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Zwillinge: Die Sache mit dem Elterngeld

Die Sache mit dem Elterngeld. Die ist so einfach und doch so wahnsinnig kompliziert. Wenn man dann noch Zwillinge hat, kann das ganz schön verwirrend werden. Deswegen werde ich mich hier mit einer neuen furztrockenen Rubrik versuchen und wage mich an kleine Service-Beiträge rund um das Thema „Behördenkram“. Heute fangen wir mit dem Thema Elterngeld an:

Wo beantragen?
Wann beantragen?
Wie lange wird es gezahlt?
Wie hoch fällt es aus?

Zwillinge! Rückwirkend zusätzlichen Anspruch geltend machen!

Der Grundgedanke hinter dem Elterngeld

Das Elterngeld soll im ersten Lebensjahr des Kindes das wegfallende Einkommen eines Elternteils ein wenig ausgleichen. Elterngeld gibt es für alle Eltern, die ihren Säugling selbst betreuen und deswegen auf ein Einkommen verzichten müssen. Kein Elterngeld gibt es für Elternpaare mit einem jährlichen Einkommen von über 500.000 € oder Alleinerziehende mit über 250.000 € Jahreseinkommen.

Wo kann ich das Elterngeld beantragen?

Das Elterngeld wird vom Bund gezahlt, die Bundesländer bestimmen allerdings, wo man das Elterngeld beantragen kann, wo es berechnet wird und wie man es beantragt. Ganz schön verwirrend. In NRW sind es die Kreise und kreisfreien Städte; ihr findet eure zuständige Elterngeldstelle hier. In der Berlin sind es die Jugendämter der Wohnbezirke. Alle Elterngeldstellen der Republik können dieser Liste entnommen werden. Förderalismus bedeutet auch eine Vielzahl abweichender Antragsformulare. Deswegen kann ich euch hier nicht den einen Elterngeldantrag für die ganze Bundesrepublik verlinken.

Wann kann/muss ich das Elterngeld beantragen?

Den Antrag könnt ihr erst am Tag der Geburt eures Kindes bzw eurer Kinder stellen. Ihr müsst euch aber nicht überschlagen, denn Elterngeld wird auch rückwirkend für drei Monate noch ausgezahlt. In der Regel erhaltet ihr in dieser Zeit sowieso noch Mutterschaftsgeld. Das ist ein Thema für sich und vielleicht auch irgendwann einen Blogbeitrag wert.

Es kann aber nicht schaden, den Antrag schon vorher herausgesucht zu haben und ihn vielleicht auch schon weitesgehend auszufüllen. Während der Schwangerschaft hat man meist mehr Zeit und Muße, sich um solche Dinge zu kümmern, als nach der Geburt.

Wenn beide Elternteile ein paar Monate Elterngeld beziehen möchten, dann müssen sie beide jeweils einen Antrag stellen. Das ist gerade für Zwillingseltern interessant, die das ganze erste Jahr über gemeinsam zu Hause bleiben und Elterngeld beziehen könnten.

Wann und wie lange wird Elterngeld gezahlt?

Elterngeld wird grundsätzlich in den ersten 14 Lebensmonaten des Kindes ausgezahlt. Dabei darf im Normalfall ein Elternteil 12 Monate Elterngeld beziehen. Die beiden verbliebenen Monate wären die Partnermonate. Natürlich können auch beide Elternteile jeweils 7 Monate Elterngeld bekommen. Es bleibt aber dabei, dass ein Elternpaar maximal 14 Monate Elterngeldanspruch hat und einer alleine 12.

Die berühmten Ausnahmen:

  • Alleinerziehende können die vollen 14 Monate beziehen.
  • Bei Mehrlingseltern können nun auch beide Eltern 14 Monate Elterngeld erhalten.
  • Das Elterngeld kann auch über den Zeitraum von 24 Monaten (28 bei Alleinerziehenden) ausgezahlt werden. Ihr bekommt dann einfach jeden Monat nur die Hälfte.

Und nicht zu vergessen:

Für die Zeit, in der ihr Mutterschaftsgeld oder andere Mutterschaftsleistungen bezieht, bekommt ihr kein Elterngeld. Diese Zeit wird euch aber von der Dauer des Elterngeldbezugs abgezogen. Bei Zwillingen dauert der Mutterschutz 12 Wochen nach der Geburt – bei zum Termin geborenen Einlingen wären es nur 8 Wochen.

Wie hoch wird das Elterngeld ausfallen?

