Kategorie: Dies & Das

Rezept für den Käsekuchen vom Blech und andere schnelle Kuchen

Schneller Käsekuchen mit Mandarinen vom Blech (und noch mehr Kuchen)

Es gibt ja so Sachen, die kann ich nicht. Da mangelt es mir klar an Kompetenz. Daher würde ich euch nicht empfehlen, mich als Einkaufsbegleitung für das nächste große Fashion-Shopping zu buchen. Ich tauge auch nicht für stylische Food-Fotos. Also als Fotografin oder Stylistin. Weder noch. Food ist essen und essen wird gegessen. ZACK.

Aber backen kann ich. Vor allem kann ich pragmatische Kuchen backen, die mal eben fix mit minimalem Aufwand ein möglichst nettes Ergebnis bringen. Habe ich die Tage mal wieder, denn wir hatten ja ein Geburtstagskind

bunter Schokokuchen zum Kindergeburtstag für den dritten Geburtstag

Kuchen-Content zum 3. Geburtstag

An Krümels Geburtstag selber gab es morgens einen schlichten Schokokuchen vom Blech, denn da zählt vor allem die süße Deko. In den Kindergarten hat er Mini-Amerikaner mitgenommen. Die sind klein, süß und schnell gemacht.

Für den Besuch der Familie am Nachmittag habe ich es mir leicht gemacht und einen schicken Lettercake (ja, so schimpfen sich die Teile, auch wenn es Zahlen sind, behauptet man auf Instagram) gefaked. Ich sags ja: pragmatisch. Meine hier sehr schweigsame Co-Autorin Tanja hatte mir den Tipp gegeben, doch mal auf Pinterest bei einem Tiefkühltortenhersteller mit bekanntem Namen nach Ideen zu gucken.

PERFEKT! Denn Krümel wünschte sich Erdbeerkuchen. Ausdrücklich. Im September. Eigentlich eine totale Katastrophe so rein saisonal und regional gedacht, aber das Kind hatte doch Geburtstag. Und Geburtstagskinder sind eben König.

Fake-Letter-Cake // Erdbeerkuchen aus Tiefkühlsahneschnitten
Du darfst dir die Idee gerne auf PINTEREST merken. <3

Rezept für den Fake-Zahlen-Kuchen

Zutaten
  • Erdbeer-Joghurt-Schnitten aus der TK-Abteilung des Supermarktes
  • frisches Beerenobst – weil das Kind es so will!
  • roter Tortenguss
Zubereitung

Kuchen aus der Packung nehmen und feststellen, dass eineinhalb Pakete ausreichen, um eine große 3 auf einem schicken Holzbrett zu legen.Während der TK-Kuchen von jetzt an auftauen kann, oben drauf das selbstverständlich abgewaschene Beerenobst äußerst dekorativ verteilen. Tortenguss anrühren und ein wenig drüber kleckern. Bloß nicht zu ordentlich dabei sein, denn es darf runterlaufen. Ist gerade modern so. Sagte man mir.
Nun nur noch abwarten, bis der Kuchen auftaut, die Gäste da sind und den Kuchen vernichten. 


Kindergeburtstag light

Jetzt wollte das Krümelchen aber auch so einen tollen Kindergeburtstag wie seine Geschwister haben. Und so beschloss seine Mutti (das bin ich!), dass wir eine Mini-Version veranstalten könnten. Aber bitte nicht zuviel Aufwand und Chaos, denn Krümelchen hat eigentlich gerade genug mit seiner Eingewöhnung zu tun. Und seine Mutti auch…

Was macht denn einen Kindergeburtstag in Krümels Augen aus?
Ganz wichtig: Luftballons! Kuchen! Geschenke! Kinder!
Auf Einladungen und Spielchen kann man verzichten. Also dachte ich. Und hatte auch recht damit.

Ich lud also zwei Freundinnen mit ihren Söhnen ein, von denen eine die Juli ist und die andere auch Juli (oder so ähnlich) heißt und theoretisch auch eine Cousine ist, aber das macht ja nicht weniger Freundschaft. Jetzt hatte ich also Kinder eingeplant und nahm an, dass die vermutlich auch Geschenke dabei haben würden.

Fehlten noch Luftballons und KUCHEN! Nichts leichter als das. Die Kuchen zauberte ich tatsächlich in grob geschätzten dreißig Minuten und da ich dusselige Tante währenddessen bei Instagram in den Stories mit meinen unfassbaren Skills prahlte, muss ich nun ein Rezept verbloggen. Selbst schuld. 😉

schneller Käsekuchen ohne Boden vom Blech REZEPT
Rezept auf PINTERST gemerkt?

schneller Käsekuchen ohne Boden

Zutaten:
  • 250g weiche Magarine
  • 280g Zucker
  • 4 Eier
  • 2 Päckchen Vanilliepudding-Pulver
  • 2 EL Vanillezucker
  • 2 TL Backpulver
  • 3 EL Weichweizengries
  • 1000g Magerquark
  • 2-3 EL gehobelte Mandeln
  • 1 kleine Dose Madarinen oder 100g Blaubeeren oder was auch immer… man kann auch auf so obstiges Gedöns verzichten
Zubereitung

Entweder besitzt du (wie ich) eine total tolle Küchenmaschine eines Staubsaugererstellers aus dem Bergischen oder du nimmst eine andere Küchenmaschine oder den Mixer.

