Tag: Familienleben

Kerstin mit Helm... genervt

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin 09/2018

Heute dann mal wieder mit einem Tag Verspätung, die Antwort auf die brennende Frage, was ich am 5. September 2018 denn so getrieben habe.

Mama, ich will aufstehen.“ Krümel ist eloquenter geworden und mittlerweile drei Jahre alt, aber das macht es für mich Morgenmuffel auch nicht leichter. Er liegt neben mir und ich krame erst einmal nach dem Wecker mit dem leuchtenden Display. 4:30 kann ich entziffern, als ich das Ding an meine Nasenspitze halte. (Ja! Ich bin EXTREM kurzsichtig.) „Schlaf weiter!“ – „Ist es noch Nacht?“ – „Ja!“

Wir führen den Dialog im Fünf-Minuten-Takt und als ich fünf Dialoge später wieder auf die Uhr sehe, müssen wir zwischendurch zwei Stunden geschlafen haben. Diese Info macht mich auch nicht wacher, aber nun gebe ich nach. Wir stehen auf.

Krümel spielt im Wohnzimmer, ich fange an das Frühstück vorzubereiten und Brotdosen zu füllen. Die Zwillinge tauchen kurz nach uns auf. 

Frühstück.

Anziehen will sich Anschluss mal wieder keiner und Sonnenschein hat heute ziemlich doofe Laune. Er ist sehr wütend, dass die Hose Knöpfe hat und dass wir nicht mit dem Fahrrad zum Kindergarten fahren. Sehr wütend. Aber mein Fahrrad steht noch in der Werkstatt und…

Aber dann gehst du halt und wir fahren und dann warten wir an der Straße.“ Theoretisch eine Idee, praktisch funktioniert das bei uns immer semi, weil ich dann zu langsam bin, die Kinder zu ungeduldig und NEIN. Alles ist doof. Trotzdem schaffen wir es ins Auto und bis zum Kindergarten. 

Krümel geht erst die zweite Woche, ist aber schon angekommen und marschiert selbstständig in seine Gruppe. Seit dem Vortag darf er über Mittag bleiben und ich werde ihn erst nach dem Mittagssnack abholen. Kindergarten ist anstrengend, aber er kann immer besser mit seiner Energie haushalten und hat sich erstaunlich schnell umgestellt. Mittagsschlaf macht er keinen mehr und seit einigen Tagen fällt er nachmittags auch in kein großartiges „Loch“ mehr. Dafür schläft er morgens etwas länger (außer heute) und geht abends früh ins Bett. Könnte schlimmer sein.

Zu Hause muss ich mich ziemlich lästiger Arbeit widmen und knalle drei Ordner Steuer-Buchhaltungs-Gedöns auf den Esstisch. Um 10 Uhr taucht mein Papa auf, denn einmal im Jahr gibt es da Dinge zu erledigen, die meinen bescheidenden Horizont bei weitem übersteigen. Praktischerweise Papas aber nicht und netterweise teilt er sein Wissen mit mir.

Ich verstehe es trotzdem nicht, aber egal. Ich verstehe auch die aktuellen politischen Entwicklungen nicht und stehe mit vielen Fragen dort. Wobei? Verstehen? Naja, vieles verstehe ich schon, doch wie wir zu einem guten Diskurs finden können, weiß ich nicht.

Auch da ist Papa ein guter Ansprechpartner und so quatschen wir nicht nur über Abschreibungen sondern vor allem über Kommunikation, Entwicklungshilfe, Flüchtlingsströme und gefühlte Unsicherheit, Wut und Angst. Über Menschen, die sich bedroht fühlen und hinter ausgestreckten rechten Armen herlaufen, über überforderte Behörden und fehlende starke Mitte. Ich genieße das Gespräch, denn mein Vater ist ein extrem kluger Mensch, der gut sortieren und sachlich kommunizieren kann. Der ohne Parolen auskommt und leere Phrasen erkennt, benennt und nie abwertend wird. Mich sortiert dieses Gespräch.

Papa ist kaum aus der Tür, da klingelt mein Telefon: Das Fahrrad sei fertig. Und da ich noch eineinhalb Stunden habe, bis ich den Krümel abholen muss, gehe ich zu Fuß zur Werkstatt.

Wow! Sie haben es wirklich geschafft. Mein Rad ist endlich wieder fahrtüchtig! 

Das war es schon lange nur noch sehr bedingt, doch das war  egal. Wir hatten nie einen Fahrradanhänger und der hätte alleine für drei Kinder auch nicht ausgereicht. So konnte ich nicht mit den Kindern Rad fahren, nutzte zu Fuß den Kinderwagen oder eben das Auto.

Jetzt aber gehen alle drei Kinder in den Kindergarten. Ich muss morgens nicht mehr eine Stunde durch die Dörfer fahren, um alle Kinder wegzubringen. Die Strecke ist zu Fuß etwas weit, aber für das Rad perfekt. Ich freue mich, als ich von der Werkstatt nach Hause radel.

Um halb zwei schlage ich dann (wieder mit dem Auto) im Kindergarten auf. Krümel kommt ausnahmsweise ohne Debatte mit (er findet Kindergarten so toll, dass er meist länger bleiben will), Prinzessin möchte auch mit und zu Hause malen. Sonnenschein bleibt da. Dann muss ich zwar in einer Stunde wiederkommen, aber ich nehme das so hin.

Ich mache daheim dann notdürftig Haushalt. Dazu kam ich noch gar nicht. Prinzessin malt und hört Bibi&Tina, Krümel spielt mit seinen Geburtstagsgeschenken. Doch wir müssen sehr schnell wieder los, um den Sonnenschein noch vor drei aus dem Kindergarten zu holen.

