Tag: Familienpolitik

idyllisches Familienleben auf Mamablogs

Sie sollte 55 Fragen ehrlich beantworten, doch was diese authentische Mamabbloggerin dann schrieb, wird dich weinen lassen!

Regine war auf der Blogfamilia. Ich auch. Wir trafen uns sogar. Auf dem Klo. Vor dem Spiegel. Den Lippenstift in der Hand.

Aber das ist hier kein eleganter Einstieg in den Text. Eigentlich wollte ich nur einleitend darauf verweisen, dass sie im Anschluss eine lange Liste an Hausaufgaben aufgegeben hat. Ich habe das Arbeitsblatt nun durch.

Es geht um bloggende Eltern, schreibende Muttis, um Erfolg und Neid, um Netzwerke, Freundschaft und Lästern.


1. Sind Elternblogs politisch?

Aktuell gilt vermutlich bubble-intern die Antwort: „Selbstverständlich, denn das Private ist politisch!“

Ich würde es aber nicht unbedingt ganz so allgemein formulieren. Es gibt sicherlich Texte mit mehr politischem Gewicht oder mehr Brisanz und andere mit völlig unpolitischem Inhalt. So wie es Blogs gibt, die sehr klare Kanten zeigen, laute Stimmen haben und andere, bei denen familienpolitische Fragen eher weniger markant auftauchen.

Ein Rezept für einen Marmorkuchen ist nicht politisch. Möglicherweise könnten wir da noch ein rückwertsgewanntes Frauenbild hineininterpretieren, wenn ich Ommas Kuchen verblogge. Aber da kennt ihr meine Omma schlecht. Darum geht es im Text auch nicht. Es ist nur ein Rezept.

Ein Text über Schwierigkeiten mit den Familienrollen ist dagegen ziemlich brisant.

2. Wenn ja, welcher deiner letzten Posts hatte politische Relevanz?

Mein Text über Kinderarmut.

3. Muss jeder Elternblog politisch sein?

Nein. Ein Rezept für ein Marmorkuchen oder ein Näh-Tutorial, eine Kinderbuch-Vorstellung oder Bastelideen für den Sommer dürfen gerne absolut unpolitisch sein. Sie müssen auch gar nicht mehr sein oder mehr Aussage haben.

Aber es wird darüberhinaus kaum gelingen Familie zu erzählen, ohne politisch relevante Themen anzufassen. Das muss dann ja nicht das Label Politik tragen, um eben genau das zu sein.

4. Wie wichtig ist es dir persönlich, gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen?

Für mich wird es immer relevanter, meinen Blog eben auch ganz bewusst dazu zu nutzen, Öffentlichkeit herzustellen. Ich wünsche mir nicht direkt Einfluss, sondern einfach Wahrnehmung der Themen, Aufmerksamkeit und damit vermutlich indirekten Einfluss. Das Blog ist für mich ein Platz für meine Themen. Die sind gerne unterhaltsam, aber eben oftmals nicht unpolitisch, denn mich bewegen viele Fragen.

5. Hast du jemals eine Kooperation im Nachhinein bereut?

Nein. Aber ich habe auch wenige gemacht bis heute. Absolut toll war nicht jede, aber keine die ich bereue.

6. Welches Unternehmen wäre dein Traumpartner für eine Kooperation?

Kein konkretes. Aber ich träume heimlich von festen Sponsoren, die das Blog ein wenig finanzieren. Unternehmen mit denen man sich gerne dauerhaft in Verbindung bringt, weil es einfach passt. Dummerweise suche ich selbst aktiv überhaupt nicht danach und so wird sich das höchstwahrscheinlich niemals rein zufällig ergeben.

Falls das der perfekte Kooperationspartner für das Chaos hier liest, darf er mich anschreiben. 😉

7. Liest du selbst gerne Werbung auf Blogs?

Gerne ist ein schwieriges Wort in dem Zusammenhang. Mich stört die Werbung auf den Blogs nicht, aber es ist nicht unbedingt jede Werbung auch unterhaltsamer Content, den ich gerne lese. Der berühmte Mehrwert für den Leser geht oftmals völlig ab. Manchmal ärgert es mich auch tatsächlich ein wenig, wenn die Werbung so beliebig wirkt. Heute die Windelmarke, morgen die. Diesen Monat ist diese Pflegemarke der Hit, nächsten Monat jene. Einmal wird in Texten behauptet auf Nachhaltigkeit zu achten und im nächsten Moment erscheint Werbung für Kindergetränke in Einweg-Plastik-Flaschen. Da leidet dann die Glaubwürdigkeit massiv und ich bleibe dann als Leser auch gerne mal weg. Aber das machen ja selbstverständlich kaum Blogger so.

8. Was macht deinen Blog besonders?

Einzigartig ist das Chaos-Blog nicht, aber ich denke, dass meine meist ellenlangen, oft doch angemessen unterhaltsamen Texte recht markant sind. Das Chaos hat einen sehr fröhlich-optimistischen und eher entspannten Tenor. Ich maße mir an, dass meine Schreibe relativ eigen ist. Das macht das Blog weniger massentauglich, aber eben besonders. Ich mags, wie es ist.

9. Was kannst du besonders gut?

Schreiben. Ja, ich glaube tatsächlich, dass ich gut schreiben kann. Und Social Media habe ich drauf, auch wenn man es nicht unbedingt allen meinen Accounts hier ansieht. 😉 Tatsächlich hüte ich zwischen meinen Ohren ein ziemlich umfangreiches Wissen, dass sich netterweise auch ganz praktisch abrufen und umsetzen lässt.

Dafür bin ich ein Vollpfosten in Sachen Bildbearbeitung.

55 ehrliche Antworten rund um Mamablogs
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10. Wem würdest du gerne entfolgen, traust dich aber nicht?

Ich folge niemandem, weil ich mich nicht traue, ihm zu entfolgen. Ich sortiere tatsächlich immer mal wieder aktiv aus. Aber auf Twitter zB mute ich oftmals statt zu entfolgen, wenn ich zu den Personen einen direkten Bezug habe. Ich bin zwar ehrlich und sage durchaus direkt meine Meinung, ich muss aber niemanden vor den Kopf knallen und ihn unnötig verletzten, dass mich seine Tweets aktuell langweilen/nerven/runterziehen. Davon hat dann ja keiner von uns beiden was. Zumal sich das bei mir auch gerne mal wieder ändert.

12. Würdest du im Nachhinein sagen, dass du deinen Blog naiv angegangen bist?

Nein. Absolut nicht. Ich wüsste auch nicht, auf welchen Aspekt bezogen. Ich habe mir vorher ziemlich genaue Gedanken gemacht, ob ich über Familie bloggen möchte, wie ich mit privaten Themen umgehe und weiß aus beruflichen Gründen schon sehr genau, welche Arbeit es macht, ein gewisses Level zu erreichen.

Ich finde daher auch immer Blogger-Workshops sehr absurd, die nebenbei bloggenden Eltern (neben Familie und oftmals Beurfstätigkeit) erzählen, was sie alles auf welchem Social Media Kanal wie optimal bespielen müssten, damit sie erfolgreich sind.

Das Optimum kann man nicht in wenigen Stunden die Woche rausholen. Der Gedanke ist absurd. Warum haben denn Firmen ganze Teams für die Betreuung ihrer Social Media Accounts. Wenn man hauptberuflich und erfolgreich bloggen will, dann ist das eben kein Teilzeit-Job sondern eine Selbstständigkeit, die mehr als 40 Stunden die Woche abverlangt.

13. Rezepte, Mode und Schminktipps – darf man als emanzipierte Frau über diese Themen bloggen?

Klar. Als emanzipierte Frau darfst du dich doch für Mode und Co interessieren oder gerne backen/häkeln/stricken. Emanzipation bedeutet ja nicht Desinteresse an leckeren Gerichten, kurzweiligen Hobbys oder der eigenen Optik, diese Dinge sollten vielleicht nicht dein einziger Lebensinhalt sein. 😉

Es ist doch Grundvoraussetzung für tolle Blogs, dass man über etwas bloggt, was in den eigenen Interessen liegt. Wenn Make-Up ein Teil deiner Interessen ist: Hau raus!

Ein Beauty-Blog spiegelt doch nur diesen einen Aspekt, dieses eine persönliche Interesse wieder. Ein kleiner selektiver Ausschnitt einer vielschichtigen Persönlichkeit.

