Liebeserklärung an die Familie

Kerstin —  28. Juni 2014 — 5 Kommentare

Zwillinge an Mamas Bein

Ich bin ein totaler Familienmensch. Schon immer.

Familienfeste lösen auf mich bis auf wenige Ausnahmen keine vorherigen nervösen Zuckungen aus. Ich mag sie.

Schon als Kind liebte ich die Weihnachtsfeste mit meinen ziemlich zahlreichen Cousinen und Cousins. Auch wenn meine Eltern diese Verpflichtungen vielleicht als Stress empfunden haben. Ich war immer eine der Kleinsten und die Animation durch die Großen war ein absolutes Highlight.

Seit ich Mutter geworden bin, weiß ich Familie noch auf ganz andere Art zu schätzen. Für den Blog ist meine familiäre Situation allerdings echt haarsträubend. Geschichten von bösen Schwiegermonstern und nervtötenden Familienfesten sind immer so erheiternd und ich werde vermutlich nie dazu kommen, solch amüsanten Stoff zu verbloggen. Das deprimiert mich dann doch ein wenig.

Nicht dass es hier niemals Streit geben würde! Den gibt es. Immer mal wieder. Und natürlich treiben mich manche nervige Eigenarten der diversen Familienmitglieder oft genug an den Rand des Wahnsinns, aber das gehört zu Familie dazu.

Als wir verkündet haben, dass doppeltes Glück droht, waren die zukünftigen Großeltern sofort begeistert.

Und dann waren sie endlich da. Zwei Miniatur-Enkel!

Unsere Prinzessin erwies sich schon früh als die anstrengendere der beiden. Der Sonnenschein gluckste und gurrte selig vor sich hin, während Madame gerne volle Aufmerksamkeit genoss. Prinzessin wurde also immer und überall von ihren Omas durch die Gegend geschuckelt, sobald sie uns besuchten oder wir sie.

Besonders in den Abendstunden der ersten Wochen brüllte sie unablässig und so hatte sie ihren Platz im Fliegergriff bei Mama und Papa dauerhaft abonniert. Wir waren beide nicht traurig, wenn Besuch (zB die Familie) den anstrengenden Job als Trageservice hin und wieder übernahm.

Mama kann nicht ohne Arbeit

So vernarrt ich in meine Beiden bin, so schwer es mir fällt, sie auch mal abzugeben, so sehr liebe ich meine Arbeit. Also habe ich nur wenige Wochen ganz aufgehört zu arbeiten. Wenn man aber voll stillt und einen Kundentermin wahrnehmen muss, kann das abenteuerlich werden. Wer ist denn auch so bekloppt, mit zwei Säuglingen durch halb Deutschland zu reisen, morgens hin und abends zurück, um an ein paar Meetings teilzunehmen? *räusper* Ich.

Ohne Familie könnte ich das nicht bzw es wäre ungleich schwerer. Einen solchen „Ausflug“ von rund 300km (eine Strecke) haben wir zum Beispiel unternommen, als die beiden vier Monate alt waren. Die Zugfahrt ist rein theoretisch ein Kinderspiel, wenn die Bahn nicht plötzlich reservierte Kleinkindabteile gar nicht an den Zug koppeln würde. Aber das ist eine andere sehr wilde Geschichte. Hilfe kann aber auch dabei nicht schaden, denn viele Wege sind mit Zwillingskinderwagen nicht gerade einfach zu bewältigen. Zwei weinende Kinder sind zu zweit deutlich einfacher zu beruhigen. Für das Entertainment der kleinen Mäuse während der Besprechungen war Hilfe essentiell. Also fuhr mein Bruder mit. Danke!

Ja, ich habe auch zwischendurch mit schlafenden Kind auf dem Arm präsentiert, aber die meiste Zeit hat sich der Onkel der beiden um die Unterhaltung der 2-Mann-Community gekümmert.

Nach 6 Monaten wurden die Oma-Tage eingeführt. Jede Oma hat einen festen Nachmittag pro Woche übernommen, an dem Mama arbeiten konnte. Die Omas kamen zu uns nach Hause und ich habe mehr oder weniger effizient arbeiten können. Immer mit einem Ohr im Wohnzimmer.

Welch wahnsinnigen Vorteil dieses Arrangement für alle Beteiligten hatte, zeigte sich in den nächsten Wochen. Prinzessin fing an zu fremdeln. Nicht ein bisschen. Nein, sie fremdelte total engagiert und mit voller Dramatik. Näherte sich eine Person dem Kinderwagen, wurde die Unterlippe vorgeschoben, fing leicht an zu beben und signalisierte den Auftakt zu einem Schreikonzert mit bewundernswertem Tremolo. Omas waren ausgenommen.

Startklar für den Spaziergang

Das rettete den Familienfrieden, als es bei uns unfreiwillig turbulent wurde. Krankheit erst des einen und dann beider Zwerge inklusiv Krankenhausaufenthalt, kräftezehrende lange Genesungszeit und anschließend nahtlos mein Schulterbruch. Ohne die Hilfe der Familie wären wir zwischendurch bestimmt völlig zu Zombies mutiert.