Der hat Laune. (Spoiler: Es wird sich den ganzen Tag nicht mehr ändern.) Ich versuche ihn damit zu ködern, dass ENDLICH mein Rad fertig ist. Und ich zu Hause gleich den Kindersitz montieren werde, damit wir eine Fahrradtour machen können. Das gefällt ihm.

Wir holen zu Hause also gleich alle Räder raus, die Kinder setzen Helme auf und fahren auf dem Hof. Doch Sonnenschein will los! Ich muss aber erstmal das passende Werkzeug finden.

Ich finde es und fange an zu schrauben. Sonnenschein ist sauer, weil es so lange dauert. Krümel fällt hin und weint. Die Nachbarskinder kommen raus, alle fahren Fahrrad. Die blöde Manschette für den Sitz will einfach nicht an meinen Rahmen passen. Ich muss im Minutentakt fürs Trösten, Diskutieren, Wundern pusten, Streit schlichten das Werkzeug fallen lassen und fluche, denn das mit der Sitzmontage, hatte ich mir einfacher vorgestellt.

Man kann mich PINNEN. 😉 Danke.

Der Traummann schlägt am Telefon vor, dass wir ihn vom Bahnhof abholen. Dann könne man gleich auf dem Weg schnell einkaufen für das Abendessen und im Anschluss noch Fahrradfahren. Diese Idee lässt Sonnenschein explodieren. ER WILL JETZT RAD FAHREN! Also richtig. Nicht nur auf dem Hof. Aber ich kriege das Rad nicht fertig und das auch deswegen, weil mich permanent jemand anschreit. Sehr wütend anschreit.

Irgendwann beschließen die Großen zur Nachbarin zum Spielen zu gehen. Krümel ist wütend, weil er auch will. Er ist doch auch groß! Mit wütendem Krümel schraube ich die Manschette zum sechsten Mal an den Rahmen und wieder passt es an einer anderen Stelle nicht. Der Sitz will nicht einrasten. Ich will ausrasten.

Zwischenzeitlich taucht der Traummann auf und landet bedauerlicherweise in unserer miesen Laune. Krümel findet alles doof, ich finde alles doof. Es ist unfassbar, wie sehr es einen stressen kann, wenn man soviel schlechte Laune abfangen muss. Also damit meine ich mich und die Laune des Sonnenscheins. Aber es gilt auch für den Traummann, denn der findet unsere Laune nun auch nicht erhebend.

Da fahre ich dann besser einkaufen, auch wenn ich wütend protestiere, dass ich diese dämliche Manschette höchstpersönlich anschrauben will. Ich gönne dem Kindersitz diesen Triumph nicht. MAN ICH BIN WÜTEND!

Und fahre einkaufen. Wir wollen grillen. Außerdem muss ich noch für Schwiegereltern eine Kleinigkeit hier abholen und dort hinbringen. Mache ich alles und als ich auf dem Rückweg bin, ist es kurz vor sechs.

Der Traummann hat den Grill angemacht, den Kindersitz montiert, der Krümel turnt durch den Garten und die Nachbarin dachte, wir wären ohne Bescheid zu sagen, alle verschwunden. Weil das die Kinder behaupteten, die ihren Vater im Garten einfach übersehen hatten. Tja… 

Ich würde gerne behaupten, dass wir nun endlich entspannt auf der Terrasse den Tag ausklingen lassen, aber irgendwie ist es sehr unentspannt. Krümel fällt vor Müdigkeit fast vom Stuhl und wird weinerlich. Sonnenschein hat überraschenderweise miese Laune wegen es fällt mir einfach nicht mehr ein. Prinzessin will lieber fernsehen.

Um kurz vor sieben sitzen die Großen also bettfein vor der Glotze. Ich beaufsichtige Krümel beim Duschen, räume oben ein wenig auf, der Traummann kämpft in Küche und Garten für Ordnung.

Selbstverständlich gibt es auch wütende Tränen bei der Debatte um die passende Abendlektüre und kein Kind ist müde, trotzdem schlafen sie alle vor 20 Uhr. So richtig hebt sich auch die elterliche Laune nicht. Wir sind einfach erschlagen. Ich vergesse, dass der 5. des Monats ist und denke nicht einmal ans Schreiben oder irgendwie etwas in der Richtung.

Der morgige Tag kann nur bessere Laune bringen und da mittlerweile sogar der morgige Tag ist, kann ich berichten, dass die Aussicht mit dem Rad in den Kindergarten zu fahren, alle heute beflügelt hat. Es hat auch gut geklappt und nun hoffe ich, dass der Dauerregen nachher eine Pause macht, wenn ich die drei wieder abholen fahre. Ich ahne sonst irgendwie was mit Laune und darauf habe ich heute nicht so unbedingt Lust.

Eure Kerstin

drei Kinder und das Feld

Wann wird es denn endlich einfacher? Edition #3über3

Wir schreiben Ende August 2018 und damit nähern wir uns in großen Schritten des Krümelchens dritten Geburtstag. Jetzt sinniere ich noch kurz darüber, dass ich heute vor drei Jahren schon in permanentem Fehlalarm sehr breitbeinig durch sehr heißen Spätsommerwochen kämpfte und dann geht es wieder zurück zum Thema.

Wenn Kinder drei Jahre alt werden, dann sind sie aus dem Gröbsten raus. Wir hatten ziemlich lange drei Kinder unter drei Jahren im Haushalt und steckten dementsprechend zehn volle Monate  mitten im Gröbsten. Mit dem Krümelchen wird nun das jüngste Kind drei und ich frage mich, ob wir als Familie aus dem Gröbsten raus sind?

Ja, was ist denn das Gröbste? Sind das die Windeln und die Babyflaschen? Sind es die durchwachten Nächte oder was bitte ist denn so grob in den ersten drei Jahren?

