Tag: Erholung

Kur-Tagebuch: Und jetzt? Alltag nach der Mutter-Kind-Kur

PLATSCH! Alltag. Wieder zurück! *wumms*

So eine Mutter-Kind-Kur hat ja eine begrenzte Dauer. Irgendwann ist sie zu Ende. Und im Idealfall sollte man aus dieser Kur etwas mitnehmen in den Alltag. Wie gut hat das denn bei uns geklappt?

Der Alltag kommt mit Vorschlaghammer

Mittwoch. Der Tag nach der Kur. Die Kinder sind im Kindergarten und bei der Tagesmutter und ich? Ich bin wieder zu Hause!

Frisch erholt und entspannt. Ich habe unfassbar viele optimistische Pläne. Vor allem will ich so viele Dinge jetzt sofort angehen und sehr viele Dinge müssten nun dringend, weil sie liegen geblieben sind. Aber ich sage mir mantra-artig: Nicht alles gleich am ersten Tag!

Setze Prioritäten und hab Mut zur Lücke. Ich überlege mir tatsächlich, was mir wichtig ist und was ich wann erledigen möchte, beschließe die Wäsche heute am Tag eins danach zu ignorieren und mich auch sonst nicht zu überschlagen. Ja, ich bin produktiv, denn ich bin total moviert und habe Power. YEAH!

Und dann kommt die Keule. Es fühlt sich für mich zumindest so an, als am Donnerstagmorgen auf meinem Handy die Nachricht erscheint, dass die Tagesmutter ausfällt. Für eventuell Wochen. Sie ist gestürzt.

Es fühlt sich an wie eine Strafe für mein sorgloses und optimistisches Denken am Vortag. Es fühlt sich an wie die Bestätigung dafür, dass ich niemals nie einen Tag langsam machen kann, denn es könnte der letzte Tage für die nächsten Wochen sein, an dem ich produktiv sein kann. Ich heule, ich fluche, ich stammel, ich bin neben der Spur und kriege mich den ganzen Tag nicht mehr ein.

Ich sei pessimistisch, höre ich. Ich sähe alles so negativ. Und vermutlich ist es bezogen auf die schlichte Tatsache, dass die Betreuung des Krümels für eine unbestimmte Zeit ausfällt, eine absolute Überreaktion. Ich werde da ja nicht völlig allein durch müssen. Aber für mich fühlt es sich an dem Tag einfach furchtbar an. Alle meine Pläne sind über den Haufen geworfen. Der ganze Schwung ausgebremst. Die Hoffnung auf fröhlich, chaotischen ALLTAG, in dem ich mir meine Insel schaffen kann: mit einem Schlag weg.

Selbstverständlich arrangiere ich mich dann damit und da ich ein #Glückskind bin, bekomme ich viel Hilfe, damit ich zumindest ein bisschen was von meiner Agenda schaffe. Am Ende wird die Tagesmutter auch nicht mehr als zwei Wochen ausfallen, ich verweile nicht als heulendes Elend, aber ganz viel positive Energie war am Tag zwei nach der Kur mit einem Knall verraucht. *peng*

Die guten und sportlichen Vorsätze

Tja, der Plan war: Ich gehe laufen – also nicht dieses sportliche Gerenne und auch nicht das mit den albernen Stöcken – aber ich wollte schauen, dass ich zweimal die Woche durchaus eine Strecke laufe. Oder walke – wie man jetzt hochdeutsch sagt.

Ich wollte mich mal nach einer Yoga-Butze umsehen, denn ich fand das ja wirklich nett. Und ich kenne mich: alleine mit mir auf einer Matte wird das nichts. Denn da hat mein Schweinehündchen ein Wort mitzureden. Und der ist laut.

Ganz rein theoretisch, aber bei dem Gedanken habe ich mich schon selbst ausgelacht, würde ich auch hin und wieder ein paar Übungen für meine kaputte Bauchmuskulatur oder ramponierte Schulter machen.

Das Resultat bzw die Praxis der theoretischen Überlegungen könnte ich jetzt auf den Vorschlaghammer schieben. Kann ich auch zum Teil. Denn ganz viel Motivation war einfach ab Tag zwei bei mir weg und für das Ding mit dem Sport bräuchte ich sehr viel Motivation. Innerlich steht das bei den Prioritäten auf „du solltest“ oder auch irgendwo auf minus 10.

Wer jetzt nicht Intervallläufe macht sondern nur so ein bisschen was strammer spazieren gehen wollte, der sollte nicht nur zehn Minuten gehen. Und die Stunde, die ich dafür eingeplant hatte (SIE STAND TATSÄCHLICH IM KALENDER!!!!), war einfach echt nimma über. Die paar Stündchen, die ich mit Omas und Traummanns Hilfe mir für meine Dinge freischaufelte, reichten nicht für Sachen, die unterhalb der allerobersten Priorität standen. Klar tät mir das gut. Ja, wäre wirklich fein den Kopf eine Stunde frei zubekommen und ohne Handy durch die Felder zustapfen. Aber dann muss man mehr als sechs Stunden auf eine Woche für irgendwas Zeit haben oder die ToDo mit extrem dringenden Sachen vielleicht weniger als 20 Punkte beinhalten.

Bei den restlichen Vorsätzen denkt euch Augenrollen. Ich habe gerade (leider) andere Probleme. Ich bin voll damit ausgelastet, trotzdem noch ein paar meiner Wünsche/Pläne umzusetzen und versuche verzweifelt mir meinen Optimismus zu bewahren oder ihn mir wenigsten einzureden. Für sowas abwegiges wie Sport oder Beauty oder Gedöns habe ich keine Zeit.

Das Krümelchen

Wie hat es eigentlich das kleine Krümelchen verkraftet, dass die Rabenmutter ihn alleingelassen hat? ALLEINE! Bei seinem Papa, den Omas, Patentante,… zu Hause in seiner gewohnten Umgebung.

Tja nun, wenn ich Ahnung von so Zeugs hätte, könnte ich irgendwas von sicher gebundenes Kind schreiben. Aber das habe ich nicht. Tatsache ist: Er hat es gut verkraftet und Mama vermutlich weniger schmerzhaft vermisst als sie ihn.

Ja, während der Kur hat er nach mir gefragt. Auch immer wieder und auch täglich. Aber nicht weinend. „Wo ist meine Mama? Meine Mama ist in Kur. Mama kommt wieder.“ Er hat sich riesig gefreut, mich wieder zusehen und seine Geschwister, klebte aber nicht einmal am ersten Abend an mir. Dabei hatte ich so Nachholbedarf in Sachen Krümelknuddeln.