Jedenfalls verrührst du erst Margarine und Zucker, dann im nächsten Schritt die Eier darunter und dann alles bis auf Obst und Mandeln zu einer Masse. Ich bin ja faul und haue alles in den Topf, um es dann auf Stufe 6 eine Minute lang kräftig zu mixen. Klappt auch.

Die Masse kommt auf ein Blech, das du bitte vorher gut eingefettet und mit den gehobelten Mandeln bestreut hast. Auf die Masse kannst du jetzt optional den Inhalt einer abgetropften Dose Mandarinen verteilen oder ein paar Blaubeeren. Kannse aber auch weglassen. Was du nicht weglassen solltest, ist das Backen:

60 Minuten bei 160°-170° Ober-/Unterhitze

Der Kuchen muss auf dem Blech etwas abkühlen, bevor du ihn schneiden und servieren kannst!


schnelle, bunte Mini-Amerikaner für den Kindergeburtstag

Ach und überraschenderweise gab es außerdem noch: Mini-Amerikaner. 😉 Mit denen hatte ich begonnen und während die im Ofen buken, habe ich die Masse für den Käsekuchen gerührt, der dann direkt im Anschluss reinkam. Inklusiv der sehr routinierten Zuckerguß-Verteil-Aktion auf den Amerikaner kam ich so auf grob 30 Minuten. Natürlich dauerte es dann noch ungefähjr so lange, bis auch der Käsekuchen aus dem Ofen kam, dass ich die Küche wieder sauber und die Luftballons aufgepustet hatte. Aber grundsätzlich ging dat alles fix!

Eure Kerstin

drei Kinder und das Feld

Wann wird es denn endlich einfacher? Edition #3über3

Wir schreiben Ende August 2018 und damit nähern wir uns in großen Schritten des Krümelchens dritten Geburtstag. Jetzt sinniere ich noch kurz darüber, dass ich heute vor drei Jahren schon in permanentem Fehlalarm sehr breitbeinig durch sehr heißen Spätsommerwochen kämpfte und dann geht es wieder zurück zum Thema.

Wenn Kinder drei Jahre alt werden, dann sind sie aus dem Gröbsten raus. Wir hatten ziemlich lange drei Kinder unter drei Jahren im Haushalt und steckten dementsprechend zehn volle Monate  mitten im Gröbsten. Mit dem Krümelchen wird nun das jüngste Kind drei und ich frage mich, ob wir als Familie aus dem Gröbsten raus sind?

Ja, was ist denn das Gröbste? Sind das die Windeln und die Babyflaschen? Sind es die durchwachten Nächte oder was bitte ist denn so grob in den ersten drei Jahren?

Schlafmangel

Eltern sehr kleiner Kinder tragen Augenringe als Erkennungszeichen und Schmuck. Vermutlich der einzige Schmuck, denn alles andere reißen einem die geschickten Fingerchen der kleinen Hände sonst aus den Ohren und vom Hals. 😉

Unsere Nächte mit den Zwillingen waren schlaflos, der Krümel schlief dafür umso bescheidener. Und ich darf stolz verkünden, dass auch mit nun beinahe drei Jahren die wenigsten Nächte vom Krümel ausschließlich zum Nachtschlaf genutzt werden. Und auf gar keinen Fall alleine.

Wir sind müde. Immer noch. Aber ja, wir waren schon einmal noch müder und im Vergleich, bekommen wir heute fast irre viel Schlaf. Allein ist der noch nicht ausreichend und bis wir den aufgebauten Schlafmangel wieder ausgeglichen haben, sind die Kinder vermutlich schon ausgezogen. Da gibt es noch grob gesagt ein bisschen Grobes.

Tagesablauf

Mit den Zwillingen war unser Tag im Ablauf zementiert. Ich habe höchstens halb scherzhaft gesagt, dass diese Routine mein Überleben als Zwillingsmutter garantiert. Krümelchen hatte nie einen so festen Tagesrythmus, denn das dritte Kind lief so mit bzw wurde mitgetragen, im Sling. Und schlief darin, wenn es denn mal schlief.

Unser Tagesablauf hat heute viel mehr Freiheiten. Niemand braucht hier mehr das Fläschen; und Brei gibt es schon lange nicht mehr. Mittagessen darf auch mal ausfallen und das Abendessen eine Stunde später stattfinden. Mittagsschlaf braucht das Krümelchen nicht mehr unbedingt und im Zweifelsfall reicht ein Powernap zwischendurch. Das macht vieles einfacher, denn man kann endlich wieder spontan sein.

Einen Besuch bei Freunden ausdehnen, kurz irgendwo zwischendurch und auf die Hand was futtern.

Wann wird es denn nun endlich leichter mit 3 Kindern?
Mich kann man PINNEN. 😉 Bitte! Danke!

