Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 12/2020

Morgen Kinder wird’s was geben!
Eine komischer Advent in einem skurrilen Jahr. So halte ich verspätet den 5. Dezember im legendären Jahr 2020 fest. Auch, um Frau Brüllen die Frage zu beantworten, was wir so den ganzen Tag gemacht haben. #wmdedgt

Der 5. Dezember ist im Ruhrgebiet nass und trüb. Ein wenig so, wie ein November hätte sein müssen. Aber 2020 nicht unbedingt war.

Alles so aufregend im Advent

Krümel weckt mich zugverlässlich zu nachtschlafenden Zeiten – auch samstags macht er da keine Ausnahme und niemanden (am wenigsten mich selbst) überrascht dieser Umstand noch. Ich bleibe aber konsequent brummelnd liegen, obwohl es um mich herum sehr laut wird, denn die Adventskalender hängen seit wenigen Tagen!!!

Für Nicht-Eltern oder unerfahrene Frisch-Eltern sei erwähnt, dass Adventskalender auch bei den Langschläfern unter den Kindern ein Grund sind, mitten in der Nacht aus dem Bett zu stürmen. So halt hier auch. Die Spannung ist aber auch echt nicht auszuhalten jeden Morgen. Was da wohl wieder drin sein wird?

Ich erfahre es ohne Umwege und direkt. Ich muss nicht einmal danach fragen. Und vor allem erfahre ich es dreistimmig in epischer Ausführung. Halleluja!

Ob ich noch ein wenig schlafen dürfe? Dank virtueller Weihnachtsfeier am Vorabend war ich nämlich dummerweise arg spät im Bett.

Guten Morgen dann auch!

Ich ziehe mir die Decke über den Kopf und werde um 8 Uhr zu Frühstück gebeten. Mahlzeiten sind dieser Tage am Wochenende ja bereits die absoluten Höhepunkte des Tages – in Ermangelung irgendwelcher anderer.

Während ich noch den dritten oder vierten Kaffee schlürfe und auch die Kinder keine Notwendigkeit zum Ankleiden sehen, braust der Traummann los in die Stadt. Ich bewege mich derweil nur wenig, bastle mit dem Großen eine Aufgabe des Klassenwichtels, versuche mehr als eine Seite Zeitung zu lesen und den Rekord im Kaffee trinken aufzustellen. Irgendwann räume ich sogar den Frühstückstisch ab und stelle die Spülmaschine an.

Zwischenzeitlich kommt gegen 11 Uhr der Traummann von seinem nur halb erfolgreichen Beutezug wieder heim. Er hat zwar beim Metzger alles bekommen, doch vor der Buchhandlung standen 17 Personen warten in der Schlange um eintreten zu dürfen. Die vorbestellten Nikolaus-Geschenke hat er also noch nicht ergattern können.

Aber bis 16 Uhr hätte der noch auf. Wir könnten derweil ja einen Kaffee trinken?!

Machen wir.

2020: Jahr der Jogginghose

Ich versuche den Kindern nahezulegen, Kleidung anzulegen, doch sie verdrehen nur müde die Augen. Wozu?

Immerhin habe ich im Laufe des Vormittags einen vorbilden Menü-Plan für die kommenden sieben Tage entworfen und eine angemessen umfangreiche Einkaufsliste dazu verfasst. So rüstet sich alsbald der Traummann, um sich dem Wocheneinkauf zu stellen.

Ich bemühe mich zwischenzeitlich um Ordnung im Haus. Und kann dann sogar zwei Kinder vor die Tür jagen. Bekleidet. Und mit Inlinern bewaffnet.

Es ist schon nach Mittag, als der Traummann wieder so halb erfolgreich vom Beutezug heimkehrt. „Die sind alle irre!“ Offensichtlich, haben sehr viele Familien den Samstag für einen Großeinkauf genutzt. Mit fünf bis acht Personen, Oma und der Großtante, wie der schockierte Mann berichtet. Und jeder brav mit eigenem Einkaufswagen – wegen des Abstands!!!

Er sei bekloppt geworden und hätte nur fliehen wollen. Hat aber heroisch den Einkauf durchgezogen!

Es lebe der lokale Einzelhandel

Halb erfolgreich war er insofern, als er dieses Mal in die Buchhandlung eintreten konnte, die vorbestellten Bücher aber nur zum Teil da waren. Da ich gestern erst zur Vorsicht dort telefonisch nachgefragt hatte, ob das ganz sicher der Fall sei (sonst hätte ich fix online bestellt), bin ich leicht angepisst. LEICHT!!!