14. Und überhaupt: Vermitteln wir ein einseitiges Frauenbild, wenn wir als Mütter rund ums Muttersein bloggen?

Wer kann besser über Mama-Sachen schreiben als eine Mama?

Und Blogs bedienen meist Teilaspekte und niemals die komplette Bandbreite. Wenn man sich alle existierenden Elternblogs mal ansieht, dann ergibt sich dort ein sehr buntes Bild mit vielen Schattierungen. Es gibt tiefschwarze Blogs mit schweren Gedanken, es gibt kantige Blogs mit lauter Sprache, es gibt quere Blogs in schillernden Farben und es gibt strahlendweiß-stylische Mutti-Blogs. Vermutlich gibt es in dieser bunten Vielfalt einen pastellfarbenden Schwerpunkt, aber jeder Leser darf sich seinen Lesestoff doch nach seinen Lieblingsfarben aussuchen.

15. Denkst du manchmal abschätzig über Kollegen und Kolleginnen?

Niemand ist frei von innerlichem Augenrollen und es wird niemand immer alle anderen mögen. So mag auch nicht jede Blogger*in jede einzelne andere Blogger*in. Ich auch nicht.

Aber ich erwische mich selten bei „abschätzigen“ Gedanken. Es gibt Blogs, die ich gerne lese und andere, die für mich belanglos sind. Die lese ich dann einfach nicht. Viel weiter gehen meine Gedanken da gar nicht.

16. Was denkt dein Partner über deinen Blog?

Er findet es gut. Er hat eh eine ziemlich abdrehte Meinung über mein Schreibtalent und Social Media Wissen. Besser als meine eigene.

Aber er liest hier nicht mit. Meine Texte sind ihm zu lang und der Inhalt für ihn nicht spannend. Die meisten Storys kennt er vorher schon zu gut.

17. Wer unterstützt dich beim bloggen?

Vermutlich die meisten meiner Freunde und Familienmitglieder, die auf dem Schirm haben, dass ich blogge. Irgendwie zumindest. Oben drauf kommt die wundervolle Gemeinschaft online auf Instagram oder Twitter.

Mal hilft mir einer mit Antworten auf (technische) Fragen, mal verschafft mir jemand eine Stunde kinderfreie Zeit zum Schreiben, mal tritt mich jemand in den Popo, wenn ich wieder alles doof finde und keine Motivation mehr finden kann.

18. Welche Unterstützung würdest du dir wünschen?

Keine Ahnung.

19. Welche Themen kommen in Elternblogs zu kurz?

Kaum zu beantworten, denn die Gesamtheit aller Blogs, die man in diese Schublade quetschen könnte, bietet Beiträge zu jedem denkbarem Thema.

Allerdings sind die Blogs schreibender Baby/Kleindkind-Mütter mit relativ klassischen Familienmodell zahlenmäßig klar überrepräsentiert. Trotzdem gibt es die anderen Blogs mit größeren Kindern, aus Regenbogenfamilien, von Alleinerziehenden oder mit besonderen Kindern. Leider hat nicht jede Nische ihre Sichtbarkeit.

20. Warum greifst du diese Themen nicht auf? (Oder tust du das?)

Ich kann als Mutter, die mit Mann und drei kleinen Kindern in einem Reihenhäuschen lebt, nicht aus persönlicher Perspektive Erfahrungen mit der Pubertät oder ähnliches schreiben. Ich habe aber zB eine alleinerziehende Dauer-Co-Autorin und versuche auch Themen aufzugreifen, die mich nicht persönlich betreffen wie zB Kinderarmut. Alles kann ich hier nicht beliebig unterbringen, denn über Regenbogenfamilien, schreiben andere deutlich authentischer, weil sie es leben. Man kann nur immer wieder auf andere Themen/Blogs verweisen, sie in den Fokus rücken.

21. Hast du schon einmal jemanden getroffen, den du im Netz toll fandest und persönlich unsympathisch?

Interessanterweise, nein.

22. Oder umgekehrt?

Das schon eher, wobei es dann nicht so war, dass ich die Person vorher absolut blöd fand. Meist war es eher, dass ich sie vorher nur am Rande wahrgenommen habe und für mich als uninteressant einfach nicht weiterverfolgt habe. Plötzlich merkt man aber bei einem persönlichen Treffen, dass dahinter eine irre coole Type steckt und schon nimmt man online deutlich mehr und bewusster wahr.

23. Bist du manchmal neidisch auf den Erfolg anderer Blogger?

Wenn es neidisch ist, dass ich mir schon einmal gedacht habe: „Warum wird XY in diesem Zusammenhang erwähnt/herausgehoben (und ich nicht)?“ oder „Was finden denn alle an diesem Text. Der ist nun wirklich nicht so sonderlich YEAH?!“, dann ja. Manchmal denke ich dann auch, dass ich etwas deutlich besser schreiben könnte, sowie ich manchmal denke „Boah so spitz und klug hättest du das nie schreiben können! Hut ab!“.

Und es gab schon Momente, bei denen ich mich geärgert habe, dass jemand etwa über ein Thema schrieb, das lange in meiner Kopfschublade vergeblich auf Niederschrift wartete und riesige Resonanz erfährt. Das nervt selbstverständlich. Sauer bin ich dann aber vor allem auf mich, dass ich schlicht nicht vorher das Thema umgesetzt habe. Diesen Moment habe ich in den letzten zwei Jahren um die achthundert mal gehabt, denn ich schreibe nur 1% meiner Textideen auf, komme einfach nie zu mehr, bin zu unorganisiert oder was auch immer. Dabei hätte ich das in jedem einzelnen Fall unbedingt sehr viel pointierter geschrieben als jeder andere. Natürlich.

24. Sind Blogaufrufe ein Indikator für Qualität und Kreativität von Blogs?

Nein. Blogaufrufe sind ein Indikator für Content, der eine breite Zielgruppe bedienen kann. Ein Indikator für gefällige Schreibe, angenehme Textlänge, für populäre Bildsprache. Ein Indikator für gute Social Media Arbeit, passende Visuals, griffige Teaser und gute Handwerksarbeit.

Texte für mäßige DIY, die man so auf hundert anderen Blogs ebenso finden könnte, können dank toller Bilder, guter Arbeit auf Pinterest und einem hoch infektiösen Posting auf Facebook viral gehen, irre Blogaufrufe generieren und bleiben doch mäßig kreativ.

Sie sind also allenfalls dann ein Indikator für gute Vermarktung.

Darüber hinaus gibt es extrem gute/wichtige/interessante Blogs, die niemals nie eine irre Reichweite erreichen werden, weil ihre Themenschwerpunkte schlicht nicht für die breite Masse interessant sind. Dafür erreichen sie aber punktgenau ihre ganz konkrete, klar umrissene Zielgruppe.

25. Wirst du manchmal für deinen Blog belächelt?

Das ist mir bewusst noch nie passiert. Ich vermute aber, dass auch in meinem persönlichen Umfeld und der erweiterten Familie nicht alle es ernsthaft als tolle Arbeit oder sinnvolle Freizeitbeschäftigung ansehen.

26. Wenn ja: Offen oder hinter deinem Rücken?

Siehe oben. 😉

27. Jetzt mal ganz ehrlich: Bist du immer authentisch?

BUZZWORD-Alarm!!! Klar sind wir Blogger*innen immer total authentisch. Und ich bin sowas von real und absolut echt und krass und voll authentisch und so.

Und in etwas ernsthafteren Worten verweise ich auf meinen älteren Text zu exakt dem Thema: Wie authentisch muss es denn sein? Sowie die Tatsache, dass ich einen wahnsinnig persönlichen Text zwar veröffentlicht habe, dafür aber sechs Monate Zeit brauchte.

Hier ist tatsächlich nichts gestellt und es gibt einige Bekannte, die mir schon gesagt haben, dass mein Blog erstaunlicherweise genauso ist wie ich. Oder ich einfach in echt so bin wie auf dem Blog. Nur dass das Blog nicht alles von mir zeigt oder alles von mir hier auch immer sofort und unverzüglich steht. Ich nehme mir heraus, privat noch mehr Kerstin zu sein, als hier in Worten steht. Alles andere würde jeden Leser auch überfordern.

27. Geht das überhaupt?

Siehe oben.

