Tag: Vereinbarkeit

Da kommen weder Schlaf noch Kaffee hin… Der Preis der Vereinbarkeit.

Müdigkeit ist wohl ein Dauerthema für Eltern… Alu vom Blog Grossekoepfe schrieb kürzlich über Watte im Hirn und Kerstin grub – vermutlich aus gegebenem Anlass – einen älteren Artikel über die Anzeichen der elterlichen Müdigkeit aus.

Und auch ich bin müde. Ich bin so unendlich müde. Schlaf alleine scheint nicht mehr zu reichen, um diese Müdigkeit zu vertreiben. Diese Müdigkeit sitzt an Stellen, da kommen weder Schlaf noch Kaffee hin.

Eigentlich läuft es super

Die Murmels sind mittlerweile 6 Jahre alt und kommen in diesem Jahr in die Schule. Ich darf eigentlich (fast) immer durchschlafen. Sie fahren teilweise alleine mit dem Roller zur Kita oder kommen alleine nach der Kita nach Hause, was mich nach Feierabend viel weniger abgehetzt sein lässt. Dadurch habe ich ein (kleines) zusätzliches Zeitpolster. Der Murmelpapa kümmert sich mehr denn je. Ich kann mich um Dinge kümmern, die seit Jahren auf Erledigung warten. Ich kann meine Gewerkschaftsmandate pflegen und für meine neue Chefin findet Vereinbarkeit nicht nur auf dem Papier statt. Sie hat eine saubere Regelung gefunden, dass ich auch mal mehr zu Hause arbeiten kann, ohne dass es immer eine „Ausnahme“ sein muss. Das gibt mir Sicherheit und ein starkes Gefühl von Akzeptanz.

Und trotzdem bin ich müder denn je.

Warum ist das so? Warum jetzt?

Ich lebe seit fast 5 1/2 Jahren alleine mit den Murmels. Teilweise waren verdammt harte Zeiten dabei. In der Rückschau frage ich mich gelegentlich, wie ich das nur aus- und vor allem durchgehalten habe. Die einzige Antwort, die mir dazu einfällt: Ich hatte keine Alternative. Ich musste. Es wäre niemand anderes da gewesen.

Eigentlich könnte ich mich jetzt entspannen… Die Murmels sind auch wochenends regelmäßig bei ihrem Papa. Was hindert mich?

Tja: das Chaos, der Haushalt, die Wäscheberge, die Gartenpflege… all das bleibt zu Hause und will trotzdem erledigt werden. Dann sind noch all die hunderttausend Baustellen, die seit Jahren auf mich warten.

An den Wochenenden, an denen die Murmels bei ihrem Papa sind, schlafe ich weniger, als wenn sie da wären. Meine Tage sind viel voller und anstrengender. Zum Ausschlafen habe ich keine Zeit, weil ich muss ja die Steuererklärung noch machen, habe ich alle Unterlagen für die BeKo-Abrechnung zusammen, die letzte Gewerkschaftssitzung muss noch protokolliert werden, ich muss noch das Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag besorgen… eigentlich müssten auch die Kleiderschränke mal wieder aufgeräumt und ausgemistet werden, neue Klamotten brauchen die beiden auch noch, wo finde ich Hosen, die der Maus passen oder muss ich selber nähen, was muss an Termine organisiert und vereinbart werden, arbeiten muss ich ja auch noch und und und…

Ordnung, Struktur und Zeit

Ja, mein Leben ist ordentlicher und strukturierter, als es noch vor einem Jahr war. Als die „gute Zeit“ anfing dachte ich, ich kneif noch mal ein paar Wochen die Pobacken zusammen, um einige Brände zu löschen und ein wenig Struktur zu schaffen. Ich dachte ernsthaft, wenn ich das mache, habe ich danach echt mal Wochenenden zum Ausschlafen und Bücher lesen. Verarscht! Zeit, mich mal um mich selber zu kümmern. Freunde treffen. Arbeiten.

Habe ich überhaupt noch Freunde? Was ist nach 5 1/2 Jahre Vereinbarkeit übrig geblieben? Nicht viel. Die Beste. Der Beste. Die ein oder andere Kita-Mama. Diese wundervollen Menschen aus diesem schrecklichen fremden Internet – die alle so verdammt weit weg wohnen. Wenn ich das lese, drängt sich der Gedanke nach Einsamkeit auf. Bin ich einsam? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Zeit darüber nachzudenken.

Ich bin Mama. Ich bin Tochter. Ich bin Arbeitnehmerin.

Alles andere bleibt dahinter zurück.

Ich habe mir –auch hier und auf Twitter – schon öfter die Frage gestellt, ob ich selber noch existiere, ob ich in meinem eigenen Leben noch eine Rolle spiele. Wann war ich zum letzten Mal auf einem Konzert? Wann bin ich zum letzten Mal mit Freunden um die Häuser gezogen? Wann saß ich zum letzten Mal mit einer Flasche Wein nachts am Strand?

Ich habe zwei wundervolle Kinder mit einem (mittlerweile) sehr engagierten und liebevollen Papa – den Mann, den ich liebe. Ich habe tolle Freunde und Bekannte. Ich habe meinen Traumjob. Ich habe so wahnsinnig viel.

Die Müdigkeit macht mich undankbar.

Ich bin ein mürrisches knurriges Etwas.

Warum ist das so? Ich zerbreche mir den Kopf darüber, warum ich mich nicht entspannen kann, warum ich nicht genießen kann, dass es gut läuft. Warum ich trotz Schlaf und Kaffee (literweise) so unfassbar müde bin.

Dieses Grübeln macht mich noch müder, noch nörgeliger, noch unzufriedener.

Ich bin zu müde, um die liebevolle, geduldige, zugewandte Mama zu sein, die ich gerne wäre. Was mich unzufriedener mit mir und der Gesamtsituation macht. Ich habe das Gefühl in einer Nörgel-Dauerschleife zu hängen, aus der nicht rauskomme. Diese Dauerschleife erschöpft mich noch mehr und macht mich noch unzufriedener…

Natürlich könnte ich mal alle Fünfe gerade sein lassen, alles stehen und liegen lassen und einfach mal nur Dinge tun, die mir gut tun – ganz bewusst Selbstfürsorge betreiben.

Den ganzen Kram macht aber kein anderer. Ein Wochenende nichts machen, bedeutet in der Konsequenz, dass ich danach noch viel mehr zu tun habe und wieder vor schier endlosen Bergen stehe, von denen ich nicht weiß, wie ich sie im Alltag alleine mit zwei Kindern bewältigen soll. Wie ich es auch drehe und wende, ich finde den Stein der Weisen nicht, um aus diesem Teufelskreis rauszukommen. Ich weiß nicht, wie ich meine innere Ruhe und Gelassenheit wiederfinden soll. Ich weiß nicht, wann und wie ich Selbstfürsorge betreiben soll, ohne das andere Dinge auf der Strecke bleiben oder sich zu riesigen Gebirgen auftürmen.