Schlafmangel

Eltern sehr kleiner Kinder tragen Augenringe als Erkennungszeichen und Schmuck. Vermutlich der einzige Schmuck, denn alles andere reißen einem die geschickten Fingerchen der kleinen Hände sonst aus den Ohren und vom Hals. 😉

Unsere Nächte mit den Zwillingen waren schlaflos, der Krümel schlief dafür umso bescheidener. Und ich darf stolz verkünden, dass auch mit nun beinahe drei Jahren die wenigsten Nächte vom Krümel ausschließlich zum Nachtschlaf genutzt werden. Und auf gar keinen Fall alleine.

Wir sind müde. Immer noch. Aber ja, wir waren schon einmal noch müder und im Vergleich, bekommen wir heute fast irre viel Schlaf. Allein ist der noch nicht ausreichend und bis wir den aufgebauten Schlafmangel wieder ausgeglichen haben, sind die Kinder vermutlich schon ausgezogen. Da gibt es noch grob gesagt ein bisschen Grobes.

Tagesablauf

Mit den Zwillingen war unser Tag im Ablauf zementiert. Ich habe höchstens halb scherzhaft gesagt, dass diese Routine mein Überleben als Zwillingsmutter garantiert. Krümelchen hatte nie einen so festen Tagesrythmus, denn das dritte Kind lief so mit bzw wurde mitgetragen, im Sling. Und schlief darin, wenn es denn mal schlief.

Unser Tagesablauf hat heute viel mehr Freiheiten. Niemand braucht hier mehr das Fläschen; und Brei gibt es schon lange nicht mehr. Mittagessen darf auch mal ausfallen und das Abendessen eine Stunde später stattfinden. Mittagsschlaf braucht das Krümelchen nicht mehr unbedingt und im Zweifelsfall reicht ein Powernap zwischendurch. Das macht vieles einfacher, denn man kann endlich wieder spontan sein.

Einen Besuch bei Freunden ausdehnen, kurz irgendwo zwischendurch und auf die Hand was futtern.

Wann wird es denn nun endlich leichter mit 3 Kindern?
Mich kann man PINNEN. 😉 Bitte! Danke!

Noch nicht ganz in trockenen Tüchern

Das Thema mit den Windeln wird vielleicht noch einmal ausführlicher behandelt werden müssen, aber auch da erahne ich ein Ende der regelmäßigen Großeinkäufe. Die Zwillinge wurden im Abstand von einem Jahr windelfrei. Darüber war ich auch recht froh, denn es ist einfacher, wenn nur ein Kind ständig sehr plötzlich PIPIIIII!!!! ruft und man genau drei Sekunden Zeit für eine angemessene Reaktion hat. Krümelchen macht derzeit eine Entwicklung durch, die vielleicht morgen mit trockenem Popo endet oder im nächsten Jahr. Ich vermute aber eher bald.

Und wenn man endlich durch diese Phase zwischen „Ich will keine Windel mehr“ und „Ich habs richtig drauf, auch rechtzeitig zum Klo zu kommen“ durch ist, dann ist es wirklich einfacher. UND man wird noch freier, weil man absolut nun keine Wickelsachen mehr überall dabei haben muss.

Kindergarten

Die Zwillinge starten in ihre letztes Kindergartenjahr. Krümelchen kommt nun auch in den Kindergarten und ich freue mich wie irre auf ein Jahr, in dem alle drei Kinder in die gleiche Einrichtung gehen. Unfassbar! So ein großer Schritt.

Die Eingwöhnungsphase wird nochmal anstrengend. Da mache ich mir nichts vor. Und ja, ich freue mich auf den ersten Winter mit drei Kindern in der Bazillenzuchtanstalt, aber Krümels Immunsystem hat bereits ganz gut von den Geschwistern gelernt. Das wird schon.

So groß! So selbstständig!

Ich bin sehr großer Fan vom selber machen lassen, trotzdem sind unsere Kinder mit Sicherheit da nicht ganz vorne weg. Aber es zeigt langsam echt spürbare Erleichterung für die Erwachsenen.

Wenn der Wille da ist, wird sich selbst angezogen, die ersten Schleifen werden in stundenlanger Kleinarbeit gebunden, Brote selbst geschmiert, Becher selbst aus dem Schrank genommen, im Kleinen sogar den Eltern geholfen. Krümel ist dabei gar nicht weit hinter seinen Geschwistern, denn er ist sehr ehrgeizig mitzuhalten. 😉

Auf dem Spielplatz sitze ich nun wirklich auf der Bank. Keiner muss ständig irgendwo hoch oder runtergehoben werden (außer der Krümel, wenn er mal wieder höher klettert, als er selber wieder runterkann), auf Schaukeln schaffen die Kinder es alleine, sie brauchen keinen Animateur mehr. Und sie wollen es auch nicht mehr.

Die Tage waren sie das aller erste Mal ALLEINE!!! auf dem Spielplatz. Mit großer Nachbarstochter. Ui das war aufregend. Vor allem für mich. Ich habe als übergroße Helikoptermutter auch nur einmal kurz von Weitem geschaut. Ehrlich!

Wenn das jüngste Kind drei wird, sind wir dann raus aus dem Gröbsten?
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Drei Nicht-Schwimmer

Manches ist aber noch immer nicht so einfach. Denn noch haben wir zum Beispiel drei Nicht-Schwimmer. Das bedeutet, dass ich mich nicht mit allen dreien allein ins Freibad traue. Ich freue mich sehr auf die Zeit, wenn das vorbei sein wird. Aktuell versuchen die Zwillinge gerade an dem Status etwas zu ändern. Drückt uns die Daumen! 😉


Übrigens spannend ein aktueller Beitrag einer weiteren „ehemaligen 3unter3-Mama“: Herzlichen Glückwunsch zum Seepferdchen Pia! bzw natürlich auch herzlichste Glückwünsche an Gereon.


Und wird es nun einfacher?