28. Und wollen deine Leser das?

Die Leser haben meinen Mitmenschen im realen Leben daheim gegenüber einen entscheidenden Vorteil: Sie können mich und meine Worte wegklicken. Somit in erträglichen Dosen genießen. 😉

Und über mein kleines Blog hinaus: Ganz sicher suchen sich auch Blogleser manchmal ganz bewusste Blogs zur Lektüre aus, die eine wundervolle Traumwelt beschreiben. Etwas heiles, sauberes, ruhiges. Eine Pause vom eigenen Alltag.

Ich finde das nicht verwerflich.

29. Was muss passieren, damit du aufhörst zu bloggen?

HAHAHA!!! Allein diesen kleine Chaos-Blog stand schon oft zitternd vor seiner Chef-Bloggerin, die es niedermachen wollte,
weil sie die komplizierten DSGVO-Vorgaben nicht in der ganzen Bandbreite umsetzen wollte/konnte,
weil sie das Ding einfach nur schlecht und mittelmäßig, ja belanglos fand,
weil sie Gedankenstau im Kopf hatte und Schreibblockaden,
weil sie soviele Texte schreiben wollte und ihr immer alle gefühlt zuvor kamen,
weil sie keine Zeit fand, überhaupt an den Rechner zu kommen,
weil es ihren Ansprüchen nicht genügte,
weil es frustrierte,…

Und ich schreibe immer noch. Hier.

30. Gibt es Posts, die du im Nachhinein bereust?

Nein. Es gibt Beiträge, die ich nicht gut geschrieben finde und einige, die ich heute nicht mehr schreiben würde. Aber sie gehören dazu und ich bereue keinen.

31. Was fehlt der Eltern-Blogger-Szene?

Ich denke, die Nische der Elternblogger ist mittlerweile gute vernetzt und teilweise hoch professionell aufgestellt. Ich fände einen konkreten Kodex sinnvoll und begrüße ansonsten die Entwicklung der zunehmenden Vernetzung. Das stärkt generell die Möglichkeiten, Familie in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu schieben.

Wie authentisch sind Mamablogs? Sind sie politisch relevant?
PIN it, baby!

32. Networking ist alles – bist du dabei aktiv genug?

Genug wofür? Vermutlich wäre die Antwort aber „nein“.

33. Vernetzt du dich gerne mit anderen Bloggern oder tust du es, weil es einfach dazu gehört?

Ich kommuniziere mit den Menschen, mit denen die Kommunikation Freude macht. Reicht das als Antwort?

34. Welche Ziele verfolgst du mit deinem Blog?

Ich verweise auf einen ganz konkreten Text zu diesem Thema.

35. Wird es deinen Blog in drei Jahren noch geben?

Ich hoffe es.

36. Und in zehn Jahren?

Da wäre ich mir ziemlich unsicher. Ganz sicher nicht so wie er hier steht. Er wird sich weiterentwickelt, ich werde immer schreiben. Aber ob ich das hier mache oder auf einem anderen Blog oder einer ganz anderen Plattform, wer weiß.

37. Was kommt nach dem Blog?

Für mich? Die Weltherrschaft.

Oder vielleicht eine Festanstellung, die mich so ausfüllt, dass ich einfach keine Zeit/Lust und vor allem überflüssige Energie für das Blog über habe. Das wäre mal ein guter Grund, das Ding plattzumachen. Wobei es kein ausreichender wäre. Also warten wir mal ab.

38. Glaubst du, dass Blogs langfristig eine Zukunft haben?

Blogs als Plattform, auf der jemand hauptberuflich für ein erträgliches Einkommen eigene Texte publiziert? Vermutlich, wenn es sich auch sicher schnell sehr verändern wird in seinen Erscheinungsformen.

Aber der nicht von klassischen Massenmedien oder Organisationen publizierte Content hat Zukunft, ganz sicher auch finanziell. Wir sind noch mitten in der Entwicklung, dass jeder in seinem Wohnzimmer Inhalte für Massen (auch gegen Geld) zur Verfügung stellen kann.

39. Würdest du gerne aus einer Social Media Plattform (Instagram, Facebook und Co.) aussteigen?

Nein. Aber ich verwende phasenweise auf einige diese Plattformen schlicht ganz wenig Energie.

40. Was hält dich davon ab?

Nichts.

41. Realität oder Inszenierung – Was möchtest du auf Instagram sehen?

Ich mag schöne Bilder und sehe sie mir gerne an. Ich bewundere Instagramer, die einen tollen Blickwinkel auf alltägliche Dinge haben und sie fotografieren können, dass wunderschöne und ästhetisch ansprechende Kunstwerke entstehen. Ich folge auch Accounts, die einfach nur gute Geschichten erzählen, aber auf Instagram bin ich vorwiegend ein visueller Konsument.

Allerdings mag ich keine reinen Inszenierungen im Sinne von gestellten Bildern. Das einzelne Bild auf dem eigens für für Fotos erworbenen Backround stört mich weniger, aber wenn es ständig die Kaffeetasse in der perfekt manikürten Hand auf dem weißen Bettlaken neben dem aufgeklappten ApfelSchlepptop sein muss, dann steige ich mangels Interesse irgendwann aus. Ich brauche keine #Istamums, die sich mit weißen Overknees auf weißen Sofas räkeln und im geschlossenen Raum eine hippe Beanie dabei tragen. Ich habe nichts gegen weiße Sofas, besaß sogar selber eines (und hätte es gerne noch), aber die Feeds dieser Instagramer sind für mich uninteressant.

42. Wie lange noch, bis der nächste „heiße Scheiß“ Insta und Pinterest ablösen wird?

Nicht lange. Haste schon nen Podcast gestartet?

43. Würdest du dich über eine neue Social Media Plattform freuen?

Freuen ist zuviel gesagt, aber sowas interessiert mich immer.

44. Oder hättest du Angst davor?

Nein. Niemals. Aber ich mache beruflich „was mit Social Media und so“ und das allein aus den beiden Gründen, dass ich es erstens kann und es mich zweitens extrem interessiert.

45. Warum hast du mit dem Bloggen angefangen?

Um zu erzählen, wie wundervoll und überhaupt nicht schrecklich Zwillinge sind. Um Ängste zu nehmen und zu unterhalten. Und um zu schreiben. Auf meinem eigenen kleinen Plätzchen im Netz.

46. Bist du stolz auf das, was du tust?

Ja.

47. Machst du dir manchmal Sorgen um deine Daten und um die deiner Familie?

Selten. Ich versuche damit sehr bewusst umzugehen.

48. Welcher Kollege / welche Kollegin fasziniert dich (als Blogger und als Mensch)?

Das ist die Frage, bei der ich immer traurig bin, wenn mich niemand erwähnt. Sehr. ZUM HEULEN!!! Selber finde ich es dann immer schwer, korrekt zu antworten, denn nicht jeder ist immer in meinem Bewusstsein ganz vorne, wo er hingehört. Faszination ist übrigens ein faszinierendes Wort.

Mich fasziniert, wie konsequent Anni ihr Blog zu einem erfolgreichen und sehr reichweitenstarken Blog aufgebaut hat.

Mich fasziniert, wie Katharina mit vier kleinen Kindern daheim, so regelmäßig und in hoher Frequenz Content auf allen Kanälen generieren kann.

Ich bewundere die schönen Bilder von Leonie auf Instagram und die Qualität der Texte von Lisa, ich bewundere die erfolgreiche Arbeit von Bea auf Facebook und die spitzen Tweets von Bettie. Ich bewundere das Engagement von Markus und die Arbeit von Christine. Es gibt da aber noch viel mehr, die ich für ihre Texte/Bilder/Arbeit/Engagement sehr bewundere. Die Aufzählung wird immer unvollständig sein.

Echt auf ganzer Linie faszinierend ist dann vermutlich Nina. Die ist auf so vielen Ebenen faszinierend, dass man an ihr auch einfach alles toll finden muss. Eigentlich ein Skandal.

49. In welchem Bereich würdest du dich gerne weiterbilden?

CSS.

50. Was würdest du gerne an deinem Blog verändern?

Die Schriftgröße im Footer ist mir viel zu groß, aber ich habe nicht die Muße, mich daran zu setzen. Überhaupt gibt es Optimierungspotential im Webdesign. Aber wenn es nicht so technisch gemeint ist: ich würde gerne wesentlich häufiger und wesentlich mehr schreiben.