Noch nicht ganz in trockenen Tüchern

Das Thema mit den Windeln wird vielleicht noch einmal ausführlicher behandelt werden müssen, aber auch da erahne ich ein Ende der regelmäßigen Großeinkäufe. Die Zwillinge wurden im Abstand von einem Jahr windelfrei. Darüber war ich auch recht froh, denn es ist einfacher, wenn nur ein Kind ständig sehr plötzlich PIPIIIII!!!! ruft und man genau drei Sekunden Zeit für eine angemessene Reaktion hat. Krümelchen macht derzeit eine Entwicklung durch, die vielleicht morgen mit trockenem Popo endet oder im nächsten Jahr. Ich vermute aber eher bald.

Und wenn man endlich durch diese Phase zwischen „Ich will keine Windel mehr“ und „Ich habs richtig drauf, auch rechtzeitig zum Klo zu kommen“ durch ist, dann ist es wirklich einfacher. UND man wird noch freier, weil man absolut nun keine Wickelsachen mehr überall dabei haben muss.

Kindergarten

Die Zwillinge starten in ihre letztes Kindergartenjahr. Krümelchen kommt nun auch in den Kindergarten und ich freue mich wie irre auf ein Jahr, in dem alle drei Kinder in die gleiche Einrichtung gehen. Unfassbar! So ein großer Schritt.

Die Eingwöhnungsphase wird nochmal anstrengend. Da mache ich mir nichts vor. Und ja, ich freue mich auf den ersten Winter mit drei Kindern in der Bazillenzuchtanstalt, aber Krümels Immunsystem hat bereits ganz gut von den Geschwistern gelernt. Das wird schon.

So groß! So selbstständig!

Ich bin sehr großer Fan vom selber machen lassen, trotzdem sind unsere Kinder mit Sicherheit da nicht ganz vorne weg. Aber es zeigt langsam echt spürbare Erleichterung für die Erwachsenen.

Wenn der Wille da ist, wird sich selbst angezogen, die ersten Schleifen werden in stundenlanger Kleinarbeit gebunden, Brote selbst geschmiert, Becher selbst aus dem Schrank genommen, im Kleinen sogar den Eltern geholfen. Krümel ist dabei gar nicht weit hinter seinen Geschwistern, denn er ist sehr ehrgeizig mitzuhalten. 😉

Auf dem Spielplatz sitze ich nun wirklich auf der Bank. Keiner muss ständig irgendwo hoch oder runtergehoben werden (außer der Krümel, wenn er mal wieder höher klettert, als er selber wieder runterkann), auf Schaukeln schaffen die Kinder es alleine, sie brauchen keinen Animateur mehr. Und sie wollen es auch nicht mehr.

Die Tage waren sie das aller erste Mal ALLEINE!!! auf dem Spielplatz. Mit großer Nachbarstochter. Ui das war aufregend. Vor allem für mich. Ich habe als übergroße Helikoptermutter auch nur einmal kurz von Weitem geschaut. Ehrlich!

Wenn das jüngste Kind drei wird, sind wir dann raus aus dem Gröbsten?
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Drei Nicht-Schwimmer

Manches ist aber noch immer nicht so einfach. Denn noch haben wir zum Beispiel drei Nicht-Schwimmer. Das bedeutet, dass ich mich nicht mit allen dreien allein ins Freibad traue. Ich freue mich sehr auf die Zeit, wenn das vorbei sein wird. Aktuell versuchen die Zwillinge gerade an dem Status etwas zu ändern. Drückt uns die Daumen! 😉


Übrigens spannend ein aktueller Beitrag einer weiteren „ehemaligen 3unter3-Mama“: Herzlichen Glückwunsch zum Seepferdchen Pia! bzw natürlich auch herzlichste Glückwünsche an Gereon.


Und wird es nun einfacher?

Es wird nie einfacher, nur anders. Blabla. Aber das ja, aber es endet tatsächlich eine Zeit in der alles sich nur und ausschließlich nach den Bedürfnissen der noch sehr hilflosen Kleinen richtete. Es gibt mehr Freiheit. Es gibt Ausflüge ohne Kofferladungen voller Flaschen, Gläschen und Windeln. Es gibt Selbstständigkeit. Für die Kinder. Für die Eltern. Das ist schön und wertvoll. <3

Eure Kerstin

Da kommen weder Schlaf noch Kaffee hin… Der Preis der Vereinbarkeit.

Müdigkeit ist wohl ein Dauerthema für Eltern… Alu vom Blog Grossekoepfe schrieb kürzlich über Watte im Hirn und Kerstin grub – vermutlich aus gegebenem Anlass – einen älteren Artikel über die Anzeichen der elterlichen Müdigkeit aus.

Und auch ich bin müde. Ich bin so unendlich müde. Schlaf alleine scheint nicht mehr zu reichen, um diese Müdigkeit zu vertreiben. Diese Müdigkeit sitzt an Stellen, da kommen weder Schlaf noch Kaffee hin.