Es wird nie einfacher, nur anders. Blabla. Aber das ja, aber es endet tatsächlich eine Zeit in der alles sich nur und ausschließlich nach den Bedürfnissen der noch sehr hilflosen Kleinen richtete. Es gibt mehr Freiheit. Es gibt Ausflüge ohne Kofferladungen voller Flaschen, Gläschen und Windeln. Es gibt Selbstständigkeit. Für die Kinder. Für die Eltern. Das ist schön und wertvoll. <3

Eure Kerstin

Familientisch im Alltag

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 03/2018

Wow! Wir haben schon März und dann ist ja auch immer fix der 5. und Frau Brüllen will wissen, was wir den ganzen Tag so treiben. Nun war gestern (ich schreibe mit einem Tag Verspätung) ein MONTAG.

Montags ist hier Krümeltag, denn montags geht Krümel nie zur Tagesmutter. Also trödeln wir montags immer mit den Sachen rum, die man mit Krümel machen kann. Auch Sachen, die mit Krümel doppelt solange dauern und doppelt so aufregend sind, denn dafür muss ich sie an den anderen Tagen nicht mehr machen.


5:20 Uhr // “Mama? Aufstehn! Bin nich müde! Auslafen hat!” Die Nächte werden langsam ruhiger, Krümel eloquenter, doch so ein Morgen fühlt sich immer noch sehr früh an.

6:30 Uhr // Ich quäle mich vom Sofa hoch, auf dem ich mir nun eine Stunde lang die selben drei Buchseiten des Wimmelbuchs total begeistert ansehen durfte, und backe Brötchen auf. Unmotiviert räume ich in der Küche Dinge von hier nach da. Krümel räumt sehr motiviert mit, will den Tisch decken und sofort frühstücken.

7:00 Uhr // Wir müssen aber erstmal die Zwillinge wecken, was diese sehr doof finden. Dem Sonnenschein sagt keine der sauberen Hosen im Kleiderschrank zu. Er wählt das Joggingbuchsenoutfit. Prinzessin versucht sich unsichtbar zu machen und Krümel besteht auf eine reichlich enge Jeans, nachdem er seinen gesamten Schrank gründlich begutachtet und vor allem ausgeräumt hat. Ich bemühe mich um Gleichmut und Fassadensanierung, denn heute ist mir nicht nach ungeschminkter Wahrheit.

7:40 Uhr // Frühstück. Ereignisarm.

8:00 Uhr // Zähne putzen und die Feststellung, dass Sonnenschein viel zu wenig Spielzeug besitzt. Es findet sich kein optimales Spielzeug für den Spielzeugtag. Der Drache wäre super, würde nicht der Peter immer sagen, Plüschdrachen seien doof. Ich finde Peter hat keine Ahnung.

8:30 Uhr // Packe Plüschdrachen und drei Kinder, Einkaufskorb und Rucksäcke in das Familienauto. Ab zum Kindergarten.

8:45 Uhr // An der Tür noch wird Prinzessin das ausgefüllte Freundebuch sehnsüchtig aus der Hand gerissen, Sonnenschein verschwindet im Gruppenraum und ich bin abgemeldet. Suche stattdessen den Krümel und finde ihn auf dem Außengelände auf dem Kletterturm. Er hat wenig Lust herunterzukommen.

9:00 Uhr // Einkaufen mit Kindereinkaufswagen und Krümel, der dem riesigen Aufsitzwischdings durch den Laden nachrennt. Super Teil. Will er auch.

9:45 Uhr // Wir machen Halt bei meinem Papa im Home Office. Ich kriege Kaffee und eine Wahlanalyse der gestrigen Bürgermeisterwahl. Wobei wenig analysiert wird, trotzdem muss ich mit Papa immer alle politischen Entwicklungen durchquatschen, weil das eben so ist zwischen Vater und Tochter. Krümel spielt mit meinen alten Matchboxautos und lässt Opa als Andenken noch eine duftende Windel da.

10:30 Uhr // Wir könnten kurz zu IKEA, denn was sinnvolleres fällt mir nicht ein. Krümel pennt 10 Minuten auf dem Weg und SPOILER das wird für den Tag reichen.

10:45 Uhr // Ich brauche zwei Schubladen für das Büro und kaufe Kaffeetassen, Tischläufer, Plastikboxen, einen Sparschäler und sogar Schubladen. Ich verbuche es als Erfolg, zumal wir ohne Bruch durch die Haushaltswaren und Geschirr gekommen sind.

11:30 Uhr // Ich will nun eigentlich nach Hause, aber Krümel hat sich in den Kopf gesetzt, dass eine Runde Waschanlage jetzt super wäre. Ich denke an die Familienkarre in Streusalzkruste und dass Montagvormittag es sicher nur halb so wild an der Waschanlage sein kann. Das dachten sich bei strahlendem Sonnenschein auch 200 andere und während Krümel begeistert ALLES kommentiert, muss ich mir Langmut zureden. Wir haben Zeit, wir haben keine Termine, wenn das Kind so gerne Ewigkeiten vor einer Waschanlage parkt, dann ist das jetzt halt so. Nur die 30 besten Dingsdalieder von CD kauen kontinuierlich an meinen Nerven.

12:00 Uhr // Wir haben ein sauberes Auto und sind zu Hause! Yeah! Mittagessen?

12:30 Uhr // Hunger hat Krümel durchaus. Aber die Frage nach einem möglichen Mittagsschlaf weist er weit von sich!

Wie stellen stattdessen mal eine Maschine Wäsche an und während ich die Küche aufräume, will Krümel staubsaugen. Ein Quadratmeter des Wohnzimmers wird engagiert fünfzehn Minuten lang gesaugt. Mutti darf den Staubsauger aber nicht haben!

