Tag: Krankheit

manchmal ist einfach alles zuviel

Und manchmal sind da nur dicke schwarze Tränen.

Ich weine. Ich weine dicke Tränen. Dicke schwarze Tränen. Die Mascara läuft mir die Wange runter. Ich war nicht optimal mit wisch-und wasserfester Fassadenfarbe auf meine Emotionen vorbereitet.

Ich bin wütend. Ich bin unfassbar wütend. Ich bin frustriert. Ich bin traurig und ich will das alles gar nicht sein. Ich bin wütend auf mich selbst. Ich bin genervt von mir selbst, denn so will ich gar nicht sein. Nicht wütend. Nicht frustriert. Nicht traurig.

„Steck den Kopf nicht in den Sand. Du kannst doch nicht einfach aufgeben. Du musst positiv denken. Wenn du nicht glaubst, dass alles gut wird, wie soll es gut werden?“ Das ist so leicht gesagt.

Ich komme gerade vom Kinderarzt. Mal wieder. 2018 ist vier Wochen alt und ich war vielleicht schon sechs Mal beim Kinderarzt. Ich habe heute morgen noch gedacht, als ich im Wartezimmer saß mit meinen drei Kindern, wie albern und wie überflüssig es doch ist, ich schon wieder beim Kinderarzt sitze.

Die Kinder haben einen fiebrigen Erkältungsinfekt. Nichts Besonderes. Der halbe Kindergarten hat einen fiebrigen Erkältungsinfekt derzeit. Dreimal Rotznase  – dreimal Husten – dreimal erhöhte – nicht einmal spektakulär hohe – Temperatur. Ganz normal ist das im Winter. Alle Eltern kleiner Kinder teilen gerade das Problem.

Warum muss ich deswegen zum Kinderarzt rennen? Wir holen uns hier noch Magen-Darm (neben mir halten zumindest zwei Zwege brav ihre Brechbehältnisse vor die Nase).

Und dann kommen wir in das Behandlungszimmer. Sonnenschein ist der erste: er hat Rotznase, er hat Husten, er hat ein bisschen Temperatur: er hat ein Erkältungsinfekt und überhaupt nichts schlimmes.

Krümel ist der nächste: okay er hat Rotznase, er hat Husten, er hat ein bisschen Temperatur und ja bei ihm ist es etwas mehr etwas schlimmer, aber er ist ja auch erst zwei Jahre alt und hatte im ersten Lebensjahr diesen ekligen fiesen Virus. Dann neigt man schon mal zu Bronchitis. Nichts besonderes.

Prinzessin ist  – meiner Meinung nach – schon wieder auf dem Weg der Besserung. Sie hat einen Tag vor den Jungs angefangen und eigentlich ist ihre Temperatur überhaupt nicht mehr erhöht. Ich mache mir keine großen Sorgen, es war so unnötig zum Kinderarzt zu fahren, aber wir müssen ja vorsichtig bei ihr sein und dann ist da wieder ein Befund auf der Lunge. Wir bekommen Antibiotikum. Wir sollen ja vorsichtig sein bei ihr. Prinzessin hat eine Vorgeschichte. Mehr als nur diesen dämlichen Virus im ersten Lebensjahr, der das vielleicht erst ermöglicht hat, was letzten Winter passiert ist. Aber dieser letzte Winter der ist nun ihre Vorgeschichte, der Grund vorsichtig zu sein.

Wir fahren nach Hause. Alles ist okay. Es ist jetzt eben so. Nächste Woche wird Prinzessin bestimmt nicht in den Kindergarten gehen, sie nimmt dann Antibiotikum und wenn es nach dem Kinderarzt geht, sollte sie auch danach möglichst lange noch daheim bleiben. Um sich nicht sofort wieder anzustecken.

Es ist Winter. Es ist ganz normal, dass kleine Kinder dann ständig krank sind. Alle Eltern kämpfen mit dieser nicht enden wollenden Kette von Infekten. Eine Herausforderung in Sachen Vereinbarkeit, eine Erhöhung des eh schon mächtigen Schlafmangels.

Wenn der Druck auf Mama zu stark ist....
Diesen Beitrag könntest du dir auch auf PINTEREST merken. Solltest du sogar. 😉

Doch zu Hause sitze ich da und weine. Weine weil es für mich eigentlich keine Herausforderung in Sachen Vereinbarkeit ist, denn so langsam müsste ich hier in meine Bio „Hausfrau und Mutter“ schreiben. 2017 ließ nichts übrig in Sachen Aufträge und Erwerbstätigkeit.

Ich weine, weil es sich nicht lohnt, sich noch um Aufträge zu bemühen, wenn doch jede zweite oder dritte Woche der Ausnahmezustand wieder Realität wird. Ich weine, weil ich mich um meine Tochter sorge. Ich weine, weil ich es furchtbar ungerecht finde, dass es schon wieder uns trifft. Ich weine, weil ich selbst nicht wirklich gesund werde. Ich weine, weil ich wütend bin, weil ich frustriert bin. Weine weil ich genervt bin von den ständigen Dramen, weil ich nicht wütend sein will, weil ich doch optimistisch sein will, weil ich doch eigentlich positiv denken soll, weil ich gerade nicht positiv denken kann.

Ich bin auf sovielen Ebenen wütend. Auf das bekloppte Schicksal. Auf die Bazillen. Auf den permanten Ausnahmezustand. Auf mein Unvermögen es einfach anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

Dann machen Prinzessin und ich uns eine nette Zeit daheim zu Hause. Dann bin ich eben eine Vollzeit-Vollblut-Mutter (was habe ich die immer bewundert!). Dann arbeite ich eben mit Kindern zu Hause, machen andere ja auch, wenn ich unbedingt arbeiten will. Dann reiße ich mich eben zusammen, dann denke ich positiv.

Nein, das schaffe ich gerade nicht. Jetzt in diesem Moment finde ich alles extrem fies. Jetzt gerade muss ich wegen einem ganz üblichen Erkältungsinfekt emotional ein riesiges Fass aufmachen.

