Tag: stillen

Warum ich trotzdem stille…

Vorwort:

Ich musste in dieser Überschrift irgendwie das Wörtchen TROTZ unterbringen, denn in diesem Beitrag geht es um meinen Trotz. Meine eigene kleine Trotzphase rund um den mütterlichen Busen, der meine Kinder nährt(e).

Ich leide seit Jahren – böse Zungen würden seit Jahrzehnten sagen – an einer chronischen Puberitis. Ich litt damals zur üblichen Zeit an fiebrig, hitzigen Liebesschwüren, tränenreichem Liebeskummer, anfallartigen Schwärmerein, krankhafter Geschmacksverirrung und hatte stets einen unfassbar riesigen Pickel mitten auf der Nase, wenn irgendwas wichtiges anstand. Also immer.

Ich pubertierte. Laut meiner Mutter sogar sehr intensiv, zickig und laut. Was ich aber dabei vergaß, war die Rebellion. Irgendwie schaffte ich es zwar pickelig, zickig und dauermelancholisch zu sein, aber mir fiel irgendwie nichts ein, wie ich mich hätte auflehnen können. Oder wogegen. Vielleicht war ich auch einfach nur zu faul.

Das Ende vom Lied ist eine verschleppte Puberitis, die immer mal wieder in spontanen Trotzphasen akut wird. Da bin ich dann mal einfach dagegen. Weil wegen isso. Eines dieser Themen, die solche Trotzanfälle bei mir auslösen ist das Stillen.

Fröhlich, unbeschwertes Tandemstillen

Bei den Zwillingen war das noch kein allzu großes Thema. Ich hatte vorher noch keine Blogs und keine Elternratgeber rezipiert. Ich war noch jung und unverdorben. Ich habs halt ausprobieren wollen. Es schien mir eine mögliche Option (von mehreren) und zudem die natürlich ursprünglich einmal vorgesehene. Als es nicht so prompt klappen wollte, packte mich vermutlich der sportliche Ehrgeiz. Mein Umfeld, das mir immer das Gefühl gab, ich könne das schaffen und zeitgleich niemals das Nichtstillen als Nichtschaffen oder gar Versagen darstellte, half wohl auch sehr. Ich stillte meine Zwillinge. Tandem. Fast ein halbes Jahr lang.

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Unsere ersten Schritte als Mini-Großfamilie

Heute vor zwei Wochen ging die lange erste gemeinsame Nacht zu Ende. Der Krümel hatte sie auf meiner Brust verbracht. Laut schimpfend, dass man ihn dann doch so ins Leben katapultiert hatte. Wäre es nach ihm gegangen, er hätte vermutlich gerne noch ein paar Stunden oder gar Tage weiter immer wieder Anlauf genommen, angetestet und nochmal kurz pausiert. Aber 12 Stunden nach dem Blasensprung war der Anstupser nun einmal fällig geworden. Was kann ich dafür, dass mein Körper dann gleich genervt den Sprint hinlegt?!

Den darauf folgenden Tag und die komplette nächste Nacht verschlief er dann erschöpft. Und seitdem sind wir im stetigen Wechsel zwischen „Wow, der pennt ja NUR!“ und „Kann der Krümel vielleicht endlich mal schlafen?!“. Aber eigentlich wollte ich euch ein wenig darüber erzählen, wie das denn nun so ist, so mit einem einzelnen Baby. Und mit den beiden „Großen“, die sind ja auch noch da und nun eben große Geschwister. Tja…

Baby schläft

Ein chilligen Einling zum Verwöhnen

Und dann noch nen chilligen Einling zum Verwöhnen wünschte sich der Zwillingspapa mal vor vielen Monaten, unsere Zwillinge waren selbst erst wenige Wochen alt. Lassen wir mal außen vor, dass wir uns auch riesig über ein weiteres Doppelpack gefreut hätten (hat nicht sollen sein), ich selbst hätte nicht mit großen Unterschieden gerechnet. Ich habe die Zwillinge nicht als so extrem anstrengend empfunden, hatte aber eben nie den Vergleich. Jetzt hab ich ihn.