13:30 Uhr // Ich würde ja extrem gerne Schlafen oder zumindest den Schlaf des Jüngsten ausnutzen. Ich versuche mich mit Krümel gemeinsam hinzulegen. Der turnt aber nur durchs Bett und erklärt Schlaf für eine absolut absurde Idee. Will aber!!!

14:00 Uhr // Auf mich hört hier niemand und so muss ich wieder aufstehen.

Also dekorieren wir das Wohnzimmer um, Krümel schlägt eine andere Tischordnung vor und schiebt die drei TripTraps mehrere Runden um den Esstisch, bis die Anordnung ihm genehm ist. Ich verteile meine neuen rosa Tischläufer auf dem Tisch.

Meine Mutter ruft an, dass sie sich opfern würde, den restlichen Kuchen vom Wochenende mit uns zu vernichten. Da sie auch gleich die Zwillinge abholt auf dem Weg, können wir noch etwas aufräumen.

15:00 Uhr // Oma und die Zwillinge sind da. Kaffee und Kuchen auf dem Tisch. Sonnenschein würde aber lieber zu den Nachbarsjungs!!!

Ich nehme also den Sonnenschein und schlurfe mit ihm in Hausschuhen drei Häuser weiter. Prinzessin ist sauer, denn sie will auch. Aber mir ist nicht wohl dabei, gleich zwei meiner Kinder unangemeldet irgendwo abzuladen.

Sie hätte sich nicht so echauffieren müssen, denn die Brüder sind nicht zu Hause. Sie haben heute russisch. Morgen vielleicht.

16:00 Uhr // Oma eröffnet auf der Terrasse ein Friseurstudio, da zwei der drei Kinder mit ihren langen Fransen kaum noch aus den Augen gucken können. Bei Krümel können die Haare nun sehr lange wachsen, bevor er wieder zum Friseur muss/kann.

16:30 Uhr // Der Traummann erscheint zu Hause und ich bemerke ganz freundlich, dass er sämtliche Kreuzschlitzschraubendreher des Haushalts gründlich verbummelt habe, während ich versuche auf der Küchenarbeitsplatte mit unpassendem Werkzeug meine Schubladen zu montieren. Er weist die Vorwürfe von sich und behauptet, sie seien nur kindersicher auf einer seiner Baustellen auf dem Spitzboden versteckt.

17:00 Uhr // Da hauen doch besser alle schnell ab. Oma nach Hause und die Kinder mit ihrem Vater raus zum Fahrradfahren. Ich stelle derweil das Büro auf den Kopf und verbaue meine Schubladen. Natürlich muss der Inhalt sämtlicher Schränke nun in andere Schränke umgeräumt werden und so räume ich erstmal alles aus.

17:45 Uhr // Die Schubladen sind montiert, das Büro im Chaos versunken, die Kinder mit dem Traummann wieder zu Hause und ich wärme liebevoll Reste vom Vortag wieder auf.

18:15 Uhr // Abendessen. Sonnenschein mag das Essen, das gestern noch sooo lecker war, absolut nicht essen. Krümel fällt vor Müdigkeit fast mit der Nase in die Soße und Prinzessin schaufelt, als gäbe es kein Morgen mehr.

18:45 Uhr // Während der Traummann die Küche aufräumt und die Kinder kurz KiKa gucken dürfen, nutze ich die Chance auf eine Dusche ohne Zuschauer.

19:15 Uhr // Kinder-Bett-Gedöns so mit ausziehen, umziehen, Zähne putzen, Pippi machen, Windeln wechseln, Diskussionen und Büchern. Vielen Büchern. Denn  auf einmal ist keiner mehr müde.

20:00 Uhr // Alle Kinder sind im Bett und ich hocke unbequem auf dem Fußboden, um den langwierigen Prozess des Einschlafens zu begleiten. Doch heute muss Prinzessin nur dreimal wieder aufstehen, um etwas ganz wichtiges zu erledigen und sogar Krümel fallen die Augen schnell zu.

20:30 Uhr // Ich habe die Ehre eine Einladung für irgendwelchen Elternbeiratskram zu formulieren und da mein PC dann schonmal an ist, könnte ich auch noch mal eben… ich klicke Facebook und Blog aber fix wieder weg. Heute nicht. Morgen ist auch noch ein Tag…

21:30 Uhr // Zwei Folgen Pastewka später kriechen wir müde ins Bett. Ich hoffe auf Schlaf…


Dienstag 5. März 2018: Da ich mich gestern über die nun ganz passablen Nächte gefreut habe, musste Krümel heute Nacht viermal laut alles zusammen Brüllen und ich habe seit 2 Uhr im Stundentakt mit ihm Debatten darüber geführt, ob man denn nun ausgeschlafen habe und endlich runtergehen könne.

Deswegen ganz wichtiger Tipp: Genießt und schweigt, wenn eure Kinder schlafen. Sprecht es nicht aus und lasst nicht einmal einen Gedanken daran zu! Es wird sich rächen!!!

Eure Kerstin

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 02/2018

Neues Jahr, neues Glück!!!, schreit die Schnellstarterin im Februar. Rein theoretisch wäre ein Jahr mit vollen zwölf Tagebuch-Beiträgen vom 5. eines Monats ganz sicher einer meiner guten Vorsätze gewesen, hätte ich irgendwie die Ruhe gehabt, Vorsätze zu fassen und wäre ich der Typ für ebensolche. Ist aber nun nicht so gewesen.

Wäre trotzdem fein, wenn meine Lieblingsrubrik das Jahr lückenlos dokumentieren würde. Nun habe ich aber den 5. Januar eh schon verpasst, da ich spontan mir den ganzen kompletten langen Januar lang ein Blogverbot auferlegt hatte. Und nun fast vergessen, dass heute der 5. Februar ist.

