Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 10/2019

Am 5. jeden Monats fragt Frau Brüllen, was man so den ganzen Tag angestellt habe. Ich antworte dann meist sehr gerne, denn diese Tagebucheinträge sind mir eine wertvolle Erinnerung.

  • Dieser 5. Oktober fällt auf einem Samstag. Ein Wochenende ohne große Ereignisse, Termine oder Pläne.
  • Vormittags ein kurzer Stadtbummel. Ich brauche unbedingt eine neue Brille und mag nicht.
  • Die Kinder gehen mittags zum Schwimmen. Ich möchte Pullis für die Tochter nähen und bin dabei total fokussiert.

6:45 Uhr // Ich werde wach, weil der große Sohn brüllt. Er brüllt den Namen seiner Zwillingsschwester, sehr wütend und sehr laut. Ich gehe hin: „Was brüllst du so laut, es ist noch wahnsinnig früh, du weckst alle.“ – „Aber sie antwortet nicht!“ – „Die pennt noch“, oder tut zumindest so, „Ihr könnt ja auch noch schlafen. Bitte leg dich noch einmal hin.“

Das ist Kinderlogik, oder? Wochentags bekomme ich die Zwillinge um 7 Uhr kaum wach, sie schimpfen und wüten, am Wochenende aber muss man das Haus vor 7 Uhr wachbrüllen. Scheinbar nickt er aber noch einmal ein oder döst zumindest.

Erwähnte ich mal, dass ich kein Morgenmensch und Frühausteher bin?! So gar nicht. Also drehe ich mich nochmal um.

7:30 Uhr // Jetzt ist das Krümelchen neben mir wach. „Mama, gehen wir runter?“ Ich versuche mich tatsächlich aus dem Bett zu pellen, denn würde ich zulange zögern, wären sicherlich gleich alle auf der Etage wach. Da höre ich nebenan den Großen wieder quatschen mit seiner Schwester. Auch gut. Ich schicke ich den Jüngsten zu seinen Geschwistern.

Irgendwie habe ich die Wahnvorstellung, sie könnten gemeinsam leise spielen.

Der Traummann ist nun auch wach und nach einigen Minuten beschließen die Kinder ins Wohnzimmer zu gehen. Ich gehe runter, schalte ihnen pädagogisch wertvoll das Kinderprogramm ein. Noch eine halbe Stunde Schlaf wären traumhaft! Ich drehe mich im Bett um.

8:00 Uhr // Der Traummann geht in die Küche und bereitet das Frühstück vor. Ich drehe mich um. Darin bin ich wirklich super.

8:30 Uhr // „MAMA!!! AUFSTEHEN!!! FRÜHSTÜCK!!!“ Ja, ich kann morgens prima immer und immer wieder einschlafen. Lässt mich nur niemand lange.

Der Krümel deckt den Tisch, die Zwillinge schalten den Fernseher aus. Wir frühstücken.

Was steht heute an, was muss erledigt werden, was wollen wir erledigen?

Während die Kinder schon am Tisch wieder anfangen zu toben, versuchen die Erwachsenen den Tag zu besprechen. Der Sonnenschein beschließt sich anzuziehen, die Kinder gehen gemeinsam nach oben.

9:30 Uhr // Oben läuft ein halb ent- oder bekleideter Sonnenschein herum, der Kleiderschrank ist ausgeräumt. Er habe keine graue Hose mehr im Schrank. Ob er nicht ein blaue oder grüne oder so anziehen könne? „Auf gar keinen Fall!“ Was frag ich auch.

Ich räume die Schublade mit den Hosen vollständig aus, sortiere dabei gleich zwei zu kleine Modelle rüber zum Krümel und man einigt sich auf eine dick gefütterte Winterjeans. Warum nun diese genehm ist und andere nicht? Tja… ich weiß es nicht.

Ich dusche, die Kinder finden irgendwie in Kleidungsstücke, die Zähne werden geputzt, die Haare gekämmt.

10:30 Uhr // Wir fahren in die Stadt. Ich habe es lang genug geschoben, muss aber wirklich zum Optiker. Meine Brillenstärke hat sich verändert und ich habe deswegen ständig Kopfschmerzen. Leider wird wohl der Austausch des betreffenden Glases nicht reichen, da das alte Gestell mehr als altersschwach ist.

Wir trennen uns, da drei wilde Kinder beim Anpassen der Gläser etwas irritieren könnten und möglicherweise es auch für die Einrichtung des Ladens besser ist, man entfesselt dort keinen Orkan.

Beladen mit den kleinen Einkäufen tauchen sie eine Dreiviertelstunde später beim Optiker auf. Ich bin unschlüssig wegen des neuen Gestells. Begeistert mich keines. Ich suche etwas langweiliges, was ich bequem die nächsten fünf Jahre tragen kann (häufiger mag ich mir keine Brille leisten müssen). Und Langweiliges löst eben keine Begeisterung aus.

Mit einer schmerzhaften Preisvorstellung und zwei möglichen Gestellen zur Auswahl verlassen wir den Laden. Montag werde ich dann das Wunschmodell ordern.

12:00 Uhr // Auf dem Weg nach Hause springe ich noch kurz in den Supermarkt um die letzten Lebensmittel zu erwerben. Die Kinder und der Traummann verschwinden direkt wieder zum Schwimmen.

