr musste Sonnenschein stündlich prüfen, ob schon Morgen und Geburtstag ist. War es dann um fünf. Weil wir aufgaben. Es gab ein Wohnzimmer voller Luftballons und Girlanden und Luftschlangen und Kerzen, die alle bunt und thematisch exakt auf GEBURTSTAG!!! abgestimmt waren. Kommentar Krümel: „Oh das ist schön geschmückt! Wo ist der Tannenbaum?“

Kerzen auspusten, Geschenke auspacken, Kuchen anknabbern, keine Zeit haben!!! Kindergarten! Ja, machen wir. Alles. Mit Sack und Pack, denn auch Smarties zum Verteilen im Stuhlkreis („Es müssen Smarties sein, weil die dürfen alle essen, Mama!“) Vermutlich waren wir schon seit einem Jahr nicht mehr so zeitig im Kindergarten. Uff.

Das Geburtstagsshirt wurde übrigens vom Sonnenschein gekonnt ignoriert. „Ziehe ich irgendwann später vielleicht mal an.“ Und von seiner Zwillingsschwester kritisiert. „Die Elfe hat keine Flügel, deswegen ist sie keine Elfe und überhaupt ist mir das Shirt zu lang.“ Ich habe es wohl drauf.

Nachmittags reihten sich im Garten um das Planschbecken und liebevoll von der Tiefkühltruhe gebackene Torten die Omas und Opas, ein Patenonkel schaute auch noch rein und alles war fein.

Denn wir werden nochmal feiern am Wochenende. Und zum Kindergeburtstag. Und dann habe ich ja noch bald Geburtstag und dann der Krümel. Der fand das nämlich doof, dass er gestern nicht Geburtstag hatte. Ist es ja auch.

Und sonst so?

Habe ich wie immer keine Zeit. Oder einfach zuviele Dinge für zu wenig Zeit. Ja, ich schreibe gerade wenig hier, aber da war halt dieses Geburtstagsding, dann ganz nebenbei noch das neue Podcast-Projekt KommaKaffee (WERBUNG: dürft ihr sehr gerne reinhören) bei dem immer noch nicht alles fertig ist, dann Arbeit abseits dieses kleinen Blogs, dann soviel Sommer zum genießen, dann Alltag und nochmehr Alltag und ach das Leben. Ich mag das Leben.

Und nun muss ich schon wieder fix machen. Gleich steht das erste Fußballspiel der jungen Mini-Kicker-Karriere an. Ich muss noch Fähnchen besorgen und mich in ein Fan-Outfit werfen, unqualifizierte Zwischenrufe üben und meine Nerven vorbereiten.

Es grüßt mitten aus dem Leben,

Eure Kerstin


P.S.: Die Erzieherinnen haben ausrichten lassen, dass die Muffins sehr lecker waren. 😉

Zwillinge – Flexibilität in der Persönlichkeitsgestaltung

Da ich aktuell ja mich sehr dolle bemühe, ein wenig zu entspannen und ganz entspannt dieses Mutter-Kind-Kur-Zeug durchziehe, gibt es für euch hier mal einen Text einer anderen Zwillingsmutti zu lesen. Einer mit doppelkindern. Der Juli nämlich. Die kann auch schreiben (ich will nur nicht zugeben, dass sie das besser kann als ich) und wohnt bei mir fast nebenan. Trotzdem kommunizieren wir zu 99% via Instagram. Aber wenn man einmal erlebt hat, wie wir versuchen zu telefonieren, ist es vermutlich auch sicherer so.

Sandige Grüße sendet,
Eure Kerstin


Nach mehr als zweieinhalb Jahren im Zwillingsmama-Business kann ich eines mit Sicherheit sagen:

Nichts bleibt wie es ist. Keine Phase, kein Schub, keine Laune, kein Tief – aber auch kein Hoch währt ewig. Doch dass auch die Persönlichkeiten der Kinder einen bunten Wechselreigen betreiben,hätte ich vor der Geburt nicht gedacht. Der Erstgeborene war mit 2600 Gramm im Vergleich zu seinem 3-Kilo-Bruder ein ziemliches Fliegengewicht. Doch das machte er mit Persönlichkeit wett.
Er erschien überraschend unabhängig für ein Baby, holte sich zwar seine Muttermilch an der Brust ab, forderte auch Nähe ein, wenn es ums Schlafen ging, doch hatten wir bei Zwillbo Eins schon nach kurzer Zeit ziemlich deutlich das Gefühl, dass er irgendwie „sein Ding“ macht.

Der Zweitgeborene hingegen wollte vor allem eins – oder besser gesagt Eine: Mama. Während sein Bruder auch durchaus mit dem Zwillingsvater vorlieb nahm, hätte Nummer Zwei am liebsten den Tag stillenderweise an meiner Brust zugebracht. Aua. Insgesamt macht Zwillbo Zwo den Eindruck, viel bedürftiger zu sein. Zwar schliefen beide Kinder in den ersten acht Wochen vornehmlich auf anstatt neben uns. Doch konnte der Zweitgeborene von mütterlichem Körperkontakt gart nicht genug bekommen. Und machte dies unmissverständlich klar, während sein Zwilling auch durchaus schon mal aus Versehen alleine irgendwo im Liegen einschlummerte.

