Brief an einen, der mich verlassen wird

Kerstin —  20. August 2016 — 9 Kommentare

Geliebter Mittagsschlaf,

es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen uns. Ich habe dich immer belächelt in meinem jugendlichen kinderlosen Leichtsinn. Ich konnte dir nichts abgewinnen, fand dich ziemlich langweilig und unattraktiv.

Aber man wird ja bekanntlicher älter und reifer. Ich wurde (Zwillings-)Mutter. So bin ich vor drei Jahren ganz und gar deinen Reizen erlegen.

Dein Stiefbruder – der Nachtschlaf – war eine flatterhafte und treulose Seele. Unsere Beziehung war unbeständig und schmerzlich enttäuschend für mich. Er trieb mich förmlich in deine Arme! Ich brauchte dich!

Ich brauche dich noch immer!

Um einmal kurz durchatmen zu können, an langen anstrengenden Tagen. Um die Stille zu genießen und vielleicht sogar einen Kaffee heiß zu trinken. Um all die Dinge zu erledigen, die ohne dich bzw mit wachen Kindern an meiner Seite drei Mal so lange dauern würden. Immer häufiger brauche ich dich aber auch, um ganz einfach Schlaf nachzuholen. Um Kraft zu tanken.

Ich liebe dich, Mittagsschlaf!

Ich brauche dich! Und du? Du willst mich nun einfach verlassen. Davon schleichen willst du dich! Ja, die Zwillinge sind drei Jahre alt. Ja, es ist durchaus möglich, dass man dich in diesem Alter nicht mehr so recht zu schätzen weiß. Diese Jugend! Wahrscheinlich brauchen sie dich auch wirklich nicht mehr. Aber was ist mit mir?

Nach drei erfüllten Jahren willst du mich nun verlassen. Lässt mich wehmütig zurück. Es ist ein Abschied in kleinen Schritten, aber ich rechne jeden Tag damit, dich für immer verloren zu haben.

Geliebter Mittagsschlaf, du wirst mir fehlen!

Ewig dein,
Kerstin

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

9 Antworten zu Brief an einen, der mich verlassen wird

  1. 

    Oh ja, dass spricht mir aus der Seele. Meine zwei sind zwar erst 2 Jahre alt, aber ab September geh ich wieder arbeiten und die Jungs in die Kita…nix mehr mit Mittagsschlaf. Farewell

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  2. 

    Wie wahr wie wahr 😦 Haben wir seit ca. 4 Wochen hier mit der Jüngsten….also gibt es nichts mehr mit Ruhe und Kaffee (Latte) in der Zeit zwischen 1 und 3 mittags 😦

    LG Ivi

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  3. 

    Vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer: mein Großer war schon 4, als es keinen Mittagschlaf mehr für ihn gab. Und jetzt bei den Mädels kann ich es kaum abwarten, dass sie ihn endlich nicht mehr brauchen – weil es jedes Mal ein hartes Stück Arbeit ist für eine viel zu kurze Pause. Aber ohne geht es leider auch (noch) nicht. Aber dein Abschiedsbrief gefällt mir. 🙂

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  4. 

    Was für ein leidenschaftlicher Brief! Gerne würde ich ebenfalls meinen Namen daruntersetzen 😉 Ich bin überzeugt, damit könnte man eine lange Namensliste erreichen – Lass uns den Rekord brechen und ins Guiness Buch der Rekorde kommen 😀

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  5. 

    Als Kind „hasst“ man diesen Mist, als Erwachsener versuche ich die 30 Minuten PowerNap täglich einzupflegen.

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  6. 

    Meine Kinder sind ziemlich exakt so alt wie deine: Zwillinge grade drei und Baby von sieben Monaten. Der Mittagsschlaf ist auch seit ein paar Wochen auf eigenen Wunsch weg, aber wir haben ihn nahtlos ersetzt durch eine Mittagsruhe. Die Kinder dürfen sich aussuchen, ob sie Mittagsschlaf oder Mittagsruhe machen wollen. Erstaunlicherweise klappt das sogar 🙂 Die Kinder bekommen wie früher eine Geschichte vorgelesen und nehmen sich dann ein Buch und ein Spielzeug (z.B. Puzzle) mit ins Bett. Wenn ihnen das langweilig ist, spielen sie einfach so weiter. Das Babyphon ist aus und die Tür zu, wenn was ist kommen sie mich holen. Oder schreien so laut, dass ich es nicht überhören kann… Das Baby schläft (hoffentlich) parallel im Elternbett. Unglaublicherweise spielen sie in den ein bis zwei Stunden tatsächlich ziemlich friedlich miteinander, so dass es tatsächlich alle paar Tage klappt, dass ich trotz wacher Zwillinge schlafen kann (der einschränkende Faktor ist meistens das Baby, das zur falschen Zeit müde ist). Vielleicht ist das ja auch für dich eine Möglichkeit?

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  7. 

    …uns hat er auch vor ca 2 Monaten verlassen. Auf der einen Seit ganz praktisch, so ist der Tag länger….aber länger kann auch stressig werden:)

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  8. 

    Hach ja…ich werde ihn hoffentlich noch eine Weile behalten…😍

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Trackbacks und Pingbacks:

  1. Das Wochenende vor dem großen Umbruch #WIB « Chaos² – Familienwahnsinn im Doppelpack - August 22, 2016

    […] hatten. Aber meine Vorschläge nimmt hier keiner mehr für voll. Und so fahre ich mit meinen drei (zwei von drei ohne Nickerchen) Zwergen und hole meine Cousine nebst Kind […]

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