Kita-Streik – ein Brief an den Bürgermeister

Murmelmama —  2. Juni 2015 — 6 Kommentare

Hallo Ihr Lieben,

lange Zeit war es hier ruhig um uns. Unser Leben ist an sich schon sehr stressig und aufreibend und wurde durch den Kitas-Streik leider auch nicht ruhiger im Gegenteil!

Nach drei Wochen sind wir auf gut deutsch „DURCH“. Wir sind müde und gereizt. Die Murmels sind nicht ausgelastet und das ständige Home-Office (zum Glück habe ich die Möglichkeit) wird meinen Schreibtisch-Bergen auch nicht gerecht. Zu dem darf ich noch seit einer Woche Urlaubsvertretung machen. Von den Vernachlässigungserscheinungen meines Haushaltes mag ich gar nicht erst reden.

Die Murmels besuchen seit gestern eine Notbetreuung, die über meinen Arbeitgeber organisiert und bereitgestellt wird! Wer selber vom Streik betroffen ist, kann vermutlich die Dankbarkeit erahnen, die ich im Moment für meinen Arbeitgeber hege! Worte vermögen nicht es auszudrücken! (Und auch nicht, dass ich mich dabei wie eine „Streikbrecherin“ fühle)

Seit gestern sitzen nun endlich (zu Beginn der 4. Streikwoche) die Tarifparteien wieder an einem Tisch. Ich habe kaum noch daran geglaubt!

Egal wie sehr uns der Streik gebeutelt hat, versteht diesen Beitrag nicht als Kritik an den Erziehern! Meine Solidarität gehört nach wie vor den Menschen, die in unseren Kinder- und Jugendeinrichtungen so eine wertvolle Arbeit leisten! Uneingeschränkt!

Im nachfolgenden möchte ich Euch meinen Brief an unseren Bürgermeister zeigen, den ich gestern versandt habe. In diesem Brief geht es nicht um juristische Korrektheit (auch wenn eine befreundete Juristin ihn gut fand – ohne Überprüfung der Rechtslage -). Dies ist einfach nur ein Brief einer müden und verärgerten Mutter!

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Bürgermeister,

meine Kinder besuchen seit über zwei Jahren die Kita … in …. Die Eingewöhnung war schwierig und langwierig, doch mittlerweile gehen sie sehr gerne dorthin. Sie haben Vertrauen und Zuneigung zu den Erzieherinnen aufgebaut und Freundschaften geschlossen. Für mich als alleinerziehende voll berufstätige Mutter ist dies die größte erdenkliche Stütze in der Organisation unseres Alltages.

Wie Ihnen bekannt ist, ist unsere Kita bereits in der vierten Wochen streikbedingt geschlossen. Im gesamten Ortsteil gibt es keine Notbetreuung. Notbetreuungsplätze in anderen Einrichtung zu kriegen ist aufgrund der geringen Anzahl und Bevorzugung von Kindern bestimmter Einrichtungen gänzlich unmöglich.

Erschreckend finde ich die Tatsache, dass der VKA und Verdi die Streikdauer bisher nicht genutzt haben, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen und zu einer für alle Beteiligte tragbaren Lösung zu finden.

Leider entsteht zunehmend der Eindruck, dass sich die Stadt auf Kosten der Kinder, Eltern und Erzieher wirtschaftlich sanieren will.

Die Stellungnahme bezüglich der Kita-Beiträge auf der Internetpräsenz der Stadt habe ich gelesen und zur Kenntnis genommen. Dies bedeutet nicht, dass ich die Auffassung teile. Im Gegenteil!

Bei den Elternbeiträgen handelt es sich um zweckgebundene Beiträge, nur wird der Zweck derzeit nicht erbracht. Wortwörtlich heißt es bereits in der Überschrift der Satzung „Satzung über die Erhebung von Elternbeiträgen für die Inanspruchnahme der im Stadtgebiet bestehenden Tageseinrichtungen für Kinder…“ Von einer Inanspruchnahme kann mangels geöffneter Einrichtungen aktuell wohl kaum die Rede sein.

Sie kassieren von den Eltern Beiträge für eine Leistung, die sie nicht zur Verfügung stellen. Sie versenden sogar die Schreiben für die neuen (wieder erhöhten) Elternbeiträge für das kommende Kita-Jahr.

Stattdessen verstecken Sie sich hinter einer Mitteilung der Bezirksregierung. Zu der Empfehlung von Frau Ministerin Ute Schäfer, die Elternbeiträge zu erstatten, äußern Sie sich leider gar nicht.

Des Weiteren weise ich darauf hin, dass wir nach dem 8. Sozialgesetzbuch einen Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung haben. Ich vermisse stark das Bemühen der Stadt, diesen Rechtsanspruch zu gewährleisten.

Die Stadt lässt die Kinder und Eltern derzeit massiv im Stich:  

  1. Es ist nicht ersichtlich, dass sich die Stadt für eine Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen zwischen der VKA und Verdi einsetzt, um den Tarifkonflikt möglichst bald beizulegen (ob ein einfaches Anschreiben zum Ende der 3. Streikwoche da ausreichend ist, wage ich zu bezweifeln);
  2. Bietet keine tragbare Notbetreuung an;
  3. Verwehrt uns den Rechtsanspruch nach dem 8. Sozialgesetzbuch;
  4. Saniert sich durch Einbehalt und Zweckentfremdung von Elternbeiträgen.

 

Ich fordere Sie daher auf, 

  1. auf die VKA einzuwirken, die Verhandlungen mit Verdi schnellstmöglich wieder aufzunehmen und ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten;
  2. in den jeweiligen Stadtteilen entsprechende Notbetreuungen zu organisieren und damit die Erfüllung des Rechtsanspruchs zu gewährleisten;
  3. die unrechtmäßig einbehaltenen Elternbeiträge zu erstatten.