Außerdem wäre ein Vorrat von praktischen Symbolbildern sinnvoll, damit ich meine Texte einfach mit einem Bild versehen kann und raus damit. Diese Auswahl eines Beitragsbildes verzögert bei mir jeden Text um das Zwanzigfache seiner Bearbeitungszeit.

51. Hast du Texte im Entwurfsordner, für deren Veröffentlichung dir der Mut fehlt?

Man beachte meinen letzten Text. Auch wenn es dort nicht vorwiegend mangelnder Mut war, der ihn so lange in die Entwürfe verbannte.

52. Liest du Blogs aus persönlichem Interesse oder aus strategischen Gründen?

Ich habe kaum Zeit andere Blogs zu lesen und dann mache ich das immer aus Interesse. Immer.

53. Welche Elternblog hast du selbst als erstes gelesen?

Nieselpriem. Ist der, der mir besonders im Kopf blieb und bleibt. Ansonsten muss ich grübeln, wen ich in den Anfangstagen am meisten gelesen habe: Daily-Pia, Hebammenblog, Weddingerberg, Andrea Harmonika, Familienbetrieb, Einer schreit immer, Flavius und Brutus, Frische Brise, Das Nuf, Lucie Marshall, Grummelmama, der kleine Muck², das zweite Kind sind Zwillinge, Dachbuben,…

54. Liest du diesen Blog auch heute noch?

Nein. Nicht alle. Manche schon. Manche schreiben aber aktuell auch seltenst oder existieren nicht mehr (in der alten Form).

55. Oder gibt es ihn vielleicht gar nicht mehr?

Teilweise…


Sollte jemand ernsthaft alle 55 Fragen und ihre Antworten durchgelesen habe, hoffe ich doch, dass niemand weinen musste.

Eure Kerstin

Bilder aus der Fotobox von der Blogfamilia 2018

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 05/2018 #BLOGFAMILIA

Ich weiß ja auch nicht wirklich, was ich immer so alles treibe. Meistens sitze ich abends auf dem Sofa und habe NIX geschafft und bin davon extrem platt. Deshalb antworte ich ja immer gerne, wenn Frau Brüllen fragt #wmdedgt. Dieses Mal in einer Special-Edition von der BLOGFAMILIA in Berlin.


03:00 Uhr // Tanja aka Murmelmama ist wach. Also ich weiß davon nichts, obwohl ich (hoffentlich nicht schnarchend) im selben Hotelzimmer liege. Ich verpenne das. Aber sie spielte mir diese Information im Laufe des Tages zu. Ich aber schlafe.

07:30 Uhr // Tanja ist immer noch wach und regt an, ob ich es ihr nicht nachmachen wolle. Also das mit dem Aufwachen. Mache ich gleich. Erstmal überlasse ich ihr die Dusche und mir das Bett.

08:00 Uhr // Ich bin so ein bisschen wach und meine Zimmermitbewohnerin bereits aus dem Zimmer geflogen. Ich muss mich selbst zur Dusche überreden. Mache ich auch brav und nicht sonderlich murrend, denn gleich geht es zur Blogfamilia und darauf freue ich mich. Bisschen Fassadenfarbe auftragen und anziehen kommt auch gut.

08:30 Uhr // Ich habe den Zustand erreicht, in dem man so ein Hotelzimmer verlassen kann und folge Tanjas Spuren, um sie einzusammeln.

09:00 Uhr // Am Hauptbahnhof gegenüber holen wir uns ein Brötchen und einen Kaffee aus ToGo. Und ein Taxi. Weil wegen Tanja und wegen Rücken und wegen man ist ja nicht mehr die jüngste Zwillingsmutti. 😉

09:15 Uhr // Wir schlagen im Hotel Aquino auf. Einchecken oder Akkreditieren und so. Ich habe die erste Reizüberflutung. Sooo viele Menschen, die man lange nicht gesehen hat und viel zu lange nicht gedrückt hat.

Und Luftballons. Die gibt es auch. Viele Luftballons.

09:30 Uhr // Einlass. Von den Massen (es sind vermutlich nur gefühlte Massen oder Minimassen) mitreissen lassen und ständig neue Leute, die einen drücken, die man drücken will, mit denen man redet und die man wieder aus den Augen verliert. Dazwischen latsche ich dann elegant unserer Familienministerin Dr. Franziska Giffey in den Weg, die gerade mit Mitarbeitern und Veranstaltern eine Runde zwischen den Sponsorenständen dreht.

Nicht rot werden! Lächeln. Hand ausstrecken und „Schön, dass Sie da sind.“ Gut, wenn dann zurückgelächelt wird und das ganze absolut nicht peinlich verläuft. Dafür hätte ich ja auch durchaus Talent. (verlinkt ist oben übrigens tatsächlich ein Foto dieser eleganten Aktion von mir)

10:00 Uhr // Die Blogfamilia wird hochoffiziell eröffnet. Die Bundesministerin berlinert fein und hat für den Fall der Fälle Feuchttücher im Auto. Nein, so unpolitisch bleiben die Grußworte nicht, aber so locker im Ton. Es passt zur Atmosphäre.

10:30 Uhr // Die Keynote von Teresa Bücker schließt sich daran an. Eine tolle Rede einer klugen Frau. Dazwischen Kinder, die umherrennen. Übrigens auch das der Bundesministerin (gelebte Vereinbarkeit).

11:00 Uhr // Ich ergattere dank Nina (juramama) einen Kaffee und marschiere Richtung Workshop. Ich habe mir einfach die für mich am unterhaltsamsten erscheinenden Workshops ausgesucht, denn ich hatte kein Thema dieses Jahr, bei dem ich unbedingt etwas dazulernen wollte. Ich bin nur hier, um Spaß zu haben und Leute zu treffen. (netzwerken deluxe)

11:30 Uhr // Ich bin im Tigerentenclub gelandet oder zumindest bei Johannes Zenglein im Workshop „Gut rüberkommen im Bewegtbild.“ Der Johannes vergisst das mit dem Duzen ständig und erzählt uns, dass wir mal einfach ein bisschen blöder sein sollten. Und nicht so kontrolliert. Wenn also demnächst RTL2 anruft oder ich mitten in der Nacht plötzlich beschließen sollte einen YouTubeChannel aufzumachen, kann ich nun ganz blöd locker in die Kamera gucken. Ach nein! Man soll nicht in die Kamera gucken. Zumindest nicht beim Fernsehen. Bei YouTube schon. Ich glaube, das ist mir zu kompliziert. Ich bleibe besser bei blöd gucken in Insta-Stories. Aber lustig war es. 😉

12:30 Uhr // MITTAGSPAUSE! Essen! Yeah! Mir ist dummerweise so gar nicht nach Nahrungsaufnahme. Aber ich quatsche mich erstmal mit Pippa und Juli als Zwillingsmutti-Connection im Hof fest, schaffe dann drei Blatt Salat, um in den nächsten tollen Gesprächen zu landen. Da verquatsche ich gleich auch noch den Auftritt der Heavysaurus auf dem Hof, denn ich muss noch kurz mit Jette und Bea, mit Regine und Natalia, mit Sassi und Sandy, mit Jessi und Lisa, mit Hinz und Kunz und überhaupt allen reden. (An dieser Stelle habe ich beschlossen, nicht zu versuchen, alle zu erwähnen oder zu verlinken. Ich habe mich so unfassbar über sehr viele Menschen gefreut, so tolle Gespräche gehabt. Ich würde garantiert mehrere vergessen zu erwähnen, die es wert wären, erwähnt zuwerden.)

14:30 Uhr // Ich lasse mich bzw wir lassen uns von den wiederholten, charmanten Aufforderungen Jannis in das Gebäude zurücklotsen. Die Schlagfertigkeitsqueen Nicole Staudinger spricht und schlagfertig wäre ich auch gerne mal. Ach was.

Ich würde mir saugern ein Buch von ihr signieren lassen, aber die Schlange ist mir zu lang und der nächste Workshop ruft. DAS bleibt aber am Ende des Tages als dickes SCHADE hängen. 🙁 Hätte ich mal! Sie war mir nämlich verdammt sympathisch.

15:15 Uhr // Der nächste Workshop! Mit dem Fake-Influencer Frederik Feig und viel Selbstironie. Ich empfehle euch übrigens ALLEN die Reportage mal anzusehen.