So lange ich planlos in diesem Hamsterrad rum renne, werde ich auch nicht Herr über die Müdigkeit.

Ich habe Angst vor dieser lähmenden Müdigkeit. Ich habe Angst, alledem nicht mehr lange gewachsen zu sein. Ich habe Angst, auf dem Weg zur Arbeit, zum Termin, nach Hause, zum Schwimmkurs am Steuer einzuschlafen. Ich mache im Auto keine Heizung mehr an, weil die Kälte mich wach hält.

Wo ist die Pause-Taste für mein Leben?

Und immer wieder die Frage, warum jetzt? Es ist der Preis für 6 aufreibende Jahre. Eine Müdigkeit, die sich so massiv über einen so langen Zeitraum aufbaut, verflüchtigt sich nicht durch etwas mehr Schlaf und Kaffee. Ich gehe seit Jahren regelmäßig über meine Grenzen und noch weiter. Genau das fordert gerade seinen Tribut. 6 Jahre Raubbau an Schlaf und Belastbarkeit lassen sich nicht durch ein entspanntes Wochenende reparieren… Das ganze braucht Zeit – Zeit, die ich nicht habe.

Ich habe 5,5 Jahre alles vereinbart… nur mich nicht.

Sorry, Ihr Lieben, das musste raus. <3

Passt auf Euch auf!

Liebe Grüße

Eure Tanja

Ich bin gerne Mama, aber ich arbeite auch verdammt gerne. Vollzeit-Mama fällt mir schwer

Das Modell Vollzeit-Mama und ich

Die letzten Wochen zuckte es immer mal wieder durch meinen Kopf: „Eigentlich müsstest du mal deine ganzen „über mich“-Texte ändern auf dem Blog und Co. Von wegen Arbeiten und so…“

Denn man kann an sovielen Stellen über mich lesen, dass ich erstens arbeite und zweitens sehr gerne (und früher auch sehr viel) arbeite. Mir war das immer wichtig. Aktuell arbeite ich aber defacto nicht mehr. Theoretisch müsste ich dort vielleicht sowas wie Hausfrau & Mutter hinschreiben, aber damit hadere ich. Und das liegt nicht an dem Etikett / die Schublade, über das man sinnieren könnte.

Es ist schlicht nicht wahr. Aber was ist wahr?

Kleiner Exkurs in meine Kindheit

Ich wuchs in den 80ern im Westen Deutschlands auf. Also ziemlich tief im Westen. Im Ruhrgebiet. Ich wuchs dort auf, wo ich heute noch wohne.

Statistiken besagen, dass in den 80ern in Westdeutschland die Kinder zumindest in ihren ersten Lebensjahren daheim und in den allermeisten Fällen von ihren Müttern betreut wurden. Anders als in Ostdeutschland gab es hier keine flächendeckende Betreuung für Kleinkinder und das Modell „Hausfrau & Mutter“ galt als normal.

Als Kind denkt man darüber nicht nach, weiß nichts von Statistiken und stellt die IST-Situation nicht in Frage. Die war bei uns damals offensichtlich (zumindest aus heutiger Sicht) nicht der Normalfall.

Meine Mutter war nie die klassische Hausfrau

Meine Mutter hat in meiner Erinnerung immer gearbeitet und ich habe mich nie gefragt, ob das andere Mütter auch tun. Davon ging ich vermutlich einfach aus. Natürlich blieb sie nach meiner Geburt und auch nach der meines jüngeren Bruders eine zeitlang zu Hause. Laut ihren Erzählungen beantragte sie bei mir drei Jahre auszusetzen, kehrte aber nach einem Jahr in Teilzeit zurück. Bei meinem Bruder nach sechs Monaten. Weil sie es so wollte.

Im Westen war keine U3-Betreuung vorgesehen

Die Betreuung für Kinder unter drei Jahren musste privat geregelt und bezahlt werden. Ich kann mich mich noch an unsere Kindermädchen erinnern und zumindest an die letzten beiden (der drei) habe ich sehr gute Erinnerungen. Die erste ist mir nicht im Gedächtnis geblieben.

Mit drei Jahren kam ich in den Kindergarten, später dann in die Schule. Morgens machte uns mein Vater fertig (und ja er kämmte mir auch meine langen Haare und flocht sie gemäß meiner Anweisungen zu Zöpfen). Meine Mutter fuhr sehr früh zur Arbeit, so konnte sie uns mittags wieder von Kindergarten und Schule abholen. Es gab keine OGS und keine Kindergärten, die nachmittags noch geöffnet hatten.

Hatte ich später als zur ersten Stunde Schule oder früher Schluss, ging ich zu meiner Tante. Oft gemeinsam mit meiner großen Cousine, die auf der gleichen Grundschule war.

Ups… es geht auch anders? Echt?

Und genau hier: in der Grundschule merkte ich erstmals, dass es auch andere Mütter gab. Es gab Mütter, die nicht arbeiteten! Das war mir im Kindergarten nicht bewusst.

Diese Vollzeit-Mütter fand ich spannend. Ich beneidete meine Mitschüler nicht, ich haderte nicht mit Mittagessen auf die Schnelle, weil Mama gerade erst mit uns gemeinsam nach Hause kam. Ich haderte nicht mit meinem Schlüssel, den ich dann irgendwann bekam. Ich fand die anderen Mütter spannend. Für mich waren diese Vollzeit-Mütter, die Mütter bei denen es einfach ein bisschen mehr gab. Mehr Zeit, mehr Klimmbimm, mehr geschnitzte Rohkostteller, mehr selbstgebastelte Dekoration an den Fenstern, mehr selbstgebackene Kekse, mehr Schischi.

Es war ein MEHR, dass ich toll fand, aber selber zu Hause nicht vermisste. 

Der Blick zurück

Heute ist mir bewusst, dass meine Eltern einen eher ungewöhnlichen Weg gingen. Das Einkommen meiner Mutter wurde in den ersten Jahren ziemlich aufgefressen durch die Kosten der Kinderbetreuung. Aber sie wollte arbeiten. Nicht weil es ihr absoluter Traumberuf gewesen wäre, sondern weil sie gerne arbeitete, weil sie auch etwas abseits von Haushalt und Kindern sehen wollte, weil es für sie selbstverständlich zu ihrem Leben gehörte, weil sie ihr eigenes Geld verdienen wollte.