Schon am nächsten Morgen hat er mich bei der Tagesmutter nach zwei Minuten rausgeworfen. „Mama, geh!“ Dabei hatten wir uns noch über die Kur unterhalten wollen. Doch bei der Tagesmutter ist Mama nicht vorgesehen, die hat zu gehen. Zügig bitte.

Aber es ist nicht, als wäre nichts gewesen. Mir ist mit Erschrecken aufgefallen, was für einen Sprachsprung er gemacht hat, Plötzlich sind alle Pronomen da und die ganze Palette Hilfsverben wird gerne und korrekt angewendet. Das wäre mir so nie aufgefallen. Wie lang so zwei Wochen in der Entwicklung eines Kleindkinds sind (WEHMUT!)

Ich darf aktuell auch nicht ohne ihn das Haus verlassen. Zum Einkaufen oder was auch immer: Niemals nie ohne Krümel. Dann weint er bitterlich. Mama darf nicht ohne Krümel gehen. Ihn bei Oma lassen. Bei der Tagesmutter. Alles kein Ding. Aber nicht ohne ihn das Haus verlassen. Auf gar keinen Fall.

Naja, außer die Patentante ist da und macht Babysitter. Das ist dann halt cooler als Mama daheim. 😉

Freundschaft: Die anderen Mütter

Der Punkt hinterlässt bei mir Wehmut. Während der Kur habe ich es einfach genossen, dass da viele nette Frauen waren, um eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Ein Kaffee und ein Plausch. Gemeinsam auf der Bank am Spielplatz sitzen. Bei manchen auch echt ganz plötzlich aus dem Nichts sehr tiefgehende, ehrliche Gespräche.

Das ganze für mich immer mit dem Gefühl, dass man nur eine kurze Zeit gemeinsam verbringt. Eine schöne Zeit. Eine Zeit des Luftholens von den ganzen Problemen, die zu Hause auf uns alle warteten. Und das waren viele, viele unterschiedliche und oft sehr heftige. Die Gespräche ergaben sich, man musste sich nicht vollständig erklären und mir eicht es für gute Gespräche, wenn man das Gespräch gut führt. Es gab so wunderbare Momente, in denen es um tiefe Gefühle ging, es aber unwichtig war, wo man herkommt, welche Geschichte diese Gefühle haben, denn keiner teilte die eigene Vergangenheit. Die muss man übrigens auch nicht erklären, um im JETZT ein Gefühl zu verstehen. Und am Ende teilen wir auch alle nicht die Zukunft. Es ging um das JETZT. Um das Gespräch jetzt und die gemeinsame Zeit jetzt.

Mich hat das eigentlich auch sehr befreit, doch nun denke ich oft an diese Frauen, mit denen ich diese Zeit geteilt habe. Ich habe von mir aus nicht wild meine Telefonnummer verteilt, sie nur gegeben, wenn mich jemand danach fragte. Jetzt habe ich bei der ein oder anderen eine theoretische Kontaktmöglichkeit, bei sehr vielen nicht. Das ist schade.

Doch auch bei denen, bei denen ich mich melden könnte (also rein technisch, weil ich die Nummer habe), habe ich mich noch nicht gemeldet. Wir sind alle zurück in unserem Alltag. Mit unseren Sorgen. Problemen. Kindern. Glück. Alltag. Freunden und Familie. Wir sind weit weg voneinander und unsere Leben weit weg.

Zudem fällt es mir teilweise sowieso schon schwer, Bekanntschaften ausreichend zu pflegen. Das klingt komisch, aber mittlerweile habe ich das Glück sehr, sehr viele liebe Menschen zu kenne, von denen ich erstaunlich viele Freunde nennen würde. Aber all diesen lieben Menschen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen würden, fällt mir bei begrenzter Zeit und Energie schwer. So viele bei denen ich seit Wochen oder gar Monaten denke, du solltest mal wieder anrufen, schreiben, vorbeischauen. Bei so vielen bedauere ich es, sie so lange nicht gesehen zu haben.

Jetzt sind es einige mehr. Einige mehr, bei denen ich es schade finde, dass unsere gemeinsame intensive Zeit vorbei ist. Ja, da ist vermissen.

Hat es dir denn gut getan?

Ja. Ja, es tat gut raus zu sein. Es tat gut von den vielen Aufgaben des Alltags befreit zu sein. Es ist erstaunlich wieviel es dann doch ausmacht, dass man eben nicht täglich mehrere Mahlzeiten einkaufen, zubereiten und die Küche im Anschluss wieder saubermachen muss. Es ist irre, welch Unterschied es macht, dass man nur abends mal eben den Sand zusammenfegt oder mal eine Maschine Wäsche wäscht (Nein, ich hatte nicht genug Kleidung für drei Wochen mit und habe es auch gar nicht versucht, sondern gewaschen.) Das bisschen Haushalt ist ganz schön viel.

Es tut gut, aus dem Alltag raus zu sein, auch über den Haushalt hinaus. Es tut gut, wenn sich ein ganzes Programm um dich bzw dein Wohlbefinden dreht. Ob es nun Massagen und Gespräche oder lustiges Spazieren gehen mit albernen Stöcken am Strand ist. Es hilft tatsächlich, wenn einem jemand immer wieder die Selbstverständlichkeiten predigt, dass man auf sich achten solle und sich selbst was Gutes tun muss. Wenn die Möglichkeiten dafür auch einfach da sind. Und die Zeit.

Es tut gut, am Meer zu sein. Am Strand. Sich es einfach nur gut gehen zu lassen. Einfach im Moment zu sein. Eine schöne Zeit zu verbringen.

Ich habe anfangs in einem Gruppengespräch gesagt, dass mir meine Gelassenheit in den letzten Jahren abhanden gekommen ist. Gelassenheit im Umgang mit den Kindern. Meine Geduld und meine Ruhe. Auch wenn viele da dann irritiert aufschauten, weil sie mich auch in der Kur für so entspannt im Umgang mit den Kindern empfanden. Ich selbst weiß, wie sehr ich das eben nicht mehr bin/war. Bzw wie es noch vor zwei Jahren aussah. Wieviel schneller ich nun laut werde oder ungeduldig, barsche Dinge sage, die ich nicht sagen will, den Lärm einfach nicht ertrage gerade. Wie sehr mir das oft leid tut.

Diese Gelassenheit kam nicht auf Knopfdruck zurück, aber mich hat die Kur dort ein großes Stück wieder hingebracht. Ich bin nicht die Kerstin oder die Mutter, die ich vor zwei Jahren war. Denn es sind zwei Jahre vergangen. Die schwer waren. Aber ich habe gespürt, dass diese Kerstin heute, noch die Gelassenheit haben kann. Zumindest ein gutes Stück davon. Nicht immer. Unbedingt. Aber es geht noch und ich kann dahin zurückfinden. WENN ich auch viel auf mich selbst achte, denn da liegt der Schlüssel. Bewusste Zeit für mich bringt die Ruhe im Umgang mit den drei Chaoten.