„Du sollst nicht weinen, Mama!“ Das weiß ich ja, aber manchmal ist man einfach traurig. Manchmal ist man auch einfach glücklich. Emotionen sind nicht so einfach.


Anmerkung: Diesen Text schrieb ich Ende Januar mit gerade getrockneten Tränen und noch völlig verschmiertem Gesicht. Weil er raus musste, weil ich mich sortieren musste.

Wenn ich ihn veröffentliche, dann werde ich eine ganz andere Laune haben. Dann ist vielleicht nicht gerade Ausnahmezustand oder ich bin gerade zumindest in der Lage den Ausnahmezustand als normal anzunehmen. Denn so ist das Leben mit Kindern: Ein permanter Ausnahmezustand. Meistens komme ich damit gut zurecht. Manchmal aber nicht. Dann rollen dicke Tränen. 😉

Und weil ich seltenst Blogposts veröffentliche, wenn ich emotional so neben mir stehe, muss dieser Beitrag im Entwurfsordner liegen, bis ich wieder klar denken kann, ihn lösche oder veröffentliche.

ZEITSPRUNG in den Juni 2018:

Jetzt lag der Beitrag lange genug und mir ist gar nicht mehr zum Heulen, aber ich werde ihn trotzdem noch veröffentlichen. Denn auch diese Emotionen gehören dazu.

Der Beitrag ist zum einen die Vorgeschichte zu meiner Erkenntnis, dass es mir nicht gut tut, mich als Vollzeit-Hausfrau-Mutter einzurichten. Er ist aber auch die Vorgeschichte zu meinen Glücksgefühlen. Denn bei allem, was hier so auf einen niederprasselt, bin ich doch ein #Glückskind.

Eure Kerstin

 

Ich bin gerne Mama, aber ich arbeite auch verdammt gerne. Vollzeit-Mama fällt mir schwer

Das Modell Vollzeit-Mama und ich

Die letzten Wochen zuckte es immer mal wieder durch meinen Kopf: „Eigentlich müsstest du mal deine ganzen „über mich“-Texte ändern auf dem Blog und Co. Von wegen Arbeiten und so…“

Denn man kann an sovielen Stellen über mich lesen, dass ich erstens arbeite und zweitens sehr gerne (und früher auch sehr viel) arbeite. Mir war das immer wichtig. Aktuell arbeite ich aber defacto nicht mehr. Theoretisch müsste ich dort vielleicht sowas wie Hausfrau & Mutter hinschreiben, aber damit hadere ich. Und das liegt nicht an dem Etikett / die Schublade, über das man sinnieren könnte.

Es ist schlicht nicht wahr. Aber was ist wahr?

Kleiner Exkurs in meine Kindheit

Ich wuchs in den 80ern im Westen Deutschlands auf. Also ziemlich tief im Westen. Im Ruhrgebiet. Ich wuchs dort auf, wo ich heute noch wohne.

Statistiken besagen, dass in den 80ern in Westdeutschland die Kinder zumindest in ihren ersten Lebensjahren daheim und in den allermeisten Fällen von ihren Müttern betreut wurden. Anders als in Ostdeutschland gab es hier keine flächendeckende Betreuung für Kleinkinder und das Modell „Hausfrau & Mutter“ galt als normal.

Als Kind denkt man darüber nicht nach, weiß nichts von Statistiken und stellt die IST-Situation nicht in Frage. Die war bei uns damals offensichtlich (zumindest aus heutiger Sicht) nicht der Normalfall.

Meine Mutter war nie die klassische Hausfrau

Meine Mutter hat in meiner Erinnerung immer gearbeitet und ich habe mich nie gefragt, ob das andere Mütter auch tun. Davon ging ich vermutlich einfach aus. Natürlich blieb sie nach meiner Geburt und auch nach der meines jüngeren Bruders eine zeitlang zu Hause. Laut ihren Erzählungen beantragte sie bei mir drei Jahre auszusetzen, kehrte aber nach einem Jahr in Teilzeit zurück. Bei meinem Bruder nach sechs Monaten. Weil sie es so wollte.

Im Westen war keine U3-Betreuung vorgesehen

Die Betreuung für Kinder unter drei Jahren musste privat geregelt und bezahlt werden. Ich kann mich mich noch an unsere Kindermädchen erinnern und zumindest an die letzten beiden (der drei) habe ich sehr gute Erinnerungen. Die erste ist mir nicht im Gedächtnis geblieben.

Mit drei Jahren kam ich in den Kindergarten, später dann in die Schule. Morgens machte uns mein Vater fertig (und ja er kämmte mir auch meine langen Haare und flocht sie gemäß meiner Anweisungen zu Zöpfen). Meine Mutter fuhr sehr früh zur Arbeit, so konnte sie uns mittags wieder von Kindergarten und Schule abholen. Es gab keine OGS und keine Kindergärten, die nachmittags noch geöffnet hatten.

Hatte ich später als zur ersten Stunde Schule oder früher Schluss, ging ich zu meiner Tante. Oft gemeinsam mit meiner großen Cousine, die auf der gleichen Grundschule war.

Ups… es geht auch anders? Echt?

Und genau hier: in der Grundschule merkte ich erstmals, dass es auch andere Mütter gab. Es gab Mütter, die nicht arbeiteten! Das war mir im Kindergarten nicht bewusst.

Diese Vollzeit-Mütter fand ich spannend. Ich beneidete meine Mitschüler nicht, ich haderte nicht mit Mittagessen auf die Schnelle, weil Mama gerade erst mit uns gemeinsam nach Hause kam. Ich haderte nicht mit meinem Schlüssel, den ich dann irgendwann bekam. Ich fand die anderen Mütter spannend. Für mich waren diese Vollzeit-Mütter, die Mütter bei denen es einfach ein bisschen mehr gab. Mehr Zeit, mehr Klimmbimm, mehr geschnitzte Rohkostteller, mehr selbstgebastelte Dekoration an den Fenstern, mehr selbstgebackene Kekse, mehr Schischi.

Es war ein MEHR, dass ich toll fand, aber selber zu Hause nicht vermisste. 