Es ist unfassbar einfach, einen reif geborenen Einling zu stillen! Ich bin schockiert. Mein größtes Problem war, dass die Milchbar quasi sofort wieder mit dem alten Angebot die Türen öffnete – 1,5 Jahre nach Geschäftsaufgabe – und der einzige Kunde eben kein Großabnehmer war. Aber seit wir uns aufeinander eingestellt haben, kommen die nimmersatte Raupe und ich super klar. So nen Einling kann man ja quasi im Vorbeilaufen stillen! Keine Burg aus Stillkissen bauen, kein Geturne und Gezappel, bis alle richtig positioniert sind. Einfach Krümel schnappen und zack, da hat er auch schon die Zapfstelle anvisiert und lässt garantiert nicht mehr los, bis er in Rekordgeschwindigkeit vollgetankt hat.

Auch so ein Unterschied: Die Zwillinge waren fit nach der Geburt, aber sehr zart und an der Nahrungsaufnahme nicht sonderlich interessiert. Sie haben wochenlang ziemlich unmotiviert und nur wenig effizient vor sich hingenuckelt. Das scheint auch nicht an der unerfahrenden Erstmama gelegen zu haben, denn der Krümel beweist nun, dass es auch unter den Babys einfach echte Naturtalente gibt. Hoffentlich gewöhnt er sich diesen rasanten Zug bis zur Pubertät und Entdeckung der hopfenhaltigen Genussmittel ab. Sonst wird das noch spannend.

Was die Stillerei allerdings wiederum etwas spannender macht: Wir haben immer höchst interessiertes Publikum. Sonnenschein und Prinzessin müssen sich dann auch immer an die Mama kuscheln und genau gucken, was der Krümel da macht und wie er das macht. Und natürlich müssen sie ihn ganz dringend jetzt eben küssen und umarmen und streicheln. Geht gar nicht anders. Sonnenschein erklärt auch prima, warum er nicht aus der Brust trinkt, sondern nur das Baby: Sonnenschein darf nämlich schon Pizza essen und Sokolade und Musli und Nubeln und Bonbons und Eis und Sokolade und MAMA ICH WILL SOKOLADE!!! Prinzessin will auch haben. Natürlich.

Vergessen? Verdrängt?

Man vergisst und man verdrängt so einiges. Zum Beispiel weiß man, dass ein Baby nachts ständig wach wird, aber wie sich so ein Stillabstand von 90 Minuten anfühlt, das hat man verdrängt. Das fühlt sich nämlich an wie 2 Minuten! Und der Schlafmangel tut fast körperlich weh.

Das kann nur der himmlische Duft so eines Zauberwesens heilen. <3

Ansonsten hat der Krümel bisher auch keinen Rhythmus. Mal schläft er eine Stunde und mal vier am Stück, mal sind die Nächte die Hölle und mal sind sie total ok. Tagsüber würden böse Zungen behaupten, dass er einfach so mitlaufen würde. Aber die haben keine Ahnung, denn der Krümel kann überhaupt noch gar nicht laufen! Geschweige denn das Tempo seiner Geschwister mithalten.

Er schläft meistens einfach. Abgelegt im Laufstall, der quasi als Sicherung vor der Neugier der Zwillinge dient. Eine Wiege wie bei den beiden war uns eben wegen der beiden zu riskant. Die hätte gerne mal nen Überschlag hingelegt oder hätte beim nächsten Rugby-Turnier Bruder gegen Schwester beim Finale im Wege gestanden.

Abends wenn die beiden im Bett sind, holt der Mini dann die Anhänglichkeit raus und spielt „der-den-man-nicht-ablegen-kann“ bis in die frühen Morgenstunden. Das ist auch schön, wenn er sich seine Portion Nähe holt, und ich genieße es, suche aber noch nach einer Stunde am Tag, in der ich schlafen darf. Wenn mir dieser Antrag auf Schlaf demnächst mal bewilligt würde, wäre ich die glücklichste Frau der ganzen Welt*.