Aber nur fast. Und so sage ich:

Wir haben den 5. Februar und wie jeden 5. interessiert sich Frau Brüllen brennend dafür, was man denn eigentlich so den ganzen Tag treibt. Ich bin bemüht, dies zu beantworten.


Protokoll eines Tages im Chaos

6:20 Uhr // Ich muss gar nicht geweckt werden und sitze sofort wach auf dem Sofa, als der Traummann mir den Krümel bringt. Irritierend spät!

Derzeit penne ich meistens im Wohnzimmer, da der Krümel mit seinem Papa das Bett teilt und ich den Job habe, auf das Rufen der Zwillinge zu reagieren. „Wer Krümel nachts hat, hat morgens krümelfrei,“ lautet eine ungeschriebene Regel, die normalerweise nur am Wochenende zieht.

7:00 Uhr // Krümel und ich haben genug gekuschelt. Ich bin immer noch überrascht, dass mein kleines Kind so extrem lange geschlafen hat und bewundere nun vom Sofa seine Aktivitäten. Ich bin eher noch nicht aktiv.

7:15 Uhr // Die Großen werden wach. Heute sind wir fast im Wochendmodus, denn der Traummann ist krank zu Hause, der Kindergarten der Zwillinge hat geschlossen und Krümel hat eh immer nur eine 4-Tage-Woche.

7:45 Uhr // Frühstück. Prinzessin hat heute kein Interesse an Nahrungsaufnahme und will lieber malen. Der Rest isst, schüttet Kaffee oder Milch in sich hinein. Im Garten hat noch jemand Hunger.

9:00 Uhr // Der Frühstücktisch ist abgeräumt, ich versuche ganz kurz mal eben ein paar Dinge zu erledigen. Es bleibt bei einem Versuch. Aber zumindest einen Fuß hatte ich im Büro.

***

10:00 Uhr // Der Traummann ist unterwegs zum Arzt und die Kinder spielen ziemlich idyllisch miteinander. Irritiert von dieser Ruhe und gelangweilt ob der fehlenden Aufgaben, backe ich einen Kuchen. Die drei schrumpeligen Äpfel müssen schließlich auch irgendwann weg.

10:30 Uhr // Das Wohnzimmer durftet nach Apfel und Zimt, ich tagträume wie es wäre, eine richtig, gute Klischee-Vollzeit-Mama zu sein, so wie ich sie mir früher immer vorgestellt habe: mit täglich nach frischen Keksen/Kuchen duftetem Haus, hübschen selbstgebastelten Fensterbildern, immer dekorativen Rohkostschnitzerein auf dem Kindertischchen neben den spielenden Kindern, mit denen sie gleich Origami falten wird.

11:20 Uhr // Ich verwerfe den Gedanken als absurd. Die Jungs kloppen sich die Holzbausteine mit Schwung über den Kopf, Prinzessin kreischt ihre Brüder in Grund und Boden, der Traummann kehrt mit rot unterlaufenden Augen heim und der köstlich duftende Kuchen fällt nach zehn Minuten an der Raumluft zu einem schrumpelig, kleinen Häufchen zusammen.

13:00 Uhr // Der verschnupfte Kerl mit der Männergrippe geht dann mal einkaufen. Frische Luft soll ja gut tun. (bei Erkältung und bei quasi allem, sagte Oma)

***

14:00 Uhr // Die große Virenschleuder (aka der Mann) kehrt mit einer kleinen Rotznase (aka der Krümel) heim. Letzterer ist im Auto dann doch eingeschlafen und ich freue mich – während ich ihn in sein Bettchen trage – auf einen interessanten Abend.

14:10 Uhr // Krümel schläft, der Traummann ruht auf dem Sofa und damit ich ne Chance habe an den PC zu kommen, dürfen die Zwillinge netflixen.

15:00 Uhr // Überraschend steht mein Bruder samt meiner Mutter vor der Tür. Irgendwer hat von dem Kuchen geplaudert. Der ist wirklich nicht sonderlich ansehnlich, schmeckt auch eher so halbgar, aber mit viel Kaffee geht es. Außerdem riecht er gut!!!

15:30 Uhr // Der Nachmittag passiert so vor sich hin. Die Kinder spielen und malen, räumen sämtliche Schränke in fast jedem Raum des Hauses leer, schneiden Konfetti aus Papier und streuen es dekorativ über das Chaos, aber sie spielen. Es fließt kein Blut.

Wir Erwachsenen plaudern. Oder schweigen.

17:00 Uhr // Mama und Bruderherzchen sind wieder weg, die Kinder im Streitmodus, die Wäsche muss noch aufgehangen werden, das Abendessen vorbereitet. Ich will am liebsten ins Bett mit Buch. Oder noch lieber mit einem Glas Rotwein und einem trivialen Film auf das Sofa.

18:00 Uhr // Es gibt Kartoffelsuppe. Das wärmt im frostigen Winter und kann sicher auch Männergrippe kurieren. Zwei von drei Kindern löffeln begeistert, eines findet Suppe doof. Ein guter Schnitt!

18:50 Uhr // Sandmännchen!!! Der verschnupfte Ehemann macht die Küche sauber.

19:00 Uhr // Fertig machen fürs Bett! Schlafanzug anziehen, Zähne putzen. inhalieren, Geschichte vorlesen, kurz noch was trinken, vergesse die wo die Puppe sich versteckt hat, nochmal kurz bitte ein Lied vorsingen, wo ist denn mein Kuschel-Einhorn,…

„Mama, du bleibst aber heute Abend bei uns im Zimmer!“
vs
„Mama, Krümel Zimmer dehn. Mama bleib da!“

19:45 Uhr // Ich sitze seufzend vor den offenen Zimmertüren der beiden Kinderzimmer und darf mich nicht bewegen, damit man mich ganz bestimmt aus beiden Zimmern gut sehen kann.