(Auch einer der Punkte, warum mich der Vorschlaghammer an Tag zwei danach so heftig traf.)

Ansonsten hat es mir aber bezogen auf meine tatsächlich ja immer noch präsenten gesundheitlichen Phänomene bzw Symptome nicht geholfen. Die hat es schlicht nicht tangiert. Mag der Stress nachlassen, die Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen nehmen sich davon nichts an. Mein rechtes Auge will auch ganz entspannt immer noch nicht wieder wirklich so wie es sollte. Es hat mir nur geholfen, dass ich aktuell weder panisch bin, noch es krampfhaft versuche einfach wegzuignorieren. Ich werde einfach weiter versuchen herauszufinden, was da bei mir nicht stimmt.

Eure Kerstin

IPINTEREST: ch freue mich, wenn ihr diesen Beitrag pinnt. 🙂
Vor einem Strandcafé auf Fehmarn

Kur-Tagebuch: Die dritte Woche

Nachdem mich die ersten Tage der Mutter-Kind-Kur fast erschlagen haben und wir uns zu dritt dann in der zweiten Woche akklimatisiert haben, folgte natürlich auch noch eine dritte Woche in der Südstrandklinik auf Fehmarn.

Sonnenuntergang auf Fehmarn - Mutter Kind Kur

Sommer, Sonne, Strand

Eine Kur ist kein Urlaub! Aber wenn sich das Wetter alle Mühe gibt und der Strand direkt vor der Kliniktür liegt, kann es sich doch ein wenig so anfühlen. Wir haben in Woche drei richtig Glück mit dem Wetter.

Ok, der Rest der Republik hat Hochsommer im April, aber wir haben immerhin Sonne! Und der Wind hat nachgelassen. Jeden Nachmittag spuckt die Kurklinik ihre Bewohner aus und eine lustige Schar Kinder mit Sandspielzeug ergießt sich an den Strand. Meine beiden natürlich ganz vorne weg.

Am liebsten würden sich die beiden im Badeanzug in die Ostsee stürzen, aber während ich ihnen so in Sweatjacke am Strand folge, finde ich die Idee nur so semi-super. Es ist frisch. Nicht kalt, aber eben auch nicht warm.

Strand auf Fehmarn

Unsere Strandausflüge sind für mich auch eher Strandspaziergänge. Während der eine Trupp Mamas mit Picknickdecken bewaffnet direkt vor der Tür der Klinik am Strand positioniert ist und der andere Teil ein Stückchen weiter an der Strandbar in Liegestühlen oder Strandkörben fläzt, bin ich permanent in Bewegung.

Erste Amtshandlung ist jeden Nachmittag der Marsch zur Strandbar: EIS! Und dann fliegen die Schuhe von den Füßen, die Socken hinterher und ab dem dritten Nachmittag bin ich dann so klug, den Zwillingen gleich kurze Hosen anzuziehen, denn es geht rein ins Wasser!


Natürlich hatte ich keine kurzen Hosen eingepackt und so rennen beide eine ganze Woche lang nachmittags mit ihren Trikothosen rum, denn Sportsachen hatte ich dabei.


Dann kneipen die Zwillinge ausgiebig: rennen unentwegt den Strand mit den Beinen in der Ostsee von links nach rechts und wieder von rechts nach links. Ich folge ihnen die nächsten zwei Stunden parallel mit dem Rucksack auf dem Rücken auf dem Trockenen und mache Strandspaziergang.

Dadurch wechseln meine Gesprächspartner im 5-Minutentakt, denn überall sind die anderen aus der Klinik und ja, irgendwie ist immer einer da für einen Smalltalk, aber der bleibt bei mir immer sehr small. Ich muss den Zwillingen folgen. Ich stehe also hier am Strandkorb für zehn Minuten und dort neben der Picknickdecke und laufe den Strand hoch und wieder runter. Immer den Zwillingen hinterher.

Vor einem Strandcafé auf Fehmarn

Freundschaften & Kindergarten

Die fühle sich pudelwohl am Meer. Sei besser als zu Hause. Weil eben wegen Meer. Und überall sind Freunde. Sonnenschein lädt die halbe Kur-Klinik zu seinem Geburtstag im Juli ein.

Nur Kindergarten findet er dann trotzdem zunehmend blöder. Während die Prinzessin jeden Morgen sich richtig darauf freut, mag Sonnenschein nicht. Es gibt keine Tränen, aber jeden Morgen kommt ein klares „Ich will nicht in den Kindergarten. Der ist blöd.“

Warum genau er blöd sein soll, erfahre ich nicht. Wenn wir da vor der Tür stehen, ist auch wieder alles gut. Aber eines Tages mache ich einen kapitalen Fehler:

Ich kann mein Glück kaum fassen, dass bei der Wasser-Gymnastik für Kinder, für die Prinzessin eh eingetragen ist, ein weiterer Platz an diesem Tag frei ist. Sonnenschein kann mit! Super!

Also hole ich nach meinen ersten Terminen des Tages beide zusammen vom Kindergarten und wir gehen Schwimmen. Sie finden den Kurs klasse und haben richtig Spaß. Wir gehen noch gemeinsam Mittagessen und dann sollen beide wieder in ihre Gruppe. Mama hat noch eine Anwendung. Sonnenschein will nicht. So richtig absolut gar nicht. So richtig super dolle nicht.

Und ich merke mir, dass ich die Kinder kein weiteres Mal vorzeitig aus dem Kindergarten hole, wenn ich im Anschluss noch Anwendungen habe. Bei anderen klappt es super, die Kinder zwischendurch zu holen und wieder zu bringen. Mit Sonnenschein geht das nicht. Er ist nachhaltig sauer auf mich.

Also die Kinder nur noch für freiwillige Sportangebote eintragen, wenn ich danach keine eigenen Anwendungen mehr habe! *notiert* Man lernt ja nie aus.

Kaffee am Strand mit mir - Mutter Kind Kur

sportlich, sportlich

Überhaupt wachse ich über mich selbst sportlich hinaus. Amüsanterweise kann ich sogar ganz gut mithalten und bin gar nicht so unfassbar unsportlich, wie ich dachte.

