Es war einmal ein Familienurlaub (3)

Kerstin —  15. Juni 2016 — 6 Kommentare

Geschichten von der Nordsee Teil 3:

Cuxhaven (58)

„Reizklima?!“ meinte der Kinderarzt vor unserem Urlaub skeptisch. Ob wir uns das Reizklima der Küste wirklich antun wollten? Manche kleinen Kinder würden darauf heftig reagieren.

Wir wussten es besser und nun ist es auch bereits unser dritter Frühlings-Familien-Nordsee-Urlaub in Folge. Immer auf Einladung meiner Eltern. Beim ersten Mal waren die Zwillinge 9 Monate alt. Das Reizklima störte sie nicht. Unsere Nächte waren beschissen. Es war völlig egal, ob Küstenklima oder Ruhrgebietsdunst. Höhepunkt in besagtem Jahr – im Sinne von herausstechendes, in Erinnerung verbleibendes Ereignis – war mein Schulterbruch in der ersten Nacht, dessen Folgen mich bis heute begleiten und den damaligen Urlaub meinerseits prägten. Es war einfach nicht sonderlich entspannt mit fixiertem Arm, unbehandeltem Bruch (man traute sich in der Provinz nicht ran und verwies auf die Kliniken im Pott) und der vollen Dröhnung Schmerzmitteln.

Im zweiten Jahr schliefen die Zwillinge weitestgehend durch. Ich aber deswegen nicht lange nicht. Ich war schwanger mit dem Krümelchen und schleppte dauermüde meine Schwangerschaftswehwehchen am Strand entlang. Das Reizklima war mir dabei ziemlich egal.

Schwer verschnupftes Rotznasen-Baby

In diesem Jahr beschlossen wir beim zweiten gemeinsamen Frühstück einen Ausflug zum im Reizklima niedergelassenen Facharzt der Kinderheilkunde, denn die Temperaturen des jüngsten Mitglieds unserer illustren Reisegruppe waren weiterhin deutlich erhöht. Oma und Mama packten also das verrotzte Fieberbaby ein und fuhren in die „Stadt“ während die Herren den Job der Reiseleitung auf einer großen Spielplatztour bekamen.

Der Arztbesuch war kurz, die Diagnose knapp: „schwerer Männerschnupfen“ und somit ausreichend Zeit das nörgelige Baby mit seiner Rotznase durch die Einkaufsmeile zu schieben. Während der Krümel schmollend ein Nickerchen hielt, konnten wir rasch noch eine neue Kappe für den Dickschädel des Sonnenscheins, zwei sommerliche Shirts für seine Zwillingsschwester, ein paar Polo-Shirts für den Vater und ein komplettes Outfit für die urlaubende Mama erwerben.

Dieser Erfolg schien den Krümel so zu beflügeln, dass er beim anschließenden Besuch des Straßencafés schon wieder sämtliche Gäste fröhlich quäkend unterhielt. Der Urlaub hatte endlich begonnen!

Cuxhaven (96)

Am Ferienhaus angekommen, war die Familie dann auch endlich wieder vereint. Der Erkundungstrupp hatte die Spielplätze für brauchbar befunden und die Tester pennten erschöpft an einem schattigen Plätzchen im Garten. Mit verrenkten Gliedern im Bollerwagen. Das Reizklima hatte zugeschlagen und sie umgehauen. Aber nur sehr kurzfristig. Die Akkus unserer Kinder verfügen über eine Schnellladefunktion und so wehrte die Stille im Garten zum Glück nur kurz. Es gab keine Chance auf Melancholie.

Was man so im Urlaub halt macht…

Den Nachmittag verbrachte jedes Mitglied unserer Reisegruppe nach eigenen Gutdünken: mit koffeinhaltigem Heißgetränk in der Hand auf der Terrasse, Laufrad fahrend im Garten, auf dem Sofa ruhend oder ein verschnoddertes Laune-Baby schleppend.

In den späteren Stunden des Nachmittags machten wir uns frisch geduscht und mit geputzten Nasen auf den Weg zur Strandpromenade. Zwischen Souvenirläden und Boutiquen buhlten zahlreiche Lokale um unsere Aufmerksamkeit. Der Italiener an der Ecke gewinnt, denn er hat zwei dieser nervigen Autos vor der Tür, die Kinder so lieben, Eltern verfluchen und Opas brav mit Münzen füttern. Die Zwillinge wollten nirgendwo anders mehr hin und wir uns nicht mit zwei müden Kleinkindern anlegen.

Es gab Penne Bolognese für die Prinzessin und eine Herausforderung für Mamas Waschmaschine. Der Sonnenschein wünschte Dinos zu verspeisen und ich kann mir gut vorstellen, dass tatsächlich Urzeitgetier frittiert wurde. Zumindest konnte man unter all der Panade kaum erahnen, was diese Dinger mal zu Lebzeiten gewesen sein mögen. Egal. Kommt sowieso gründlich Mayo oben drauf.

Der Krümel mümmelte Brotkrümel und auch vor den Erwachsenen dampften die Pasta-Teller. Am Besten aber war das Spritz vor meiner Nase. Der Urlaub nahm langsam Fahrt auf!


Teil 1 des Urlaubs könnt ihr hier nachlesen und es gab auch schon einen Teil 2.

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

6 Antworten zu Es war einmal ein Familienurlaub (3)

  1. 

    Äh wie jetzt, Reizklima? Ich dachte, Küstenluft ist sooo gut gegen alles. Was soll denn da reizen?

    Ansonsten klingt das nach voll ‚entspanntem‘ Urlaub mit Kleinkindern :o) Ich hoffe, ihr hattetauch ninoch ein paar erholsame Momente…

    Alles Liebe,
    Nadine

    Gefällt 1 Person

  2. 

    Danke Nadine! 😀

    Ja, es war unterm Strich turbulent und chaotisch, schön und irgendwie sogar erholsam, denn es hat uns aus dem Alltag herausgeholt. Echter Familienurlaub eben.

    Liebe Grüße!

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  3. 

    Och menno. So kurz. Grade wieder drin gewesen in eurem Urlaub, schon wieder muss ich warten. Ist ja fast wie die ständigen Werbeunterbrechungen bei den Privaten… 😉 Ich freue mich auf die Fortsetzung! Und die Beschreibung der „Wackelautos“ – so treffend.

    Gefällt 1 Person

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