Das war bei uns damals so, wurde nicht sonderlich thematisiert oder gar glorifiziert. Mama arbeitet. Fertig.

Und ich?

Warum fällt es mir nur so schwer?

Ich habe immer gerne gearbeitet. Ich habe mich schon in der Schule viel gelangweilt (ok, ja es war möglicherweise die falsche Schule, aber das steht auf einem anderen Blatt), fand das Studium nur Mittel zum Zweck und wollte nach Vollzeit-Praktika am Liebsten gar nicht mehr zurück. Ich wollte arbeiten.

Bevor die Kinder kamen, habe ich ziemliche viele Stunden die Woche gearbeitet, oft nächtelang durchgearbeitet. Weil ich es wollte. Ich wurde schwanger, arbeitete weiter (aber weniger), die Zwillinge wurden geboren, ich hörte nie ganz auf zu arbeiten. Ich wurde wieder schwanger und dann wurde es irgendwann kompliziert. Ich schrieb im Sommer schon, dass es eben nicht die perfekte Lösung für uns war „Mama arbeitet von zu Hause„.

Die Umstände. Es sind immer die Umstände.

2017 machte aus mir eine Freiberuflerin ohne nennenswerte Aufträge. Ich kann immer und überall arbeiten. Theoretisch. Ich kann zeitweise mal ganz wenig arbeiten, ich kann ja später aufholen. Ich kann morgen arbeiten, wenn das Kind heute krank ist. 2017 war immer irgendwer krank, immer war irgendwas und am Ende war mein virtueller Schreibtisch leer. Mir ging es damit nicht gut.

Am Ende wurde ich krank, nicht deswegen, aber eben auch das noch.  Ausgebremst. Ich sollte nun erstmal wieder ganz gesund werden. Mir die Ruhe antun.

Ich habe den Luxus, dass wir uns das im wahrsten Sinne des Wortes leisten können. Hier bricht nicht der totale finanzielle Notstand aus, nur weil ich gerade kein Einkommen habe (auch wenn es natürlich sehr fehlt).

Wir haben ja auch wieder Winter. Auch wenn dieser Winter keinem Vergleich mit dem vorherigen standhält, wissen alle Eltern kleiner Kinder, dass im Winter die Infekthölle brodelt. Irgendwer ist hier immer angeschlagen.

Ruhe und Gelassenheit

Ich versuche mir mit aller Macht die Ruhe anzutun. Dann bin ich eben mal eine zeitlang nur Hausfrau und Mutter. Ich muss mich nicht mit Deadlines stressen, ich kann täglich Kuchen und Kekse backen, kann mit den Kindern lustige Fensterbilder basteln, kann mit Freundinnen (bleiben nur die im akuten Mutterschutz) vormittags Kaffee trinken gehen, kann nähen und stricken, batiken und klöppeln, ich könnte schreiben… ohne Ende schreiben, ist doch wunderbar, oder?

Allein ich merke, wie wenig das zu mir passt. Nein, ich bin nicht mehr frustriert wie noch im Sommer. Mir ist nicht zum Heulen und ich sehe das Glück, dass wir haben. Aber ich habe mich hier ziemlich lustlos in meine Schublade verkrochen.

Ich schreibe kaum noch. Eigentlich gar nicht mehr. Ich mag nicht. Worüber auch? Und wieso? Ich nähe auch nicht. Was hätte ich Zeit zu nähen! Das war doch in den stressigsten Zeiten mein Ausgleich. Jetzt könnte ich ganze Kleiderschränke füllen und ich lasse es.

Die Tage gehen einfach so rum. Ich bin zu Hause, ich räume mal ein wenig auf, ich bin nicht gründlicher dabei als sonst auch. Ich mache nicht all die Dinge, zu denen ich sonst nie kam. Ich trödel so meinen Tag vor mich hin. Es deprimiert mich nicht, aber ich kann keine echte Begeisterung für dieses Leben aufbringen.

Zuviel Ruhe bekommt mir nicht

Ich bewundere die Eltern, die bewusst nicht arbeiten, um ihren Kindern von allem ein wenig MEHR zu bieten. Diese Mütter meiner Kindheit. Die waren doch toll, oder?

Aber so wenig ich damals mir eine Mutter wünschte, die so ist. So wenig kann ich mich heute in diese Rolle einfinden. Ich fühle mich einfach wie in eine Zwangspause versetzt. Meine Motivation ist nicht gerade überschäumend.

Und deswegen ist es einfach nicht wahr: Ich bin keine Vollzeit-Mama. Keine Hausfrau &Mutter. Zumindest keine aus Überzeugung. Ich bin eine derzeit-ausGründen-zwangsweise-nichtarbeitende-nebenbei-auch-sehr-gerne-Mutter-seiende-aktuell-ziemlich-gelangweilte-Frau, die ihre Berufstätigkeit vermisst.

Und jetzt?

Es fehlt das Mega-Fazit des Textes. Da schreibe ich mir 1.300 Wörter zusammen, die wunderbar aufzeigen, dass ich ich vielleicht einfach nicht der Typ für dieses Vollzeit-Mama-Ding bin. Dass vermutlich meine Eltern daran Schuld sind. Dass es mich irgendwie ziemlich langweilt oder zumindest nicht sonderlich begeistert.

Aber das braucht es für mich gar nicht. Ich wollte nur schreiben. Ich habe geschrieben. Und das ist gut wie es ist.

Eure Kerstin

P.S.: Übrigens beruhigt es mich sehr, dass es anderen Müttern genauso geht. Nachzulesen bei nullpunktzwo, die nämlich genau deswegen arbeitet. Als Mutter von vier Kindern.

Was geht die das an? Die Schuleingangsuntersuchung

Wenn Mama am wenigsten Zeit hat, hat sie die meisten Ideen im Kopf… sei es für Näharbeiten – bestellt fleißig Stoffe und Schnittmuster –, Bücher – die unbedingt gelesen werden möchten – UND Blogtexte.

Gerne wollte ich Euch an unserem ersten Urlaub im Zelt Teil haben lassen. Ich habe im Urlaub auch zwischendurch brav ein paar Stichworte und Begebenheiten aufgeschrieben, damit ich nicht alles sofort wieder vergesse, wenn der Alltag startet. Bald starten wir als komplette Murmel-Familie unseren ersten Pauschal-Urlaub mit Flugreise und all in. Ich habe übrigens jetzt zwei Vorschul-Murmels. Dazu wollte ich Euch auch noch ein bisschen was erzählen. Die Entscheidung darüber, welche Schule es denn werden soll, lässt mich schlagartig alt und (noch) grau(er) werden.