Ich trage mich fast jeden Morgen für die frühe Runde Nordic Walking ein und es tut gut! Allerdings stellen wir auch gemeinsam (andere Mutti und ich) fest, dass das einen Haken hat. Ich kann mir ums Verrecken nicht vorstellen, zu Hause mit solchen Stöcken durch die Landschaft zu latschen. Echt nicht. Auf gar keinen Fall.

Yoga kann ich mir dafür eher vorstellen. Das gefällt mir tatsächlich. Ich bin selbst ein wenig von mir überrascht. Aber da kann man ja auch ohne Publikum albern aussehen. Mal schauen, ob sich davon was in den Alltag zu Hause retten lässt.

Die anderen

Ich würde gar nicht behaupten, dass tiefe Freundschaften entstehen, aber manche Mamas sind mir echt sehr sympathisch. Eine wächst mir sogar sehr ans Herz.

Viele sind einfach super nett, man teilt Sorgen oder einfach eine schöne Zeit bei einem Kaffee, ohne dass man das Gefühl hat, man müsse sich für immer verbrüdern. Es geht gemeinsam an den Strand, auf den Spielplatz und abends sogar zum Sonnenuntergang mit Kindern und Bollerwagen in eine wunderhübsche Bar am Binnensee. Herrlich. <3

Erstaunlicherweise bekomme ich sogar meine Zwillinge nach Sonnenuntergang die lange Strecke zur Kurklinik ohne Heulen und Jammern zurück. Sind ja genug andere da.

Meereszentrum Fehmarn

Ein Ende auf Raten

Das Ende der Kur wirft die Schatten schon weit vor das Wochenende. Listen hängen aus, in die man eintragen muss, zu welchem Bahnhof man gebracht werden muss und wann. Man muss die Koffer anmelden, die verschickt werden sollen und es tauchen immer mehr Väter auf, die wohl das letzte Wochenende mit ihren Familien gemeinsam hier verbringen werden.

Der Speisesaal wird aber nicht voller, denn zum Abschlussbuffet, was gar nicht am letzten Abend, sondern am letzten Freitag der Kur stattfindet und unter dem Motto „50 Sorten Fast Food in Häppchengröße“ steht, sind die ersten schon abgereist. Wir bleiben und freuen uns auf das Wochenende. Zumindest ein bisschen, denn ich habe Angst vor dem Krümelweh. Das nimmt stetig zu.

Wir versuchen viel zu unternehmen. Ich trage uns für Bastelangebote und einen Ausflug ins Meereszentrum ein, wir fahren von Puttgarden mit der Fähre nach Rødby und dann ist da ja auch noch der Strand. Die nette Gesellschaft der anderen macht es leichter. Ich werde fast wehmütig, sie alle bald so gar nicht mehr zu sehen.

Ja, es gibt hier auch Personen, mit denen ich vermutlich nicht wirklich gut klar käme, aber es bleibt bei einer Ahnung meinerseits, denn diesen Menschen begegne ich nur manchmal im Aufzug oder ähnlichen zeitlich sehr begrenzten Momenten. Die sind alle kurz genug, dass es bei einer Ahnung von Antipathie bleiben kann. Ich bin dankbar.

Hin und wieder spricht mich jemand aufs Blog an. Vor allen den ersten Beitrag. Und nachdem ich beim ersten Mal völlig irritiert und unhöflich geflüchtet bin, versuche ich mir eine Reaktion für „Scheiße, das liest tatsächlich jemand, der dir im realen Leben begegnen kann“ bereitzulegen. Die Reaktionen sind nämlich durchaus sehr positiv. Der Beitrag sei treffend und gut gewesen. Vermutlich sagt einem im realen Leben auch weit seltener jemand direkt ins Gesicht, dass man Bullshit geschrieben hat. Aber ich freue mich.

Final Countdown

Sonntagabend habe ich noch nichts gepackt und beginne langsam nervös zu werden. Als ich Montag zwischen den Abschlussgesprächen versuche zu packen, werde ich leicht panisch. Das Gepäck hat sich dramatisch vermehrt! Ob es an den zwanzig Kilo Sand liegt, der sich in jeder Falte jedes Kleidungsstücks angesammelt hat?

Da gehe ich lieber Kaffee trinken mit meiner wundervollen Kur-Bekanntschaft, die ich vermutlich wirklich sehr vermissen werde. Es gibt auch noch ein tränenreiches Abschieds-Kaffee-Trinken im Speisesaal, bei denen die einzelnen Kinder-Gruppen irgendwas vorführen oder singen, was keiner versteht und zwischen den ganzen Handykameras und Tränenschleiern auch niemand sieht. Aber alle sind gerührt. Ich heule Rotz und Wasser, während ich Sonnenschein auf den Schultern und Prinzessin auf der Hüfte trage, zu den Klängen von „Geiles Leben“, das der Kids-Club (die Gruppe der ältesten Kindern) vorträgt.

Zum Abendessen ist der Speisesaal dann wirklich ziemlich leer. Viele sind nun aber so wirklich los! Ich packe, als die Zwillinge schlafen. Und jetzt werde ich richtig panisch!

Einen riesigen Koffer stelle ich vor die Tür, damit die Haustechnik diesen verschicken möge, aber es bleibt viel zu viel über. Ich stehe da mit zwei überfüllten Koffern, einer Tasche und drei Rucksäcken und muss den nächsten Beutel klar machen. Die beiden Käscher, die die Zwillinge unbedingt ihr eigen nennen wollten, passen in KEIN Gepäckstück.

Das kann heiter werden. Denn auch wenn die Zwillis Rucksäcke und Käscher selber tragen müssen, sind das rein rechnerisch echt mehr Gepäckstücke als ich Arme, Schulter oder Rücken habe!!! UND DAS MIT DER BAHN UND AM HAUPTBAHNHOF EINER MILLIONENSTADT!!! *aaaaaaaaghhhhhhh*

Aber das ist dann eine andere Geschichte. Die Rückfahrt…

Erstmal darf ich euch den Umstand verraten, dass wir heile und vollzählig daheim angekommen sind.

Eure total erholte Kerstin

PIN IT BABY! 😉
Zwillinge im Vitarium auf Fehmarn

Kur-Tagebuch: Die zweite Woche

Wir sind in der zweiten Woche der Kur angekommen und damit nun so langsam wirklich angekommen. Mir haben vorher schon viele gesagt, dass es die erste Woche braucht, um anzukommen, sich einzufinden, runterzukommen. Stimmt.

Zwillingspapa auf Fehmarn Südstrand

Angekommen

Dieses Ankommen hat viele Facetten. So sind die Zwillinge im Kindergarten angekommen. Das ist bei ihnen nicht sonderlich schwierig, andere Kinder haben da mehr Probleme (Krümel hätte diese ganz sicher). Wir haben unseren neuen Kur-Rhythmus gefunden. Einen Tagesablauf im Takt der Kur.