Der Blick zurück

Heute ist mir bewusst, dass meine Eltern einen eher ungewöhnlichen Weg gingen. Das Einkommen meiner Mutter wurde in den ersten Jahren ziemlich aufgefressen durch die Kosten der Kinderbetreuung. Aber sie wollte arbeiten. Nicht weil es ihr absoluter Traumberuf gewesen wäre, sondern weil sie gerne arbeitete, weil sie auch etwas abseits von Haushalt und Kindern sehen wollte, weil es für sie selbstverständlich zu ihrem Leben gehörte, weil sie ihr eigenes Geld verdienen wollte.

Das war bei uns damals so, wurde nicht sonderlich thematisiert oder gar glorifiziert. Mama arbeitet. Fertig.

Und ich?

Warum fällt es mir nur so schwer?

Ich habe immer gerne gearbeitet. Ich habe mich schon in der Schule viel gelangweilt (ok, ja es war möglicherweise die falsche Schule, aber das steht auf einem anderen Blatt), fand das Studium nur Mittel zum Zweck und wollte nach Vollzeit-Praktika am Liebsten gar nicht mehr zurück. Ich wollte arbeiten.

Bevor die Kinder kamen, habe ich ziemliche viele Stunden die Woche gearbeitet, oft nächtelang durchgearbeitet. Weil ich es wollte. Ich wurde schwanger, arbeitete weiter (aber weniger), die Zwillinge wurden geboren, ich hörte nie ganz auf zu arbeiten. Ich wurde wieder schwanger und dann wurde es irgendwann kompliziert. Ich schrieb im Sommer schon, dass es eben nicht die perfekte Lösung für uns war „Mama arbeitet von zu Hause„.

Die Umstände. Es sind immer die Umstände.

2017 machte aus mir eine Freiberuflerin ohne nennenswerte Aufträge. Ich kann immer und überall arbeiten. Theoretisch. Ich kann zeitweise mal ganz wenig arbeiten, ich kann ja später aufholen. Ich kann morgen arbeiten, wenn das Kind heute krank ist. 2017 war immer irgendwer krank, immer war irgendwas und am Ende war mein virtueller Schreibtisch leer. Mir ging es damit nicht gut.

Am Ende wurde ich krank, nicht deswegen, aber eben auch das noch.  Ausgebremst. Ich sollte nun erstmal wieder ganz gesund werden. Mir die Ruhe antun.

Ich habe den Luxus, dass wir uns das im wahrsten Sinne des Wortes leisten können. Hier bricht nicht der totale finanzielle Notstand aus, nur weil ich gerade kein Einkommen habe (auch wenn es natürlich sehr fehlt).

Wir haben ja auch wieder Winter. Auch wenn dieser Winter keinem Vergleich mit dem vorherigen standhält, wissen alle Eltern kleiner Kinder, dass im Winter die Infekthölle brodelt. Irgendwer ist hier immer angeschlagen.

Ruhe und Gelassenheit

Ich versuche mir mit aller Macht die Ruhe anzutun. Dann bin ich eben mal eine zeitlang nur Hausfrau und Mutter. Ich muss mich nicht mit Deadlines stressen, ich kann täglich Kuchen und Kekse backen, kann mit den Kindern lustige Fensterbilder basteln, kann mit Freundinnen (bleiben nur die im akuten Mutterschutz) vormittags Kaffee trinken gehen, kann nähen und stricken, batiken und klöppeln, ich könnte schreiben… ohne Ende schreiben, ist doch wunderbar, oder?

Allein ich merke, wie wenig das zu mir passt. Nein, ich bin nicht mehr frustriert wie noch im Sommer. Mir ist nicht zum Heulen und ich sehe das Glück, dass wir haben. Aber ich habe mich hier ziemlich lustlos in meine Schublade verkrochen.

Ich schreibe kaum noch. Eigentlich gar nicht mehr. Ich mag nicht. Worüber auch? Und wieso? Ich nähe auch nicht. Was hätte ich Zeit zu nähen! Das war doch in den stressigsten Zeiten mein Ausgleich. Jetzt könnte ich ganze Kleiderschränke füllen und ich lasse es.

Die Tage gehen einfach so rum. Ich bin zu Hause, ich räume mal ein wenig auf, ich bin nicht gründlicher dabei als sonst auch. Ich mache nicht all die Dinge, zu denen ich sonst nie kam. Ich trödel so meinen Tag vor mich hin. Es deprimiert mich nicht, aber ich kann keine echte Begeisterung für dieses Leben aufbringen.

Zuviel Ruhe bekommt mir nicht

Ich bewundere die Eltern, die bewusst nicht arbeiten, um ihren Kindern von allem ein wenig MEHR zu bieten. Diese Mütter meiner Kindheit. Die waren doch toll, oder?

Aber so wenig ich damals mir eine Mutter wünschte, die so ist. So wenig kann ich mich heute in diese Rolle einfinden. Ich fühle mich einfach wie in eine Zwangspause versetzt. Meine Motivation ist nicht gerade überschäumend.

Und deswegen ist es einfach nicht wahr: Ich bin keine Vollzeit-Mama. Keine Hausfrau &Mutter. Zumindest keine aus Überzeugung. Ich bin eine derzeit-ausGründen-zwangsweise-nichtarbeitende-nebenbei-auch-sehr-gerne-Mutter-seiende-aktuell-ziemlich-gelangweilte-Frau, die ihre Berufstätigkeit vermisst.

Und jetzt?

Es fehlt das Mega-Fazit des Textes. Da schreibe ich mir 1.300 Wörter zusammen, die wunderbar aufzeigen, dass ich ich vielleicht einfach nicht der Typ für dieses Vollzeit-Mama-Ding bin. Dass vermutlich meine Eltern daran Schuld sind. Dass es mich irgendwie ziemlich langweilt oder zumindest nicht sonderlich begeistert.

Aber das braucht es für mich gar nicht. Ich wollte nur schreiben. Ich habe geschrieben. Und das ist gut wie es ist.

Eure Kerstin

P.S.: Übrigens beruhigt es mich sehr, dass es anderen Müttern genauso geht. Nachzulesen bei nullpunktzwo, die nämlich genau deswegen arbeitet. Als Mutter von vier Kindern.