Es gibt im Moment vieles, was mich umtreibt und worüber ich schreiben könnte und eigentlich auch will… aber Ihr ahnt es bereits: es kommt ein „aber“ ein ziemlich großes „ABER“ sogar. ZEIT! Meine To-Do-Listen erschlagen mich und ich weiß nicht, was ich zuerst und zuletzt machen soll.

Trotzdem! Manchmal passieren Dinge, die muss ich raushauen. Da müsst Ihr dann leider oder durch. Ihr habt die Wahl: Lesen oder nicht.

SCHULE – an sich schon ein schwieriges Thema für mich, über das ich hoffentlich bald mal separat schreiben werde. Aber bevor die Murmels in die Schule dürfen, gibt es so nette Fragebögen und eine sogenannte „Schuleingangsuntersuchung“.

Von unseren Kita-FreundInnen hat erst eine Bescheid bekommen. Sie hat sich da inhaltlich erst auf mein Nachbohren zu geäußert. Vermutlich findet sie es einfach nicht so diskussions- und hinterfragungswürdig wie ich… Eigentlich pflegen wir nämlich einen recht regen Austausch.

Auslöser für mich, nachzubohren, wie bei uns die Bögen und Untersuchungen aussehen war ein Tweet meiner lieben Blogger- und Twitterfreundin @estheruiuiui vom gleichnamigen Blog.

Tweet von Esther Uiuiui (@estheruiuiui) vom 12. September 2017:

Schuleingangsuntersuchungsfragebogen on board. Neues von: WTF?!

Alles abgedeckt von „keine Ahnung“ bis „watt geht Euch das an?“

Das Uiuiui-Kind ist im gleichen Alter wie die Murmels und wird auch im kommenden Jahr eingeschult. Esther hat vergangene Tage den Fragebogen und den Termin bekommen. Grundsätzlich finde ich ca. 14 Tage Vorlauf recht ambitioniert – mein dienstlicher Kalender hat teilweise schon bis in das nächste Jahr hinein recht volle Tage und nicht alle Termine kann ich absagen oder schieben. Von daher hoffe ich einfach auf das nötige Quäntchen Glück. Die Terminplanung ist hierbei dennoch meine geringste Sorge.

Natürlich ist es richtig, dass vor der Einschulung die Schulreife der Kinder festgestellt oder eben nicht festgestellt wird. Natürlich macht es Sinn, wenn ein besonderer Förderbedarf bereits im Vorfeld festgestellt und entsprechende Maßnahmen initiiert werden können. Es auch absolut ok, den Impfstatus abzufragen und ggf. noch mal über das Impfen aufzuklären.

UND trotzdem:

Die Fragen in dem Bogen gehen für mich in manchen Bereichen eindeutig zu weit!

Meine Schwangerschaft war für mich eine der persönlichsten, intensivsten und vor allem intimsten Phasen meines Lebens. Da ich zwei gesunde und stets „altersgemäß“ entwickelte Kinder zur Welt gebracht habe, empfinde ich Fragen zu meiner Schwangerschaft und zur Geburt der Murmels als übergriffig. Sie stehen für mich in keinem Kontext zu einer 6,5 Jahre später stattfindenden Einschulung meiner Kinder.

Warum ist es für eine Schuleingangsuntersuchung relevant, ob meine Kinder vielleicht schon mal im Krankenhaus waren? So lange es keine Ursache ist, die einer Beschulung entgegensteht oder aus der eine chronische, den Schulalltag tangierenden Erkrankung abzuleiten ist? Ausgerenkter Arm vor 5 Jahren? Platzwunde vor 4 Jahren? Eingequetschter Finger vor 6 Monaten?

Ist es wichtig, ob meine Kinder mit 10 oder 18 Monaten gelaufen sind? Ob sie mit 2 oder erst mit 3 trocken waren?

Was für Schlüsse werden aus solchen Antworten gezogen?

Eine Frage werde ich beantworten. Die Frage, ob meine Kinder regelmäßig Sport machen. Diese Frage werde ich sogar mit einer Erklärung beantworten:

„Leider gibt es bei uns keine Kindersportangebote, die mit einer Vollzeit-Berufstätigkeit vereinbar sind.“

Kinderturnen um 14 Uhr. Fußball 15 Uhr. Tanzen 14.30 Uhr. Shit happens, liebe Murmels. Eure Mama muss arbeiten und kann erst Angebote ab 16/16.30 Uhr mit Euch wahrnehmen.

Die befreundete Kita-Mutter berichtete von einem zusätzlichen Bogen mit Fragen zum „Charakter des Kindes“. WTF…

Wutanfälle, Konzentrationsfähigkeit usw. Trifft „eindeutig zu, teilweise oder gar nicht“!

Das sind rein subjektive Einschätzungen. Der Murmelpapa würde den Fragebogen vermutlich ganz anders ausfüllen als ich – ebenso die Erzieherinnen, Großeltern, Freunde…

Die meisten Menschen kennen die Wut meiner Tochter nicht. Selbst wenn einer schon mal das (zweifelhafte) Vergnügen hatte, richtet sich diese Wut nahezu immer gegen mich. Ich müsste wahrheitsgemäß antworten „eindeutig“, beim Murmelpapa stünde vermutlich „teilweise“ und meine liebe Kerstin würde wahrscheinlich „gar nicht“ antworten.

Da ich in der Schule nicht neben der Maus sitzen werde, ist die Wut, die sie mir gegenüber an den Tag legt für die Schule uninteressant.

Die subjektiv unterschiedlichen Einschätzungen müssen noch nicht mal an den Kindern liegen: mich stressen, nerven, überfordern andere Dinge als z. B. den Murmelpapa. Natürlich wird er dadurch Fragen anders einschätzen, gewichten und beantworten.

Was für eine Relevanz hat daher ein Fragebogen, den wir gar nicht objektiv beantworten können?

Wir sollen die kompletten U-Hefte der Kinder mitbringen zur Untersuchung. Warum? Ist eine Kopie der letzten U nicht ausreichend? Da das Kreuzchen bei „altersgemäß entwickelt“ gesetzt ist, sind die vorherigen Sachen doch überholt. Selbst, wenn ein Kind zwischendurch dieses Kreuzchen einmal nicht bekommen hat, ist das doch durch eine spätere Untersuchung überholt.

Vor 1,5 Jahren schrieb ich über unsere unsägliche und den Murmels unzumutbare U 8 und die Sorge einer daraus resultierenden Stigmatisierung des Sohnes. Ist dieser Zeitpunkt durch die Vorlage des U-Heftes jetzt gekommen? Was für Auswirkungen hat das für den Sohn? Was konstruieren die daraus?