Eigentlich läuft es super

Die Murmels sind mittlerweile 6 Jahre alt und kommen in diesem Jahr in die Schule. Ich darf eigentlich (fast) immer durchschlafen. Sie fahren teilweise alleine mit dem Roller zur Kita oder kommen alleine nach der Kita nach Hause, was mich nach Feierabend viel weniger abgehetzt sein lässt. Dadurch habe ich ein (kleines) zusätzliches Zeitpolster. Der Murmelpapa kümmert sich mehr denn je. Ich kann mich um Dinge kümmern, die seit Jahren auf Erledigung warten. Ich kann meine Gewerkschaftsmandate pflegen und für meine neue Chefin findet Vereinbarkeit nicht nur auf dem Papier statt. Sie hat eine saubere Regelung gefunden, dass ich auch mal mehr zu Hause arbeiten kann, ohne dass es immer eine „Ausnahme“ sein muss. Das gibt mir Sicherheit und ein starkes Gefühl von Akzeptanz.

Und trotzdem bin ich müder denn je.

Warum ist das so? Warum jetzt?

Ich lebe seit fast 5 1/2 Jahren alleine mit den Murmels. Teilweise waren verdammt harte Zeiten dabei. In der Rückschau frage ich mich gelegentlich, wie ich das nur aus- und vor allem durchgehalten habe. Die einzige Antwort, die mir dazu einfällt: Ich hatte keine Alternative. Ich musste. Es wäre niemand anderes da gewesen.

Eigentlich könnte ich mich jetzt entspannen… Die Murmels sind auch wochenends regelmäßig bei ihrem Papa. Was hindert mich?

Tja: das Chaos, der Haushalt, die Wäscheberge, die Gartenpflege… all das bleibt zu Hause und will trotzdem erledigt werden. Dann sind noch all die hunderttausend Baustellen, die seit Jahren auf mich warten.

An den Wochenenden, an denen die Murmels bei ihrem Papa sind, schlafe ich weniger, als wenn sie da wären. Meine Tage sind viel voller und anstrengender. Zum Ausschlafen habe ich keine Zeit, weil ich muss ja die Steuererklärung noch machen, habe ich alle Unterlagen für die BeKo-Abrechnung zusammen, die letzte Gewerkschaftssitzung muss noch protokolliert werden, ich muss noch das Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag besorgen… eigentlich müssten auch die Kleiderschränke mal wieder aufgeräumt und ausgemistet werden, neue Klamotten brauchen die beiden auch noch, wo finde ich Hosen, die der Maus passen oder muss ich selber nähen, was muss an Termine organisiert und vereinbart werden, arbeiten muss ich ja auch noch und und und…

Ordnung, Struktur und Zeit

Ja, mein Leben ist ordentlicher und strukturierter, als es noch vor einem Jahr war. Als die „gute Zeit“ anfing dachte ich, ich kneif noch mal ein paar Wochen die Pobacken zusammen, um einige Brände zu löschen und ein wenig Struktur zu schaffen. Ich dachte ernsthaft, wenn ich das mache, habe ich danach echt mal Wochenenden zum Ausschlafen und Bücher lesen. Verarscht! Zeit, mich mal um mich selber zu kümmern. Freunde treffen. Arbeiten.

Habe ich überhaupt noch Freunde? Was ist nach 5 1/2 Jahre Vereinbarkeit übrig geblieben? Nicht viel. Die Beste. Der Beste. Die ein oder andere Kita-Mama. Diese wundervollen Menschen aus diesem schrecklichen fremden Internet – die alle so verdammt weit weg wohnen. Wenn ich das lese, drängt sich der Gedanke nach Einsamkeit auf. Bin ich einsam? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken.

Ich bin Mama. Ich bin Tochter. Ich bin Arbeitnehmerin.

Alles andere bleibt dahinter zurück.

Ich habe mir –auch hier und auf Twitter – schon öfter die Frage gestellt, ob ich selber noch existiere, ob ich in meinem eigenen Leben noch eine Rolle spiele. Wann war ich zum letzten Mal auf einem Konzert? Wann bin ich zum letzten Mal mit Freunden um die Häuser gezogen? Wann saß ich zum letzten Mal mit einer Flasche Wein nachts am Strand?

Ich habe zwei wundervolle Kinder mit einem (mittlerweile) sehr engagierten und liebevollen Papa – den Mann, den ich liebe. Ich habe tolle Freunde und Bekannte. Ich habe meinen Traumjob. Ich habe so wahnsinnig viel.

Die Müdigkeit macht mich undankbar.

Ich bin ein mürrisches knurriges Etwas.

Warum ist das so? Ich zerbreche mir den Kopf darüber, warum ich mich nicht entspannen kann, warum ich nicht genießen kann, dass es gut läuft. Warum ich trotz Schlaf und Kaffee (literweise) so unfassbar müde bin.

Dieses Grübeln macht mich noch müder, noch nörgeliger, noch unzufriedener.

Ich bin zu müde, um die liebevolle, geduldige, zugewandte Mama zu sein, die ich gerne wäre. Was mich unzufriedener mit mir und der Gesamtsituation macht. Ich habe das Gefühl in einer Nörgel-Dauerschleife zu hängen, aus der nicht rauskomme. Diese Dauerschleife erschöpft mich noch mehr und macht mich noch unzufriedener…

Natürlich könnte ich mal alle Fünfe gerade sein lassen, alles stehen und liegen lassen und einfach mal nur Dinge tun, die mir gut tun – ganz bewusst Selbstfürsorge betreiben.

