Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? #5

Kerstin —  5. Oktober 2016 — 4 Kommentare

#wmdedgT bedeutet: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?„ Frau Brüllen will es wissen und so gibt es heute mal wieder ein Protokoll eines durchschnittlichen Tages bei uns. Meinem derzeitigen Geduldsfaden nach zu urteilen: Ein Protokoll des Schreckens! (Aber das liegt eher an dem nun seit Wochen sehr hohen Stresspegel und weniger am einzelnen Tag.)

Bitte sehr:

6:oo Uhr // Ich stapfe mit dem quäkenden Krümel nach unten. Er ist wach. Ich nicht. Windelwechsel.

6:20 Uhr // Ich bin immer noch nicht wach, schiebe aber TK-Laugengebäck in den Backofen. Krümel räumt den Tupper-Schrank aus.

6:35 Uhr // Das Laugengebäck ist fertig. (Ich auch. Aber das will keiner wissen.) Ich bereite die Kaffeemaschine vor und bestücke Stullenboxen. Krümel versucht sich vom Sofa zu stürzen.

7:00 Uhr // Ich stapfe dem fröhlichen Krümel hinterher wieder nach oben und ins Badezimmer. Aus den anderen Zimmern kein Mucks. Während Krümel Waschlappen in die Toilette wirft, versuche ich mich wacher zu waschen.

7:15 Uhr // Krümel und ich sind sauber und umgezogen. Wir müssen die Zwillinge wecken. Die sehen das gar nicht ein: „Mama, ich bin müde. Ich bleib noch im Bett.“ (WILL AUCH!!!)

7:35 Uhr // Erneuter Stockwerkwechsel mit nun gewaschenen und angezogenen Zwillingen im Schlepptau. Frühstück: Laugenbrötchen für Prinzessin, Haferflocken für Sonnenschein und eine halbe Avocado für den Krümel. Vor mir steht eine Tasse Kaffee auf dem Tisch. Sehr dekorativ.

8:05 Uhr // Die volle Kaffeetasse ist immer noch dekorativ, die Kinder mit dem Frühstück fertig und ich versuche alle drei mit Schuhen und Jacken auszustatten. Sonnenschein rennt raus. „Ich brauche keine Jacke! Die Sonne kommt raus!“ sprach der Dreijährige und steht dann brüllend vor der Tür: „Mamaaa!!! Ich bin kalt!!!“ (Ach neee, sagte ich nicht, es sei kalt draußen?) Jacke, Mütze und Schal später brüllt das Kind weiter „Ich bin immer noch sooo kalt!“ Und ich trage den in 30 Sekunden vor unserer Haustür schockgefrosteten Sohn zum Auto.

8:15 Uhr // Ich gebe zwei Kinder mit zwei Rucksäcken, zwei Brotdosen und zwei spanischen Malkitteln (eine hochgezogene Augenbraue für die Verspätung) ab. Das dauert ein wenig, weil diese zwei Kinder immer spontan verlernen, sich alleine die Pantoffeln anzuziehen. Währenddessen geht Krümel im Kindergarten spazieren.

8:27 Uhr // Zwischenstopp zu Hause: Ich brauche noch eine andere Jacke für Krümel und trinke nun endlich meinen kalten Kaffee, der auf dem Esstisch wartete. Keine 5 Minuten später sind wir wieder weg.

8:40 Uhr // Schnell noch Oma anrufen, ob sie heute die Großen abholen könnte.

9:05 Uhr // Im Auto vor dem Haus der Tagesmutter bestelle ich noch kurz ein neues Kleid. Das muss gerade sein, wenn ich schon nicht jammernd unter die Bettdecke kriechen darf. Krümel schnarcht derweil.

9:10 Uhr // Krümel geweckt und wir starten Tag 2 der Neuauflage: Eingewöhnung bei der Tagesmutter.

11:10 Uhr // Zwei Stunden und zwei Windelwechsel später verlassen Krümel und ich das Haus wieder. Der kleine Kerl schien Spaß gehabt zu haben.

11:30 Uhr // Ich bette den schlafenden Krümel vom Auto ins Bett und renne wie wild durchs Haus: Frühstückstisch abräumen, Spülmaschine einräumen, den neuen Header mit der Grafikerin bequatschen, kurz twittern, endlich die paar Blumen vom Wochenende einpflanzen, Wäsche sortieren,…

13:00 Uhr // Dem Krümel fällt im Aufwachen auf, dass er Hunger hat. Und zwar sehr großen! HUNGER!

13:1o Uhr // Ich löffel fix aufgewärmtes Essen in Krümels Mund, während ich Oma anrufe. Krümel sei bereits wieder wach und habe den Mittagsschlaf vorgezogen: Ich kann die Großen also abholen. Sie will trotzdem kommen.

13:30 Uhr // Es ist wieder einmal ein Windelwechsel fällig.

13:45 Uhr // Die Oma kommt und es folgt ein fliegender Wechsel: Ich eile zum Kindergarten.