20:15 Uhr // Endlich dringt aus allen drei Betten das beruhigende Geräusch gleichmäßiger Atemzüge, die Feierabend bedeuten.

Ich gehe ins Wohnzimmer, die Tagesschau ist vorbei, der Traummann eingeschlafen. Ich schicke ihn ins Bett sich auskurieren, suche vergebens nach einem Rotwein im Keller und setze mich dann mit Apfelsaft auf das Sofa. Ich bin halt ne ganz Wilde.

Eure Kerstin


Anmerkung zur Männergrippe: Ich nehme diese durchaus sehr ernst. Ich habe auch im SPIEGEL neulich gelesen, dass Männer in der Tat schlimmer leiden als Frauen. Nur leidet der Traummann eigentlich nicht wirklich, wohingegen ich ja finde, dass es fast nichts schlimmeres gibt als Schnupfen. Oder Magen-Darm. Oder Läuse. Ach alles kacke… Will ich nicht haben!

 

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Protokoll eines Tages im Leben einer Mutter

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 12/2017

Heute mal wieder ein Text aus meiner Lieblingsrubrik #wmdedgt. Denn wir haben den 5. Dezember und an jedem 5. interessiert sich Frau Brüllen immer brennend dafür, was man denn eigentlich so den ganzen Tag treibt.

Ich bin stets bemüht, dies zu beantworten, aber die letzten beiden Male fielen wieder aus. Der Oktober hätte kurzgefasst irgendwas tränenreiches mit „Kerstin versucht in der Neurologie aufgenommen zu werden und schafft es am Ende dann auch“ beschrieben und was habe ich eigentlich im November getrieben? – Ich weiß es spontan nicht einmal mehr. Nun sei es drum:

Protokoll eines Tages im Dezember 2017

01:00 Uhr // Sonnenschein ruft (im Schlaf), der Traummann schnarcht und so sehe ich nach, was den Sohnemann beschäftigt. Er ist nicht wach und so decke ich ihn wieder zu, streichel über den Kopf und falle wieder in meinen komatösen Schlaf.

05:30 Uhr // Ich brauche eine Weile, bis ich bemerke, dass der meckernde Typ neben mir im Bett nicht mein Mann ist sondern der kleine Riesenkrümel. Wie kommt der denn dahin?

„Auslafen hat.“ Ich gebe ihm eine Nuckelpulle mit Wasser, drehe mich um und weise das mit dem Ausgeschlafensein weit von mir.

05:50 Uhr // „Unna dehn! Nies lafen!“ *grummel* Ich werde niemals nie eine Frühaufsteherin werden. Niemals. Aber ich muss und packe den Jüngsten, trage ihn auf das Sofa, um dort weiterzukuscheln.

06:30 Uhr // Ich überlege nun schon zehn Minuten, ob ich eine gute Mutter bin und endlich vom Sofa zur sicherlich acht Meter entfernten Küche watschle. Aber ich muss es wohl sein, denn ich werfe den Backofen an, um Brötchen aufzubacken. Die sind nämlich viel angesagter gerade als schnödes Brot.

07:00 Uhr // Krümel und ich haben Brötchen geschmiert, auf dem Teller drapiert, in Dosen verteilt, Obst geschnippelt, Eier und Kaffee gekocht, den Frühstückstisch gedeckt und mindestens die Hälfte der verwendeten Lebensmittel zwischenzeitlich gefuttert. Letzteres geht aber weniger auf mein Konto. Eher gar nicht.

Ich bin aber diejenige, welche jetzt zum Wecken der Großen aufruft. Kurzer Stopp im Bad und ich höre den Krümel im Zimmer der Geschwister „Tühtück fertich! Auslafen hat! Unna dehn!“.

Meine Tochter kommt nach mir und findet ihren Bruder viel zu wach für die Tageszeit. Der Sonnenschein stürmt ins Bad, um mir zu verkünden, er müsse schon die ganze Nacht aufs Klo und ich solle zusehen, dass ich darunter käme.

07:20 Uhr // Ich bin gewaschen und angezogen, der Krümel ebenfalls, die Zwillinge wünschen Im Schlafanzug zu frühstücken. Das machen wir dann auch.

07:45 Uhr // Es wird Zeit. Ich habe heute einen frühen Arzttermin und vorher drehe ich zum ersten Mal seit über zwei Monaten die Kinderwegbringrunde höchst persönlich selbst.

Also Mutti Make-Up ins Gesicht geklatscht, allen die Zähne geputzt und ungewöhnlicherweise finden die Großen gleich Kleidungsstücke, die ihnen spontan zusagen und angezogen werden. Nur Krümel will heute keine Jacke anziehen. Lieber will er „Lippenpifft!“ und ist sehr sauer, dass er meinen nicht haben darf.

08:20 Uhr // Wir schlagen am Kindergarten auf, die Großen ziehen sich unfassbar vorbildlich selbst aus – nicht ohne jeder Erzieherin die neuste Mütze zu präsentieren – und der Krümel verschwindet auf dem Bauteppich. Dort will er auch nicht weg. Muss er aber.

Im Rausgehen spreche ich mit der Gruppenleiterin kurz über den Gangsterrapperslang des Großen. Leider saugt er alles auf wie ein Schwamm und so langsam haben wir ein Niveau erreicht, dass das Vokabular des Vierjährigen auf den Index müsste. Mit Kackapups und Pipikopf käme ich klar, aber es geht um ganz andere Kaliber, die uns zu Hause ratlos gucken lassen.

Das Gespräch verläuft so angenehm wie es bei einem solchen Thema verlaufen kann und wir eilen von dannen.

08:50 Uhr // Krümel findet, dass er heute nicht unbedingt zu Tagesmutter müsste, lässt sich aber dann doch schnell überzeugen und ich düse weiter.