Ich brauche die Zwillinge nicht daran erinnern, sich die Hände zu desinfizieren; sie machen es ganz selbstverständlich, wenn wir den Speisesaal betreten. Sie geben konkrete Anweisungen, was sie vom Frühstücksbuffet wollen, wissen wo etwas liegt, wo sie sich den Aufschnitt aussuchen können oder wo die Frühstücksflocken stehen.

Meist marschieren sie direkt zu unserem Tisch durch, denn wir haben hier feste Tische und die andere kleine Familie (Mama mit zwei Töchtern) finden sie toll. Eigentlich finden sie diese großen Mädchen sogar mehr als toll und himmel sie sehr an.

Sonnenschein bei Nebel am Meer

Ein neuer Tagesablauf

Sie gehen in den Kindergarten und auch mit diesem dann später zum Mittagessen. Ich könnte sie auch zum Essen abholen, aber unseren beiden gefällt dieses Essen mit der Gruppe. Ich habe den Verdacht, dass es den mäkeligen Sonnenschein sogar dazu animiert, mehr als nur Nudeln mit ohne Soße zu essen. Also lasse ich das so laufen.

Ich habe dann nämlich „Anwendungen“. Vorwiegend sportlicher Natur. Das hatte ich schon erwähnt und mir auch so ausgesucht. Teil des Ankommens ist auch, dass ich langsam geschnallt habe, wann wo welche Listen aushängen und so trage ich mich absurderweise tatsächlich für eine zweite Sporteinheit am Tag ein, wenn mein Plan nur eine vorsieht. Ich bin selbst darüber am meisten verwundert und leide seit Tagen unter den interessantesten Schattierungen des Phänomens Muskelkater.

Aber es tut gut.

Blick aus der Sürdtrandklinik

Ein Patient – Ein Begleitkind

Die Listen ermöglichen mir auch, Zeit ganz gezielt mit dem Sonnenschein zu verbringen. Denn ich habe ein Patientenkind dabei – Prinzessin – die ihre eigenen Anwendungen hat (teils mit Mama, teils alleine), und ein reines Begleitkind. Sonnenschein wäre den ganzen Tag nur im Kindergarten, solange wie ich ihn eben dalasse oder dalassen muss. Prinzessin wird zwischendurch entweder zu Therapien gebracht oder von mir für eine abgeholt.

Also habe ich den Sonnenschein in Listen für freies Schwimmen und ähnliches eingetragen. Dann gibt es Zeit nur mit mir. Eine Extrawurst, die nur für ihn gebraten wird. Mir ist das wichtig, denn ich habe immer das Gefühl, dass mein großer Sohne derjenige ist, der im letzten Jahr am wenigsten Aufmerksamkeit bekam.

Dazu nutze ich auch das ein oder andere Bastelangebot. Nicht übermäßig, andere füllen ihre Pläne deutlich straffer als ich. Aber jeder muss und darf seinen Weg finden, in der Kur Erholung zu finden.

Kaffee am Strand mit mir allein

Kaffee mit mir allein

Ich mag Löcher im Plan und lasse sie bewusst. Das Wetter ist extrem windig und damit reicht nicht einmal wetterfeste Kleidung, um an den Strand zu gehen, denn Kinder weht es hier tatsächlich von den Beinen. Mir ist es zu ungemütlich.

Aber ich gönne mir Kaffee mit mir allein, Kaffee mit anderen netten Mamas und auch einen Stadtbummel in dem wirklich niedlichen Ort Burg.

Empfehlung:

Mit und ohne Kindern lande ich dabei übrigens immer wieder im Café Jedermann, das mir auf Instagram empfohlen wurde. Da können die Kinder bei gutem Wetter super draußen spielen (und nicht auf die Straße laufen), es gibt leckeren Kuchen und guten Kaffee. Ich mag es.

Konditionstraining mit Vierjährigen

Den Kuchen trainiere ich hier ja gut wieder ab. Dafür sorgen auch die Zwillinge, die sich als zusätzliche Sporteinheit überlegt haben, dass man ja gar keinen Aufzug braucht. So ein Aufzug nervt nämlich zu Stoßzeiten sehr; wenn sie 15 Stockwerke voller Mamas mit Anhang zum Essen bewegen, dann kann man da schonmal sehr lange rumstehen. Also laufen die Zwillinge. Treppenhäuser sind ja sooo spannend.

Beim ersten Mal „rauf“ hatte ich die Hoffnung, sie geben im zweiten oder dritten Stock auf. Dachte, sie könnten ganz pädagogisch selbst die Erfahrung machen und den Gedanken verwerfen. Kleiner Tipp an euch: Versucht das niemals!!!

Die zwei Vierjährigen düsen nämlich munter alle 13 Etagen hoch und ich trainiere mir hier unfreiwillig noch einen wahnsinnig knackigen Hintern an.

Mutter Kind Kur auf Fehmarn

Die anderen Mütter

Vielleicht sollte man kein Menscheinfeind sein, wenn man in eine große Mutter-Kind-Klinik fährt. Denn hier gibt es viele Menschen. Sehr unterschiedliche Menschen. Und alle tragen ein mehr oder weniger dickes Päckchen mit sich, dass die einen offen rausschreien und die anderen eher verschweigen. Es ist eine kunterbunte Mischung quer durch die Gesellschaft.

Man kann nicht unbedingt JEDER Interaktion aus dem Weg gehen, aber man könnte vielleicht sein Ding alleine durchziehen. Wenn man wollte. Man kann aber auch sehr leicht Anschluss finden und hat nette Begleitung. Ich habe hier einige wirklich nette Bekanntschaften gemacht, mit denen man gut Zeit verbringen kann.

Meist bleibt es beim Smalltalk und das ist ja auch oft genug recht unterhaltsam. Bei der ein oder anderen ist es aber auch mehr. Ich freue mich, dass ich hier schon den ein oder anderen Kaffee mit sehr netter Gesellschaft trinken konnte.

Auch wenn ich meine Abende weiterhin alleine im Zimmer verbringe. Das ist aber meine Entscheidung, denn mir behagt es nicht, die Kinder dort (wenn auch schlafend) allein zu lassen. Babyphone kann man sich ausleihen oder abends auch einen Babysitter auf die Etage bestellen, wenn man dann noch Yoga machen möchte. Aber ich bleibe lieber bei ihnen und gehe früh ins Bett.