Auf der Homepage unserer Kreisstadt ist übrigens zu lesen, dass die betreffende Schule ein „Entwicklungs- und Gesundheitsgutachten“ der Kinder erhält. Alle Gutachten, die ich in meinem Leben gesehen habe – egal, ob medizinische oder bautechnische – waren sehr detailliert. Für mich bedeutet das, dass der Schule nicht nur die Schulreife und der individuelle Entwicklungsstand mitgeteilt wird…

Der Murmelpapa und ich sind nicht immer einer Meinung. Wir haben auch nicht immer die gleiche Einschätzung unserer Kinder. Wir sind unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmung und Empfindungen. UND WIR WAREN UNS LANGE NICHT SOOOOO EINIG!

Wir werden bei der Schuleingangsuntersuchung ALLE notwendigen Auskünfte erteilen. Ja! ABER: Antworten auf Fragen, die wir als übergriffig und irrelevant (es sei denn, sie erklären uns die Relevanz) empfinden bzw. nur rein subjektiv zu beantworten sind, werden wir verweigern. Sie können den Impfpass einsehen und die letzte U-Untersuchung.

Unsere Kinder haben Persönlichkeitsrechte und eine Privatsphäre – noch ist es unsere Aufgabe, diese zu schützen.

Natürlich stellen sich in diesem Zusammenhang weitere Fragen:

Was konstruiert das Gesundheitsamt aus unserer Teil-Verweigerung. Was und wie wird es der Schule gegenüber kommuniziert? Nimmt die Schule unsere Verweigerung vielleicht persönlich? Fällt das auf unsere Kinder zurück? Müssen sie das in irgendeiner Art und Weise ausbaden?

Fragen, die ich (noch) nicht beantworten kann.

Aber eines kann ich tun: Ich kann meinen Kindern erklären, warum wir so handeln. Ich kann meinen Kindern beibringen, dass sie alleine entscheiden, wem sie was und wie viel Persönliches von sich erzählen. Dass sie nichts erzählen müssen, was sie nicht wollen.

Habt Ihr diesbezüglich bereits Erfahrungen gesammelt? Wie seid Ihr damit umgegangen? Wie hat sich das für Euch angefühlt?

Steht Euch das Thema auch erstmalig bevor? Wusstet Ihr bereits, was da auf Euch zu kommt? Wie geht Ihr damit um bzw. wie fühlt es sich für Euch an?

Ich weiß, Fragen über Fragen… Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr Eure Erfahrung bzw. Vorstellungen mit mir teilen würdet.

Ich übe doch noch.

Alles Liebe

Eure Murmelmama oder auch „Mama in Ausbildung!“

Blogparade Familie und Beruf | Mamablog

Die klassische Rollenverteilung: Warum stehe ich hier?

Bei einem meiner letzten Beiträge habe ich am Rande die Frage gestreift, warum ausgerechnet gut ausgebildete Frauen so häufig kinderlos bleiben bzw blieben. Diese Frage ist für mich aus persönlichen Gründen noch diesen weiteren Beitrag wert. Also:

Wer gut ausgebildet ist, der hat in aller Regel auch den Wunsch, aus seiner guten Ausbildung beruflich etwas zu machen. Viele Frauen sind extrem kompetent und selbstbewusst, sind gerne berufstätig und finanziell unabhängig. Durchaus auch in einer gleichberechtigten Partnerschaft. Wir sind schließlich alle emanzipiert.

Und dann stellt sich die Kinderfrage. Und nicht wenige Frauen (immerhin ein gutes Viertel der Akademikerinnen) fällt die Entscheidung für Kinder nicht leicht.* Denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht einfach. Plätze in guten KiTas sind teuer und rar. Kinder sind ein finanzielles Risiko, denn sie bedeuten höhere Kosten und ein geringeres Einkommen.

Es droht der Rückfall in das klassische Rollenbild. Auf einmal ist nichts mehr mit moderner, gleichberechtigter Partnerschaft, denn am Ende schultern meist die Mütter den großen Teil dieser Vereinbarkeitsgeschichte. Sie sind es im Regelfall, die beruflich zurückstecken, kürzertreten, weniger arbeiten, weniger verdienen, die dauerhaft schlechtere Aufstiegschancen haben und denen am Ende noch die Altersarmut droht. Denn der Mann verdient meist mehr. (Warum nur?)**


Zum Weiterlesen: Ein interessanter Artikel, warum sich Frauen gegen Kinder entscheiden auf zeit.de:
„Kinderwunsch: Gute Gründe gegen Kinder“


Ich kenne diese Ängste, diese Gedanken, diese Gründe. Ich wollte (trotzdem) Kindern und wir waren gemeinsam überzeugt, dass wir das schon wuppen werden. Heute bin ich unendlich glücklich, dass wir drei so wundervolle Kinder haben. Und ich stecke mit einem Fuß im klassischen Rollenbild fest.

Ich bin da, wo ich nie hinwollte. Warum?

Die Ausgangssituation

Ein Paar. Beide berufstätig. Er ist fest angestellt. Vollzeit.

Sie arbeitet freiberuflich. Viel im HomeOffice. Oft deutschlandweit unterwegs. Theoretisch Vollzeit, praktisch eher mehr.

Das Einkommen ist in der Höhe schwer zu vergleichen, weist aber unter dem Strich keine wahnsinnigen Gefälle auf. Einzig ist ihr Einkommen teilweise sehr schwankend. Da gibt es mal viele Aufträge und mal weniger, mal werden Rechnungen schnell bezahlt und mal rennt man ewig hinterher.

Der Kinderwunsch

Seit Ewigkeiten liiert und auch schon eine Weile verheiratet, gab es immer den theoretischen Gedanken, einmal Kinder zu wollen. Aber bei ihr immer auch die große Angst, was dann aus ihrer Berufstätigkeit würde.


Ich liebe meinen Beruf. Ich liebe es zu arbeiten. Es schien immer unvorstellbar, nicht (mehr) zu arbeiten.


Er konnte sich hingegen durchaus vorstellen, auch beruflich kürzer zu treten. An entsprechenden Rollenvorbildern mangelte es in diesem Fall sicher nicht.

Die Entscheidung

Im Sommer 2012 sprachen wir über das Kinder-Ding. Sollten wir es nicht mal drauf ankommen lassen?

Die Zögerliche war ich. Ich machte mir Sorgen. Sorgen, nicht mehr so weiter arbeiten zu können, den Anschluss zu verlieren, keine Aufträge mehr zu bekommen, Beruf und Familie nicht vereinbaren zu können, meine Arbeit zu verlieren.

Ja, ich wollte Kinder. Aber ich hatte Angst.

Der Traummann war überzeugt, dass wir das schaffen. Dass wir Varianten finden und dass ich sowieso so gut in meinem Job sei, dass ich immer wieder etwas finden würde, selbst wenn ich zwischendurch ausfallen sollte.