09:10 Uhr // Stau auf der Autobahn, einen Kilometer vor uns ein Auffahrunfall und mitten drin ein Schwerlaststransport, dessen Spurwechsel interessant verlaufen. Kurz darauf eine Straßensperrung und nach Umfahren derselbigen eine nette Baustelle mit Totalsperrung. Es läuft.

***

09:45 Uhr // Ich hätte eine Viertelstunde früher da sein müssen, hocke mich aber nun ins Wartezimmer des Neurologen.

Hatte ich mich noch vor drei Stunden geärgert, nicht meine Haare gewaschen zu haben, beglückwünsche ich mich nun dazu und sitze mit vielen lustigen Kabeln an den Schädel geklebt eine ganze Weile in diversen Untersuchungszimmern rum. Aber die Ergebnisse sind gut. Es wird.

***

12:15 Uhr // Ich komme endlich wieder zu Hause an. Ich habe Hunger und großen Kaffeedurst. Die Küche sieht aus, als habe hier gerade jemand Frühstück für zwanzig Personen zubereitet und anschließend eine kleine Schlacht mit Schoko-Hafer-Flakes veranstaltet (Krümel wollte den Tisch abräumen und eine gute Mutter lässt das kompetente Kind gewähren.)

Ich koche Kaffee und in mir gehrt das schlechte Gewissen. Ich hätte heute sehr, sehr viele Punkte auf meiner Liste. Einige davon sind ziemlich überfällig und manche sind aus der Kategorie Freundschaftsdienste. Ich werde das heute nicht alles schaffen. Maximal einen Bruchteil und am liebsten wäre mir gerade das Sofa. Ich fühle mich ziemlich doof und versuche dem Gewissen den Mund zu verbieten.

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Protokoll eines Tages im Leben einer Mutter

13:15 Uhr // Meine Mutter bietet mir an, die Kinder abzuholen und verschafft mir so 45 Minuten mehr Zeit. Ich bin unendlich dankbar und habe wenigstens schon einmal diesen Blogpost begonnen und dabei in RUHE! einen Kaffee getrunken. Oder eher drei.

13:45 Uhr // Es sind neue E-Mails angekommen und in meinem Kopf herrscht das absolute Chaos. Ich verliere habe absolut den Faden verloren, was ich jetzt nun wie erledige. Und wann. Und wie das mit den Prioritäten aussieht. Was ist denn nun wirklich heute noch unbedingt notwendig und wie schön wäre doch jetzt ein Platz auf dem Sofa?

Ich mache zwischendurch eine Maschine Wäsche an. Es ist schlicht notwendig. Außerdem ist eine Verlosung überfällig und werfe die virtuelle Lostrommel für das Infomaterial zu den KINDERRECHTEN an (Schade, dass so ein zentrales Thema auf weniger Interesse stößt als Näh-Content, aber so ist es eben), E-Mail schreiben, Kleinkram erledigen,…

14:30 Uhr // Ich beeile mich und räume endlich das Frühstücksgeschirr weg, die Spülmaschine ein und die Küche auf. Kekse auf den Teller, Schorle gemischt, Becher und Tassen auf den Tisch, die Kaffeemaschine brodelt bereits wieder.

***

15:05 Uhr // Die Kinder schlagen gemeinsam mit Oma auf. Bester Laune! Ist ja nicht immer so nach dem Kindergarten.

Wir trinken Kaffee und Schorle, naschen Kekse und quatschen. Meine Mama düst weiter und die Kinder wollen erstmal Weihnachtslieder singen. Machen wir.

16:00 Uhr // Die Jungs spielen mittlerweile mit den Puppen, während die Prinzessin lieber malt. Ich gehe mit Sonnenschein und Krümel ins Spielzimmer, damit sie die Puppen in der Kinderküche bekochen können.

Als der Traummann heimkommt, jagt der Krümel ohne Windel fröhlich durch das Haus der Mama davon, die Zwillinge spielen auf dem Dachboden Gesellschaftsspiele. Manchmal können wir auch idyllisch, wenn auch  das quietschende Kind mit dem nackten Popo vielleicht nicht ganz nach Postkartenmotiv aussieht.

16:30 Uhr // Das ändert sich aber schnell, denn ich muss dringend noch eine Rechnung HEUTE schreiben und abschicken, verschwinde also im Büro. Von unten dringen zunehmend eher gemischt bis semi-nicht-so-gut-gelaunte Geräusche zu mir herauf. Man scheint genug von Idylle zu haben. Ist ja auch auf Dauer eher fad so Postkarte.

***

17:30 // Von unten klingen Nikolauslieder zu mir herauf und ich beende das Thema Home-Office. Wenn der Traummann so fröhlich-schief singt, dann will ich auch!

Wir kochen essen.

18:00 Uhr // Wir essen und quatschen, putzen im Anschluss noch Schuhe, denn morgen kommt der Nikolaus!

18:40 Uhr // Die Kinder dürfen KiKa gucken.

19:00 Uhr // Der Fernseher ist aus und ich verschwinde im Keller, um die Wäsche aufzuhängen. Der Rest der Familie macht sich nachtfein. Ich suche auch noch die Sachen für die Stiefel der Kinder zusammen.

19:45 Uhr // Nach vier oder fünf Gute-Nacht-Geschichten gehen die Lichter aus und es ist Nachtruhe. Zumindest theoretisch, denn Krümel will nicht schlafen. Ich sitze ausdauernd neben ihm. Und neben ihm. Und neben ihm… er singt „GulliGulliRammsammsamm…“

20:45 Uhr // Krümel schläft endlich. Der Traummann hat drei kleine Präsente eingepackt und übernimmt für mich dankenswerterweise ein wenig Buchhaltung. Ich schreibe diese Zeilen, die Augen sind müde und ich träume schon vom Bett.

Gleich noch die Stiefelchen befüllen und dann GUTE NACHT!

Eure Kerstin

 

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