16:45 Uhr // Wir haben irgendwie etwas überzogen. Was vermutlich weniger an dem Fake-Frederik liegt, sondern mehr an dem dazwischenquasselnden Teilnehmern. Jedenfalls ist die Kaffepause schon um und es geht direkt zur Podiumsdiskussion über Digitale Familienpolitik. Die ist gut. Und interessant. Und wichtig.

Und ich bin müde. Überspannt. Reizüberflutet. Hungrig und mental abwesend. Machen wir einen Haken bei ICH BIN DURCH und nicht mehr aufnahmefähig. Ach und der Traummann hat schon zweimal versucht anzurufen und ich komme nicht dazu, zurückzurufen. Aber gleich. Auf jeden Fall.

17:45 Uhr // Aber erstmal wird der Blogfamilia Award verliehen und ich bleibe sitzen. Weil ich ihn wichtig finde. Und alles andere auch unhöflich wäre. Und ja, ich freue mich für die Preisträger 22 Monate (hier muss ich dann auch tatsächlich heulen, aber es hat ja keiner gesehen), Minimenschlein und Lächeln und Winken. Aber erwähnte ich, dass ich durch bin. Ich kann nicht mehr.

18:30 Uhr // Ich bleibe höflich sitzen bei der Verabschiedung. Weil ich die Blogfamilia toll war und man allen herzlich danken sollte. Und weil ich zu platt bin um aufzustehen. Viel zu platt.

Aber die Bar wird eröffnet!

Man staune! Ich kann wieder gehen! Und tatsächlich irgendwann auch wieder reden.

Wir sitzen auf dem Hof, ich bin so klug mir noch eine Kleinigkeit am Foodtruck zu kaufen, denn ich habe heute kaum gegessen. Es ist so ein bunter und lustiger Abend. Die Blogfamilia ist eine ziemlich einzigartige Veranstaltung, denn es ist einfach nur schön, wie gut man sich unterhalten kann. Wie nah einem Menschen sind, die man noch nie gesehen hat oder nur einmal im Jahr. Ich mag wahnsinnig naiv sein, aber mir begegnen in Zickerein oder Konkurrenz. Mir begegnen da einfach nur unheimlich tolle Menschen. Kluge Menschen. Laute Menschen. Leise Menschen. Mit den unterschiedlichsten Gesichten und riesigen Herzen.

Der Tag hätte ewig so gehen können, auch wenn ich nicht mehr gehen kann. Bin nämlich völlig durch und sitze um Mitternacht völlig verfrohren und hundemüde noch draußen in einer Berliner Lokalität mit eben diesen wundervollen Menschen. Doch mein Bett ruft!

Am Ende des Tages bleibt für mich als inhaltliches Fazit der Blogfamilia 2018:

Öffentlichkeit für die Themen rund um Kinder und Familie, Beruf und Vereinbarkeit ist wichtig. Blogs sind ein lautes und starkes Instrument, diese Öffentlichkeit herzustellen und Aufmerksamkeit für familienpolitische Themen zu genrieren. Wo ist das Private so politisch wie in der Familie? Dieser Gedanke zog sich von der Begrüßung bis zur abschließenden Diskussion am späten Nachmittag durch den ganzen Tag. Zumindest begegnete er MIR immer wieder in allen Facetten und Formulierungen.

Und in mir bekräftigt das meine Motivation zu schreiben. Ich will weiter schreiben und dabei lauter werden.

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Danke

Danke an das Team der Blogfamilia. Von ganzen Herzen. Es ist eine so wunderbare Veranstaltung. So entspannt und bunt, so familiär und jaaaa auch laut (hey, da laufen wahnsinnig viele Kinder rum! und ich.) Was ihr da jedes Jahr auf die Beine stellt, ist grandios. Eine für die Teilnehmer kostenlose Veranstaltung, zum Weiterbilden und Netzwerken, zum Kennenlernen und Wiedersehen. Mit Kinderbetreuung und rundum Verpflegung. DANKE.

Danke an Bundesministerin Franziska Giffey. Auch wenn das Familienministerium die Veranstaltung schon länger unterstützt, bringt das persönliche Erscheinen der Ministerin der Konferenz zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit. Ihr Erscheinen bringt also unseren Themen, die Themen der vielfältigsten Familien, deren Problemen und Anliegen Aufmerksamkeit. Öffentliche Wahrnehmung.

Ich hatte den Eindruck, Sie fühlen sich auf der Blogfamilia wohl. Sie wirkten offen und sympathisch. Danke, dass Sie da waren.

Danke an alle Referenten. Von der insprierenden Keynote über die Workshops bis zur Abschlussdiskussion: das Programm war gelungen. Ich hätte gerne noch mehr Workshops mitgemacht und bedauere bei einigen, dass ich mich immer noch nicht zweiteilen kann (Alter, ich bin Zwillingsmutti, warum kann ich das nicht?). Dabei war meine Aufnahmekapazität schon so völlig erschöpft.

Danke an alle Sponsoren. Ohne die Sponsoren wäre die Veranstaltung so nicht möglich. Die Sponsoren bestücken nicht nur die Goodiebags, sie bezahlen die ganze Konferenz, die für uns alle kostenlos ist. Die Räumlichkeiten, die Verpflegung, die Kinderbetreuung. Sie ermöglichen auch Familienbloggern mit wenig Geld, an diesem Tag dabei zu sein. Auch ganz konkret durch Reisekostenzuschüsse. Deswegen DANKE


TOMYRossmannBund der Freien WaldorfschulenHPAXAdas Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendrabach kommunikationBetreut.deJugendherbergen zwischen NORDSEE und SAUERLANDdie Verlagsgruppe Beltzscoyophaeno und der Kosmos Verlag.


Danke an alle Teilnehmer. Ohne euch wäre die Blogfamilia ziemlich MÖÖÖÖP und eine stinknormale Konferenz. Hab euch lieb!

Eure Kerstin

Einladung mit Washitap zum vierten Geburtstag

Über den Tellerrand: Kinderarmut ist kein Kindergeburtstag

Ich bin ein #Glückskind. Das habe ich neulich auch einmal niedergeschrieben, als mir das (mal wieder) so richtig bewusst wurde. Ich wurde vom Glück reich beschenkt und ich bin privilegiert.

Wir (als Familie) sind auf vielen Ebenen privilegiert, auch finanziell. Wir haben keine großartigen finanziellen Sorgen, auch wenn es sicherlich manchmal hier und da eng wird. Das prägt die eigene Wahrnehmung und da kann ein Blick über den eigenen Tellerrand manchmal wirklich überraschen. So ging es mir die Tage mit einem Tweet von Nina, der mich immer noch beschäftigt.
Das schlimmste an Hartz IV war:
Wir haben wenig Freunde im realen Leben. Damit haben auch die Kinder relativ wenige Spielkameraden. Wenn sie zu einem Kindergeburtstag eingeladen wurden, fragten sie, ob sie dort hin können.
Weil ein Geschenk für 10€ oft nicht möglich war.
9:21 PM – Mar 21, 2018

Kinderarmut hat viele Aspekte

Es ist nicht so, dass ich nie über Kinderarmut nachgedacht hätte, dass ich nicht schon oft über die erdrückenden Sorgen im Alltag und die Probleme schon bei Kleinigkeiten gelesen hätte, dass ich mir einbilden würde, Deutschland habe kein Problem mit Kinderarmut. Es ist dieses greifbare kleine Beispiel, über das ich nie nachgedacht habe.

Nina schreibt in einer Reihe von Tweets darüber, dass sich selbst ihre Kinder darüber bewusst sind/waren, dass eine Einladung zum Kindergeburtstag daran scheitern kann, dass man kein Geschenk kaufen kann. Dass sie von sich aus absagen möchten, weil sie um die finanziellen Hürden bei sooo kleinen Dingen wissen.

Dass sie sich dann nicht einfach freuen können, wenn sie eingeladen werden. Dass die Kinder diesen Druck spüren. Wir in einer Gesellschaft leben, die diesen Kindern diesen Druck spüren lässt. Dass sie selbst nur wenige Kinder zu ihren Geburtstagen einladen können, da mehr Gäste mehr Kosten bedeuten. Dass sie entsprechend weniger Geschenke bekommen werden. Dass sie dann weniger Spielzeug haben. Dass sie weniger attraktive Spielsachen daheim haben und weniger Freunde zu sich nach Hause einladen. Dass sie weniger Freunde haben.

