Baby schläft

Der Zauber des GEBURTStages meines Babys // TRIGGER Fehlgeburt

Mein Baby ist jetzt drei Jahre alt. Montag war es soweit mit allem, was so dazu gehört. Geschenke und Kuchen, Kerzen und Luftballons. Viele Luftballons.

Krümelchen ist ein besonderes Kind. Unser Drittes. Ein wildes. Eine Kind, das nicht nur voller Energie ist. Manchmal scheint es die Energie selbst zu sein. Wenn ich die Ruhe habe, dieses Kind einfach zu beobachten – in seiner unfassbaren Lebensfreude und Energie – dann geht mir das Herz auf. Soviel Glück. Er scheint bei allem Tatendrang, den er so zeigt, ganz bei sich zu sein.

Doch Krümelchen ist eben nicht nur Krümelchen. Mein Krümel ist ein Zwilling. Ein alleingeborener Zwilling. Er ist mein Baby mit Schutzengelchen.

Die Schwangerschaft mit Krümel war für mich emotional unfassbar schwierig. Sie war geplant, wie man eben so eine Schwangerschaft planen kann. Die Nachricht, dass es wieder zwei sind, dass da zwei Herzen schlagen, kam theoretisch überraschend.

Praktisch fühlte sie sich sofort richtig an. „Wir sind Zwillingseltern. Wir können nur Zwillinge.“ war mein erster Gedanke. Es passte. Wir freuten uns. Wir wussten genau, wie wundervoll (und ja natürlich auch irgendwie manchmal herausfordernd) Zwillinge sind.

Doch dann kam alles anders. Erst war der Schock. Dann die Angst, der Zwilling könne abgehen und den Krümel mitnehmen. Der Schutzengel aber blieb bei Krümelchen. Er begleitete ihn durch die ganze Schwangerschaft. Und ich wusste nicht wohin mit meinen Gefühlen. Trauern konnte ich nicht, denn Trauer fühlte sich falsch an. Wie ein Verrat an dem kleinen Baby, das da ihn mir wuchs. Das Baby, auf das wir uns so sehr freuten. Das kleine Krümelchen. Ich durfte nicht traurig sein.

Freuen konnte ich mich nicht, denn Freude fühlte sich falsch und unangemessen an. Ich hatte gerade ein Kind verloren, das ich nicht einmal in den Armen halten konnte, dessen Gesicht ich nicht kannte, das noch keinen Namen hatte. Wie sollte ich mich freuen, wenn ich doch gerade um das verlorene Baby trauern musste.

Es war für mich fast zuviel, zumindest zuviel es in Worte zu fassen. Über die Schwangerschaft schrieb ich fast nie, obwohl es das Blog schon gab. Ich sprach es aber aus, denn so oft wurde ich angesprochen, beglückwünscht zu meiner Schwangerschaft und jeder Zweite trat danach in das Fettnäpfchen: „Wieder Zwillinge?

Ich habe es versucht zu lächeln und „nein“ zu sagen. Doch das hat für mich nicht funktioniert. Also habe ich gesagt, wie es ist. „Es waren zwei, doch es schlägt nur noch ein Herz.“ Das war undiplomatisch und vielleicht nicht höflich, aber mein Weg, damit umzugehen.

Nun ist Krümel drei Jahre alt. Die Zeit hat vieles verändert. Nein, die Wunden heilen niemals gänzlich. Trauer verfliegt nicht irgendwann plötzlich. Ich habe nicht vergessen. Aber ich habe meinen Weg gefunden, damit umzugehen.

Ich rede darüber. Nicht täglich. Nicht einmal oft. Aber wenn die Trauer da ist, kann ich sie zulassen. Kann sie aussprechen. Kann sie niederschreiben. 

Krümelchen ist drei Jahre alt. Er hat Montagfrüh die Kerzen ausgepustet und die Geschenke ausgepackt. Er ging stolz mit Kuchen im Gepäck in den Kindergarten. Und bevor ich dann daheim all die Vorbereitungen für den Nachmittag treffen konnte, kamen mir die Tränen. Ich habe sie kommen lassen. Habe mich hingesetzt und an den Schutzengel gedacht.

Die Trauer gehört dazu. Der Schutzengel gehört dazu. Er ist ein Teil von mir, ein Teil von Krümel, ein Teil unserer Familie, wie unser allererstes Sternenkind. Ich habe den Schutzengel beweint, ihm eine Geburtstagskerze angezündet und dann den Kuchen für den Kaffeetisch gemacht. Es war ein schöner Tag. Voller Freude. Und auch voller Trauer. Ich kann die Gefühle heute beide nebeneinander stehen lassen. Sie zulassen. Beide Emotionen gehören zusammen und dürfen gleichzeitig sein. Sie schließen sich nicht aus.

Mein Krümelchen mit seinem ganz besonderen Schutzengel ist drei Jahre alt. <3

Eure Kerstin

Trauer und Freude nach der Geburt eines alleingeborenen Zwillings // Fehlergeburt
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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

5 comments

  1. Was für ein berührender Text, Kerstin! Fühl dich gedrückt.

    Ich habe unser Baby im Januar verloren. Es wäre in den vergangenen Tagen geboren worden und ich habe mich komisch gefühlt. Traurig, weil das Baby fort war. Froh, weil es neben KiGa-Eingewöhnung der Großen, Wutanfällen des Kleinen und Schwangerschaft mit dem dritten Kind jetzt eben gerade keine Geburt gab. Im Oktober kommt das Kleinste dann, wie es dann emotional aussehen wird, weiß ich noch nicht. Aber auch bei mir existieren Trauer und Freude nebeneinander, so komisch das manchmal klingt.

  2. Ein schönes Text. Nein es ist ja eigentlich kein Text. Es ist dein/euer Leben. Und das lesen macht traurig. Aber auch glücklich. Es ist ein Zwiespalt der da bei ist.. Aber da sieht man wie Freunde und Leid so eng beieinander sind. Ihr seit eine tolle Familie einem Schutzengel.

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