 

Eltern und Kinder sind nicht Spielball der Politik! Die Kinder sind unsere Zukunft und haben eine entsprechende Betreuung verdient!

In der Kita … erhalten meine Kinder eine liebevolle und qualifizierte Betreuung! Diese gehört angemessen bezahlt!

Gleichlautendes Schreiben geht an das Amt für Familie und Jugend.

Mit freundlichen Grüßen

 die Murmelmama

Leider bin ich nicht so naiv, zu glauben, dass der Brief etwas bewirkt… aber viel mehr Möglichkeiten haben wir leider nicht, unsere Verärgerung an den „richtigen“ Stellen vorzubringen.

Ich hoffe inständig, dass die Tarifparteien sich endlich einigen und wir alle zurück in unsere Normalität können. Ich hoffe aber auch, dass die Erzieher sich nicht aus Pflichtbewusstsein den Kindern und Eltern gegen über unter Wert verkaufen! Gute und wichtige Arbeit gehört auch dementsprechend entlohnt! #aufwerten

Liebe Grüße

Eure Murmelmama

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Murmelmama

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Mein Name ist Tanja. Ich bin alleinerziehende, getrennt lebende, berufstätige Mama eines fünfjährigen Zwillingspaares - meine Murmels. Auf Twitter findet Ihr mich unter @Murmelmum und hier im Blog hat die liebe Kerstin mir ein kleines Dauergast-Apartment eingerichtet :-)

6 Antworten zu Kita-Streik – ein Brief an den Bürgermeister

  1. 

    Ich bin auch runter mit den Nerven, auch wenn hier nur die KiTa des Mittleren bestreikt wird. Aber gerade dieser junge Mann sorgt dafür, dass ich hier zuhause gar nichts mehr auf die Kette bekomme. Seit genau 3 Wochen, sprich von Anfang an wird gier gestreikt.
    Eigentlich bin ich im letzten Elternzeitmonat und habe jede Menge Termine, vor allem auch Facharzttermine, die ich mit zwei kleinen Kindern von 1 Jahr und 2.5 Jahren einfach nicht bewältigen kann.
    Zum anderen habe ich Stress mit dem Arbeitgeber und weiss noch nicht, ob ich überhaupt in den alten Job zurückkehren kann. Termine mit dem Arbeitsamt, Stellensuche, Bewerbungen schreiben, Zukunftsüberlegungen und -ängste… Der Druck auf meinen Schultern fühlt sich riesig an und tagsüber komme ich nicht zum geradeaus denken. Abends bin ich so geschafft, dass ich mich wirklich dopen muss.
    Notbetreuung gibt es aber hier nur für Eltern, die {noch} einen Job haben.

    Darf ich mir Deine Satzbausteine/ Absätze für ein eigens Schreiben ausleihen? Ich finde es super und würde auch gerne etwas von meinem Druck und Frust weitergeben!!!

    LG, Frl. Null.Zwo

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  2. 

    Du Arme! Fühl Dich ganz doll gedrückt! Home-Office mit zwei dreijährigen ist es aber auch nicht… Meist saß ich um 5 h in der früh schon am Schreibtisch, um schon einiges zu erledigen bevor die Kinder aufstehen und nicht selten auch abends um 22 h noch… Deswegen bin ich so froh und dankbar für meinen Arbeitgeber. Die haben die Auditierung „Familie und Beruf!“ wirklich verdient. Auch wenn es ein schwieriger Weg war. Ich hatte im Vorfeld des Streiks bereits übelste Auseinandersetzungen mit meinem direkten Vorturner. Aber es hat sich ja zum Glück für mich alles zum Guten gewendet!

    Du kannst Dich selbstverständlich gerne in meinem Brief bedienen! Ich möchte aber noch einmal betonen, dass ich ihn nicht juristisch habe prüfen lassen. Der Brief ist reines Bauchgefühl!

    Alles Liebe Tanja

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  3. 

    Oh man da beutelt dich der Streik auch ganz schön. Klar kann ich die Erzieher auch verstehen aber bei so einer Zeit ist die Planung dann schon mehr als schwierig. Ich hoffe so das es bald zu einer Einigung kommt.

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  4. 

    Ich denke nicht, dass der Kita-Streik so schnell beendet sein wird. Vermutlich wird er sich bis zu den Sommerferien ziehen, was in NRW noch 24 Tage betrifft.

    Ich verstehe die Eltern, aber auch die Erzieher. Was ich keinesfalls nachvollziehen kann, ist die geringe Notbetreuung! Ich arbeite an einer Grundschule als Inklusionshelferin und bekomme regelmäßig mit wie die Eltern den Alltag aufgrund des Streiks umstrukturieren und manches mal sogar Urlaub nehmen müssen. Somit bleibt kein Urlaub für die Sommerferien – wodurch sich wieder die Frage nach der Betreuung ergibt. Ist doch irgendwie hirnrissig.

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    • 

      Das ist genau das Problem… URLAUB! Natürlich hätte ich Urlaub nehmen können, aber was mache ich dann, wenn die Kita im Juli/August 3,5 Wochen reguläre Schließzeit hat?

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  5. 

    Wir sind von dem Streik nicht betroffen – Gott sei dank – denn unser kleiner Mann hat das Glück in einen Kindergarten von meinem Arbeitgeber zu gehen. Darüber bin ich wirklich sehr froh denn ich weiß nicht wie wir die 3 (jetzt bald 4 Wochen) überbrückt bekommen hätten!

    Ich ziehe vor allen Familien mit diesem akuten Problem – meinen gut und drücke wirklich ganz fest die Daumen das hier bald Einigung in Sicht ist.

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