Denn als es kurz darauf soweit war, (das doppelte Glück lies sich nicht zweimal bitten – oder auch doch) mussten wir uns in Sachen Elternzeit entscheiden.

Er nahm die beinahe obligatorischen zwei Monate ergänzt um einen weiteren Monat Urlaub. Den Rest (14 Monate – Zwillinge und so) nahm ich. Warum?

Sein Einkommen war fix. Seine Stelle sicher. Auf diesen Betrag auf unserem Konto konnten wir uns verlassen.

Mein Einkommen war schwer zu kalkulieren und noch wichtiger: Hey! Ich arbeitete im Home Office. Ich war meine eigene Chefin. Meine Arbeit konnte ich mir selber einteilen, ich konnte wann immer und wo auch immer arbeiten. Der Traum vieler Eltern.

Der Gedanke lag nahe, dass ich so die theoretische Möglichkeit hatte, „einfach“ weiter zu arbeiten. Erst weniger und dann stetig mehr.

Es lag also ausnahmsweise mal nicht am höheren Einkommen des Mannes, dass wir uns für die zwei-Väter-Monate-Variante entschieden. Das Ergebnis war trotzdem das Gleiche.

Was dann geschah?

Ich arbeitete bis wenige Tage vor der Geburt. Wenn auch nur noch wenige Stunden im Liegen. Ich machte auch im Wochenbett das nötigste, war für meine Kunden erreichbar. Ich begann recht schnell wieder beratend zu arbeiten und nahm die Zwillinge auch mit vier Monaten zu einem ersten Geschäftstermin quer durch die Republik mit. Eigentlich lief es großartig und ich nahm ganz selbstbewusst meine Stillbabys zu Terminen mit, plante Video-Konferenzen in die Schlafenszeiten und tippte mit Laptop auf den Knien an der Krabbeldecke sitzend.

Aber es wurde immer schwieriger. Teilweise lag das daran, dass sich Babys irgendwann anfangen zu bewegen und aufhören den halben Tag zu verschlafen, dass Kinder mehr Aufmerksamkeit brauchen, dass ein drittes Kind dazu kam.


Anmerkung:
Beim Krümel wurden es wieder nur zwei Monate Elternzeit, denn unsere Rücklagen aus der Zeit des Überflusses als double income no kids waren aufgebraucht, die Fixkosten als Familie höher, mein Einkommen als Mutter geringer,…


Teilweise aber auch an sowas wie mangelnder Disziplin. Wobei dieses Wort hier schwierig ist.

Wir hatten schwierige Zeiten. Mit viel Krankheit und viel Schlafmangel. Ich kann immer und überall arbeiten. Ich kann auch morgen arbeiten. Wenn ein Kind krank ist, dann bleibt es (bei Mama) zu Hause. Die arbeitet entweder nebenbei oder eben morgen. Wenn die Zeiten schwierig sind, dann kann ich flexibel das Arbeitspensum runterschrauben.

Vielleicht habe ich zu lange die falschen Prioritäten gesetzt (falsch ist hier sehr relativ, denn es ging hier um „für die Kinder da sein“), vielleicht hätte ich mehr über mich hinauswachsen müssen, vielleicht einfach knallhart etwas durchziehen müssen. Andere schaffen das doch auch?

Aber mir fällt es bei einigen Dingen schwer, produktiv zu arbeiten, wenn ich parallel die Kinder beaufsichtige. Ich schaffe es nicht, hochkonzentriert ganz in das Thema einzutauchen, wenn alle zehn Minuten zwanzig Warum-Fragen meinen Flow unterbrechen.  Abends bin ich zu müde, um noch ausgedehnte Spätschichten einzulegen.

Nein, ich muss hier nicht die ganze Care-Arbeit alleine leisten. Der Traummann ist das, was man so einen involvierten Vater schimpft. Er ist mehr als das. Er übernimmt ganz selbstverständlich alle Aufgaben hier zu Hause mit. Er fragt nie, was noch zu erledigen wäre, stellt unaufgefordert eine Maschine Wäsche an, putzt Fenster, fährt mit drei Kindern einkaufen, macht halt, was man so macht. Unaufgeregt. Debatten gab es dazu bei uns nie.

Und nun?

Ich bin unzufrieden.  Ich bin heute da, wo ich nicht hinwollte.

Heute ist wenig über von meiner Freiberuflichkeit. Ich bin in der Situation, vor der ich immer Angst hatte. Ich sitze zu Hause als Mutter dreier Kindern.

Nein, ich bin keine Vollzeit-Mama aus dem Bilderbuch, denn ich arbeite weiter. Ich habe nie vollständig aufgehört. Aber irgendwie fühlt es sich für mich persönlich so an, dass ich in den Bereich des „ich arbeite halt so ein paar Stunden am Tag, wie es eben passt, damit ich noch was anderes habe“ gekommen bin. Arbeit als Zeitvertreibt. Selbstverwirklichung einer Mutti. Das mag nur mein persönliches Empfinden sein, aber es stört mich.

Ich möchte wieder mehr arbeiten. Mehr Geld verdienen. Größere Projekte stemmen. Mehr gefordert werden. Mehr lernen. Kollegen haben, mit Erwachsenen über ganz erwachsene Themen diskurrieren. Ich möchte mehr von der berufstätigen Kerstin neben der Mutter Kerstin.

Die Lösung

Für mich – für uns – ist klar, dass sich etwas ändern muss.

Und da sind wir auch wieder beim letzten Beitrag und dem Podcast, daraus zitiere ich mal frei den Doc:

Wenn du unzufrieden bist, dann fuck Rahmenbedingungen! Mach aus deinem Leben selber was. Ändere was!

Oder so ähnlich…

Unsere Rahmenbedingungen sind nicht übel:

Ja, ich bin Mutter. Aber meine drei Kinder haben auch einen Vater, der gerne Vater ist und der sich unsere aktuelle Rollenverteilung auch nicht als dauerhafte Wunschlösung ausgesucht hätte.

Die Zeiten der außergewöhnlichen Belastung sind vorbei. Krümel ist zwei Jahre alt. Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter hat ewig gebraucht, aber auch das ist vorüber. Die Zwillinge fühlen sich im Kindergarten wohl und für den kleinen Bruder ist der Platz schon sicher. Eine engagierte Familie und einen tollen, hilfsbereiten Freundeskreis haben wir auch im Hintergrund. Wir sind da übrigens extrem luxuriös aufgestellt.