Krümel allein zu Haus

Am Wochenende kam bei mir ein leichter Tiefpunkt. Das Wochenende war verregnet und vor allem sehr windig. Das Wetter lud nicht gerade zu Outdoor-Aktivitäten ein und irgendwie fand sich auch ein wirklich toller Ausflug. Wir gingen zu einem Familienkonzert und waren eine Stunde basteln, aber am Ende blieb viel Wochenende übrig, das die Zwillinge im Vitarium auf dem Spielplatz verbringen wollten.

Es ist ja ganz nett, dass es einen überdachten Spielplatz gibt und ja, man kann da auch quatschen mit anderen. Prinzessin rannte sie aber erst eine dicke Beule an der Stirn ein und am Tag darauf schlug sie sich die Lippe blutig. Ich hatte zuviel Zeit und Langweile. Die tut nicht gut. Ich hatte Heimweh. Und Krümelweh. Sehr viel Krümelweh. Mein Baby fehlte mir schmerzhaft.

Wir haben es uns versucht nett zu machen, gingen bummeln in Burg und ins Café Jedermann. Aber es schmerzte.

Trotzdem bin ich mir sicher, dass die Entscheidung richtig war, ohne Krümel zu fahren. Sicherer als vorher. Aus so viele Gründen.

  • Ich sehe, dass teilweise die Kur mit sehr kleinen Kindern für manche der Mütter sehr anstrengend ist. Ich kann sie mir nur beim Temperament meines Krümelchens anstrengend vorstellen. Im Speisesaal, an den Aufzügen, überall wo man weglaufen kann.
  • Ich merke an den Zwillingen, dass auch sie aufgewühlt sind. Den Krümel hätte so ein Trubel noch mehr aus dem Konzept gebracht. Ich kann mir grauenhafte Nächte vorstellen. (die Zwillinge schlafen nun ab Woche zwei ganz gut)
  • Krümel hätte die Betreuung vermutlich nicht so mitgemacht. Mir erscheinen die zwei Mini-Gruppen hier sehr liebevoll, aber ich kenne auch mein Kind. Das ist halt furchtbar eigen, wer es betreuen darf und niemals irgendwer kurzfristig. Er braucht immer viel Zeit, jemanden ok zu finden.
  • Die Zwillinge sind älter und zu zweit. Sie gehen in den Kindergarten und ihnen kann ich vieles besser erklären. Denn auch Sonnenschein findet Kindergarten doof. Aber es ist ok, ich habe kein schlechtes Gefühl, ihn dort abzugeben. Es fließen keine Tränen.
  • Zu Hause hat Krümel seine gewohnte Umgebung, seinen Papa, die Omas und Opas, seine Patentante, seine Tagesmutter. Er sucht mich wohl auch hin und wieder, fragt nach mir, weint aber (zumindest sagt das der Traummann) nicht.
  • Dazu kommt noch, dass das zusätzliche Angebot – ob kreatives oder Bewegung – kaum für so kleine Kinder ausgelegt ist. Das meiste geht erst ab Kindergartenalter und gerade bei den Bewegungsangeboten ist vieles sogar erst ab Schulalter. Das ist ok, bedeutet aber, dass ich ohne Krümel mit den Zwillingen da an mehr Sachen teilnehmen kann.

Start in die finale Woche

Nach dem Krümelweh-Wochenende war ich sehr froh, dass die Woche wieder los ging. Wir etwas zu tun hatten. Ablenkung. Und auch die dritte Woche werde ich noch niederschreiben, dann aber vermutlich schon von zu Hause.

Den ersten Teil des Kur-Tagebuchs könnt ihr hier nachlesen und ein wenig zum Hintergrund unserer Entscheidung für die Mutter-Kind-Kur habe ich hier aufgeschrieben.

Kleiner Gruß an die Fremdleser

Nachdem mein erster Tagebuch-Eintrag auf Facebook sehr charmant/tendenziös angeteasert von einer Seite geteilt wurde, darf ich einige Leser hier begrüßen, die das Blog und vermutlich auch andere Blogs dieser Art sonst nicht lesen. Ich sage mal Willkommen und Moin.

Kann mir aber auch zwei oder drei erklärende Sätze nicht verkneifen:

  • Ihr lest hier ein persönliches Blog, das in die Nische der Familien-/Eltern-/Mamablogs passt. Dies ist kein Reiseblog.
  • Ein Tagebuch – so behauptet es der Titel – ist eine Niederschrift persönlicher Erlebnisse und Eindrücke. Auch wenn es wöchentlich geschrieben ist und auch wenn dies öffentlich passiert. Es stellt keine objektive Berichterstattung dar und versucht es auch gar nicht.
  • Auch im Internet gelten gewisse Anstandsregeln und es ist eine irrige Annahme, dass man mit der Anmeldung bei Facebook nicht nur seine Daten freigibt, sondern auch jede Höflichkeit und freundliche Zurückhaltung über Bord werfen muss. Man ist nicht gezwungen auf Klick-Bait-Teaser übergriffig und unverschämt in den Kommentaren zu reagieren. Man kann das machen. Aber dann ist das halt… ähm… nicht so sonderlich fein.
  • Nein, ich brauche keine Therapie mit meiner Putzneurose. Ich habe hochoffiziell keinen an der Klatsche und wer aufmerksam liest, kann erkennen, dass ich mein Sauberkeitsempfinden sogar sehr selbstironisch beschreibe.
  • Ironie ist nicht jedermans Sache. Auch meine Schreibe ist das absolut nicht. Ich schreibe gerne überlange Texte in teils verquerer Sprache. Die kann man lesen, wenn man sie mag oder sie einen interessieren, bestenfalls unterhalten, aber man muss das nicht.
  • Wenn mir ein Zimmer nicht sauber genug ist, um mich wirklich wohl zu fühlen oder ich gerne auswärts mir einen leckeren (eventuell besseren) Kaffee gönne, dann ist nicht gleich ein ganzer Text ein RANT. Dazwischen stehen auch noch andere Dinge. Die könnte man lesen. (Zumal ich zum Thema Sauberkeit eine Anmerkung verfasst hatte, dass ich mich damit im Hause ernstgenommen fühlte mit meinem Feedback.)

Sandinge Grüße aus Fehmarn
Eure Kerstin


Anmerkung: Da der Prozentsatz von Vätern im Hause eher gering ist, habe ich sie im Text unterschlagen. Aber es gibt sie und sie sind ganz lieb mitgemeint, wenn ich von Müttern schreibe.

Ich freue mich, wenn du dir meinen Beitrag auf Pinterest merkst.
Südstrandklinik Burg auf Fehmarn vom Strand aus gesehen

Kur-Tagebuch: Die erste Woche

Nun machen wir also eine Mutter-Kind-Kur. Genaugenommen sind wir schon mittendrin in diesem Kurding und ich dachte mir, man könnte mal ein Update schreiben.