Nach etwas drei Monaten auf dieser Welt legten die Kinder – scheinbar einer geheimen Absprache folgend – die Schalter um. Zwillbo Zwei beschränkte seine Kuscheleinheiten auf die Nacht und begann tagsüber, die Welt zu erforschen, nach allem zu greifen, was nicht niet- und nagelfest war und mit großen Augen das Geschehen um sich herum in sich aufzusaugen. Zeitgleich wurde aus dem Erstgeborenen ein kleines Klammeräffchen. Fortan schlief er noch lieber in der Trage als zu Beginn, Tage ohne mehr oder weniger dauerhaften Körperkontakt waren so ziemlich alles außer erwünscht.

Der Zwillingspapa und ich staunten nicht schlecht ob dieses Wechsels. Schließlich griffen wir als Anfänger-Eltern noch nach jedem Strohhalm, der auch nur ansatzweise die Aufschrift „Konstante“ zu tragen schien. Doch im Laufe der Monate stellten wir fest: Als Eltern kannst du dir im Grunde genommen bei so gut wie gar nichts sicher sein. Außer vielleicht beim horrenden Windelverbrauch und beim Schlafmangel. Darauf ist Verlass. Aber zumindest bezüglich letzterem soll es ja auch Ausnahmebabys geben, die nachts darauf verzichten, aktiv Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Unsere gehörten nicht dazu.

Irgendwann erkannten wir, dass immer ein Zwilling den etwas selbstsichereren, forscheren Part übernimmt, während der andere in seinem Windschatten segelt.
Stets erfolgte nach etwa drei bis sechs Monaten ein Rollentausch. Hey – das ist doch eine Konstante in der Inkonstanz!
Der Zweitgeborene war lange Zeit der geräuschempfindlichere von beiden. Aktuell kann ihm eigentlich kein Motor und kein Getöse zu laut sein – dann lacht er, dass die Wände wackeln. Der Erstgeborene hingegen, neben dem man monatelang exzessiv im Thermomix Nüsse schreddern konnte, ohne dass er auch nur gezuckt hätte, ist aktuell beim kleinsten Geklapper zutiefst beunruhigt.

Etwa zwei Jahre lang wäre es Zwillbo Zwei nicht eingefallen, ohne elterlichen Körperkontakt einzuschlafen. Im Gegenteil: Am liebsten trat er auch noch als Kleinkind den Weg ins Traumland an, indem er mindestens halb auf einem Elternteil lag. Vorzugsweise auf mir. Sein eine Minute älterer Bruder rollte sich hingegen irgendwann einfach neben uns ein, gab dem Sandmann ein High Five und war durch mit der Einschlafbegleitung. Seit gut drei Monaten ist es genau umgekehrt und Nummer Eins scheint kurz vorm Einschlummern noch einmal alle Kuscheltanks randvoll machen
zu müssen, während sein Bruder mehr oder weniger unbeeindruckt von meiner oder der väterlichen Anwesenheit wegpennt.

Während der Zweite die Autonomiephase tendenziell mit Impulsivität und Wut abfeiert, neigt sein Zwilling zu Tränen der Verzweiflung und irgendwie zu einer sensibleren Art der Emotionalität. Er trauert eher als dass er wütet. Faszinierend ist es einmal mehr zu beobachten, wie zwei Kinder zeitgleich und doch unterschiedlich ihre Entwicklungsschritte vollziehen. Zu sehen, wie dynamisch all diese Prozesse sind, wie unterschiedlich sie ihren Weg gehen, der einerseits der Selbe ist, weil sie ihn gemeinsam beschreiten, den jedoch jeder von ihnen auf seine Art bewältigt. Wie durch ein unsichtbares Band verbunden, scheinen sie stets ganz genau zu wissen, wer von ihnen gerade mal ein kleines Stück vorangehen muss, damit der andere mit sicherem Gefühl folgen kann. Ich wünsche mir ein bisschen, dass sie diese feinen Antennen füreinander niemals ganz verlieren, auch wenn eines Tages ein jeder von ihnen seines eigenen Weges zieht.

Zwillingspärchen

RESPEKT! Ihr macht das großartig!

Eigentlich wollte ich gerade etwas ganz anders schreiben oder sogar was ganz anderes machen. Nämlich endlich das Thema Mutter-Kind-Kur angehen, aber dann kam mir etwas dazwischen. BEITRAG HIER ANSEHEN

Zwillinge sind ganz besonders

Zwillinge sind zwar nicht extrem selten, aber sie sind schon etwas besonderes. „Zwillinge sind eben einer mehr als sonst,“ sagte damals der Chefarzt meiner Entbindungsklinik.

Und das fasst es ganz gut zusammen. Zwillinge sind kein Grund in Panik auszubrechen, aber es ist eben einer mehr. In dem Facebook-Post habe ich einen Beitrag verlinkt, der kurz humorvoll sagt:

Es gibt keine Quasi-Zwillinge. Wer zwei Kinder mit kurzem Altersabstand hat, der hat zwei Einlinge mit kurzem Altersabstand und eben keine Zwillinge.