Eigentlich wollte ich euch noch was zu den Geschwistern erzählen, aber jetzt habe ich schon soviel geschrieben und gleich kommen die „Großen“ mit Papa wieder von ihrem Friseurtermin zurück und der Krümel zieht auch schon wieder sein Näschen so kraus, als wolle er sagen: Mama macht dich startklar, ich hab gleich ein Hüngerchen.

Ich nutze daher die verbliebenen 2 Minuten, um eine kurze Pause zu machen.

Herzliche Grüße, Eure Kerstin

*Ich glaube, ich bin schon längst die glücklichste Frau der Welt, aber das würde so vermessen klingen. Tun wir mal diplomatisch tun und behaupten, ich wäre am zweit- oder drittglücklichsten. Wir kennen ja die Wahrheit, aber PSSSST! Müssen ja auch die Kinder nicht unbedingt spitz kriegen, dann bemühen sie sich nicht mehr so. 😉

Beiträge von Kerstin haben dieses Bild

Die scheinheiligen Kühe der digitalen Mamis – Eine Anfängerin rastet/rantet aus

Mir fehlt für diesen Text die Einleitung. Aber braucht ein Rant* eine Einleitung? Mir fällt keine ein.

Ich hätte anfangen können, dass ich viele Mamas kennengelernt habe, seit ich vor zwei Jahren selber Mama wurde. Dass ich viele Mama-Blogs kennenlernte, seit ich vor einem Jahr anfing zu bloggen. Dass mir irgendwann zwischen der realen Mama-Welt (meinem eigenen sozialen Umfeld) und dem virtuellen Mama-(Blogger-)Clan eine eklatante Diskrepanz auffiel.

Aber einer solchen Einleitung fehlt der Schwung. Sie nimmt den Leser nicht mit. Also lass ich es.

Noch jemand da, der mitliest?

Ich hätte ja auch feststellen können, dass eines der ersten unter den vielen neuen Worten, die ich in dieser virtuellen Welt kennenlernte, der Begriff der Mommywars** gewesen sei.

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Beitragsbild der Serie

Das erste Jahr mit Zwillingen: Wie klappt das mit dem Stillen oder der Flasche?

Das erste Jahr mit Zwillingen“ ist eine von zwei neuen Serien auf Chaos². Ich möchte mit euch in einer knappen handvoll Beiträgen meine Erfahrungen aus dem ersten Jahr mit dem Doppelpack teilen.

  • Wie stille ich zwei Säuglinge?
  • Wie gebe ich gleich zwei Zwergen die Flasche?
  • Wie klappt das mit dem Füttern?
  • Wie transportiere ich Zwillinge von A nach B?
  • Und wie klappt das eigentlich mit dem Schlafen?

Es gibt viele Dinge, die man sich vorher in der Theorie nur schwer vorstellen kann und ich schrieb in der Vergangenheit schon einmal, dass für mich nie die der Status Quo der anstrengendste war, sondern die Umstellung auf einen neuen Entwicklungsstand der Zwillinge. Gerade hatte sich eine Methode bewährt, gerade wusste ich, wie ich optimal damit umgehen musste und dann war wieder alles anders. 😉

Ich kann euch bei all diesen Dingen nur meine eigenen Erfahrungen niederschreiben. Ich bin keine Hebamme, keine Erzieherin, keine Säuglingskrankenschwester, ich bin Mutter – Zwillingsmutter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Stillen oder Flasche?

Macht euch frei vom Druck stillen zu müssen, denn es ist nicht immer so einfach, wie man es gerne hätte. Dazu braucht es nicht einmal Zwillinge. Aber wenn ihr gerne stillen wollt, dann lasst euch nicht von der Tatsache abhalten, dass es zwei Säuglinge sind. Denn auch das kann super klappen.

Wie war das bei uns?