Und da macht man das Fass nicht einmal auf, dass sie auch sonst an weniger Aktivitäten teilnehmen können.

Pinne doch gerne diesen Beitrag weiter. Danke.

Kinder haben manchmal teure Wünsche

Unsere Zwillinge spielen nun Fußball. Zumindest wollen sie das unbedingt. Das bedeutet: zwei Vereinsbeiträge, zwei Trainingsanzüge, zwei Trikots, zwei Paar Stutzen, zwei Paar Schienbeinschoner, zwei Paar Hallenschuhe und zwei Paar Fußballschuhe für den Platz.

Nein, das habe ich nicht alles auf einmal gekauft und sie bekommen sowas auch nicht alles SOFORT, sie würden die Liste aber gerne noch um Sporttaschen und Torwarthandschuhe und wasauchimmer ergänzen. Gekauft habe ich zB die Trainingsanzüge und bei diesem Kauf auch kurz geschluckt bzw gedacht „Autsch, das summiert sich aber…“ Mir war in dem Moment bewusst, dass das was ich da gerade viel finde, sich manche Familien definitiv nicht leisten können. Das waren für mich offensichtlich hohe Ausgaben.* An Probleme bei Einladungen zu einem Kindergeburtstag dachte ich nicht. Bis zu Ninas Tweet.

Kindergeburtstage sind toll

Jedes Kind freut sich, wenn es zu einem eingeladen wird. Oftmals ist es sehr traurig, wenn man nicht eingeladen wird. Für Sonnenschein war es unendlich wichtig, dass er Kinder einladen konnte und dass Kinder diese Einladung einnehmen, da es ihm im Kindergarten letztes Jahr an Spielkameraden mangelte.

Dieses Jahr plant er schon weit im Voraus, wen er alles einladen möchte. Ich möchte nicht, dass irgendein Kind diese Einladung nicht annimmt, weil seine Eltern sich kein Geschenk leisten können. Oder kein zweites in diesem Monat. Nicht (nur) wegen Sonnenschein, sondern vor allem wegen des Eingeladenen. Wen mein Sohn einlädt, der ist mir hier von Herzen willkommen (sage ich jetzt mal noch so naiv, mal schauen, wer da die Jahre über kommen wird… anderes Thema…)

Meine Gedanken habe ich spontan zum Anlass genommen, Nina anzurufen und sie einfach zu fragen:

Liebe Nina, wenn ich den nächsten Kindergeburtstag plane**, kann ich dieses Thema irgendwie im Vorfeld schon „richtig“ angehen? Also vermeiden, dass es zu so einem unangenehmen Druck auf das eingeladene Kind und seine Familie kommt? Oftmals weiß man ja nicht zwingend, dass es gerade finanziell sehr eng aussieht bei der Familie.

Am Ende ergab sich ein wundervolles Gespräch über Gott und die Welt, Familienpolitik, Kinderarmut, Musikinstrumente, soziale Schranken und auch eben Kindergeburtstage. Ein paar Ideen und Gedanken daraus, möchte ich mit euch teilen:

Geschenkekisten im Spielzeugladen bestücken

Wenn man Geschenkekörbchen im Spielzeugladen packt, ist es grundsätzlich eine gute Idee, auch kleine (günstige) Artikel darein zu geben. Nach Ninas Erfahrungen reicht das alleine aber nicht, denn diese bleiben nicht unbedingt für die betroffenen Familien übrig. Da ist nicht einmal Geiz der Grund, sondern auch der Gedanke „Ach, die Kleinigkeit nehmen wir dann auch noch dazu.“ Sie gibt den Tipp, einen Zettel dazuzulegen mit einem Hinweis, den ich zB so formulieren würde: „Liebe Schenkenden, wenn ihr euch ein Geschenk aus dieser Kiste aussucht, so denkt bitte daran, dass wir auch einige Sachen bewusst für den kleineren Geldbeutel ausgesucht haben. Lasst diese Geschenke bitte für diejenigen, bei denen es knapp ist. Danke.“

Geldgeschenke, Gutscheine und große Wünsche

Größere Kinder haben oft größere Wünsche und dann kommen oft die Gutscheine ins Spiel. Aber gerade Gutscheine lösen natürlich einen Druck aus, da dort explizit steht, wieviel man geschenkt hat. Als Alternative bietet sich an, ein Sparschwein aufzustellen, in das jeder Gast nach seinem Geldbeutel etwas einwerfen kann. Das Schweinchen wird gefüttert, sein dicker Bauch kann Wünsche erfüllen, aber niemand wird blosgestellt, weil er nur einen kleinen Betrag eingeworfen hat.

Geschenke für den Kindergeburtstag

 

My2Cents: Es muss generell nicht immer viel Geld kosten

Ich persönlich finde, dass fünf bis maximal sieben Euro im Kindergartenalter generell echt schon für ein Geschenk ausreichen. Das habe ich vor diesem Tweet auch schon so gesehen. Auch ohne dass ich knappe Finanzen dabei im Blick hätte.

Generell schaukelt sich sowas nämlich gerne hoch. Die Kinder erwarten größere Geschenke, der Beschenkte meint später auch soviel schenken zu müssen, andere Gäste orientieren sich daran… am Ende steigt der Erwartungsdruck bzw die Erwartungshaltung.

Dank der Zwillinge kann ich aber auch mal tricksen. So habe ich zu einem Geburtstag, bei dem beide eingeladen wurden, ein ganz tolles Buch ausgesucht, dass aber den Betrag klar überstiegt. Meine Lösung:

Die Zwillingsschwester überreichte ein hübsches Päckchen mit riesiger Schleife voller glitzernder Haarspangen aus der Drogerie für einen klitzekleinen Geldbetrag, der Zwillingsbruder das tolle Buch. Unterm Strich blieb ich in meinem Budget und die Haarspangen waren mindestens genauso toll in den Kinderaugen wie das Buch.

So könnten aber auch zwei Kinder, die keine Geschwister sind, untereinander gemeinsam ein Geschenk aufteilen. Oder man kann daraus lernen, das Haarspangen für manche Kinder ein wundervolles Geschenk sind. In dem Alter sehen die Kinder das noch herrlich wenig in greifbaren Zahlen und ich würde mir wünschen, dass sie das noch eine Weile beibehalten können.

Party mit EVENT-Charakter

Generell bin ich ja nicht vorne weg beim Thema „Mega-Geburtstags-Motto-Party in hipper Location“. Bei unseren eigenen Planungen zum ersten Kindergeburtstag im letzten Sommer kam für mich nur die Frage auf, ob wir auf dem Spielplatz picknicken oder im heimischen Garten bleiben. Planschbecken und ein paar Spielchen, bunten Schokolinsen-Kuchen und fettige Pommes: DAS ist Kindergeburtstag.

Man braucht ja auch noch ein wenig Luft um sich zu steigern. 😉

Nein, mir waren diese aufwendigen Kindergeburtstage schon immer irgendwie suspekt. Aber ich habe nicht darüber nachgedacht, dass es ab einer gewissen Kinderzahl immer ungemütlicher (bis unmöglich) ist, daheim zu feiern, wenn man eine sehr kleine Wohnung hat. Die Kombi Sommer+Haus+Garten macht es uns da leicht.

Auswärts feiern wird dann gerne teurer und da wird das Gedankenspiel richtig kompliziert bzw der Druck bei Familien mit wenig Geld immens. Ich komme also mit meiner Garten-Planschbecken-Pommes-Party nicht nur ziemlich günstig weg, ich kann sie auch nur so feiern, weil wir eben einen Miniatur-Garten hinterm Haus besitzen.*** Sorum hatte ich das bisher nie betrachtet.

Ob es mir nun hilft, nicht mehr unten im Suppenteller zu schwimmen, sondern kurz über den Tellerrand herauszuschauen? Ja, denn es hat meinen Horizont erweitert, ein wenig mehr den Blick geweitet und mich (noch) sensibler für Hürden anderer gemacht. Ob es euch hilft, dass ich das aufgeschrieben habe?

Naja, vermutlich hilft es keinem, aber es schadet auch nicht, denn ihr könnt auch einfach weglesen. Vielleicht denkt aber doch der ein oder andere noch zwei Gedanken über Ninas Tweet nach.