Den ganzen Kram macht aber kein anderer. Ein Wochenende nichts machen, bedeutet in der Konsequenz, dass ich danach noch viel mehr zu tun habe und wieder vor schier endlosen Bergen stehe, von denen ich nicht weiß, wie ich sie im Alltag alleine mit zwei Kindern bewältigen soll. Wie ich es auch drehe und wende, ich finde den Stein der Weisen nicht, um aus diesem Teufelskreis rauszukommen. Ich weiß nicht, wie ich meine innere Ruhe und Gelassenheit wiederfinden soll. Ich weiß nicht, wann und wie ich Selbstfürsorge betreiben soll, ohne das andere Dinge auf der Strecke bleiben oder sich zu riesigen Gebirgen auftürmen.

So lange ich planlos in diesem Hamsterrad rum renne, werde ich auch nicht Herr über die Müdigkeit.

Ich habe Angst vor dieser lähmenden Müdigkeit. Ich habe Angst, alledem nicht mehr lange gewachsen zu sein. Ich habe Angst, auf dem Weg zur Arbeit, zum Termin, nach Hause, zum Schwimmkurs am Steuer einzuschlafen. Ich mache im Auto keine Heizung mehr an, weil die Kälte mich wach hält.

Wo ist die Pause-Taste für mein Leben?

Und immer wieder die Frage, warum jetzt? Es ist der Preis für 6 aufreibende Jahre. Eine Müdigkeit, die sich so massiv über einen so langen Zeitraum aufbaut, verflüchtigt sich nicht durch etwas mehr Schlaf und Kaffee. Ich gehe seit Jahren regelmäßig über meine Grenzen und noch weiter. Genau das fordert gerade seinen Tribut. 6 Jahre Raubbau an Schlaf und Belastbarkeit lassen sich nicht durch ein entspanntes Wochenende reparieren… Das ganze braucht Zeit – Zeit, die ich nicht habe.

Ich habe 5,5 Jahre alles vereinbart… nur mich nicht.

Sorry, Ihr Lieben, das musste raus. <3

Passt auf Euch auf!

Liebe Grüße

Eure Tanja

Einladung mit Washitap zum vierten Geburtstag

Über den Tellerrand: Kinderarmut ist kein Kindergeburtstag

Ich bin ein #Glückskind. Das habe ich neulich auch einmal niedergeschrieben, als mir das (mal wieder) so richtig bewusst wurde. Ich wurde vom Glück reich beschenkt und ich bin privilegiert.

Wir (als Familie) sind auf vielen Ebenen privilegiert, auch finanziell. Wir haben keine großartigen finanziellen Sorgen, auch wenn es sicherlich manchmal hier und da eng wird. Das prägt die eigene Wahrnehmung und da kann ein Blick über den eigenen Tellerrand manchmal wirklich überraschen. So ging es mir die Tage mit einem Tweet von Nina, der mich immer noch beschäftigt.
Das schlimmste an Hartz IV war:
Wir haben wenig Freunde im realen Leben. Damit haben auch die Kinder relativ wenige Spielkameraden. Wenn sie zu einem Kindergeburtstag eingeladen wurden, fragten sie, ob sie dort hin können.
Weil ein Geschenk für 10€ oft nicht möglich war.
9:21 PM – Mar 21, 2018

Kinderarmut hat viele Aspekte

Es ist nicht so, dass ich nie über Kinderarmut nachgedacht hätte, dass ich nicht schon oft über die erdrückenden Sorgen im Alltag und die Probleme schon bei Kleinigkeiten gelesen hätte, dass ich mir einbilden würde, Deutschland habe kein Problem mit Kinderarmut. Es ist dieses greifbare kleine Beispiel, über das ich nie nachgedacht habe.

Nina schreibt in einer Reihe von Tweets darüber, dass sich selbst ihre Kinder darüber bewusst sind/waren, dass eine Einladung zum Kindergeburtstag daran scheitern kann, dass man kein Geschenk kaufen kann. Dass sie von sich aus absagen möchten, weil sie um die finanziellen Hürden bei sooo kleinen Dingen wissen.

Dass sie sich dann nicht einfach freuen können, wenn sie eingeladen werden. Dass die Kinder diesen Druck spüren. Wir in einer Gesellschaft leben, die diesen Kindern diesen Druck spüren lässt. Dass sie selbst nur wenige Kinder zu ihren Geburtstagen einladen können, da mehr Gäste mehr Kosten bedeuten. Dass sie entsprechend weniger Geschenke bekommen werden. Dass sie dann weniger Spielzeug haben. Dass sie weniger attraktive Spielsachen daheim haben und weniger Freunde zu sich nach Hause einladen. Dass sie weniger Freunde haben.

Und da macht man das Fass nicht einmal auf, dass sie auch sonst an weniger Aktivitäten teilnehmen können.

Pinne doch gerne diesen Beitrag weiter. Danke.

Kinder haben manchmal teure Wünsche

Unsere Zwillinge spielen nun Fußball. Zumindest wollen sie das unbedingt. Das bedeutet: zwei Vereinsbeiträge, zwei Trainingsanzüge, zwei Trikots, zwei Paar Stutzen, zwei Paar Schienbeinschoner, zwei Paar Hallenschuhe und zwei Paar Fußballschuhe für den Platz.