Jahresrückblick 2017 FAMILIENBLOG

2017 – Eine Familiensaga in 12 Akten mit 3 Tiefpunkten.

Prolog

2017 begann bei uns schon am Heiligabend des Vorjahres, ohne dass ich mir dessen bewusst gewesen wäre. Vermutlich ist es sehr klug eingerichtet, dass die Menschheit bis heute unfähig ist, die Zukunft vorherzusagen, denn so gingen wir am besagten Tag fröhlich-besinnlich zum Krippenspiel. Die ganze chaotische Familie mit Oma, Opa und Onkel dazu. Die Zwillingen waren die kleinsten Engelchen im Chor und ich platzte beinahe vor Glückseligkeit und Stolz.

Wir waren kaum daheim, das Christkind hatte Geschenke ins Haus geschmuggelt, wir Erwachsenen den Sekt geköpft und sahen den Kindern beim Zerreißen der kunstvollen Verpackungen zu, da legte sich die Prinzessin auf das Sofa. Sie habe Bauchweh.

Kurz darauf krümmte sie sich nur noch glühend und wimmernd. 2017 begann mit einem Rettungswagen, einer Fehldiagnose und einem MD-Virus, den der Vater aus der Kinderklinik heimbrachte. Am ersten Weihnachtstag brachte ihn dann der Rettungswagen in die Klinik. Man kann sehr fix dehydrieren.

Er blieb vier Tage, die beiden Jungs entwickelten eine feine fiebrige Bronchitis, spuckten die Betten voll und die Lungenentzündung der Tochter (ich sagte es den Sanitätern doch schon Heiligabend, aber ich habe ja keine Ahnung)  hielt mich obendrein auf Trab.

Ich beschloss, dass diese Tage vorübergehen würden, dass sowas halt mal passiere, dass man Weihnachten auch am 30.12. feiern kann und dass alles halb so wild sei, wenn man sich nicht runterziehen lässt.

Das dachte ich. Ende 2016. Dann begann 2017.

Januar

Der Januar begann vielleicht nicht extrem fit, aber es schienen nur Nachwehen der fiebrigen Feiertage. Am ersten Kindergarten-Tagesmutter-Tag erwischte mich dann heißer Schüttelfrost. Aus dem Nichts. Am Tag darauf holt ich zwei kränkelnde Kinder Kindergarten und Tagesmutter ab.

Noch ein weiterer Tag und mich hatte die erste Lungenentzündung meines Lebens danieder gestreckt. Total. Prinzessin war ebenfalls wieder erglüht. Lungenentzündung. Der Krümel lochte mit seinem Vater gleich einen einwöchigen Premiumaufenthalt in der Kinderklinik. Gleiche Diagnose.

Meine Eltern nahmen die Zwillinge, meine Freundin zog wortlos bei mir ein und schulte auf Krankenschwester um. Keine Ahnung, wie sie die Tage freiräumte, aber nach drei Tagen hatten sich auch meine Eltern angesteckt und die Zwillinge zogen wieder bei mir und meiner Super-Krankenschwester ein.

Bei Prinzessin und mir schleppt sich die Genesung hin, es wird erstmal wieder schlimmer. Also geht es für uns beide in die Kinderklinik.

Warum ich und nicht der Mann?

Weil ich kaum Luft bekomme, starke Schmerzen habe und es mir unmöglich erscheint, den Alltag mit den beiden gesunden Jungs zu schaffen.

Januar 2017 Kurzfassung: Uns hat es umgehauen. Absoluter Stillstand.

Februar

Bei mir geht es endlich gesundheitlich aufwärts. Bei der Prinzessin nicht so recht. Ihr geht es immer schlechter. Es wird mein erster Tiefpunkt des Jahres. Mir geht die Kraft aus körperlich und seelisch drehe ich vor Sorge beinahe durch.

Also checken wir drei Tage früher als geplant in Kinderklinik Nummer drei des gar nicht mal so alten Jahres ein. Irgendwas ist das völlig eskaliert im zarten Körper meiner kleinen Tochter. Die Genesung wird sich lange ziehen und irgendwie vermuten nun alle Ärzte, dass da noch MEHR hintersteckt. Dieses diffuse Schreckgespenst wird uns ein halbes Jahr begleiten.

Nebenbei verfällt zum zweiten Mal meine Physiotherapie gegen meine Schmerzen, denn ich bin ja in der Kinderklinik…

Daheim flattert derweil unaufhörlich ganz reale Post aus der virtuellen Welt herein. <3

Februar 2017 Kurzfassung: Panische Angst.

März

Ich hoffe auf einen nachhaltigen Aufwärtstrend und versuche meine Frustration loszuwerden. Denn auch wenn das Jahr weiterhin noch jung ist, hat mich der ständige Wechsel von Hoffnung und Rückschlag, der Schlafmangel, die Sorgen und die ganzen Bazillen mürbe gemacht.

Mein Optimismus hat Winterblues. Die Prinzessin beginnt im Laufe des Monats wieder zu essen, bekommt hochdosierte Medikamente und ich endlich meine Physio.

März 2017 in Kurzfassung: Hochdosierte Medikamente und totale Erschöpfung.

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Samstag und der Versuch aus mir wieder einen zivilisierten Menschen zu machen. Der Traummann hat mich heute aus dem Haus gejagt, mir was Gutes zu tun. Ich war irgendwann im letzten Jahr zum letzten Mal beim Friseur. Von Frisur kann bei dem Gestrüpp auf meinem Kopf also keine Rede mehr sein und die grauen widerspenstigen Borsten #jasiehattatsächlichgrauhaare machen es auch nicht besser. In den letzten drei Monaten bin ich gefühlt um 10 Jahre gealtert. Auf einen Schlag. Die eigene Lungenentzündung, die Sorgen und die Erschöpfung… Ich höre quasi täglich "du siehst mitgenommen/müde/krank/geschafft aus." Langsam möchte ich das nicht mehr. Die ganzen Wochen blieb für solch trivialen Gedanke keine Zeit. Also bin ich total froh, dass ich hier noch zwischengeschoben werde. 😍 #instamum #wochenende #friseur

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April

Wir schnuppern Alltag. Einmal sind sogar alle drei Kinder eine ganze Woche lang ganz normal im Kindergarten bzw bei der Tagesmutter. Der wöchentliche Großeinkauf in der Apotheke nur für die Prinzessin, erzählt aber weiter vom Ausnahmezustand.