Eure Kerstin


*Natürlich wollen beide auch ein Pferd und Reitstunden. Und Ballettunterricht. Und einen Dinosaurier als Haustier. Wir sind uns wohl alle im Klaren, dass die Wünsche der Kinder manchmal ziemlich grenzenlos und auch wankelmutig sein können. Aber das Fußballding war nun wochenlang konstanter Wunsch beider.

**“Kindergeburtstage planen“, HAHAHA!!! Ich und planen. Ich eskaliere ja eher spontan. Und große Events sind nicht so mein Ding. Aber egal, denn Einladungen muss man mit etwas zeitlichem Vorlauf schreiben. Käme uncool am Tag der Party.

***Selbstverständlich wohnen auch ganz viele Menschen, die sich einen Kindergeburtstag auf dem Ponyhof für 50 Kinder locker leisten könnten, nicht in einem Reihenhaus mit Garten. 

Blogparade Familie und Beruf | Mamablog

Die klassische Rollenverteilung: Warum stehe ich hier?

Bei einem meiner letzten Beiträge habe ich am Rande die Frage gestreift, warum ausgerechnet gut ausgebildete Frauen so häufig kinderlos bleiben bzw blieben. Diese Frage ist für mich aus persönlichen Gründen noch diesen weiteren Beitrag wert. Also:

Wer gut ausgebildet ist, der hat in aller Regel auch den Wunsch, aus seiner guten Ausbildung beruflich etwas zu machen. Viele Frauen sind extrem kompetent und selbstbewusst, sind gerne berufstätig und finanziell unabhängig. Durchaus auch in einer gleichberechtigten Partnerschaft. Wir sind schließlich alle emanzipiert.

Und dann stellt sich die Kinderfrage. Und nicht wenige Frauen (immerhin ein gutes Viertel der Akademikerinnen) fällt die Entscheidung für Kinder nicht leicht.* Denn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht einfach. Plätze in guten KiTas sind teuer und rar. Kinder sind ein finanzielles Risiko, denn sie bedeuten höhere Kosten und ein geringeres Einkommen.

Es droht der Rückfall in das klassische Rollenbild. Auf einmal ist nichts mehr mit moderner, gleichberechtigter Partnerschaft, denn am Ende schultern meist die Mütter den großen Teil dieser Vereinbarkeitsgeschichte. Sie sind es im Regelfall, die beruflich zurückstecken, kürzertreten, weniger arbeiten, weniger verdienen, die dauerhaft schlechtere Aufstiegschancen haben und denen am Ende noch die Altersarmut droht. Denn der Mann verdient meist mehr. (Warum nur?)**


Zum Weiterlesen: Ein interessanter Artikel, warum sich Frauen gegen Kinder entscheiden auf zeit.de:
„Kinderwunsch: Gute Gründe gegen Kinder“


Ich kenne diese Ängste, diese Gedanken, diese Gründe. Ich wollte (trotzdem) Kindern und wir waren gemeinsam überzeugt, dass wir das schon wuppen werden. Heute bin ich unendlich glücklich, dass wir drei so wundervolle Kinder haben. Und ich stecke mit einem Fuß im klassischen Rollenbild fest.

Ich bin da, wo ich nie hinwollte. Warum?

Die Ausgangssituation

Ein Paar. Beide berufstätig. Er ist fest angestellt. Vollzeit.

Sie arbeitet freiberuflich. Viel im HomeOffice. Oft deutschlandweit unterwegs. Theoretisch Vollzeit, praktisch eher mehr.

Das Einkommen ist in der Höhe schwer zu vergleichen, weist aber unter dem Strich keine wahnsinnigen Gefälle auf. Einzig ist ihr Einkommen teilweise sehr schwankend. Da gibt es mal viele Aufträge und mal weniger, mal werden Rechnungen schnell bezahlt und mal rennt man ewig hinterher.

Der Kinderwunsch

Seit Ewigkeiten liiert und auch schon eine Weile verheiratet, gab es immer den theoretischen Gedanken, einmal Kinder zu wollen. Aber bei ihr immer auch die große Angst, was dann aus ihrer Berufstätigkeit würde.


Ich liebe meinen Beruf. Ich liebe es zu arbeiten. Es schien immer unvorstellbar, nicht (mehr) zu arbeiten.


Er konnte sich hingegen durchaus vorstellen, auch beruflich kürzer zu treten. An entsprechenden Rollenvorbildern mangelte es in diesem Fall sicher nicht.

Die Entscheidung

Im Sommer 2012 sprachen wir über das Kinder-Ding. Sollten wir es nicht mal drauf ankommen lassen?

Die Zögerliche war ich. Ich machte mir Sorgen. Sorgen, nicht mehr so weiter arbeiten zu können, den Anschluss zu verlieren, keine Aufträge mehr zu bekommen, Beruf und Familie nicht vereinbaren zu können, meine Arbeit zu verlieren.

Ja, ich wollte Kinder. Aber ich hatte Angst.

Der Traummann war überzeugt, dass wir das schaffen. Dass wir Varianten finden und dass ich sowieso so gut in meinem Job sei, dass ich immer wieder etwas finden würde, selbst wenn ich zwischendurch ausfallen sollte.

Denn als es kurz darauf soweit war, (das doppelte Glück lies sich nicht zweimal bitten – oder auch doch) mussten wir uns in Sachen Elternzeit entscheiden.

Er nahm die beinahe obligatorischen zwei Monate ergänzt um einen weiteren Monat Urlaub. Den Rest (14 Monate – Zwillinge und so) nahm ich. Warum?

Sein Einkommen war fix. Seine Stelle sicher. Auf diesen Betrag auf unserem Konto konnten wir uns verlassen.

Mein Einkommen war schwer zu kalkulieren und noch wichtiger: Hey! Ich arbeitete im Home Office. Ich war meine eigene Chefin. Meine Arbeit konnte ich mir selber einteilen, ich konnte wann immer und wo auch immer arbeiten. Der Traum vieler Eltern.

Der Gedanke lag nahe, dass ich so die theoretische Möglichkeit hatte, „einfach“ weiter zu arbeiten. Erst weniger und dann stetig mehr.

Es lag also ausnahmsweise mal nicht am höheren Einkommen des Mannes, dass wir uns für die zwei-Väter-Monate-Variante entschieden. Das Ergebnis war trotzdem das Gleiche.

Was dann geschah?

Ich arbeitete bis wenige Tage vor der Geburt. Wenn auch nur noch wenige Stunden im Liegen. Ich machte auch im Wochenbett das nötigste, war für meine Kunden erreichbar. Ich begann recht schnell wieder beratend zu arbeiten und nahm die Zwillinge auch mit vier Monaten zu einem ersten Geschäftstermin quer durch die Republik mit. Eigentlich lief es großartig und ich nahm ganz selbstbewusst meine Stillbabys zu Terminen mit, plante Video-Konferenzen in die Schlafenszeiten und tippte mit Laptop auf den Knien an der Krabbeldecke sitzend.

Aber es wurde immer schwieriger. Teilweise lag das daran, dass sich Babys irgendwann anfangen zu bewegen und aufhören den halben Tag zu verschlafen, dass Kinder mehr Aufmerksamkeit brauchen, dass ein drittes Kind dazu kam.


Anmerkung:
Beim Krümel wurden es wieder nur zwei Monate Elternzeit, denn unsere Rücklagen aus der Zeit des Überflusses als double income no kids waren aufgebraucht, die Fixkosten als Familie höher, mein Einkommen als Mutter geringer,…


Teilweise aber auch an sowas wie mangelnder Disziplin. Wobei dieses Wort hier schwierig ist.

Wir hatten schwierige Zeiten. Mit viel Krankheit und viel Schlafmangel. Ich kann immer und überall arbeiten. Ich kann auch morgen arbeiten. Wenn ein Kind krank ist, dann bleibt es (bei Mama) zu Hause. Die arbeitet entweder nebenbei oder eben morgen. Wenn die Zeiten schwierig sind, dann kann ich flexibel das Arbeitspensum runterschrauben.

Vielleicht habe ich zu lange die falschen Prioritäten gesetzt (falsch ist hier sehr relativ, denn es ging hier um „für die Kinder da sein“), vielleicht hätte ich mehr über mich hinauswachsen müssen, vielleicht einfach knallhart etwas durchziehen müssen. Andere schaffen das doch auch?