Nein, das habe ich nicht alles auf einmal gekauft und sie bekommen sowas auch nicht alles SOFORT, sie würden die Liste aber gerne noch um Sporttaschen und Torwarthandschuhe und wasauchimmer ergänzen. Gekauft habe ich zB die Trainingsanzüge und bei diesem Kauf auch kurz geschluckt bzw gedacht „Autsch, das summiert sich aber…“ Mir war in dem Moment bewusst, dass das was ich da gerade viel finde, sich manche Familien definitiv nicht leisten können. Das waren für mich offensichtlich hohe Ausgaben.* An Probleme bei Einladungen zu einem Kindergeburtstag dachte ich nicht. Bis zu Ninas Tweet.

Kindergeburtstage sind toll

Jedes Kind freut sich, wenn es zu einem eingeladen wird. Oftmals ist es sehr traurig, wenn man nicht eingeladen wird. Für Sonnenschein war es unendlich wichtig, dass er Kinder einladen konnte und dass Kinder diese Einladung einnehmen, da es ihm im Kindergarten letztes Jahr an Spielkameraden mangelte.

Dieses Jahr plant er schon weit im Voraus, wen er alles einladen möchte. Ich möchte nicht, dass irgendein Kind diese Einladung nicht annimmt, weil seine Eltern sich kein Geschenk leisten können. Oder kein zweites in diesem Monat. Nicht (nur) wegen Sonnenschein, sondern vor allem wegen des Eingeladenen. Wen mein Sohn einlädt, der ist mir hier von Herzen willkommen (sage ich jetzt mal noch so naiv, mal schauen, wer da die Jahre über kommen wird… anderes Thema…)

Meine Gedanken habe ich spontan zum Anlass genommen, Nina anzurufen und sie einfach zu fragen:

Liebe Nina, wenn ich den nächsten Kindergeburtstag plane**, kann ich dieses Thema irgendwie im Vorfeld schon „richtig“ angehen? Also vermeiden, dass es zu so einem unangenehmen Druck auf das eingeladene Kind und seine Familie kommt? Oftmals weiß man ja nicht zwingend, dass es gerade finanziell sehr eng aussieht bei der Familie.

Am Ende ergab sich ein wundervolles Gespräch über Gott und die Welt, Familienpolitik, Kinderarmut, Musikinstrumente, soziale Schranken und auch eben Kindergeburtstage. Ein paar Ideen und Gedanken daraus, möchte ich mit euch teilen:

Geschenkekisten im Spielzeugladen bestücken

Wenn man Geschenkekörbchen im Spielzeugladen packt, ist es grundsätzlich eine gute Idee, auch kleine (günstige) Artikel darein zu geben. Nach Ninas Erfahrungen reicht das alleine aber nicht, denn diese bleiben nicht unbedingt für die betroffenen Familien übrig. Da ist nicht einmal Geiz der Grund, sondern auch der Gedanke „Ach, die Kleinigkeit nehmen wir dann auch noch dazu.“ Sie gibt den Tipp, einen Zettel dazuzulegen mit einem Hinweis, den ich zB so formulieren würde: „Liebe Schenkenden, wenn ihr euch ein Geschenk aus dieser Kiste aussucht, so denkt bitte daran, dass wir auch einige Sachen bewusst für den kleineren Geldbeutel ausgesucht haben. Lasst diese Geschenke bitte für diejenigen, bei denen es knapp ist. Danke.“

Geldgeschenke, Gutscheine und große Wünsche

Größere Kinder haben oft größere Wünsche und dann kommen oft die Gutscheine ins Spiel. Aber gerade Gutscheine lösen natürlich einen Druck aus, da dort explizit steht, wieviel man geschenkt hat. Als Alternative bietet sich an, ein Sparschwein aufzustellen, in das jeder Gast nach seinem Geldbeutel etwas einwerfen kann. Das Schweinchen wird gefüttert, sein dicker Bauch kann Wünsche erfüllen, aber niemand wird blosgestellt, weil er nur einen kleinen Betrag eingeworfen hat.

Geschenke für den Kindergeburtstag

 

My2Cents: Es muss generell nicht immer viel Geld kosten

Ich persönlich finde, dass fünf bis maximal sieben Euro im Kindergartenalter generell echt schon für ein Geschenk ausreichen. Das habe ich vor diesem Tweet auch schon so gesehen. Auch ohne dass ich knappe Finanzen dabei im Blick hätte.

Generell schaukelt sich sowas nämlich gerne hoch. Die Kinder erwarten größere Geschenke, der Beschenkte meint später auch soviel schenken zu müssen, andere Gäste orientieren sich daran… am Ende steigt der Erwartungsdruck bzw die Erwartungshaltung.

Dank der Zwillinge kann ich aber auch mal tricksen. So habe ich zu einem Geburtstag, bei dem beide eingeladen wurden, ein ganz tolles Buch ausgesucht, dass aber den Betrag klar überstiegt. Meine Lösung:

Die Zwillingsschwester überreichte ein hübsches Päckchen mit riesiger Schleife voller glitzernder Haarspangen aus der Drogerie für einen klitzekleinen Geldbetrag, der Zwillingsbruder das tolle Buch. Unterm Strich blieb ich in meinem Budget und die Haarspangen waren mindestens genauso toll in den Kinderaugen wie das Buch.