Das Elterngeld beträgt zwischen 65% und 67% des Nettoeinkommens vor der Geburt. Bei Geringverdienern kann das Elterngeld auch bis zu 100% des Nettoeinkommens erreichen. Es werden mindestens 300 € ausgezahlt, maximal jedoch 1.800 € . Die Berechnung erfolgt auf Grundlage des „tatsächlich verfügbaren Ewerbseinkommens“ des Antragstellers (also der betreeuenden Person) in den letzten 12 Monaten vor der Geburt. Ganz genau und schön im Behördendeutsch verfasst findet ihr diese Informationen beim Bundesministerium für Familie.

Die gesamte Berechnung ist ziemlich komplex und nicht gerade einfach zu durchschauen. Wenn ihr Hilfe braucht, informiert euch vor Ort bei Beratungsstellen! Hier in der Umgebung bieten Elternschulen der Krankenhäuser, Familienzentren, AWO und so weiter Informationsangebote an.

Wie hoch euer Elterngeld voraussichtlich ausfallen wird, könnt ihr auch mit dem Elterngeldrechner überschlagen.

Und wieviel Elterngeld bekommen Zwillingseltern?

Vor dem Gerichtsurteil des Bundessozialgerichts im Juni 2013 bekamen Zwillingseltern 300€ Mehrlingsbonus auf das Elterngeld obendrauf. Somit betrug das Elterngeld mindestens 600 € maximal 2.100 €.

Dann kam das Urteil und es gab mehr Geld! Zwillingseltern haben Anspruch auf Elterngeld für jedes der beiden Zwillingsbabys. Das bedeutet, dass ihr für den ersten Zwilling Elterngeld in der oben beschriebenen Höhe (natürlich mit 300 € Mehrlingsbonus) erhaltet und zusätzlich noch einmal für den zweiten Zwilling!. Aber aufgepasst: Das Elterngeld für den zweiten Zwilling wird nur dann in voller Höhe ausgezahlt, wenn beide Eltern Elterngeld beantragen. Der Vater würde also Elterngeld + Mehrlingsbonus für Zwilling 1 beziehen und die Mutter könnte Elterngeld + Mehrlingsbonus für Zwilling 2 bekommen. Bleibt nur einer der beiden Elternteile zu Hause und betreeut die Zwillinge, wird das Elterngeld für den zweiten Zwilling nur in Höhe des Mindestbetrags plus Mehrlingsbonus ausgezahlt. Das bedeutet aber unterm Strich auch dann 900 € extra in der Kasse der Zwillingseltern; denn: Elterngeld + 1Mehrlingsbonus 300 € + Mindestbetrag 300 € + 2. Mehrlingsbonus 300 €

Somit beträgt das Elterngeld bei Zwillingen (wenn nur ein Elternteil zu Hause bleibt und es beantragt) zwischen 1.200 € und 2.700 €

Ausführliche Informationen zum Elterngeld bei Zwillingen könnt ihr hier nachlesen.

Meine Zwillinge sind schon älter und ich habe nur das „normale“ Elterngeld erhalten. Kann ich noch nachträglich mehr bekommen?

Ja! In vielen Fällen ist das noch möglich und spült einen unverhofften Geldsegen in eure Haushaltskasse! Aktuell können Eltern mit Zwillingen, die nach dem 1. Januar 2010 geboren wurden, noch schnell ihren zusätzlichen Anspruch geltend machen. Beeilt euch! Die Frist läuft am 31. Dezember diesen Jahres ab!

Ich zitiere hier das Bundesministierum für Familie: „Zur Fristwahrung genügt zunächst ein schriftlicher Hinweis an die Elterngeldstelle.

Und das BESTE! Das ganze wird 2015 abgeschafft! YEAH! Dann kommt nämlich das Elterngeld-Plus und schafft nebenbei das „doppelte“ Elterngeld für Zwillinge wieder ab. Also gebt Gas, wenn ihr noch Ansprüche habt!


Wenn ihr wissen wollt,

  • wie das bei Selbständigen aussieht.
  • was es bedeutet, dass das Elterngeld als progressionsrelevant oder als abgabefrei bezeichnet wird.
  • wie das bei Adoptiveltern aussieht.

Und all die ganzen weitere Fragen, könnt ihr erst einmal hier beim Familien-Wegweiser weiterlesen. Alles Relevante für Zwillingseltern findet ihr beim Bundesministerium an dieser Stelle.


Anmerkung: Ich habe hier versucht, euch einige Informationen zusammenzutragen. Ich kann aber keine Gewähr dafür übernehmen, dass alle Informationen korrekt und aktuell sind. Bitte nehmt dies nur als Anlass für eigene weitere Recherchen und nicht als der Weisheits letzter Gipfelsturm oder so.

Gruß, Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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