Ostern verbringen wir in Spanien mit der Großfamilie. Krümel fiebert passend zur Abfahrt und auch sonst wird alles ganz chillig  eine schwere Belastungsprobe für unsere Ehe. Mir wird von der Reisegruppe vielstimmig dringend nahelegt, mich gefälligst zu entspannen. Ich sei so überspannt, so nervös, so unlustig. Finde ich auch. Ich finde auch die Hinweise darauf sehr hilfreich. Nicht.

Prinzessin wird im Urlaub wieder zum hustenden Glühwürmchen und ich gebe das unentspannte Nervenwrack, bei dem alle die Augen rollen müssen.

Trotzdem ist der Urlaub schön. <3 Also zumindest bemühen wir uns darum und unter anderen Vorzeichen wäre er es ganz sicher sogar wirklich gewesen.

April 2017 in Kurzfassung: Die Sorgen sitzen tief. Die Ruhe ging mir schon lange aus.

Mai

Der Wonnemonat. Es ist mir eine Wonne nach Berlin zu fahren. BLOGFAMILIA! Ich genieße die Zeit dort sehr.  Endlich sehe ich soviele liebe Menschen wieder. Endlich komme ich raus!

Ansonsten kaue ich auf einer ausgewachsenen Schreibblockade herum, denn ich komme zu nichts. Prinzessin hat wieder „einen akuten Befund“ und auch sonst kommt es hier kaum zu einer normalen, alltäglichen Woche.

Ich würde gerne wieder so richtig arbeiten, aber das scheint 2017 auf einmal unmöglich. Da hilft auch nicht das HomeOffice, denn ich habe ohne meine Zustimmung auf Krankenschwester umgeschult.

Mai 2017 in Kurzfassung: Rückfall und Hoffnung. Oder anders herum.

Juni

Wieder Urlaub, wieder Großfamilie (wenn auch der andere Teil) und wieder wird es schwierig. Ich habe mich so auf die Zeit in Südholland gefreut. Wir waren schon einmal im gleichen Park, der Urlaub war herrlich entspannt. Dieser nicht.

Was vor allem daran liegt, dass uns irgendein verdammter Kackvirus heimsucht und ich in einer Woche nur einen einzigen Tag raus aus dem Ferienhaus komme, ansonsten selber kränkel oder mich um kranke Familienmitglieder kümmere, die Nächte kolossal bescheiden sind und ich vor Frust/Erschöpfung/Übermüdung nur noch schreien will.

Die Woche zwischen Urlaub und dem vierten Geburtstag der Zwillinge verbringe ich wieder mit Prinzessin in der Kinderklinik. Der Aufenthalt ist geplant, trotzdem scheiße belastend, auch wenn er uns am Ende von den bösen Schreckgespenstern befreit.

Juni 2017 in Kurzfassung: Mir geht die Geduld aus. Aber sowas von.

Juli

Die Zwillinge werden vier. Der erste Kindergeburtstag wird gefeiert!

Und ich ziehe mit der Brechstange das Blog um. Benenne es um. Will endlich verdammt nochmal das Dinge vernünftig machen.

In mir gehrt Frust. Nach der Angst und der Erschöpfung der ersten Monate hat der Frust überhand genommen, denn ich bekomme gefühlt kein Bein mehr an die Erde. Ich gehe unter und bin vollständig im Ausnahmezustand gefangen. Nach drei Wochen Urlaub der Tagesmutter, dem Klinikaufenthalt und zwei Tagen mit krankem Kind  daheim, folgen nun drei Wochen Kindergartenferien.

Nein, ich bin nicht in der Lage mich über die Zeit mit den Kindern zu freuen. Und schäme mich dafür.

Juli 2017 in Kurzfassung: Die Stimmung schlägt endgültig um.

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Kindergartenferien. Tag 3. Uff. Die Nacht war schlaflos und ich fertig. Aber der Sommer gab alles und wir mit ihm. Krümelchen bei der Tagesmutter fuhren die Zwillinge kurz Fahrrad. Leider wurde aus der Tour nur eine kürzer Ausflug, denn mein Rad hatte einen Platten und zu Fuß komme ich den beiden nicht nach. Die ganze Warterei auf Mama war dann doof. Nachbars Pool umso besser. Bis die Spaßbremse von Mutter meinte, dass man nach Hause müsse, wenn Nachbars wegfahren und nicht mehr im Garten sind. Wie gemein. Nachmittags gab es das heimische Planschbecken, Besuch und ein angeschlagen-launigen Krümel. 😩 Nun hat das Gewitter die Gemüter und die Hitze abgekühlt. Hoffentlich wird die Nacht besser. Was habt ihr so getrieben? #Kindergarten #sommerferien #chaosferien #instamum #mamavon3 #Fahrrad

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August

An meinem Geburtstag eskaliert meine Stimmung zum absoluten Nullpunkt. Ich habe mich völlig verloren. Der Winter war schlaflos und bestimmt von der langen Krankheit. Der Frühling war nicht minder schlaflos, anstrengend und sehr sorgenvoll. Der Sommer nun fühlt sich einfach unfassbar anstrengend an.

Der Sonnenschein ist weiterhin nachhaltig durch den Wind nach den Sorgen um seine Zwillingsschwester, die er so stark spürte und die fehlende Aufmerksamkeit ihm gegenüber, die er nun massiv einfordert.

Und ich? Ich fühle mich verloren. Ich beginne über grundsätzliches Nachzudenken. Ich vermisse meine innere Ruhe, meine Ausgeglichenheit, meinen Optimismus. Ich mag meine mürrische Art nicht leiden und bin doch durch und durch unzufrieden. Auch damit, dass ich nun keine Arbeit mehr habe, eine Freiberuflerin ohne Aufträge bin.