Vor drei Wochen schon hatte ich beide Bände des großartigen Mönkel und das Neinhorn vorbestellt. Mit großem Aufwand wurde meine Telefonnummer notiert und zweimal zur Kontrolle mir vorgelesen, damit man mich pünktlich anrufen könne, wenn der Mönkel 2 auch wirklich dann verfügbar ist.

Und was war? Keiner rief an. Freitag habe ich dann zur Sicherheit nachgefragt und kriegte ein pampiges „Die Bücher liegen hier schon geraume Zeit für Sie zur Abholung bereit“ zurück. WAS SIE DANN JA GAR NICHT WAREN!!!

Jooaaaah, man könne den zweiten Teil des Mönkel ja schon auch bestellen, aber der käme dann Montag. MONTAG!!! Alle anderen haben den schon. Nur ich nicht. *schmoll*

Ich fluche ein wenig und ahne, warum der lokale Einzelhandel zur Grunde geht. Durch hervorragenden Kundenservice tut man sich gerade nicht sonderlich hervor, wenn man schon mit Geschwindigkeit und Preisen des Online-Handels nicht mithalten kann, wäre das ja das mindeste.

Hier ist es bei den meisten Händlern sogar bis heute unmöglich online eine halbwegs verlässliche Vorhersage über deren Öffnungszeiten zu bekommen. Weil es so schwierig ist, bei Google MyBusiness und Co mal fix ein paar Daten aktuell zu halten.

Ich schweife ab.

Aber herrje hatte ich miese Laune.

Weihnachtsmarkt-Ersatz im Garten

Lässt sich jetzt aber halt nicht ändern, beteuerte der Traummann und schlug Glühwein im Garten vor.

Kaum dämmerte es, brannte die Feuerschale, mit Tannengrün geschmückt stand ein Tischchen dort. Für die Kinder süße Brötchen und heißen Kakao, für uns ein wenig Glühwein. Die Kinder und ich beschalten unsere feudale Außenanlage noch mit weihnachtlicher Musik und es wurde recht gemütlich.

Zwei Gärten weiter hatten Nachbarskinder für ihre Großeltern gar einen ganzen Weihnachtsmarkt mit Bügelbild-Verkaufs-Ständen, Salzteigauslage und Mandel-Bude aufgebaut.

Die Pandemie macht erfinderisch, wenn man nicht vor lauter Ausnahmezustand bereits irre geworden ist.

Wenn die Schule am Wochenende Mails sendet…

Als wir verfroren ins Warme zurückwechelsten und ich den heißen Auflauf zum Abendessen aus dem Ofen holte, piepte das Telefon. Ab sofort sind die Jahrgangsstufen drei und vier unserer Schule im Distanzunterricht. Der erste positive Test an unserer Schule. Und alle so Yeah!

Aber es war ja nur ein Frage der Zeit, bis es auch unsere Grundschule erreichen würde. Und ich muss sagen, dass die Kommunikation seitens der Schulleitung und Lehrerschaft bisher immer gut und transparent war.

Jetzt wir zB darauf hingewiesen, dass dir Jahrgänge keineswegs unter Quarantäne stünden, die könne nur das Gesundheitsamt anordnen. Doch man bitte alle, sich möglichst so zu verhalten, als bestünde Quarantäne.

Unsere Kinder sind in der Zweiten und so warten wir dann mal ab, was in den nächsten Tagen für Informationen folgen und ob wir noch ohne komplette Schulschließung bis zu den verfrühten Weihnachtsferien kommen. Abwarten, denn es kann keiner vorhersagen.

Der Nikolaus braucht Ausdauer bei uns

Nach dem Abendessen dürfen die Kinder ein Märchen sehen, wir kuscheln und lesen.

Geschlafen wird heute zu dritt in einem Zimmer und erwartungsgemäß bedeutet das, dass die drei lange oben noch quatschen und auch toben. So sind die zwei Helferlein des Nikolaus auch auf dem Sofa schon mehrfach eingenickt, als sie endlich zu den bereitgestellten Stiefeln huschen können.

Ich wünsche euch einen gesegneten Advent, dass ihr in der dunklen und trüben Jahreszeit viele Lichter um euch seht, dass ihr trotz aller Distanz euch nicht allein und einsam fühlt,
Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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