13:50 Uhr // Ich hole zwei aufgedrehte, müde Kinder und einen Beutel Wechselwäsche aus dem Kindergarten.

14:00 Uhr // Wieder zu Hause. Schuhe und Jacken müssen ausgezogen, Hände gewaschen werden. Oma eilt davon und wir setzen uns zu viert an den Tisch, um die Brotboxen der Zwillinge zu plündern und den Geschichten aus dem Kindergarten zu lauschen.

14:30 Uhr // Prinzessin malt, ich schreibe, Sonnenschein spielt und Krümel klettert auf den Stühlen hoch und runter.

15:00 Uhr // Auftritt des Traummanns. Papa hat heut früher Schluss, denn das Auto muss zum Reifenwechsel.

15:20 Uhr // Der eine Sohn wollte mit Papa fahren, den anderen Sohn hat Mama dem Papa als Bonus aufgequatscht. Die Männer sind weg und die Tochter marschiert mit mir auf den Dachboden.

15:30 Uhr // Prinzessin spielt und malt. Ich setze mich an die Nähmaschine. Zum ersten Mal seit vielen, vielen Wochen. Ich hätte tausend andere Dinge zu erledigen, aber ich will einfach mal irgendwie irgendwas… eine Mütze nähen.

17:00 Uhr // Die drei anderen Familienmitglieder kommen nach Hause und ich schrecke auf. Ich verstaue im Eiltempo Einkäufe, setze Milchreis auf und räume dieses und jenes, Familienalltag auf voller Lautstärke. Ich habe das Gefühl, über mir schlagen die Wellen zusammen und ich fühle mich schlecht, dass ich eben Zeit an der Nähmaschine verschwendet habe. Ich hätte dringend Mails beantworten müssen und Wäsche waschen und staubsaugen und zweihundert andere überfällige Dinge… Dann wäre der Berg nicht mehr so  riesig! Und ich habe genäht. Einfach genäht. Ich ärgere mich. Sehr. Über mich. (Ja, mir ist bereits in diesem Moment bewusst, dass das dämlich ist, aber das macht es nicht besser.)

18:00 Uhr // Irgendwie überlebe ich die Zeit bis zum Abendessen und wir schaufeln Milchreis. Diese Nachmittags noch vehement eingeforderte Speise wird von den großen Kindern empört abgewiesen. Das wollen sie nicht essen. Sie essen Brote.

18:30 Uhr // Mein Geduldsfaden will wegen Nichtigkeiten reißen. Der Traummann übernimmt das Kommando und ich überlege, mich einfach unter irgendeinem Bett einzurollen. Stattdessen gehe ich auf den Dachboden und starre die Nähmaschine an.

18:45 Uhr // Ich habe mich gefangen und während die Zwillinge unter Papas Aufsicht duschen, hüte ich den Kamikaze-Krümel und mache sonst einfach nichts.

19:30 Uhr // Alle Kinder sind bettfein und wir packen drei Kinder in drei Betten.

20:00 Uhr // Die Kinder schlafen (im Falle des Krümels zumindest kurzfristig) und ich liege müde auf dem Sofa.

Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen und ich weiß beim Aufschreiben des Tages gar nicht, was mich letztendlich so umgehauen hat. Tja… was machst du denn eigentlich den ganzen Tag? Eigentlich nichts aufregendes.

Eure Kerstin

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

4 Antworten zu Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? #5

  1. 

    Du weißt nicht, was dich so umgehauen hat?!? Ganz einfach: Du.Stehst.Unter.Strom. Und zwar die ganze Zeit. Keine Erholung. Nichtmal nachts, oder? 😉 Guck doch mal, wieviele einzelne Punkte dein Tagesprotokoll enthält. Also ich wäre da auch total fertig, wenn das jeden Tag so läuft.
    Aber: es wird besser, mit jedem einzelnen Tag. Frei nach Pittiplatsch „Kannste mir glauben! “
    Wir haben hier übrigens auch grad mal wieder „Phase“, die „der-Urlaub-war-so-aufregend-und-nun-bin-ich-völlig-durch-den-Wind-und-muss-abends-schreien“-Phase. 😂

    Gefällt 1 Person

    • 

      ❤ unter Strom. Ja, so fühle ich mich. Ununterbrochen. Ich wünsche mir, dass die Eingewöhnung schnelle geht und am Ende hin und wieder Pausen entstehen.
      Liebste Grüße und baldiges Ende eurer Phase!

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  2. 

    Puh, Dein Tag macht mich schon vom Lesen fertig. Heftig, so drei kleine Kinder… Warum Du Dich wunderst, wundert mich allerdings 🙂

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  3. 

    Bei uns ist es hier gerade ähnlich. Maus hat Verstärkung in Form unseres neues Hauskaters bekommen und ich renne eigentlich den ganzen Tag hinter den beiden her, während sie exzessiv Katzenstreu in Papas Schuhe, Wäscheklammern in die Badewanne und meine Bastelsachen vom Tisch schmeißen….

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