Ich selber habe über das Thema Stillen in der Schwangerschaft nie nachgedacht, Wie vieles andere auch, habe ich es auf uns zukommen lassen. Unsere Zwillinge wurden bei 36+3 geboren. Das bedeutet, sie waren offiziell noch Frühchen. Außer einem entsprechenden Vermerk im U-Heft hatte es aber keine Auswirkungen. Beide waren fit und hatten prima Werte. Sie waren nur sehr zart und deutlich kleiner als die anderen Babys auf der Entbindungsstation. Das bedeutete zum einen, dass die Ärzte und Schwester sehr darauf bestanden, dass sie nicht noch weiter abnehmen (sonst drohte uns die Verlegung in ein Krankenhaus mit Kinderklinik) und dass sie noch nicht kräftig genug waren, sich an der Brust satt zu trinken.

Es trafen also am 2. Juli 2013 mitten in der Nacht vier absolute Still-Neulinge aufeinander: Ich hatte keine Ahnung und vertraute nur meinem Bauchgefühl, mein Mann hatte noch weniger Ahnung und kein Bauchgefühl (bezogen auf diese Still-Sache) und die Zwillinge hätten vielleicht ne Ahnung gehabt, waren aber zu klein. Da tauchte die Nachtschwester auf und hatte Ahnung! Sie half mir ganz selbstverständlich noch in der Nacht einen Mini anzulegen. Und dass das noch nicht klappte, fand sie völlig normal.

Die Morgen-Visite brachte uns dann den dringenden Ratschlag zuzufüttern und auch abzupumpen. Die Pumpe und ich sahen uns nur an und haben direkt eine ganz innige Feindschaft fürs Leben geschlossen. Sie war mir spontan zuwider und auch der Traummann im Nachbarbett des Familienzimmers fand sie nervtötend. Aber ich pumpte. Ich beschimpfte dieses olle Ding und benutzte es doch. Wirklich viel Erfolg konnte ich nicht vermelden, aber auch beim Stillen machte es noch nicht Klick. So perfektionierte ich noch im Krankenhaus das Füttern mit der Flasche.

Beide tranken winzige Mengen und wenn wir allein waren, weil der Neu-Papa zu Hause noch was herrichten musste, dann klappte das auch stereo. Ich lege mir einfach beide Winzlinge in ein Stillkissen und gab die Fläschchen. Ich wollte nach Hause. Ich wollte es alleine und ganz in Ruhe probieren können. Ich wollte raus aus dem Zimmer. Und da meine Hebamme versprach, uns zweimal täglich zu besuchen, gingen wir auch bald.

Der Weg von der Flasche zum Vollstillen

Wie lange kann so ein Winzling eigentlich trinken? Wieviel Zeit braucht man zum füttern? Ich kann es euch sagen!

Wir taten die ersten Wochen nichts anderes als zu stillen, füttern, spülen, pumpen, sterilisieren,…! Getrieben von der Ansage, dass beide zunehmen müssten und ihrem Unwillen sich selbst zwecks Nahrungsaufnahme zu melden, weckten wir die Zwillinge anfangs alle zwei, später dann alle drei Stunden und legten los.

Der Neu-Papa erwärmte die zuvor abgepumpte Muttermilch vorschriftsmäßig und machte ein Fläschchen für Zwilling Nr. 1, während ich mir Zwilling Nr. 2 schnappte und anlegte. Immer mal wieder wurde dies vom kritischen Blick meiner Hebamme auf korrekte Durchführung kontrolliert. So nuckelte Nr. 1 eine dreiviertel Stunde lang an einer Schnapsglas-großen Menge Muttermilch aus der Flasche, während Nr. 2 und ich das mit dem Stillen versuchten. Anschließend wurde Nr. 1 satt und frisch gewickelt wieder in die Wiege gelegt, das Fläschchen für Nr. 2 zubereitet und vom Neu-Papa verabreicht, während ich mich mit meiner Lieblingsfeindin der Milchpumpe gemütlich ins Bett kuschelte. Schließlich sollte auch für die nächste Runde genug Muttermilch vorhanden sein.

Auf Grund unserer innigen Zuneigung schafften die Pumpe und ich aber nie zwei volle Portionen in den Kühlschrank zu zaubern. So musste immer auch ein wenig Pulvermilch herhalten. Alles in allem waren wir meist eineinhalb Stunden mit dem Dreiklang aus Stillen, Zufüttern, Abpumpen beschäftigt. Da mag es nicht verwunderlich sein, dass ich keine Lust darauf hatte, das ewig weiterzumachen. Mindestens eines der drei Dinge musste demnächst wegfallen.

