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Post an Wagner.

Lieber Herr Wagner,

Sie haben den Schuss nicht gehört.

Sie schreiben einen Brief, der vorgibt sich an die Familienpolitik zu richten, doch den Schuldigen für das Problem (zuwenig Geburten in Deutschland) machen Sie im Zeitgeist aus. Der hat die Frauen verdorben (die genau genommen nun daran schuld sind).

Sie sind Business-Frauen, Power-Frauen, sie trinken Smoothies, sie laufen sich im Fitnesscenter ihr Fett ab, sie sind Chefredakteurinnen, sie sitzen im Aufsichtsrat.

Diese verdorbenen Frauen wollen einfach nicht mehr (nur) Mütter sein. Sie sind wie Männer! Welch ein Skandal!

Diese vom Zeitgeist verdorbenen Frauen bleiben einfach nicht mehr daheim bei ihren Kindern, um diese in der Nacht vor bösen Geistern zu bewahren.

Irgendwie mein lieber Herr Wagner, haben Sie da was verpennt. Vielleicht liegt das auch nur an Ihrer engstirnigen männlichen* Sicht, dass Sie sich nicht vorstellen können, dass Frauen arbeitende Power-Frauen und liebevolle Mütter zugleich sein können und wollen.

Wir Frauen haben weit mehr drauf, als Sie sich wagen vorzustellen. Wenn man uns lässt (und familienpolitisch die richtigen Entscheidungen trifft, um uns zu unterstützen), dann können wir Power-Frauen Smoothie-trinkend unsere Kinder in den Schlaf schaukeln, während wir eine Telefonkonferenz leiten.

Wer ist denn nun schuld an den wenigen Geburten, lieber Herr Wagner?

In meinen Augen sind es ewig gestrig denkende Menschen wie Sie, die zuviel unsere Familienpolitik bisher beeinflusst haben. Sie stehen uns im Weg!

Lassen Sie uns mal machen und setzen Sie sich zur Ruhe. Lassen Sie uns die Familienpolitik moderner gestalten und die Grundlagen schaffen, dass es uns Power-Frauen leichter fällt, Kinder und all unsere anderen Lebensziele miteinander zu vereinbaren.

Freundliche Grüße,

Ihre mal wieder hochschwangere Mutter Kerstin, die auch schon mal mit zwei Stillbabys im Arm Meetings geleitet hat.


* Das mit dem männlich nehme ich zurück. Ich möchte hier nicht all die wundervollen und klugen Männer beleidigen, die es in diesem Land in großer Zahl gibt. Sie haben verstanden, dass Frauen genauso Mütter sein können, wie Männer Väter sind.

Bild Zeitung Post an Wagner

Außerdem hat er Wagner noch lesenswerte Post von:

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

0 comments

  1. Sehr schön, danke., dass Du Herrn Wagner geantwortest hast, liebe Kerstin! Ich konnte leider nicht, keine Zeit, musste erst noch meinen Hosenanzug in die Reinigung bringen , mir ist Smoothie draufgekleckert. Und dann muss ich ins Fitnessstudio, soll ja heute Nacht gewittern, da bin ich besser nicht zuhause. Ironie aus.
    Mir fällt im Ernst keine Antwort ein, denn der gute Herr hinterlässt mich einigermaßen sprachlos. Kommt bei mir nicht oft vor. Ich hatte mich mal über die kinderfeindlich Gesellschaft ausgelassen, das wäre noch im entferntesten eine Art Replik, wenn auch eine vorweggenommene… https://ganznormalemama.wordpress.com/2015/06/05/die-abwesenheit-von-kindern-in-unserer-gesellschaft-verlasst-eure-komfortzone-geburtenraten/

    1. Tja… das mit der Sprachlosigkeit mag daran liegen, dass es ausgesprochener *** ist, den wir sicherlich dem Sommerlich zu verdanken haben. Theoretisch ist es keine Antwort wert. 😉
      Danke für den Link zu deinem Beitrag!

  2. Ich könnte keine Telefonkonferenz leiten – jedenfalls nicht ernsthaft – während ich versuche ein Kind in den Schlaf zu schaukeln. Das eine schließt für mich das andere aus. Ganz ernsthaft: Ich glaube, dass man viel häufiger Dinge mit 100%iger Aufmerksamkeit und Achtsamkeit machen sollte. Das heißt ganz und gar nicht, dass man nicht arbeiten und Mutter sein kann. Aber man muss sich auf jede Sache zu ihrer Zeit konzentrieren können.
    Liebe Grüße, Susanne

    1. Es gibt auch echt angenehmeres. 😉 Da stimme ich dir klar zu.
      Aber oft geht es leider nicht anders, wenn man \“trotzdem\“ noch ein wenig arbeiten will, dann muss man improvisieren.
      LG

  3. Ich schäme mich auch sehr, weil ich Hosenanzug trage uns insgesamt dem Zeitgeist verfallen bin. Aber hey: Immerhin habe ich zwei Kinder bekommen. Damit habe ich mein soll erfüllt uns muss mich nicht mehr ganz so schlecht fühlen. Ich vernachlässige sie zwar, bin aber immerhin nicht daran Schuld, dass Deutschland ausstirbt 😜

  4. Ich bin voll bei dir – der Post von Wagner ging mal gar nicht! Ich finde aber auch: warum SOLLTE ich als Frau eine Telefonkonferenz leiten und gleichzeitig zwei Kinder im Arm halten? Verlangt das jemand von meinen männlichen Kollegen? Nö. Nicht falsch verstehen, ich halte ohnehin nix von einer Geschlechtertrennung bei der Aufgabenerfüllung. Aber ich bin nicht mehr bereit, immer NOCH einen drauf zu setzen um auch ja zu beweisen: ich kann Mutter UND Arbeitnehmerin/Selbständige! Beides gleichzeitig mit allem was dazu gehört weitestgehend gut hinzubekommen ist eine Leistung. Punkt. Mehr muss nicht! Auch nicht in der Chefetage. Ob ich da hin will, ist eine andere Frage. Ob ich Smoothies mag übrigens auch :)!

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