Ich räume kurz ein wenig im Haushalt, frag die Schwiegergeltern, ob sie später vielleicht Zeit haben. Wir haben sie ewig nicht gesehen. Sie wollen sich später melden. Ich mache mich dann mühselig daran, ein neues Schnittmuster vorzubereiten. Der Tochter sind alle Pullover vom Frühling zu kurz und da wir nun doch im Herbst in den Urlaub fahren, es aber vermutlich kalt wird, braucht sie neue Pullis. Wird ja auch hier eher kühler als wärmer.

Stoff ist noch vorhanden und so erscheint es mir als die günstigste (und nachhaltigste) Lösung, um schnell einen Stapel Pullis aus dem Nichts zu erschaffen. Ich näh ja auch gerne, doch so ein Schnittmuster ist irgendwie vorher immer eine lästige Pflichtaufgabe.

14:00 Uhr // Ich stelle fest, dass meine guten Vorsätze hinfällig sind. Ich wollte nur mal eben kurz den ersten Teil dieses Blogbeitrags tippen und habe mich dann nebenbei fest gelesen in den Beiträgen der letzten Monate. Ich stelle mal ganz nüchtern fest, dass es bei uns tatsächlich irgendwie immer sehr turbulent ist und ich wohl überproportional oft am 5. des Monats im Home Office gearbeitet habe. Dabei mache ich das eigentlich nur zwei oder dreimal im Monat. Interessante Feststellung, aber was fange ich jetzt damit an?

Das Klingeln an der Tür reißt mich aus den Gedanken. Die Nachbarstochter sucht meine Kinder. Ich vertröste sie und versuche mich nun auf die Schnittmuster zu konzentrieren. Gleichzeitig habe ich ein schlechtes Gewissen, denn ich wollte irgendwie nebenbei auch ein wenig Haushalt gemacht haben. Hat nicht ganz geklappt.

14:30 Uhr // Die vier anderen Familienmitglieder sind zurück. Das älteste unter ihnen beginnt ohne Umschweife zu haken, fegen, zupfen rund ums Haus, der zweitälteste stürzt zum Spielplatz und den Nachbarskindern, die beiden jüngsten merken größte Hungersnot an.

Ich richte Snacks an, gieße Wasser ein, stelle eine Maschine mit den Schwimmsachen an, reiche noch mehr Snacks an, suche die Bügelperlen raus und… ich gehe irgendwann auch wieder kurz ins Büro um festzustellen, dass ich kein Papier mehr habe für ein Schnittmuster. Typisch, Kerstin.

Besorge ich jetzt noch welches oder mache ich besser überfälliges im Haushalt? Mittlerweile haben wir schon nach 15 Uhr, aber der Traummann behauptet, wir sollten heute alle nur noch machen, wo nach uns lustig ist. Er hakt also weiter, ich marschiere mit Krümel zum Supermarkt.

15:30 Uhr // Krümel und ich haben Butterbrotpapier gekauft und ich lege nun ernsthaft los. Schneide anschließend sogar zu und muss meinen Wahn ein wenig bremsen, es vorerst beim Zuschnitt für drei Pullis ohne Schnörkel und Gedöns zu lassen.

Ich nähe den ersten Pulli zusammen und muss doch ein paar Schnörkel machen, weil das Reststück-Strickstoff nicht ausreicht und ich ein wenig mit Kombistoff stückeln muss. Ich beglückwünsche mich allerdings sehr zum Freestyle Ergebnis und nähe berauscht vor mich hin.

„Kommst du nun vielleicht auch mal runter?“, ruft der Mann nach mir. „Warum denn jetzt schon wieder?!“, erwider ich in entzückendem Säuselton (oder so ähnlich). „Es ist halb sechs und ich koche Abendessen, Könntest vielleicht den Tisch decken oder zumindest runterkommen?!“ Oh…

18:00 Uhr // Nachdem ich kurz noch ein paar Perlenkunstwerke zusammenbügeln musste, gibt es Abendessen. Der Sohn bescheinigt seinem Vater ausgezeichnete Kochkünste und dass es wohl besser sei, er mache das immer. Ich nicke.

Ansonsten runzle ich die Stirn ob der Lautstärke am Tisch und der leicht frei interpretierten Tischmanieren. Wir taugen nicht als Bilderbuchfamilie heute Abend. Macht nix.

18:30 Uhr // Der Traummann macht die Küche und ich auf dem Weg zurück zur Nähmaschine die Kinder bettfein. Die dürfen noch zwei Folgen fernsehen und ich jage die Overlock durch die beiden fehlenden Oberteile. Traumhafte Ergebnisse und ich möchte mich brüsten, leider ist das Licht für Fotos zu bescheiden und zur Strafe für meinen Hochmut, streikt plötzlich das Messer. Das war es dann für heute,

Die Feinarbeiten mache ich morgen, jetzt lesen wir erst einmal noch das ein oder andere Kapitel aus den Wunschbüchern vor, bevor die Kinder recht müde in die Betten sinken,

20:00 Uhr // Oben kehrt Ruhe ein und wir Erwachsenen landen auf dem Sofa.

Ich mag ja diese vertrödelten Tage am Wochenende sehr, zumal es das erste seit Wochen ohne gnadenlose Termine ist. Aber da fällt mir ein, dass die Oma gar nicht mehr zurückgerufen hatte. Frag ich sie morgen eben nochmal. Oder nähe einfach wieder den ganzen Tag, sollte ich das Messerproblem gelöst bekommen.

Euch ein schönes Wochenende!
Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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