Ich ändere was. Wir ändern was. Theoretisch gibt es mehrere Möglichkeiten. Die eine wäre, meine Selbstständigkeit wieder hochzufahren, Prioritäten anders zu setzen. Dann gäbe es noch den Spuck in meinem Kopf, doch nochmal (Informatik) zu studieren, weil wegen hab ich Lust drauf. Und nicht zuletzt die klassische Festanstellung.

Ich weiß noch nicht, wie das am Ende ausgehen wird, aber ich strecke mal meine Fühler aus. Lese Stellenangebote und informiere mich. Ich habe verdammt Lust endlich wieder so richtig, richtig zu arbeiten. Eigentlich am liebsten jetzt sofort.


* Darüber hinaus gibt es natürlich auch weitere Gründe für Kinderlosigkeit, die nicht unbedingt die eigene Entscheidung sind, wie der leider unerfüllte Kinderwunsch.

**Ja, das ist polemisch und verkürzt. Isso.


Blogparade:

Der Plan und die Realität – Familie und Beruf

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr euch vorher Gedanken gemacht, wie dieses Familien-Arbeit-Vereinbarkeits-Ding laufen wird?

Und lief es dann auch so? Oder kam doch alles ganz anders und überhaupt nicht so, wie geplant?

Seid ihr glücklich mit dieser Entwicklung?

Ich freue mich über eure Beiträge und werde sie selbstverständlich auch gerne teilen. Tragt euch doch bitte bis Ende September in die Linkliste ein.

Eure Kerstin

Wenn ich wilde Selbstgespräche über das Elterngeld führe…

Neulich bei mir im Büro, als ich ganz WorkingMom im HomeOffice (Nein, so läuft das hier nicht immer ab. Aber manchmal eben dann doch.) eben schnell die Wäsche wegbügelte und den Podcast der coolen Papas aus Köln hörte:

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(Also ich habe tatsächlich versucht, das ganze direkt als Video zu beantworten, aber bis ich mir ein gescheites Mikrofon besorgt habe, dass die Hintergrundgeräusche nicht mehr so nervig rauschen und mich überwunden habe, irgendwie nicht alles rauszuschneiden, sind die drei Jungs dann Großväter.)

So… also schreiben. Uff.
Versuchen wir es mal gegen meine Gewohnheit systematisch.

Meine Antwort auf Episode 18 des Väter-Podcasts

These: Elterngeld kostet sehr viel Geld.

Das kommt auf die Perspektive an, lieber Janni.

Elterngeld ist eine „Entgeld-Ersatz-Leistung“ und bezieht sich direkt auf das entfallende Einkommen. Entsprechend sind die Kosten umso höher, je höher das Einkommen ist. Je mehr du also verdienst, desto höher fällt das fehlende Drittel im Portmonnaie aus. Wobei das Elterngeld bei Geringverdienern (bei wirklich kleinen Einkommen) bis zu 100% des vorherigen Einkommens betragen kann und durch den Maximalbetrag von 1800 Euro natürlich bei sehr gutem Einkommen, eine deutlich größere Lücke als ein Drittel des vorherigen Einkommens entstehen kann.

Elterngeld kostet also nur diejenigen richtig viel, die viel verdienen. Oder zumindest kostet es umso mehr, je mehr du verdienst.

These: Wenn du länger als zwei Monate Elternzeit nehmen willst – in unserer heutigen Zeit, musst du schon ein gut situierter Mensch sein.

Diese These ist Jannis Schlussfolgerung aus den hohen Kosten des Elterngelds, die man nur mit entsprechenden Rücklagen finanzieren kann. Diese hohen Kosten sind aber tatsächlich hauptsächlich ein Problem der „gut situierten Menschen“. s.o.

Natürlich hat man bei einem generell höherem Einkommen vermutlich einen höheren Lebensstandard mit entsprechend höheren Fixkosten, die weiter bedient werden wollen.  Aber dann ist man zumindest theoretisch auch in der Lage Rücklagen zu bilden (vorher), um diesen Ausfall zu kompensieren.

Selbstverständlich ist das Einkommen während der Elternzeit spürbar geringer. Für fast alle Einkommensgruppen. Das merkt man. Aber wie Lempi so schön anmerkt:

Du kriegst zwei Drittel deines Gehalts geschenkt, weil du ein Kind in die Welt gesetzt hast. … Ohne weitere Gegenleistungen. Du musst nicht dafür arbeiten. Das ist doch erstmal ein guter Deal!

Das Problem ist „in der heutigen Zeit“ übrigens mitnichten größer geworden. Zumindest nicht, wenn man überlegt, dass das Elterngeld 2007 das Erziehungsgeld ablöste. Dieses überstiegt auf zwei Jahre verteilt nicht den heutigen Grundbetrag von 300 Euro und wurde bei höheren Einkommen (30.000 Euro/Jahr bzw 23.000 Euro/Jahr bei Alleinerziehenden) gar nicht gezahlt.

Frage: Es gibt mehr Kinder. Liegt es am Elterngeld?

In der Diskussion taucht die Frage auf, ob der gestoppte Abwärtstrend bei den Geburtenzahlen auf das Elterngeld zurückzuführen sei. Nach einigen sehr interessanten Schleifen der Debatte, scheinen sich die drei Kölner Väter auf „Nein“ zu einigen. Da möchte ich anmerken, dass das Statistische Bundesamt bei der letzten Veröffentlichung der Kinderlosenquote zum Beispiel verkündet hat, dass bei den akademisch gebildeten Frauen die Kinderlosigkeit zurückgehe. Gerade diese waren doch immer so geburtenfaul in den letzten Jahren.

Warum bekommen die mehr bzw endlich überhaupt mal wieder Kinder? Das liegt zum einen an dem Ausbau der Kinderbetreuung (uuuuund das ist nochmal ein ganzes Themenfeld s.u.) und zum anderen vermutlich auch ein wenig am Elterngeld. Denn in Zeiten vor dem Elterngeld hatte man aus gut verdienende Frau (Akademikerinnen verdienen nicht immer gut, aber doch statistisch häufiger als jemand mit einem mittlerem Schulabschluss) in finanzieller Hinsicht viel mehr zu verlieren. Die Einkommenseinbußen durch die Aktion „Kinder kriegen“ halten einen nicht allein davon ab, aber wenn man gar nichts bzw kaum etwas bekommt und seine hohen Fixkosten weiter tragen muss, dann macht das die Entscheidung nicht unbedingt leichter. s.o.

