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Tipps für werdende Zwillingseltern

Eltern wissen alles besser. Immer.

Eltern wissen auch immer alles besser als alle anderen Eltern! Ganz bestimmt!

Nicht immer ist es Besserwisserei und nicht alle gut gemeinten Ratschläge nerven. So hat Sebastian aufgerufen, Tipps für werdende Eltern zu sammeln. Denn zwischen Theorie und Praxis liegen oft Welten. Vieles malt man sich vorher ganz anders aus und einiges stellt sich im Nachhinein als unnötig oder unbegründet heraus.

Da fühle ich mich berufen, doch auch einmal kluge Ratschläge zu verteilen. Ich möchte dabei vor allem, auf die werdenden Zwillingseltern unter euch eingehen.

0. Habt keine Angst!

Das wichtigste vorne weg: Ihr müsst euch keine Sorgen machen, ob ihr das schafft oder ob ihr dem Abenteuer Zwillingen gewachsen seid.

Ihr seid es!
Ganz bestimmt!
Ich spreche da aus Erfahrung. 😉

Und wenn ihr ein wenig Mut braucht, dann könnt ihr nachlesen, warum ihr das als weltbeste Zwillingseltern rocken werdet.

1. Stellt euch darauf ein, dass Pläne Theorie sind und der Alltag Chaos

Bestes Beispiel ist dieser Beitrag zur Blogparade. Der erste Entwurf wurde vor 7 Tagen von mir geschrieben. Fast fertig! Eigentlich müsste man nur noch eben kurz…

Für „eben kurz“ hatte ich in den letzten 7 Tagen keine Zeit.

Man kann noch so toll organisiert sein, wenn Kinder kommen, übernehmen sie das Kommando. Der Alltag folgt ihrem Takt und man tut gut daran, sich damit abzufinden. Es bringt überhaupt nichts, wenn man sich ständig über das Chaos aufregt – maximal ruiniert man damit seine Nerven. Improvisation ist alles.

Und dann kann ich nun auch ganz elegant mit meinen eigentlichen Tipps für die kugelrunden Zwillingsmamas und zukünftigen Zwillingsväter loslegen:

Herzlichen Glückwunsch! Ihr dürft euch nun auf eine spannende Zeit voller kluger Kommentare bereit machen. Und mit der Geburt ist dies noch lange nicht vorbei. Auf geht’s!

2. Lasst euch nicht nervös machen

Ja, Zwillinge sind etwas besonderes. Aber um den Chefarzt meiner Entbindungsklinik frei zu zitieren „Zwillinge sind auch nur einer mehr„.

Nicht jede Zwillingsschwangerschaft ist eine Risikoschwangerschaft und die Zeit bis zur Geburt muss kein Bangen und Bibbern sein. Da spielen viele Faktoren eine Rolle: ein oder zwei Fruchtblasen, ein oder zwei Plazenten, die üblichen Risikofaktoren jeder Schwangerschaft, etc. Nicht alle Zwillingsgeburten sind Kaiserschnitte und nicht alle Zwillinge Frühchen. (Genauer kann und will ich darauf nicht eingehen, den ich bin keine Medizinerin!) Aber geht definitiv nicht gleich von Problemen aus oder lasst sie euch einreden.

Wichtig ist eine gute Betreuung durch einen Arzt und/oder Hebamme, zu der ihr Vertrauen habt. Die euch nicht verrückt machen, aber doch rechtzeitig und mit verständlichen Worten mögliche Probleme ansprechen.

Ich bin nicht wöchentlich beim Arzt gewesen und auch erst im späteren Verlauf der Schwangerschaft im 2-Wochen-Takt. Es gab nur eine Feindiagnostik in der 20. Woche, keinen stationären Krankenhausaufentalt während der Schwangerschaft. Sonnenschein und Prinzessin wurden in der 37. Woche spontan nach Blasensprung geboren und waren fit. Ich konnte sie relativ lange voll stillen.

Vieles davon haben Teile unseres Umfelds vorher (auch die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs) für unwahrscheinlich erklärt. Es klappte aber alles wie selbstverständlich.

Wenn ihr mehr über meine eigene Zwillingsschwangerschaft lesen wollt, dann findet ihr hier die Serie.

3. Verkrampft nicht

Es ist eine Zwillingsschwangerschaft.

Das kann anstrengend sehr werden (muss es nicht) und wie in jeder Schwangerschaft läuft nicht immer alles so, wie man es sich wünscht oder ausgemalt hat. Versteift euch nicht auf Wunschvorstellungen. Dann wird man nur enttäuscht.

Ein Kaiserschnitt ist kein Weltuntergang und manchmal eben angeraten. Bei Zwillingen durchaus signifikant häufiger als bei Einlingen, da einige Faktoren mehr zu beachten sind. Stillen ist schön, aber es klappt nicht immer. Ob nun mit einem oder zweien. Es ist keine Schande, wenn man eine Flasche gibt, zufüttert oder komplett auf Pulvermilch setzt. Je weniger Druck man sich da macht, umso besser.

Die erste Zeit mit Baby und das Gefühl Eltern zu sein, kann man sich vorher gar nicht ausmalen. Versucht es einfach nicht. Es wird eh anders. Schöner und vielleicht auch anstrengender als man es sich je vorstellen würde.

Ein paar Tipps den ersten 12 Wochen mit Zwillingen habe ich euch hier notiert.

