Es war einmal ein Familienurlaub (6)

Geschichten von der Nordsee Teil 6:

Cuxhaven (55)

Ich lasse mal die ganzen Geschichten vom wunderschönen Sonnenaufgang an der Nordsee weg. Ich verzichte auf die Beschreibung des malerischen Lichtes und den süßen Klang der frühen Vogelstimmen in der Stille des Morgens. Ihr wisst auch so, dass der Krümel uns zeitig geweckt hat. Langsam wird es ja fast langweilig.

Die großen Geschwister stehen aber gar nicht viel später auf und mein Bruderherz ist immer noch schockiert von dieser harten Realität eines Großfamilienurlaubs. Um 7 Uhr morgens schluffen bereits sämtliche Familienmitglieder in ihren Schlafanzügen durch das Haus. Die Erwachsenen halten Kaffeetassen in der Hand und reiben sich die verquollenen Augen. Die drei jüngeren kreischen ihre Lebensfreude heraus.

Irgendwie schaffen wir es, den Frühstückstisch zu decken. Oma bewundert skeptisch die Avocado, die auf meinem Brot landet. Sehr exotisch. Eine zweite Scheibe damit ist mir nicht gegönnt, da der Onkel den Rest verputzt hat. Ich hatte die neue direkte Konkurrenz um vegetarische Leckerbissen am Tisch beim letzten Einkauf nicht mit einkalkuliert.

Wir brauchen im Anschluss nur eineinhalb Stunden, um ein wenig aufzuräumen, alle Personen anzuziehen, Proviant, Wechselwäsche, Sonnenhüte, Strandzelt, Decke, Tragehilfe, Lenkdrachen und Sandspielzeug im Bollerwagen zu verstauen. Dann kann es schon losgehen!

Cuxhaven (58).JPG

Äh nein. Der Krümel pennt. Er hat einen tiefen Schlaf und einer muss ihn überwachen. Ich bleibe am Haus und kann auch ebenso gut noch eine Maschine Wäsche anstellen. Mein Baby schläft faszinierend lange, wenn man irgendwo hin möchte und so komme ich erst am Strand an, als der Tag schon Vollgas aufgenommen hat.

Die Familie hockt in und um das riesige Strandzelt auf unserer XXL-Picknickdecke und pickt die ersten Pommes. Und während ich mich dazu setze, immer drei Leute Geschichten erzählen, irgendein Kind eingecremt, abgehalten oder gewickelt werden muss und einer garantiert Kekse oder gar einen Kaffee eincremt, denke ich: So müssen die Tage mit der italienischen Großfamilie am Strand aussehen, die Jan Weiler in seinen Büchern beschreibt. Ich liebe es. <3

Urlaub Strandmuschel

Der Krümel erledigt sogar zum ersten (und letzten) Mal seinen Mittagsschlaf im Buggy. Und wir laufen erst am Nachmittag mit dem schlafenden Krümelchen und seinen ebenfalls schlafenden – allerdings im Bollerwagen deutlich unbequemer gebetteten – Geschwistern zurück zum Ferienhaus. Dort erwacht die Mini-Kinder-Schar wie auf Kommando und startet eine Gartenolympiade. Zu den Disziplinen gehören Laufradüberschlag, Weitsprung ins Blumenbeet und Grasnarben-Wettessen. Ich sehe mir das Treiben besser der sicheren Entfernung der Terrasse an. Mit Kaltgetränk in der Hand. Die Herren Papa, Opa und Onkel haben die Wettkampfleitung voll im Griff.

Gegen Abend geht es noch einmal zur Strandpromenade und wir flanieren ein wenig. Ok. Das ist eventuell nicht ganz der richtige Ausdruck dafür, aber wir gehen die Strandpromenade lang. Zumindest ein bisschen. Um genau zu sein immer den Abstand zwischen einem dieser schrecklichen Münz-Automobile und dem nächsten auf Geldeinwurf hin wackelnden Feuerwehrauto. Die Schritte dazwischen erledigen wir Pusteblumenflückend und pustend!!!

Krümels Babyfüße

Der Italiener bei dem wir dann schließlich zu Abend essen wollen, hat das mit der fröhlichen lauten Großfamilie aber nur so halb verstanden. Es ist zumindest nicht gerade kinderfreundlich, wenn man die frittierten Dinosaurier, die mein Sohn bestellt, erst eine Viertelstunde nach allen anderen Essen serviert. Zum einen scheint es mir nicht einleuchtend, was an diesem kulinarischen Hochgenuss so aufwändig gewesen sein mag und zum anderen würde ich mir immer erhoffen, dass kinderfreundliche Lokale die Kinderessen als erstes servieren. Kleinkinder, die hungrig auf ihr Essen warten müssen, machen einer ganzen Großfamilie schlechte Laune. Das ist schlecht für das Trinkgeld.

Es ist der letzte Abend mit meinem Bruder, der nach dem Abendessen in die Heimat verschwindet. Und auch für uns nähert sich der Moment des Abschieds vom Watt. Schade, mir gefällt es so langsam richtig gut. Dieses Urlauben.


Urlaubsgeschichten:

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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