Entweder hörte ich auf zu pumpen (Pulvermilch wäre die Alternative) oder ich gebe das Stillen auf oder sie schaffen es endlich sich an der Brust satt zutrinken. Im Kopf hatte ich die Aussage meiner Freundin (fachlich da „leicht“ vorbelastet), die mir in Aussicht gestellt hatte, dass sie mit dreieinhalb Kilo Kampfgewicht bzw rund um ihren eigentlichen Geburtstermin herum schon kräftig genug sein würden.

3000 Gramm am errechneten Geburtstermin

Rund um diesen magischen Termin überschritt der erste Zwilling die 3-Kilo-Marke und auch die kleine Schwester war nicht mehr weit davon entfernt. Und tatsächlich: nach knapp 5 Wochen trank sich zum allerersten Mal ein Zwilling satt und mochte die angebotene Flasche danach gar nicht mehr haben! Ich habe es gefeiert wie ein bestandenes Abitur! Meine Kinder können trinken! Wow!

Es gab eine kurze Zeit im Anschluss, da bekam immer ein Zwilling die Flasche und einer wurde gestillt. Immer schön im Wechsel. Aber ich bin ja von Natur aus eine Mischung aus Neugier und Ungeduld und so machten wir uns zu viert an das große Abenteuer Tandemstillen.

Ich baute eine Burg aus (Still-)Kissen rund um mich herum und der Assistent, Mitbewohner und Neu-Papa reichte die Winzlinge an. Es klappte! Ab diesem Zeitpunkt habe ich der Pumpe neben meinem Bett freundlich aber bestimmt erklärt, dass unsere Beziehung nun beendet sei. Ich habe sie eh nie leiden mögen und von nun an würden wir getrennte Wege gehen. Ich glaube, sie war darüber genauso erleichtert wie ich.

Die Notfallflasche

Die Notfallflasche begleitete uns noch sehr lange. Wochenlang stand immer abends genau eine benutzte Flasche auf der Spüle. Wie sie dahin kam?

Ich wollte mich nicht stressen. Das bedeutete zum einen, dass in die Flasche immer nur Pulvermilch kam und ich wirklich nicht mehr pumpte. Zum anderen war sie mein/unser Notanker. Waren wir unterwegs, dann waren immer zwei Flaschen im Gepäck. Denn bekamen die Zwillinge unterwegs Hunger, dann habe ich immer nur einen gestillt. Diese Tandem-Aktion war mir in der Öffentlichkeit zu akrobatisch und auch zu exibizionistisch. Man sitzt da ja schon ziemlich offenherzig rum.

Auch zu Hause passierte es hin und wieder, dass ich mal den Verdacht hatte, einer der beiden wäre nicht satt geworden. Und dann habe ich meine kleine Notfallflasche hervorgezaubert. Immer öfter stellte ich sie allerdings unangerührt auf die Spüle. Das war ok so. Die Notfallflasche und ich waren Freunde und ich nahm sie trotzdem überall mit hin. Sie war mein Backup.

Irgendwann aber waren wir so ein eingespieltes Trio, dass wir den Neu-Papa nicht mehr als Still-Assistenten benötigten und abends keine benutzte Flasche mehr auf der Spüle stand. Und das war dann lange Zeit so völlig ok. Als es das nicht mehr war, habe ich einseitig nach langer Grübelei unser Still-Team aufgelöst und die Flaschen wieder aus dem Schrank geholt. Leichtfertig habe ich nicht abgestillt, aber nach fast 6 Monaten war bei mir der Punkt erreicht. Ich konnte und wollte nicht mehr.

Wenn man allerdings von 12 Stillmahlzeiten am Tag (im Schnitt) abstillen will, dann ist das keine leichte Sache. Da braucht es eine gute Hebamme, die einen begleitet. Und das hat meine auch. <3 Und sie hat mich beglückwunscht, dass ich so lange gestillt habe trotz der anfänglichen Stolpersteine.