4. Kauft nicht wie bekloppt ein

Ein Baby braucht anfangs nicht viel. Zwei Babys brauchen schon gar nicht doppelt soviel. Größere Anschaffungen sind der Kinderwagen, Wickeltisch, Bett(en) und Autoschalen. Zwillinge schlafen übrigens meist gerne lange gemeinsam in einem Bett.

Der ganze Kleinkram kommt dann eh schnell genug zusammen. Vieles bekommt man geschenkt. Das meiste kann man genau dann kaufen, wenn es wirklich benötigt wird. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit überflüssigen Kram anzuhäufen.

Und lasst euch nicht nervös machen wegen einer möglichen Frühgeburt (s.o.) und kauft deswegen frühzeitig alles ein. Käme es wirklich dazu, dann liegen die Zwerge eine ganze Zeit noch im Krankenhaus und es ist total egal, ob das Kinderzimmer zu Hause fertig ist oder nicht. Meist wird um den errechneten Geburtstermin entlassen. Wenn ihr vorher schon gemeinsam euch informiert habt (s.u.), kann das alles erledigt werden, während Mama und Zwerge noch im Krankenhaus weilen.

5. Informiert euch in Ruhe und frühzeitig

Es widerspricht sich nur auf den ersten Blick mit dem vorangegangenen Punkt. Um einige Punkte sollte man sich gerade in einer Zwillingsschwangerschaft bei aller Gelassenheit und Ruhe frühzeitig informieren. Das kann sonst in Stress ausarten.

Es muss wirklich nicht sein, aber gerade werdende Zwillingsmütter können eventuell schnell nicht mehr so, wie sie wollen. Die Schwangerschaft ist mit Zwillingen oftmals deutlich anstrengender als mit einem Einling. Das bedeutet, dass man nicht mehr lange bummelnd durch Geschäfte laufen kann, Autofahrten auf das nötigste beschränkt und vielleicht sogar irgendwann den ganzen Tag halbliegend verbringt. Auch vorbeugende längere Krankenhausaufentalte könnten die werdende Mama außer Gefecht setzen.

Deswegen muss man keineswegs schon im vierten Monat das Kinderzimmer einrichten, Autositze und Kinderwagen kaufen, aber es hilft, wenn man sich alles schon mal unverbindlich ansieht.

Wir haben uns mit Anschaffungen ja generell sehr sehr viel Zeit gelassen, aber wenn es hart auf hart gekommen wäre, hätte mein Mann alles auch ohne mich besorgen und einrichten können, denn die wichtigsten Dinge hatten wir uns früh gemeinsam angesehen. Er kannte meine Vorstellungen.

Einige Anschaffungen erfordern auch eine Zeit der Information. Bestes Beispiel ist der Kinderwagen.

Zwillingskinderwägen sind nicht nur sehr viel schwerer und größer als normale Kinderwagen, sie sind auch teurer. Man ärgert sich später schwarz, wenn man täglich mit einem unpraktischen Monstrum hantieren muss. Ich habe von nicht wenigen Zwillingseltern gehört, die sich schon früh im ersten Jahr einen zweiten, neuen Kinderwagen angeschafft haben, weil der erste unpraktikabel war. Und das haut finanziell oft ein dickes Loch in die Familienkasse.

  • Welcher Wagen passt zu euch? Was ist euch wichtig?
  • Muss er besonders stabil sein? Könnt ihr ihn ebenerdig abstellen, ohne dass er zusammen geklappt werden muss? Muss er vielleicht immer in den Keller getragen werden? Wie groß ist euer Auto? Etc

Uns waren folgende Punkte wichtig:

  • Schnell auf- und zusammenklappbar für den Transport – kleines Packmaß
  • Leicht, damit ich ihn bequem ins Auto bekomme und in den Keller
  • Schmal, damit wir durch Standardtüren, Supermarktkassen und in Aufzüge passen
  • Wendig und leicht zu lenken, da ich auch in Arztpraxen und schmalen Gängen der Geschäfte ihn manövrieren muss
  • Leicht und ohne Ruckeln zu lösende Wannen oder Tragetaschen, damit die Babys schlafend in die Wohnung getragen werden können
  • Adapter (leicht und schnell zu montieren) für die Babyschalen für kurze Wege
  • Möglichkeit, die Kinder entgegen der Fahrtrichtung (mit Blick zur Mama) in die Sportsitze setzen zu können

Entsprechend haben wir online nach leichten und kompakten Wagen gesucht und Erfahrungsberichte gelesen. Anschließend sind wir in die Babygeschäfte gefahren, die unsere Favoriten auf Lager hatten und haben uns die Modelle angesehen. Ich habe sie aufgeklappt, umgebaut, ins Auto gehoben, gefahren, …

Endgültig entschieden haben wir uns später und auch recht spät bestellt, aber da hätte ich schon lange keine Stunde mehr im Babymarkt verbringen können, geschweige denn Kinderwagen heben.

Wir haben für uns den perfekten Wagen gefunden. Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es hier.


Wenn ihr weiterlesen wollt, dann empfehle ich euch zwei Geburtsberichte auf Janas Hebammenblog, die ganz unterschiedlich verlaufen sind:

Ingas Geschichte von einer mühsamen Risikoschwangerschaft und die spontane Zwillingsgeburt von Emmas Wundermädchen.

Ein Zwillingsforum mit unheimlich lieber Community aber extrem umständlichen Foreneinstellungen ist Eins kann jeder. Dort findet man von A wie (zwillingstaugliches) Auto bis Z wie Zwilling zu allen Themen Erfahrungen und kommt mit gestandenen Zwillingseltern ins Gespräch – falls man es geschafft hat, Schreibrechte zu ergattern. 

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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