Immerhin überstehen wir den ersten Erkältungsinfekt DANACH ohne Lungenentzündung. Was zwar eine gute Woche schlaflosen Ausnahmezustand bedeutet, aber ein Grund zum feiern ist.

August 2017 in Kurzfassung: Ich auf der Suche nach mir oder dem Sinn oder einfach nur meiner Ausgeglichenheit.

September

Der September fühlt sich zuversichtlich an. Wir bleiben vor Krankheiten verschont, erstmal dieses Jahr gehen die Kinder längere Zeit am Stück alle in Betreuung. Ich komme wieder zu was. Und bin voller Pläne.

Kurz: Der Monat läuft wundervoll, bis… bis Ende desselbigen plötzlich mein Körper streikt. Er ist mein Gesicht taub, dann fällt das räumliche Sehen auf dem rechten Auge aus, weitere Körperteile hören auf Gefühl an den Kopf zu senden und ich lande in der Klinik.

September 2017 in Kurzfassung: Eigentlich ein grandioser Monat, in dem sich das Leben wundervoll anfühlt.

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Herbst. Nicht zu leugnen. Gestern war übrigens ein fast entspannter Nachmittag. Nein, nicht gemütlich, aber ohne Streit. Ich war selbst sehr fasziniert. Ich wollte ernsthaft nicht mit den dreien zum Fußball, weil ich Eskalationen befürchtete. Da sitzen die Schuhe nicht richtig, die falschen Snacks mitgenommen, nach dem Fußball ist man so müde und und und. Und gestern… da war alles anders. Begeistert haben sie sich ALLEINE umgezogen, nicht diskutiert, als Mama eine lange Hose vorschlug, nicht gestritten, nicht gejammert. Beim Training haben die Großen ständig Arm in Arm gestanden, der Krümel fröhlich am Rand gespielt. Soviel Idylle! Kaum auszuhalten. Ach manche Tage sind einfach schön. Andere sind so, wie der aktuelle Blogpost. 😉 #herbstzeit #Kleinkind #mamablogger_de #mamavon3 #instamum

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Oktober

Ein Monat, den ich in drei unterschiedlichen Kliniken verbringe. Ein Monat voller Angst. Ein gestohlener Monat. Ein Monat voller Menschen, die an uns/mich denken. Ein Monat, der keine Kurzfassung braucht. Aber vielleicht die Pointe, dass ich permanent gefragt wurde, ob ich in letzter Zeit Stress gehabt hätte…

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POSITIVE VIBES ONLY | Ich bin bemüht. Habe mir in meinem kuscheligen (nicht) Dreibettzimmer nun ein Päuschen mit Schoki und lieben Grüßen liebster Internetmenschen verordnet. Ansonsten kann ich zwar nicht behaupten, total pessimistisch zu sein, aber eben auch nicht optimistisch. Ich bin halt total verunsichert. Optimistisch kann man sich daran festhalten, dass zahlreiche sehr unschöne Optionen bereits ausgeschlossen wurde. So richtig beruhigt mich das aber nicht. Also nur äußerlich. #mamavon3 #gesundheit #mamaistkrank #elternblogger #mamablogger UND DIE KINDER??? Die sind bei ihrem wundervollen Papa. Läuft. Der Alltag ist natürlich wilde Improvisation, aber es läuft fast besser als ohne mich. 😉 Ich vermute nur, dass der Traummann anschließend reif für eine Kur wäre. Aber das würde er ja niemals zugeben. #besterpapa #bestermann #besterfreund #großeliebe

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November

Ich werde kurz vor dem Monatswechsel entlassen. Viele sehr böse Schreckgespenster wurden ausgeschlossen, aber das mit einer schnellen Genesung wird nichts. Es geht immerhin in Mini-Schritten endlich aufwärts.

Ich bemühe mich um Geduld und um dieses bekloppte Ding mit der Entspannung. Fange wieder an zu häkeln, setze mich an die Nähmaschine, suche irgendwie meine Zuversicht und versuche zu Kräften zu kommen.

November 2017 in Kurzfassung: Ach ich weiß es doch auch nicht…

Dezember

Ich mag die Adventszeit, ich mochte sie schon immer. Mich muss niemand ermahnen, nicht in Stress zu verfallen. Nichts läge mir nach diesem Jahr ferner. Und doch bin ich traurig, dass es am Ende wieder für keine Weihnachtskarten reicht. Gerade nach diesem Jahr.

Wir haben auch schöne Feiertage (eingeigelt und von der virtuellen Außenwelt abgeschlossen), auch wenn uns dann der nächste heftige Erkältungsinfekt einholt. Nichts ungewöhnliches, aber bei der Tochter dann doch schwierig.

Es ist keine (noch) Lungenentzündung, wir kämpfen sehr. Sie hat nun seit Tagen hohes Fieber, hustet und spuckt viel. Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen werden. Und das sagt über meinen aktuellen Zustand schon recht viel, denn diese Zuversicht ist nichtmehr selbstverständlich seit 2017.

Mir selbst geht es eher durchwachsen. Ich bin erschöpft und müde. Sehr, sehr müde. Meine Beschwerden sind noch nicht verschwunden, im Gegenteil. Das mit der Geduld ist nun auch nicht meine beste Disziplin und überhaupt… Aber ich habe wieder Zuversicht. Meistens zumindest.

2017

Du warst ein unglaublich hartes, langes und anstrengendes Jahr. Ein schmerzhaftes Jahr. Du hast uns nicht klein gekriegt. Beinahe vielleicht, aber du hast es nicht.

Du hast mich unendlich dankbar gemacht, denn um uns herum sind soviele wertvolle und tolle, hilfsbereite Menschen. Du hast mich zum Nachdenken gebracht, du hast uns entschleunigt. Zwangsweise.

Am Ende stehe ich da und hoffe, mein alter Optimismus kehrt bald in Gänze zurück. Ich hoffe auf nachhaltige Genesung aller Familienmitglieder. Ich wünsche mir ein wenig Ruhe und Zeit für Zweisamkeit mit den Traummann und die Verwirklichung eigener Ideen oder wesentlich kleiner gesprochen: Erfüllung ganz eigener Bedürfnisse. Wie zum Beispiel SCHLAF!!!