Zwillingseltern stehen vor besonderen Herausforderungen und das kann ich als Mutter von Zwillingen und einem Kind, das zumindest allein geboren wurde (mit dem Ausdruck Einling tue ich mir bei Krümel nachwievor schwer), so bestätigen.

Zwillinge sind eine besondere Herausforderung

Es ist eben nicht ein Baby, das gerade schreit. Es ist tatsächlich wesentlich schwieriger, zwei Säuglinge zu stillen, als nur eines. Mit Krümel an der Brust konnte ich den beiden Kleinkindern hier prima hinterherrennen, während ich bei den Zwillingen festgenagelt mit freiem Oberkörper in meiner Burg aus Stillkissen auf dem Sofa verharrte.

Man kann auch nicht mal eben so wie andere Mütter. Dnn jeder PEKiP-Kurs und jeder Einkaufsbummel mit dem doppelten Glück erfordert besondere Planung. Es ist eben immer einer mehr, auf dessen Bedürfnisse man eingehen muss.

Aber anders als in dem Beitrag muss ich sagen, dass es für uns gerade WEIL es die ersten waren, gar kein Drama war. Wir kannten es nicht anders, dann wächst man eben in diese alles-doppelt-Sache rein und gut.

Keine Zwillinge sind auch eine besondere Herausforderung

Doch wie schon Tanja hier mal schrieb, ist auch vieles sehr viel leichter mit Zwillingen. Denn anders als zwei unterschiedlich alte kleine Kinder sind Zwillinge immer in der gleichen Entwicklungsstufe.

Zwillinge sind quasi höchst effizient und damit manchmal einfacher zu versorgen als zwei Kinder mit geringem Altersabstand. Ich musste mich nur mit dem Thema Stillen oder eben Flasche oder eben Brei befassen und nicht während ich ein Kind stillte, das andere Kind belustigen und ihm kleine Reiterchen ins Leberwurstbrot schneiden.

Wenn ich mich auf der Krabbeldecke zum Idioten machte, giggelten zwei kleine Würmchen und es gab keines, das währenddessen davon rannte. Es gibt nicht das eine Kind, das schon versucht mit Bauklötzen einen Turm zu bauen, während das andere ihm ständig die Bauklötze klaut, um sie anzusabbern.

Manches ist einfacher – manches ist kompliziert

Zwillinge gehen gleichzeitig zur Tagesmutter oder später in den Kindergarten oder zur Schule. Ob nun in eine Gruppe/Klasse oder nicht. Heute fahre ich zB erst die Zwillinge in den Kindergarten und dann den Krümel zur Tagesmutter. Ich bin zweimal am Tag dafür fast eine Stunde unterwegs.

Ich finde keine Turnkurse oder Spielgruppen, die allen drei Kindern gerecht würden und muss mich daher immer zweiteilen, mir Hilfe holen oder es lassen. Unsere Kinder haben keinen extrem kurzen Altersabstand mit ihren 26 Monaten, aber die Großen sind noch nicht so alt, dass ich sie irgendwohin alleine/selbstständig schicken könnte, während ich etwas mit dem Krümel mache.

RESPEKT, dass du das so toll machst

Jede Alters-Konstellation hat ganz besondere Herausforderungen. Ich stelle es mir zB unglaublich schwierig vor, wie meine Freundin vier Kinder verteilt auf 15 Jahre zu haben. Alle mit recht großem Abstand, völlig anderen Interessen und ganz anderen Bedürfnissen.

Und sie macht das ganz wunderbar. Ich habe da sehr großen Respekt vor.

Meine Schwiegermutter hatte ebenfalls drei Kinder – mit großen Altersabständen. Ich behaupte durchaus, dass sie keine Erfahrungen hat, wie das so ist mit drei Kleinkindern daheim und den konkreten Herausforderungen. Aber ich habe riesigen Respekt vor ihr, wie sie das mit drei Kindern, dem Beruf, dem Haushalt, dem Hund und diesem ganzen Gedöns geschafft hat. Ihre Herausforderungen waren andere als meine heute.

Ich habe enormen Respekt vor meinen Freundinnen mit zwei oder drei Kindern, die sehr geringe Altersabstände haben. Wie die das immer schaffen! Das eine läuft gerade und ist auf dem besten Weg in die Trotzphase, während das kleine Würmchen ständig geschaukelt werden muss.

Nein, Zwillinge sind nicht wie zwei einzelne Kinder mit geringem Altersabstand. Aber sie sind auch nicht aus Prinzip deutlich anstrengender oder deutlich einfacher zu versorgen als zwei einzelne Kinder. Zwillinge haben ist anders. (Für mich übrigens besonders wundervoll, aber das ist meine persönliche Meinung.)

Man sollte niemals das gegeneinander aufrechnen oder die Leistungen anderer Eltern kleinreden. Wir leisten alle hier ganz Großes für unsere Kleinen. Ihr habt alle meinen Respekt!

Eure Kerstin

 

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