Wie nah stehen sich (zweieiige) Zwillinge?

Vor zwei Wochen habe ich hier an dieser Stelle die Leserfrage beantwortet, wie ähnlich sich meine Zwillinge sind. Und am Ende blieb die Frage offen, ob sich (zweieiige) Zwillinge nun ganz besonders nah stehen oder nicht. Sind sie sich näher als Geschwister mit unterschiedlichem Alter oder stimmt das überhaupt nicht? Also versuche ich mich auch hier an einer Antwort.

Zwillingsplüsch bei Sonnenschein & Prinzessin

Unsere Hebamme kam damals wenige Stunden, nachdem wir das Krankenhaus verlassen hatten, zu uns nach Hause. Die Zwillinge waren noch keine Woche alt und lagen zusammen in der Wiege. Schlafend.

Wir bewunderten die Süßen. „Ihr solltet sie demnächst besser auf den Rücken legen.“ „Haben wir gemacht.“ Verwirrung. Ja, wir haben unsere Kinder immer brav auf den Rücken gelegt und Säuglinge in diesem Alter können ihre Position alleine noch gar nicht verändern. Theoretisch. Sonnenschein und Prinzessin lagen aber spätestens fünf Minuten, nachdem man sie gemeinsam abgelegt hatte, auf der Seite. Gesicht einander zugewandt. Nase an Nase. Immer.

Unsere Hebamme hat es an dem Tag dann noch selbst versucht und durfte erleben, dass die beiden tatsächlich nicht auf ihren Rücken liegen bleiben mochten. Wir einigten uns darauf, dass wir die Seiten regelmäßig tauschen würden, damit nicht einer immer auf der linken und der andere auf der rechten den Kopf plattliegen würde. Das haben wir brav gemacht.

Irgendwann – kurz bevor sie lernten sich bewusst zu drehen – verlernten sie diese automatische Drehung auf die Seite kurzzeitig; die Nähe zueinander suchten sie aber weiterhin.

Zwillinge sind von Anfang an zu zweit

Sie lagen gemeinsam in der Wiege, sie teilten sich lange ein Bett, sie lagen nebeneinander im Laufstall und auf der Krabbeldecke. Von Anfang an hörten sie nicht nur meine Stimme um sich herum, sondern rund um die Uhr auch ihren Zwilling. Sie lernten greifen und in Griffnähe war ihr Zwilling. Sie fingen an zu kommunizieren und direkt neben ihnen lag immer jemand zum anbrabbeln und angrinsen. Sie nahmen sich die Rasseln weg und tauschten die Schnuller.

Als sie krabbeln und stehen lernten, schienen sie sich gegenseitig anzufeuern. Sie wollten ja beide von der Stelle kommen. Sie entdeckten zusammen das Wohnzimmer und unsere Wohnung. Wochenlang krabbelten sie hintereinander wie eine Mini-Entenfamilie durch ihr Reich. Gerne Mama vorne weg, aber solange der Zwilling dabei war, reichte das auch.

Zwillinge sind oft wirklich rund um die Uhr zusammen in den ersten Lebensmonaten. Ob sie wach sind oder schlafen, sie sind zu zweit. Zwillinge machen ihre Entwicklungsschritte gemeinsam. Anders als „normale“ Geschwister haben sie ständig den gleichen Horizont und teilen die Erfahrungen miteinander. Das kann verbinden. Sonnenschein und Prinzessin hat es definitiv verbunden.

Bis heute ist es schwierig mit ihnen allein Zeit zu verbringen. Sie vermissen sich schnell. Sobald das Unterhaltungsprogramm Schwächen aufweist, wird nach dem Zwilling gejammert.

Geschwister lernen miteinander

Zwillinge lernen wie jedes Geschwisterkind ganz selbstverständlich den Umgang mit anderen Kindern. Sie spielten früh miteinander. Sie lachen gemeinsam über Dinge, von denen ich keine Ahnung habe. Sie verstehen sich, selbst wenn ich mal wieder zu dusselig bin, ihre Wortkreationen zu erraten. Sie ringen miteinander und hauen sich auch. Sie nehmen sich in den Arm und trösten sich, dass Mama hormonselig die Tränen in die Augen schießen. Sie teilen ihr Kekse und bringen immer sofort dem Zwilling auch etwas von ihrer Beute. Sie nehmen sich an die Hand und helfen sich gegenseitig bei schwierigen Aufgaben. Sie sind ganz selbstverständlich zu zweit.

Das Doppelpack beim Wort

Unsere Zwillinge gehören übrigens nicht zu den Spätzündern in Sachen sprechen wie viele Zwillingspaare sonst. Gerade Sonnenschein ist eine echte Quasselstrippe. Aber sie haben doch eine kleine Besonderheit, die ich so nur von Zwillingen bisher gehört habe: Sie teilten sich über 6 Monate einen Vornamen.

Irgendwann kurz vor dem ersten Geburtstag begann Sonnenschein den Namen seiner Schwester zu lernen. Einige Zeit später übernahm seine Schwester dieses Können und nannte ihren Bruder von nun an genauso. Sie riefen sich monatelang beim gleichen Namen. Fragte man „Wer ist denn der Sonnenschein?“ zeigten beide auf den Sonnenschein. Fragte man „Wer ist denn die Prinzessin?“ zeigten beide auf die Prinzessin. Aber fragte man „Wer ist denn das?“ dann kam egal bei wem immer nur Prinzessins Name aus ihren Mündern. Erst mit ungefähr 20 Monaten tauchte auf einmal der Name des Sonnenscheins in ihrem Wortschatz auf und hat nun beiden auch ihre namentliche Identität zurückgegeben. 😉

Wie es weiter geht, schauen wir mal…

Mein Doppelpack ist aktuell tatsächlich noch ein echtes Doppelpack mit sehr enger Bindung. Aber das kann sich auch später relativieren. Je größer sie werden, desto größer wird ihre Welt und desto mehr Bezugspersonen werden in ihrem Leben eine Rolle spielen. Auch das Krümelchen wird sich in die Familie integrieren und je älter sie alle werden, desto mehr werden sich Altersunterschiede relativieren. Warten wir es ab. 🙂

Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

0 comments

  1. Ich habe zu den 1,5-jährigen Zwilli-Boys ja noch den 3 Jahre alten großen Bruder. Hier ergab sich dadurch schnell ein anderes Gefüge. Beide gieren meistens nach dem tollen großen Bruder und wollen ihm alles nach machen. Süße Zwillimomente gibts hier natürlich auch. Ich denke sie sind sich gegenseitig eine Selbstverständlichkeit und bis heute waren sie eigentlich nie getrennt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Auch bei euch! 🙂

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