So könnten aber auch zwei Kinder, die keine Geschwister sind, untereinander gemeinsam ein Geschenk aufteilen. Oder man kann daraus lernen, das Haarspangen für manche Kinder ein wundervolles Geschenk sind. In dem Alter sehen die Kinder das noch herrlich wenig in greifbaren Zahlen und ich würde mir wünschen, dass sie das noch eine Weile beibehalten können.

Party mit EVENT-Charakter

Generell bin ich ja nicht vorne weg beim Thema „Mega-Geburtstags-Motto-Party in hipper Location“. Bei unseren eigenen Planungen zum ersten Kindergeburtstag im letzten Sommer kam für mich nur die Frage auf, ob wir auf dem Spielplatz picknicken oder im heimischen Garten bleiben. Planschbecken und ein paar Spielchen, bunten Schokolinsen-Kuchen und fettige Pommes: DAS ist Kindergeburtstag.

Man braucht ja auch noch ein wenig Luft um sich zu steigern. 😉

Nein, mir waren diese aufwendigen Kindergeburtstage schon immer irgendwie suspekt. Aber ich habe nicht darüber nachgedacht, dass es ab einer gewissen Kinderzahl immer ungemütlicher (bis unmöglich) ist, daheim zu feiern, wenn man eine sehr kleine Wohnung hat. Die Kombi Sommer+Haus+Garten macht es uns da leicht.

Auswärts feiern wird dann gerne teurer und da wird das Gedankenspiel richtig kompliziert bzw der Druck bei Familien mit wenig Geld immens. Ich komme also mit meiner Garten-Planschbecken-Pommes-Party nicht nur ziemlich günstig weg, ich kann sie auch nur so feiern, weil wir eben einen Miniatur-Garten hinterm Haus besitzen.*** Sorum hatte ich das bisher nie betrachtet.

Ob es mir nun hilft, nicht mehr unten im Suppenteller zu schwimmen, sondern kurz über den Tellerrand herauszuschauen? Ja, denn es hat meinen Horizont erweitert, ein wenig mehr den Blick geweitet und mich (noch) sensibler für Hürden anderer gemacht. Ob es euch hilft, dass ich das aufgeschrieben habe?

Naja, vermutlich hilft es keinem, aber es schadet auch nicht, denn ihr könnt auch einfach weglesen. Vielleicht denkt aber doch der ein oder andere noch zwei Gedanken über Ninas Tweet nach.

Eure Kerstin


*Natürlich wollen beide auch ein Pferd und Reitstunden. Und Ballettunterricht. Und einen Dinosaurier als Haustier. Wir sind uns wohl alle im Klaren, dass die Wünsche der Kinder manchmal ziemlich grenzenlos und auch wankelmutig sein können. Aber das Fußballding war nun wochenlang konstanter Wunsch beider.

**“Kindergeburtstage planen“, HAHAHA!!! Ich und planen. Ich eskaliere ja eher spontan. Und große Events sind nicht so mein Ding. Aber egal, denn Einladungen muss man mit etwas zeitlichem Vorlauf schreiben. Käme uncool am Tag der Party.

***Selbstverständlich wohnen auch ganz viele Menschen, die sich einen Kindergeburtstag auf dem Ponyhof für 50 Kinder locker leisten könnten, nicht in einem Reihenhaus mit Garten. 

Handabdrücke sind Kindheitserinnerungen

Und woran kannst du dich noch erinnern?

Es ist Abend. Ich sitze im Zimmer der Zwillinge auf dem Bett des Sonnenscheins und habe gerade zwei Geschichten vorgelesen, das Licht ist gelöscht, ich habe gute Nacht gesagt, es gab einen Gutenachtkuss und – warum auch immer (Ich mache das sonst nie!)- singe ich:

Weißt du, wieviel Sternlein stehen
an dem großen Himmelszelt…

Sonnenschein sieht mich an und sagt ganz trocken: „Mama, das ist das Lied, das du immer gesungen hast, werden wir abends unsere Milch getrunken haben.“
Ich bin nicke sprachlos und singe weiter.

Tatsächlich haben mein Mann und ich früher, wenn wir die Zwillinge ins Bett gebracht haben, nachdem ich abgestillt hatte, gemeinsam jedem Kind eine Flasche gegeben, sie in den Armen gehalten und zu zweit Weißt du, wieviel Sternlein stehen… gesungen. Dann haben wir sie ihr Bett gelegt.

Dieses Ritual blieb ungefähr ein Jahr lang bestehen, bis die Zwillinge abends keine Milch mehr tranken. Das muss mit 18 Monaten gewesen sein. Damals begannen wir abends Geschichten vorzulesen. Und da ich eigentlich nie singe – ich kann überhaupt nicht singen – und an Traummann erst recht nicht – haben wir ganz sicher seitdem so gut wie nie wieder gesungen.