Aber so konnte ich im Anschluss noch das Stereo-Flaschen-Geben ausreichend trainieren. Und so gebe ich euch heute meine Tipps zum Stillen und Fläschchen geben von Zwillingen weiter:

Zwillinge stillen

  • Die erste Frage ist: nacheinander oder gleichzeitig?
    Da scheiden sich die Geister und ich kenne sowohl Zwillingsmütter, die grundsätzlich nacheinander stillen, als auch reine Tandemstillmamas. In unserem Fall wäre nacheinander ohne Notfallflasche nie möglich gewesen, denn bis zum Abstillen brauchten beide jeweils mindestens 30 Minuten. So lange will kein Säugling warten müssen, bis er dann auch mal darf. Oder anders gesagt: solange kann man als Eltern keinem vor Hunger weinenden Säugling untätig zusehen.
  • Die Variante „nacheinander“ hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass man wesentlich bequemer stillen kann als Mutter. Ich bin zwar auch häufiger beim Stillen eingeschlafen, aber das lag eher an meiner Übermüdung als daran, dass es so bequem gewesen wäre. Während man Zwilling Nr. 1 stillt, sollte man Zwilling Nr. 2 idealerweise in Reichweite betten, um ihn beruhigen zu können.
  • Tandemstillen kann man auf viele Arten – mit und ohne Hilfsmittel wie Stillkissen. Es gibt extra Zwillingstillkissen, über die ich viele Lobeshymnen gelesen habe. Ich selber kann dazu wenig sagen, denn ich hatte keines. Ich habe mir aus zwei normalen Stillkissen und zwei kleineren Lagerungskissen eine kleine Burg gebaut. Wichtig ist, dass ihr halbwegs bequem sitzen könnt und nicht verspannt in der Position. Beide Kinder müssen sicher liegen und natürlich die Nahrungsquelle gut erreichen können, ohne das Mama sich dabei verrenken muss.
  • Viele Interessante Infos zum Thema habe ich hier gefunden: Zwillinge stillen?

Zwillinge mit der Flasche füttern

  • Auch hier ist wieder die erste Frage: nacheinander oder gleichzeitig?
    Das müsst ihr ausprobieren und für euch den richtigen Weg finden.
  • Nacheinander könnt ihr die Fläschchen geben, in dem ihr ganz gemütlich euer Kind im Arm haltet. Ganz so wie eine Einlingsmama. Aber was ist mit dem zweiten, wenn es gerade nicht schläft? Ich habe da von vielen Zwillingsmüttern gehört, dass sie währenddessen den zweiten mit dem Fuß in einer Wippe oder Federwiege sanft schaukeln.
  • Wenn ihr beiden gleichzeitig die Flasche gebt, dann müsst ihr sie irgendwo sicher und bequem hinlegen. Sie sollten so liegen, dass ihr beiden gut die Flasche geben könnt. Es gibt dabei unterschiedliche Varianten:
    • Es gibt Hochstühle, die Säuglings-Aufsätze wie Babyschalen haben.
    • Viele Zwillingseltern schwören auf Wippen zum Füttern und Fläschchen geben.
    • Ich habe immer ein Stillkissen auf Bett oder Sofa gelegt und dort beide mit leicht erhöhtem Oberkörper reingebettet. Eine Stoffwindel reichte, um beide Kinder abzudecken (sie haben gekleckert wie wild) und dann werden die Arme trainiert. Denn ja, wenn Kinder ewig brauchen zum Nuckeln, dann können auch Babyflaschen auf Dauer sehr schwer werden.
  • Anmerkung: Eine große Erleichterung war für mich der Zeitpunkt, an dem der erste seine Flasche alleine halten konnte. Sonnenschein konnte das mit einem knappen halben Jahr. Prinzessin macht das heute noch nicht gerne.

Kann man Zwillinge synchronisieren?

Kann man sicherlich und wir haben das auch im zweiten Lebenshalbjahr sanft gemacht, indem wir einen ziemlich exakten Tagesablauf eingehalten haben. Aber ob man das schon sehr früh beginnen sollte? Ich kann euch dazu keine klare Anwort geben.