These: Mehr als zwei Monate Elternzeit sind nicht drin

Janni beantwortet das in seinem Blogbeitrag nicht nur mit den hohen Kosten, sondern führt in seinem Fall vor allem seine Verantwortung in der Agentur an. Angestellte in kleinen Unternehmen oder Selbtständige/Unternehmer haben es oft schwerer länger auszusteigen bzw die Last auf die Kollegen zu verteilen. Geschenkt.*

Mir fiel da trotzdem ein Tweet der letzten Tage ein:

Das Thread in Gänze zitiert:

Männer nehmen 2 Monate Elternzeit, weil das gesellschaftlich toleriert wird und man wenig Konsequenzen fürchten muss.
Frauen haben oftmals keine Wahl in dem Setting und müssen mit den Konsequenzen am Arbeitsmarkt leben.
Und so werden auch auf absehbare Zeit meist die Väter mehr verdienen und die Katze beisst sich in den Schwanz.
Also Jungs, wenn Ihr 2 Monate Elternzeit nehmt, erzählt Eurer Omi, dass mehr nicht drin war. Die lobt Euch sicher für Euren Wagemut.

Ist es nicht tatsächlich so, dass viele Väter (nicht du Janni) nur ihre obligatorischen zwei Monate nehmen, weil sie das höhere Einkommen haben und damit die größeren Einbußen in der Elternzeit?**
Das führt aber ganz logisch dazu, dass die Frau meist die restlichen 12 Monate nimmt und somit länger ausfällt. Sie ist vermutlich dann auch aus finanziellen Gründen häufig eher diejenige, die Teilzeit arbeitet. Einer muss beruflich zurückstecken, damit das mit der Vereinbarkeit läuft. Oftmals derjenige mit dem geringeren Einkommen.
Lange Elternzeiten und anschließende Teilzeit bremsen aber tatsächlich dieses Karriereding aus. Die Wahrscheinlichkeit auf baldiges höheres Einkommen wird geringer. Die Unterschiede im Einkommen zementiert.

Konsens – Kinderbetreuung

Übrigens stimme ich euch aus ganzem Herzen zu, dass der große Hebel die Kinderbetreuung ist. Hier muss die Familienpolitik ansetzen und weiter investieren.

Mehr Elterngeld wie die CDU es wohl fordert (ich habe da eure Aussage gerade ganz schlampig nicht verifiziert) bringt es nicht. Ja, das Elterngeld macht das erste Jahr oder wahlweise die ersten zwei Jahre deutlich einfacher. Aber das ist ja erst der Anfang und eine vergleichsweise kurze Zeit, die Eltern überbrücken müssen.

Um Vereinbarkeit zu erleichtern, braucht es flächendeckende GUTE!!! und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Und es reicht eben nicht, dass man rein von den Zahlen her ausreichend Plätze hätte (welche Stadt hat die schon), die Erreichbarkeit und die Qualität muss stimmen. Wir brauchen:

  • in der Anzahl ausreichende Betreuungsangebote  in zumutbarer räumlicher Nähe
  • mit individuell wählbarem, ausreichend umfangreichem Betreuungszeiten
  • in sehr guter Qualität, dass man nicht Bauchweh bekommen muss, wenn man seine Kinder abgibt
  • mit gutem Betreuungsschlüssel von gut ausgebildetem und anständig bezahltem Personal

Übrigens sind diese oft unterbezahlten Erzieher unserer Kinder auch meist Frauen. Die suchen sich ja scheinbar absichtlich immer diese blöden mies bezahlten Berufsgruppen aus.

Würde man die Erzieher unserer Kinder vernünftig bezahlen, wäre das nicht nur fair und gerecht, dieser „Frauenberuf“ würde aufgewertet und man hätte vermutlich auch mehr Personal (weil es mehr Leute machen wollen). Vielleicht würde dann die Erzieherin auch so gut verdienen, dass ihr Mann auch gerne Teilzeit arbeiten geht. Weil die beiden es sich so ausgesucht haben und es finanziell keinen Unterschied macht, wer von beiden geht.

Teure Wünsche

Diese oben genannten Ansprüche an die Kinderbetreuung kosten verdammt viel Geld, aber ich bin der Meinung, dass das die Gesellschaft tragen muss. Denn wie ihr so schön im Podcast erzählt, basiert das ganze deutsche System auf einem Generationenvertrag. Die Kinder werden das System am kacken halten. Die Gesellschaft braucht Kindern.

Die im Podcast und auch in Jannis Beitrag zitierten Gesellschaften, in denen die Großfamilie die Kinderbetreuung gemeinschaftlich stemmt, haben wir hier in Deutschland nicht. Es ist aber auch nur eine andere Form des gemeinsamen verantwortlich fühlen für die kommenden Generationen.

Aus genau den Gründen bin ich nicht für eine baldige kostenlose Kinderbetreuung, obwohl ich die generell für das langfristige eher mittelfristige Ziel halte. 

Erst muss die Qualität und die Quantität stimmen, dann käme als nächster Schritt der kostenlose Zugang. Denn gesamtgesellschaftliche Verantwortung und so…

Trotzdem sind die Ungerechtigkeiten und gewaltigen Unterschiede in den Beitragskosten in dem Bereich ein Unding, was bitte besser gestern abgestellt werden sollte.

Was sagt man zum Abschluss von so einem wilden Machwerk?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit? Ähm neee, das passt weder zu mir noch zum Anlass noch zum Blog. Eher:

Lieber Janni, lieber Lempi, lieber Doc: Es war ne geile Folge und ich diskutiere das gerne nochmal bei einem Bier mit euch aus. Ob irgendwo abends auf einer kippeligen Bierbank oder in eurem Büro vor laufender Kamera. Das Thema ist noch nicht durch!

Liebe Leserinnen, liebe Eltern: Geht wählen! Geht bitte, bitte am 24. September sind Bundestagswahlen und eure Stimme ist wichtig. Engagiert euch für eine gute Familienpolitik und seid laut. Rückt sie mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit. Wir müssen gemeinsam sichtbar sein. Ein Drittel der Wahlberechtigten sind über 60 Jahre alt in Deutschland und weisen nebenbei noch eine deutlich höhere Neigung zur Wahlurne zu gehen auf. Wer kann es den Parteien verübeln, dass sie gerade diese Wähler besonders im Fokus haben.

Eure Kerstin


Weiterführende Links:

*Wirklich. Ist nachvollziehbar. Trotzdem übrigens ein Punkt, der in Kombi mit Docs „Fuck Rahmenbedingungen! Ändere es!“ zu noch einem Beitrag hier führen muss. Sorry ist so. Ach neee, nicht sorry.

**Bei dieser stark vereinfachten Argumentation lasse ich gerade außen vor bzw erwähne nicht explizit, dass es natürlich auch andere Gründe gibt, warum mann Vollzeit geht und frau das Kinderding in Elternzeit schaukelt. Ganz sicher auch manchmal einfach so, weil man das so will. Dann ist das auch total in Ordnung.

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