Längst vergessene Zeiten…

Und nun 3 Jahre danach sitzt da mein Sohn und sagt ganz  selbstverständlich, dass er dieses Lied kennt und woher dieses Lied kennt. Mich als diejenige, die keine Ahnung von frühkindlicher Entwicklung hat und von Erinnerungsvermögen, haut das immer wieder um, denn gerade bei Sonnenschein ist das nicht das erste Mal dass er Geschichten aus der Zeit als Einjähriger raushaut

Auch wenn er früh angefangen hat zu sprechen: mit einem Jahr sprach gerade mal drei Worte, mit eineinhalb Zwei-Wort-Sätze (Kann man von Sätzen sprechen, wenn sie nur zwei Wörter
enthalten?). Die Geschichten, die er erlebte zwischen einem und zwei Jahren, begann er erst zu erzählen, da er schon längst drei und heute erzählt er immer noch davon.

Ich wünsche mir, dass er die warme Erinnerung an das Lied von den Sternen, die am Himmel stehen, und seinen Eltern, die ihn im Arm halten, im Herzen behalten kann.

Woran erinnern sich unsere Kinder? Kindheitserinnerungen

Wie weit reichen deine Erinnerungen zurück?

Meine früheste Erinnerung ist:

Mein Vater der mich in eine Bettdecke gewickelt den langen Weg von unseren damaligen Wohnhaus zu Garage trägt. Es ist irgendwie in der Nacht und die Stimmung ist aufgeregt und sicher und warm. Es ist – und da bin ich mir sicher – die Erinnerung an die frühen Morgenstunden der Geburt meines Bruders. Mein Vater brachte meine Mutter ins Krankenhaus und mich zu meiner Oma. Aus dem Bett heraus.

Ich war drei Jahre und 18 Tage alt.

Ein weiterer kleiner Fetzen meiner frühen Erinnerung ist der Gang ins Krankenhaus am Tag der Geburt meines Bruders. Ich erinnere mich nicht an meine Mutter. Nur an ihr Bett und dass am Fußende dieses Bettes ein Kasten stand, der mich an ein Aquarium erinnerte. In diesem Kasten lag mein Bruder, ein kleines Baby wie eine Puppe und doch ganz anders. Ich weiß, dass ich meinem Bruder ein Kuscheltier geschenkt habe, ein kleines Püppchen, dass er übrigens immer noch besitzt und ohne das er ganz lange nicht schlafen konnte.

Die Lücke zwischen diesen beiden kleinen Erinnerungsfetzen ist die Erzählung meines Vaters, dass er mich nach der Geburt meines Bruders von meiner Oma abholte, um mit mir das Krankenhaus zu besuchen, was wenige hundert Meter von dem Haus meiner Großeltern entfernt war. Ein kurzer Weg. Doch ich bestand darauf erst nach Hause zu fahren, weil ich noch ein Geschenk für meinen Bruder holen wollte: eben jenes kleines Rassel-Püppchen.

Es gibt weitere Erinnerungen aus dieser Zeit bei mir. Alle diese Erinnerungsfetzen sind nicht sehr lang, nicht sehr vollständig, aber klar wie kurze kleine Augenblicke, wie Fotos. Und doch existieren davon keine Fotos.

Mein Bruder – Ein Geschenk

Ich erinnere mich an die Milchpumpe. Meine Mama hat wohl nicht lange gestillt, aber sie muss abgepumpte haben. Ich erinnere mich an meine Mutter, wie sie auf dem Sofa sitzt und Milch abpumpt. Ich erinnere mich an die Krabbeldecke, auf der mein Bruder im Wohnzimmer lag und an seine Spielzeuge und Püppchen, die ich am Rand der Decke immer in Reih und Glied hinlegte, neben ihm saß und ihm bewundert habe, ihm die Spielzeuge anreichte und mit ihm gesprochen habe.

Für mich war die Geburt meines Bruders – der Moment als ich Schwester wurde – ein unglaublich wichtiger Moment, sonst wäre er nicht so in meiner Erinnerung geblieben. Ich war und bin gerne Schwester.

Ich habe mich über die Geburt meines Bruders sehr gefreut, habe sie herbeigesehnt und meinen Bruder immer und bis heute angebetet, immer auf ihn aufgepasst. Klar haben wir uns zwischendurch auch mal gestritten, aber ich kann mich an kein Konkurrenzdenken ihm gegenüber erinnern. Mein Bruder war ein Geschenk für mich. So habe ich es als Kind empfunden und so empfinde ich es noch heute.

An was werden sich unsere Kinder erinnern, wenn sie in einigen Jahren gefragt werden? Wird das Lied im Gedächtnis bleiben? Oder wird der Sonnenschein daran denken, wie er die Stillzeiten seines kleinen Bruders dazu nutze, mit seiner Zwillingsschwester eine ganze Etage des Hauses mit Babyöl einzureiben? 😉

Wer weiterlesen möchte, mich haben diese Erinnerungen neugierig gemacht, der findet u.a. etwas bei Terrorpüppi über Erinnerungen an die eigene Kindheit. Dort ist auch ganz wunderbar beschrieben, welchen Wert diese frühen Erinnerungen für unsere Kinder haben. <3

Ebenfalls ganz interessant: Spektrum: Ab wann erinnern wir uns an unsere Kindheit?

Eure Kerstin