Aber das dachte ich mir schon die ganze Zeit; und auch während einer Kur, denke ich sowas erst einmal und dann zehn Mal, bevor es dazu kommt. Wir haben nämlich hier viel zu viel anderes zu tun.

Wir müssen uns zum Beispiel erholen. Darauf bestehen die Zwillinge bei jeder ihrer diktierten Postkarten, dass sie Kur machen und sich erholen. Ganz wichtig.

Aber fangen wir mal vorne an bei den

Erwartungen an eine Mutter-Kind-Kur

Da hört man vorher immer von allen Seiten „Nimm dir nicht zuviel vor!“ „Habe bloß keine großen Erwartungen!“ Hatte ich nicht. Ich muss schwer überlegen, was ich überhaupt an Erwartungen vorher hatte, nachdem ich mich endlich dazu durchgerungen hatte.

  • „Ruhe und Bewegung“ habe ich als meine beiden Kurziele hochoffiziell auf den diversen Fragebögen notiert. Der erste Wunsch ist ein nettes Ziel. Mehr Ruhe als zu Hause. Nicht unbedingt mehr Schlaf (so naiv bin selbst ich nicht), aber so ein wenig hochmoderne Entschleunigung. Das zweite Ziel ist recht einfach zu erreichen. Mein Sportpensum lag vorher zwischen Null und minus Zehn. Meine einzige Bewegung resulierte aus dem ständigen hinter den Kindern herrennen oder den Kindern etwas hinterhertragen. Jede Bewegung mehr ist also schon mehr Bewegung.
  • „Zeit für mich“ wäre noch eine Möglichkeit, die ich hätte ergänzen können. Aber ich bin da bei einer Kur, die schon etwas mit Mutter-Kind im Titel trägt nicht zwingend von ausgegangen. Aber ich habe mal Strickzeug eingepackt. Wer weiß… vor allem weiß man ja sicher nicht, was man abends auf dem Zimmer mit den schlafenden Kindern anfangen soll.
  • An die Klinik hatte ich wenig konkrete Erwartungen. Ich wusste, dass es eine große Klinik ist und hoffte daher, auf viele unterschiedliche Angebote. Ich rechnete mit hohem Lautstärkenpegel im Speisesaal und einem Essen zwischen Krankenhausfraß und Kantinenbrei. Aber das ganze bitte mit Meerblick!

Mutter Kind Kur auf Fehmarn


Wir sind zur Mutter-Kind-Kur
in der Südstrandklinik Fehmarn


Wie war denn nun die erste Woche?

Wir kamen dienstags an.* Alle kamen dienstags an. Mit einem Koffer und zwei Kindern landete ich im Anreisechaos einer recht großen Klinik mit sehr schmalen, verwinkelten Gängen und ganz vielen anderen anreisenden Müttern** mit Koffern und kleinen Kindern. War sehr… ähm… irgendwas zwischen interessant und unentspannt.

Wir hatten zwar ganz fix unseren Apartmentschlüssel und die ersten 200 Informationen in Zettelform, aber der zweite (große-riesige-überdimensionale!!!) Koffer mit all unseren Badesachen, Sportzeugs, Regenklamotten, Daunenwesten, Gummistiefeln, Sportschuhen… war nicht da. Laut meiner freundlichen Hermes-App sollte er aber schon ein paar Tage auf uns hier warten. Tat er aber nicht.

Südstrandklinik Burg auf Fehmarn vom Strand aus gesehen

Fluchtreflexe an Tag 1

Das Zimmer bzw unsere zwei Zimmer mit viel Flur und Mini-Bad befanden – und befinden sich noch immer – im 13. Stock. Tolle Aussicht aus einer charmanten Beton-Bau-Sünde der sehr frühen 70er. Zimmer und Möblierung waren auf dem ersten Blick gerade neu bzw frischrenoviert, im Kleiderschrank der Zwillinge fand ich aber weder Kleiderstange noch Einlegeböden. War wohl wer nicht fertig geworden. Ohne den zweiten Koffer reichten die eineinhalb anderen Kleiderschränke auch.

Richtig durch war ich, als ich beim zweiten Blick Schokokrümel auf dem Boden und Seifen-Zahnpasta-Reste im Bad fand. Ich reagiere auf das Thema „Sauberkeit“ eh ziemlich sensibel (mein Mann tendiert vermutlich eher zu einer Bewertung wie völlig-hysterisch-überzogen). Mein Refelex waren Fluchtgedanken. SO KANN ICH NICHT ENTSPANNEN!!!

Aber man ist ja erwachsen oder soll das zumindest sein und so schlug ich erst in der Verwaltung auf, die verspach unseren Koffer zu finden, und dann nochmal beim Empfang, um freundlich nach der Reinigung zu fragen. Vielleicht hatte man unser Zimmer vergessen?

Ersteinmal eine Hausführung mitmachen und damit den ersten Programmpunkt abhaken, durchatmen und dann ein neuer Versuch: Zimmer riecht nach Reinungsmiteln, Schokokrümel weg, Seifenreste im Waschbecken offensichtlich mit einem Lappen ein wenig verteilt worden. Mein Fluchtreflex kochte über. Heulend erklärte ich dem Traummann, dass ich nur nach Hause will!!! JETZT!

Der schlug aber den Erwerb von Reinungsmitteln und Lappen vor, was ich ziemlich unentspannt fand und so beschloss ich am ersten Tag noch mehr zur Nervensäge zu werden. Die zweite freundliche Beschwerde brachte mir einen Besuch von der obersten Zimmersauberkeitsbeauftragten und die Erkenntnis, dass neben Staub auf den Ablagen im Badezimmer auch noch eine rosa Haarspange der Vorbewohner lag.

Es gab noch eine Zimmerreinigung. Die Haarspange kam weg und abends tauchte der Koffer auf. Ich gab mich geschlagen und fühlte mich sowieso erschlagen.

Kind auf Steg am Meer

Das Kurding läuft langsam an

So eine Kur läuft langsam an. Die ersten Tage gibt es vor allem unfassbar viele Infos und erste Termine. Anwendungen und die Stelldicheins mit der medizinischen und der ichhabdennamenvergessensozialesundphsychezeugs-Abteilung. Also ging ich mit Stöcken bewaffnet zum Nordic Walking und besprach meine Kurziele mit den einzelnen (beiden) Abteilungen, aus denen dann ein PLAN werden soll. Mein Behandlungsplan.