Mama ist abgemeldet

Wenn es heute hier an der Tür klingelt, dann legen die Zwillinge einen Sprint zur Wohnungstür hin. Es könnte ja eine Oma sein? Mindestens einer, der mit uns spielt! Tritt tatsächlich Oma über die Türschwelle, bin ich abgemeldet. „Hma“ muss dann füttern, „Hma“ muss dann wickeln, „Hma“!!!

Das ging gestern soweit, dass Schwiegereltern nach 3 Wochen Urlaub, das erste Mal wieder bei uns waren und Oma gar nicht wieder von der Prinzessin losgelassen wurde. Die Kleine fremdelt übrigens weiterhin gerne. Anfassen darf sie niemand, ohne sich nicht vorher eine halbe Stunde aus sicherer Entfernung bewundern zu lassen.

Und Mama? Die freut sich darüber. Natürlich kann es einem einen Stich versetzen, wenn das eigene kleine Baby lieber von jemand anderem gefüttert werden mag, aber das muss es nicht. Ich weiß, ich bin ihre Mama und DIE Bezugsperson. An mir klammern sie sich oft genug fest. Ich freue mich, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich sie dann doch mal abgeben muss. Es geht ihnen gut.

Es ist doch wunderschön, wenn Kinder in einer Familie aufwachsen dürfen. Und für mich bedeutet „Familie“ nicht Mama-Papa-Kind, sondern ich meine die gefühlte und erweiterte Familie. Ob nun klassisch oder Patchwork, Papa-Kind-Oma-Onkel-Familien oder Mama-Mama-Kind-Cousinen-Freundinnen-Clans… unsere Familie zieht sich bis zur Schwiegerstiefuroma der beiden, die ebenfalls gerne einmal eine Runde mit ihnen spazieren geht.

Wie lebt ihr Familie? Habt ihr auch so eine enge Bindung oder seid ihr eher froh, wenn sie nicht in der Nähe sind?

Und könnt ihr loslassen? Eine Stunde entspannt abschalten, während der kleine Wurm von Familienmitgliedern betreut wird?

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Kerstin

Beiträge

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

5 Antworten zu Liebeserklärung an die Familie

  1. 

    Ich hab das gerne gelesen.
    Unsere Jungs haben faktisch drei Omas. Ich nenne sie jetzt mal Willnich, Kannnich und Warumsollteich (um ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren). Ich muss die Kinderküsse nicht teilen. Damit ist dann auch schon alles zu unserer Situation gesagt 🙂
    Du kannst dich auf deine Familie verlassen und die Kinder lieben die Omas und dein Bruder kommt sogar als Eskortservice mit auf DR! Wow! Halte das fest, das ist was Besonderes! Nichts, was selbstverständlich ist ❤ Du bist wahrscheinlich auch ein Mensch, der sehr viel in diesen Familientopf einzahlt an Zuwendung und Engagement.

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    • 

      Danke.
      Ja, ich bin sehr froh und dankbar eine solche Familie zu haben und würde so einen Zusammenhalt wirklich jedem wünschen!

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  2. 

    Kurz gesagt: Neid! Wir haben jetzt eine Art Leihomi über die Caritas ab nächster Woche. Echte Omis sind doch unbezahlbar!

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  3. 

    Ich beneide dich darum, dass du sie so nah hast.

    Bei uns ist es so, dass beide Großelternpaare rund 200km weg wohnen. Daher haben wir im ganz normalen Alltag(swahnsinn) keine direkte Unterstützung. Das kennen wir so auch nicht anders.

    Im Notfall können sie innerhalb von zwei Stunden da sein, solang es sich mit dem Arbeitsalltag natürlich vereinen lässt.
    Da beide nicht an einem Ort sind, müssen wir natürlich mit der Fahrerei etwas jonglieren. Wir sehen sie im Schnitt alle vier Wochen.

    Die Bindung unserer Söhne ist trotzdem enorm. Das war meine ganz große Befürchtung, als ich schwanger war, dass meine Kinder aufgrund der Entfernung kaum eine Beziehung zu den Großeltern haben.
    Aber das Gegenteil ist der Fall. Klar „mal allein eine Nacht dort übernachten“ geht nicht, aber mit einem langen Wochenende haben wir angefangen, mittlerweile sind sie pro Jahr zweimal bei den Großeltern für je eine Woche und je Paar und nun je Kind.
    Der Kleine war Ende September, der Große fährt am Sonntag zu meinen Eltern.

    Das entlastet uns natürlich auch und für die Jungs und die Großeltern ist es ein Freude.

    Trotzdem manchmal wäre es im Alltag einfach mal schön zurückgreifen zu können. Das muss nicht immer ein Tag die Woche sein… aber einfach die Möglichkeit haben, wäre schon schön.

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    • 

      Ja, wir haben wirklich Glück.
      Ich finde es aber ganz toll, dass deine so eine innige Bindung zu den Großeltern haben.
      Auswärts haben unsere bisher nur mittags geschlafen. Sie schlafen nachts einfach noch sehr unbeständig.

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