Ich wünsche mir 2018 wieder mehr schreiben zu können, meine Leichtigkeit wiederzufinden, etwas von der Unterstützung zurückgeben zu können.

Und ich wünsche mir so sehr ein dickeres Fell, dass mir die wenigen Stimmen, die mir ständig meinen nahelegen zu müssen, ich sei ein übertrieben nervöser Mensch, der total überdreht auf diese Ereignisse reagiere, seine Kinder überbehüte und überhaupt uncool, unentspannt sei, endlich wirklich völlig egal sind.

Ich wünsche euch ein wundervolles 2018!

Eure Kerstin

P.S.: Ich werde auch versuchen die Tage zwischen meinen Aktivitäten als Krankenschwester noch einen Rückblick auf das Blog-Jahr 2017 zu schreiben. Einfach aus Gründen der Transparenz.

Achso und noch eine Anmerkung:

Rückblickend liest sich 2017 noch fieser und lies sich auf fieser niederschreiben, als es währenddessen manchmal war. Oder anders ausgedrückt: Die Angst und die Erschöpfung war vermutlich jeweils größer, als ich sie gerade mit den Worten beschreiben kann.

Aber mein Frust ist mir im Nachhinein deutlich bewusster. Deswegen klang ich auch im Laufe des Jahres meist optimistischer als ich es war, denn erstens wusste ich ja nicht, was noch kam und zweitens kämpfte ich permanent gehen den immer größer werdenden Frust an. ICH WOLLTE NICHT FRUSTRIERT SEIN!!!

Aber ich war es. Ich muss es im Nachhinein auch klar schreiben. Alles andere wäre eine Lüge.

 

Wie geht es weiter? Ein langer ungewisser Weg…

2017 war bisher ein ziemliches Arschloch und der vergangene Monat Oktober erst recht. Der Oktober 2017 war quasi die Mutter aller Arschlöcher.

Jetzt ist November. Ich bin wieder zu Hause bei meinen Lieben. Ich habe sie so unendlich vermisst. In drei unterschiedlichen Krankenhäusern lag ich im Laufe des letzten Monats. Ich war bei zig Ärzten und zwischenzeitlich habe ich gedacht, ich verliere vor lauter Angst den Verstand.

Ich werde weiterhin vermeiden, genau zu beschreiben, welche Symptome ich habe/hatte, denn ich möchte auf keinen Fall, dass jemand hier via GOOGLE aufschlägt und sich selbst diagnostiziert. Denn eines kann ich euch nach diesem Monat sagen:

Das mit der Diagnose ist kompliziert.

Ich habe nämlich weiterhin keine. Zwischenzeitlich galten meine zahlreichen neurologischen Ausfallerscheinungen als psychosomatisch, weil nicht mit den gängigen Diagnosen begründbar.

Überlastete Mama. Unter Stress zusammengebrochen.

Mag sein, dass ich gerade nach diesem Jahr – diesem unendlich bescheidenden Jahr – ziemlich am Ende meiner Kräfte bin. Ich bin im Laufe des Jahres sicher auch einige Male weiter über meine Kräfte gegangen. Oft genug dachte ich, dass ich absolut nicht mehr kann und habe weiter funktioniert. Einfach weiter. Es ging ja nicht anders.

Aber das ist nicht die ganze Erklärung. Vielleicht hat diese Erschöpfung, das Ignorieren der Signale des eigenen Körpers, das gnadenlose Ausschöpfen der allerletzten Kraftreserven einen Teil dazu beigetragen. Vielleicht hat es das ganze erst ermöglicht.

Aber das war nicht alles. Erstens hatten sich die Wogen nicht erst kürzlich geglättet und so ganz langsam kehrte zumindest ein wenig der Energie zurück.

Nein, es gab am Ende dann doch einige messbare Befunde. Allein – sie passten so gar nicht zueinander und ergaben kein klares Bild. Und so gibt es am Ende nur hier und da einen Verdacht, aber keine Diagnose und noch wichtiger: keine Therapie.

Und wie geht es jetzt weiter?

Das ist für mich die größte Frage, denn nachwievor sind die Symptome da. Mir geht es nur psychisch etwas besser, denn ich nehme auf eigenen Wunsch Medikamente, um mit der Angst etwas besser klar zu kommen. Angst verschlimmert Symptome und schafft weitere. Das brauche ich nicht noch zusätzlich.

Ich werde mir auch psychologische Hilfe suchen, denn zum einen finde ich es ziemlich schwierig mit dieser Ungewissheit zurecht zukommen. Und zum anderen habe ich definitiv genug Stress in meinem Leben, dass es mir nicht schaden kann, mich mit Hilfe von außen ein wenig zu sortieren und neue Wege aus den Belastungssituationen zu finden.

Kein Alltag in Sicht

Nebenbei werde ich vermutlich noch ziemlich viel zu Ärzten rennen, denn irgendwie müssen die Probleme doch lösbar sein?

So ist mein für mich unangenehmstes Problem, dass ich seit über vier Wochen auf dem rechten Auge sehr schlecht sehe. So schlecht, dass es mich massiv behindert, dass ich neben Gegenstände greife, die rechts von mir stehen und allein aus Vernunftgründen kein Auto fahren kann. (Und es mich auch nicht trauen würde.)

Kein Auto fahren bedeutet hier aber, dass ich unseren bisherigen Alltag nicht mehr wie gewohnt bewältigen kann. Die Zwillinge könnte ich noch zu Fuß zum Kindergarten bringen, aber der Krümel muss zur Tagesmutter in einen anderen Vorort. Zu Fuß wäre ich vermutlich dann fast schneller als mit dem Bus: eineinhalb Stunden je Strecke.

Entsprechend müssten die Kinder oder zumindest Krümel zu Hause bleiben, wenn nicht gerade die Großeltern als Fahrdienst einspringen würden. Das ist keine echte Dauerlösung.