Die Zwillinge schnupperten am ersten Tag nur kurz beim Kindergarten rein und das Wetter gab sich Mühe. Der Traummann war mit Krümel vor Ort und hatte sich in einer kleinen Ferienwohnung eingemietet. So machten wir nebenbei ein bisschen Familienurlaub. Halb getrennt. Aber trotzdem schön.

Tag 3 und 4

Donnerstag und Freitag hatte ich dann meine ersten Termine, die Zwillinge gingen in den Kindergarten, den sie auch spontan zumindest nicht schlechter als den daheim bewerteten. Nein, es gab keine Dramen morgens und nur der Sonnenschein empfindet wie zu Hause auch hier jede Trennung von Mama als abslout überflüssig.

Unser Zimmer wurde nicht unbedingt sauberer. Aber ich habe irgendwie beschlossen, mich damit abzufinden. Auch wenn das mit dem Wohlfühlen schwierig ist, wenn man schmutzige Kinderhandabdrücke oberhalb der Badewanne an den Fliesen entdeckt, BEVOR man das erste Mal ein Kind dort gebadet hat. Aber ich soll mich ja entspannen. Und erholen. Und nicht aufregen.***

Den richtigen, echten, auf uns abgestimmten Behandlungsplan erhielten wir dann alle am Freitag für die kommende Woche. Ich habe tatsächlich vor allem Sport/Bewegung ausgesucht, denn das fehlt in meinem Alltag nun wirklich. Dafür stehen keine Massagen und Entspannungsbäder auf dem Plan, ich mache keine Traumreisen und keine progressive Muskelentspannung. Das machen andere. Mein Ding ist es nicht.

Zusätzlich hängen täglich viele, viele Listen aus – auf mehr unterschiedlichen schwarzen (blauen) Brettern, als zu analogen Zeiten an der Uni. Da kann man sich oder die Kinder für die unterschiedlichsten Sport oder Bastelangebote zusätzlich eintragen. Wenn man denn so eine Liste schnell genug erwischt, bevor sie voll ist.

Da gab es auch eine Liste mit wahnsinnig tollen Ausflügen am Wochenende. Die habe ich ignoriert und mir die Dinge für die kommenden Wochenenden gespart, denn dieses Mal:

Ein Wochenende Familienzeit

Dieses Wochenende waren Krümel und Traummann noch beide vor Ort. Krümel nahm es erstaunlich gelassen hin, dass er mit Papa abends getrennt davon zog, während ich hier mit den Zwillingen residiere. Samstag und Sonntag waren aber ganz unsere Tage. Wir fuhren mit dem Bus nach Burg, machten einen Stadtbummel, gingen in das große Freizeitbad nebenan und verbrachten dank des wundervollen Wetters viel Zeit am Strand.

Kinder spielen in der Meeresbrandung

Nun geht es so richtig los

Die Familienzeit endete Montag entgültig mit dem Abschied von meinem Baby… meinem kleinen Krümelchen… und dem Papa. *schnief*

Dafür stand ab Montagmorgen für die Zwillinge wieder Kindergarten an, für mich und in wesentlich geringerem Umfang auch für die Prinzessin diverse „Anwendungen“. Ich mache also seit Montag jeden Tag im Schnitt zweimal etwas mehr oder weniger sportliches wie Krankengymnastik, Nordic Walking, Yoga oder Wassergymnastik. Dazu begleite ich die Prinzessin bei einem Teil ihrer Anwendungen und habe Seminare für die Eltern von Asthma/Bronchitis-Kindern. Sonnenschein habe ich dann auch noch zusätzlich für Schwimmen eingetragen, damit auch er was alleine mit Mama macht. Und so ist mein Plan ziemlich voll.

Die Zeit reicht einmal am Tag schon für einen Kaffee ganz mit mir alleine oder einer anderen Mutter, wahlweise auch einem kleinen Strandspaziergang. Aber bisher hatte ich noch keine Muße zu Stricken und auch das Schreiben habe ich mir immer nur vorgenommen.

Seeluft macht ja auch müde und so spiele ich abends noch ein wenig mit den Zwillingen, lese vor und bin dann selbst kurze Zeit später podcast-höhrend im Bett. Ich werde meine Schwiegermutter enttäuschen müssen, die sich eine Mutter-Kind-Kur-Klinik mit abends fröhlich im Aufenthaltsraum Wein trinkenden Muttis vorstellte. (Wobei ich ja nichts über die Aufenthaltsräume weiß, da ich abends eben genau dort nicht bin. ABER ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sehr leer sind.)

Füße am Strand

Und die Kurziele?

Ruhe habe ich hier sicher auf eine Art schon gefunden. Es gibt viele Dinge, die ich hier nicht machen muss: kochen oder putzen (wobei letzteres täte ich trotzdem gerne… mich juckt es weiter in den Fingern). Es fallen aber auch die ganzen anderen theoretischen Verpflichtungen und Termine des Alltags weg. Dafür muss ich halt meinen Behandlungsplan abarbeiten, der tut aber erstaunlich gut und bringt mich in Bewegung: was ja ein Kurziel war.

Ich habe interessanterweise erstaunlich wenig Drang ständig mit irgendwem von daheim zu kommunizieren und nutze auch nicht jede freie Minute meine Social Media Kanäle des Blogs zu fluten. Im Gegenteil. Da geht nun alles seinen sehr gemütlichen Gang. 😉

Das Essen ist übrigens ganz passabel. Ja, es ist Großküchenessen, dafür aber echt ok. Das Frühstücksbuffet ist immer ziemlich breit gefächert und es kann jeder etwas finden. Abends und mittags gibt es auch immer ein Salatbuffet, was mir sehr entgegen kommt. Der erhoffte Meerblick ist vorhanden und der Lärmpegel erstaunlich gering. Nur der Kaffee ist halt… naja… dafür gibt es Strandbars mit Kaffeeausschank, die werden an mir gut verdienen.

Ich schicke euch sandige Grüße vom Südstrand der gerade sehr stürmischen Insel Fehmarn!

Eure Kerstin

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*Ich habe rein theoretiosch fest vor, über unsere Anreise mit der Bahn noch getrennt zu schreiben. Aber das mit meinen Vorhaben und deren Umsetzung ist immer so eine Sache…

**Es gibt auch Väter hier. Aber deutlich weniger als Mütter. Daher sind die Väter der einfachheit im folgenden Text ganz lieb mitgemeint.

***Dieses Sauberkeitsding hängt bei mir aber sehr mit dem Wohlfühlen zusammen und Wohlfühlen muss man sich schon zum Entspannen.


Anmerkung: Mittlerweile habe ich das Thema SAUBERKEIT nochmals angesprochen und habe das Gefühl, dass man ernsthaft an Feedback interessiert ist und etwas ändern möchte.

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