Ich selber fand es recht angenehm, dass unsere Kinder von Anfang an immer ziemlich ähnliche Zeiten hatten. (Oder haben wir sie dazu gebracht, weil wir sie anfangs immer wecken mussten?) Manchmal hat sich auch erst nur einer gemeldet, weil er Hunger hatte. Da aber die gesamte Stillprozedur so lange dauerte, habe ich mir den zweiten immer schon mitgenommen und ihm ebenfalls einen kleinen Snack angeboten. Riskierte ich schonmal nur den einen Zwerg zu stillen, während der andere noch schlummerte, dann durfte ich ganz sicher 10 Minuten später mit einem Kind an der Brust zusehen, wie ich das zweite bei Laune halte. Nachdem die ersten Wochen überstanden waren, haben wir nachts auch nicht mehr geweckt, um zu füttern. So kam es, dass ein Zwilling nachts drei oder vier Mal gestillt wurde und der andere nach sechs Wochen mehr oder weniger durchschlief.

Zwillinge, die ihre ersten Lebenswochen im Krankenhaus verbringen müssen, weil sie deutlich zu früh geboren wurden, sind meistens vom Krankenhaus her schon eine ganz exakte Taktung gewöhnt. Wenn man als Eltern nicht das Gefühl hat, dass sie von sich aus es ganz anders wünschen würden, dann kann man sicher auch zu Hause bei diesem Rhythmus bleiben.

Und nun? Soll ich nun Stillen oder nicht?

Das kann ich dir nicht sagen! Wenn du deine Zwillinge stillen willst, dann versuche es! Es kann klappen und es kann ein wunderbarer Weg sein. Du sparst eine Menge Geld (doppelt soviel wie bei einem Flaschenkind) und Schlepperei (Flaschen, Wasser, Pulver in der Wickeltasche), musst nicht ständig spülen und sterilisieren. Und natürlich ist es gesund! Aber setz dich nicht unter Druck, denn vielleicht ist es anfangs nicht so einfach.

Die Flasche ist aber kein Versagen! Du kannst auch ruhigen Gewissens deinen Kinder hin und wieder oder auch ausschließlich die Flasche geben, ohne dass sie nachhaltig Schaden nehmen. Ich habe da nie Schuldgefühle gehabt und hätte es damals nicht geklappt, ich hätte auch wenig später ohne schlechtes Gewissen komplett auf Flasche mit Pulvermilch umgestellt. Und ja… Muttermilch ist und bleibt natürlich das Beste für eure Kinder.

Aber die Pumpe und ich… naja ihr wisst schon. Und eine gereizte, gestresste Mutter ist ganz sicher nicht die beste Voraussetzung. ;

Links zum Thema:


Dieser Beitrag spiegelt meine Erfahrungen wieder! Ich bin mir sicher, dass eine Hebamme oder Stillberaterin vieles ganz anders sehen würde. Dies ist kein fachlich korrekter Artikel sondern ein Erfahrungsbericht. 😉

Baby: Wie schafft man die ersten Wochen mit Zwillingen

10 Tipps für die ersten 12 Wochen mit Zwillingen!

Die ersten Wochen im Leben eines kleinen Menschen sind für seine Eltern oftmals anstrengend und gerade beim ersten Mal eine echte Herausforderung. Zwillinge sind nochmal ein Baby mehr, das gestillt, gewickelt und geschuckelt werden will. Aber auch das geht. Wie?

Vier überlebende Zwillingsmütter berichten.

Ihre Tipps für die ersten drei Monate findet ihr auf ihren Blogs:

„Wie packen Mama und Papa die ersten Wochen mit uns als doppeltes Glück?“

Ja, Tatsache: Ich wage das Experiment, meine Zwillinge  Sonnenschein und Prinzessin kluge Ratschläge geben zu lassen. Wer, wenn nicht sie selbst, wüsste am besten, wie man Säuglinge im Doppelpack bändigen kann?! Und, was sagen sie dazu? Read more