Einkaufen kann ich zu Fuß, aber eben nur soviel wie ich tragen kann. Und das ist im Moment deutlich weniger, als zu gesunden Zeiten. Zum wöchentlichen Fußball-Kindergarten der Zwillinge käme ich nicht ohne Auto und die meisten Verabredungen, die wir sonst immer hatten, erfordern auch eine längere Fahrt.

Ach das ist doof.

Die Zeit heilt alle Wunden…

Ich werde Geduld brauchen. Viel Geduld. Und das ist nun absolut nicht meine Stärke.

Rein theoretisch ist nämlich auch eine Spontanheilung denkbar. Es gibt wohl gerade in der Neurologie immer wieder (absolut nicht selten) Fälle, bei denen man die Ursache nicht finden kann. (Zumal mir scheint, dass man auch bei vielen eindeutigen Diagnosen in dieser Sparte der Medizin nicht viel „heilen“ kann.) Manchmal verschwinden die Symptome so plötzlich wie sie gekommen sind. Manchmal braucht es dafür aber Monate.

Daran muss ich jetzt nur fest glauben. Dass erstens nichts wirklich richtig böses dahintersteckt. Und dass zweitens alles wieder irgendwann gut wird.

Ich vermute, dass es einfacher wird, wenn nun wenigstens ein oder zwei Wochen nichts neues dazu kommt oder es vielleicht sogar einen Hauch besser wird, ich mich vielleicht an die Umstände gewöhne; nicht mehr so oft daran denke.

Das Blog darf mir dabei helfen. Hier zu schreiben lenkt ab und tut gut. Und wenn ich nicht unbedingt etwas ganz wichtiges zu sagen habe, werde ich in Zukunft dieses Thema auch hier weglassen.

Ich sehne mich nach Alltag. Nach Leichtigkeit.

Eure Kerstin

 

Ich bin nicht immer stark.

Ich bin nicht immer stark, mutig und optimistisch.

Jetzt gerade bin ich überhaupt nicht stark. Ich sitze hier und denke: Das ist alles zuviel. Das ertrag ich nicht. Ich halte das nicht aus. Ich bin nicht stark genug.

Diese Angst treibt mich in den Wahnsinn. Ich habe in manchen Momenten so unfassbare Angst, dass sie kaum aushalten ist. Nein, sie ist nicht kaum auszuhalten, sie ist überhaupt nicht auszuhalten. Nicht für mich.

Ich bin nicht stark genug.

Vor ziemlich exakt drei Wochen wurde ich krank. Ich habe keine Grippe und kein Bauchweh. Ich habe „neurologische Ausfallerscheinungen“*. Einen ganzen bunten Strauß habe ich davon, plötzlich. Und stetig mehr.

Mir macht das Angst. Es hat mir solche Angst gemacht, dass ich in einer Angstattacke zusammenbrach. Das brachte mich zum ersten Krankenhausaufenthalt. Es gab gruseligste Ideen, was die Ursache der Symptome seien könnte. Es gab Angst. Angst, für die ich nicht stark genug bin. Gedanken an meine Kinder, an die Zukunft. Angst. Einfach nur Angst.

Es gab einen weiteren Aufenthalt und am Ende immer noch keinen Befund. Nur viel Unsicherheit und Angst. Symptome, die immer zahlreicher und stärker werden, die unseren normalen Alltag unmöglich machen, die sich nicht wegignorieren lassen.

Die Unsicherheit macht mich wahnsinnig. Und immer wieder diese Angst aus Unwissenheit und Unsicherheit, die immer noch so mächtig und stärker ist als ich.

Ich liege nachts wach und hoffe einfach, dass irgendwer kommt, der den Spuk auflöst. Dass es auf einmal vorbei ist, dass jemand eine Lösung hat, dass mich jemand an die Hand nimmt und sagt:

„Ich suche nach einer Lösung und ich werde sie finden.
Ich lass dich nicht allein, bis ich sie gefunden habe.“

Denn ich allein bin gerade nicht stark genug.


Dieser Text ist nicht schön. Er wurde und wird nicht mal redigiert. Er hat auch keine echte Aussage und erzählt keine richtige Geschichte. Er spiegelt nur meine panischen Gedanken, die ich in den letzten drei Wochen fast jede Nacht, fast jeden Tag immer mal wieder habe.

Wie privat darf mein Blog sein?

Hier stand nie eins zu eins ungefiltert mein Seelenleben und unser ganzer Alltag. Vieles sehr private fand nie den Weg hierher.  Meist gab es zumindest zeitlichen Abstand. Zurecht.

Auch über diese Zeit wollte ich erst schreiben, wenn ich sie einordnen kann. Wenn ich eine Diagnose habe. Wenn ich weiß, wie ich die Geschichte erzählen kann, wie die Geschichte endet.

Warum schreib ich das nun hier?

Vielleicht um einfach zu sagen, dass ich Angst habe. Eben weil die Geschichte keinen Sinn ergibt, keinen roten Faden hat, das Ende sich nicht erahnen lässt und sie mir ziemlich Angst macht. Um zu sagen, dass ich (über die das Gerücht umhergeht, sie sei so tough) eben nicht immer stark bin. Dass mein Optimismus ziemlich abgewetzt ist nach diesem beschissenen Jahr. Und dass ich verdammt gerne einfach nur wütend wäre auf das Karma, das Schicksal, dieses Jahr oder welcher verfickte Scheißkopp, sich das jetzt gerade ausgedacht hat.

Aber ich kann leider gerade nicht wütend sein.

Ich habe Angst.

Eure Kerstin


*Ich möchte darauf verzichten, meine gesundheitlichen Probleme im Detail auszubreiten bzw genaue Symptome oder Diagnosen zu schildern. Ich bin medizinischer Laie und möchte auf gar keinen Fall, dass irgendjemand irgendwann mal nach irgendwelchen Symptomen googlet, hier landet und denkt: AAAAHHHH GENAUSO WIE BEI MIR!!! Das kann nur in die Irre führen. Zumal ich echt überhaupt keine Ahnung habe, was hier gerade abgeht. s.o.