Aber mir fällt es bei einigen Dingen schwer, produktiv zu arbeiten, wenn ich parallel die Kinder beaufsichtige. Ich schaffe es nicht, hochkonzentriert ganz in das Thema einzutauchen, wenn alle zehn Minuten zwanzig Warum-Fragen meinen Flow unterbrechen.  Abends bin ich zu müde, um noch ausgedehnte Spätschichten einzulegen.

Nein, ich muss hier nicht die ganze Care-Arbeit alleine leisten. Der Traummann ist das, was man so einen involvierten Vater schimpft. Er ist mehr als das. Er übernimmt ganz selbstverständlich alle Aufgaben hier zu Hause mit. Er fragt nie, was noch zu erledigen wäre, stellt unaufgefordert eine Maschine Wäsche an, putzt Fenster, fährt mit drei Kindern einkaufen, macht halt, was man so macht. Unaufgeregt. Debatten gab es dazu bei uns nie.

Und nun?

Ich bin unzufrieden.  Ich bin heute da, wo ich nicht hinwollte.

Heute ist wenig über von meiner Freiberuflichkeit. Ich bin in der Situation, vor der ich immer Angst hatte. Ich sitze zu Hause als Mutter dreier Kindern.

Nein, ich bin keine Vollzeit-Mama aus dem Bilderbuch, denn ich arbeite weiter. Ich habe nie vollständig aufgehört. Aber irgendwie fühlt es sich für mich persönlich so an, dass ich in den Bereich des „ich arbeite halt so ein paar Stunden am Tag, wie es eben passt, damit ich noch was anderes habe“ gekommen bin. Arbeit als Zeitvertreibt. Selbstverwirklichung einer Mutti. Das mag nur mein persönliches Empfinden sein, aber es stört mich.

Ich möchte wieder mehr arbeiten. Mehr Geld verdienen. Größere Projekte stemmen. Mehr gefordert werden. Mehr lernen. Kollegen haben, mit Erwachsenen über ganz erwachsene Themen diskurrieren. Ich möchte mehr von der berufstätigen Kerstin neben der Mutter Kerstin.

Die Lösung

Für mich – für uns – ist klar, dass sich etwas ändern muss.

Und da sind wir auch wieder beim letzten Beitrag und dem Podcast, daraus zitiere ich mal frei den Doc:

Wenn du unzufrieden bist, dann fuck Rahmenbedingungen! Mach aus deinem Leben selber was. Ändere was!

Oder so ähnlich…

Unsere Rahmenbedingungen sind nicht übel:

Ja, ich bin Mutter. Aber meine drei Kinder haben auch einen Vater, der gerne Vater ist und der sich unsere aktuelle Rollenverteilung auch nicht als dauerhafte Wunschlösung ausgesucht hätte.

Die Zeiten der außergewöhnlichen Belastung sind vorbei. Krümel ist zwei Jahre alt. Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter hat ewig gebraucht, aber auch das ist vorüber. Die Zwillinge fühlen sich im Kindergarten wohl und für den kleinen Bruder ist der Platz schon sicher. Eine engagierte Familie und einen tollen, hilfsbereiten Freundeskreis haben wir auch im Hintergrund. Wir sind da übrigens extrem luxuriös aufgestellt.

Ich ändere was. Wir ändern was. Theoretisch gibt es mehrere Möglichkeiten. Die eine wäre, meine Selbstständigkeit wieder hochzufahren, Prioritäten anders zu setzen. Dann gäbe es noch den Spuck in meinem Kopf, doch nochmal (Informatik) zu studieren, weil wegen hab ich Lust drauf. Und nicht zuletzt die klassische Festanstellung.

Ich weiß noch nicht, wie das am Ende ausgehen wird, aber ich strecke mal meine Fühler aus. Lese Stellenangebote und informiere mich. Ich habe verdammt Lust endlich wieder so richtig, richtig zu arbeiten. Eigentlich am liebsten jetzt sofort.


* Darüber hinaus gibt es natürlich auch weitere Gründe für Kinderlosigkeit, die nicht unbedingt die eigene Entscheidung sind, wie der leider unerfüllte Kinderwunsch.

**Ja, das ist polemisch und verkürzt. Isso.


Blogparade:

Der Plan und die Realität – Familie und Beruf

Wie sieht das bei euch aus? Habt ihr euch vorher Gedanken gemacht, wie dieses Familien-Arbeit-Vereinbarkeits-Ding laufen wird?

Und lief es dann auch so? Oder kam doch alles ganz anders und überhaupt nicht so, wie geplant?

Seid ihr glücklich mit dieser Entwicklung?

Ich freue mich über eure Beiträge und werde sie selbstverständlich auch gerne teilen. Tragt euch doch bitte bis Ende September in die Linkliste ein.

Eure Kerstin

Wenn ich wilde Selbstgespräche über das Elterngeld führe…

Neulich bei mir im Büro, als ich ganz WorkingMom im HomeOffice (Nein, so läuft das hier nicht immer ab. Aber manchmal eben dann doch.) eben schnell die Wäsche wegbügelte und den Podcast der coolen Papas aus Köln hörte:

(Also ich habe tatsächlich versucht, das ganze direkt als Video zu beantworten, aber bis ich mir ein gescheites Mikrofon besorgt habe, dass die Hintergrundgeräusche nicht mehr so nervig rauschen und mich überwunden habe, irgendwie nicht alles rauszuschneiden, sind die drei Jungs dann Großväter.)

So… also schreiben. Uff.
Versuchen wir es mal gegen meine Gewohnheit systematisch.

Meine Antwort auf Episode 18 des Väter-Podcasts

These: Elterngeld kostet sehr viel Geld.

Das kommt auf die Perspektive an, lieber Janni.

Elterngeld ist eine „Entgeld-Ersatz-Leistung“ und bezieht sich direkt auf das entfallende Einkommen. Entsprechend sind die Kosten umso höher, je höher das Einkommen ist. Je mehr du also verdienst, desto höher fällt das fehlende Drittel im Portmonnaie aus. Wobei das Elterngeld bei Geringverdienern (bei wirklich kleinen Einkommen) bis zu 100% des vorherigen Einkommens betragen kann und durch den Maximalbetrag von 1800 Euro natürlich bei sehr gutem Einkommen, eine deutlich größere Lücke als ein Drittel des vorherigen Einkommens entstehen kann.

Elterngeld kostet also nur diejenigen richtig viel, die viel verdienen. Oder zumindest kostet es umso mehr, je mehr du verdienst.

These: Wenn du länger als zwei Monate Elternzeit nehmen willst – in unserer heutigen Zeit, musst du schon ein gut situierter Mensch sein.

Diese These ist Jannis Schlussfolgerung aus den hohen Kosten des Elterngelds, die man nur mit entsprechenden Rücklagen finanzieren kann. Diese hohen Kosten sind aber tatsächlich hauptsächlich ein Problem der „gut situierten Menschen“. s.o.

Natürlich hat man bei einem generell höherem Einkommen vermutlich einen höheren Lebensstandard mit entsprechend höheren Fixkosten, die weiter bedient werden wollen.  Aber dann ist man zumindest theoretisch auch in der Lage Rücklagen zu bilden (vorher), um diesen Ausfall zu kompensieren.

Selbstverständlich ist das Einkommen während der Elternzeit spürbar geringer. Für fast alle Einkommensgruppen. Das merkt man. Aber wie Lempi so schön anmerkt:

Du kriegst zwei Drittel deines Gehalts geschenkt, weil du ein Kind in die Welt gesetzt hast. … Ohne weitere Gegenleistungen. Du musst nicht dafür arbeiten. Das ist doch erstmal ein guter Deal!

Das Problem ist „in der heutigen Zeit“ übrigens mitnichten größer geworden. Zumindest nicht, wenn man überlegt, dass das Elterngeld 2007 das Erziehungsgeld ablöste. Dieses überstiegt auf zwei Jahre verteilt nicht den heutigen Grundbetrag von 300 Euro und wurde bei höheren Einkommen (30.000 Euro/Jahr bzw 23.000 Euro/Jahr bei Alleinerziehenden) gar nicht gezahlt.

Frage: Es gibt mehr Kinder. Liegt es am Elterngeld?

In der Diskussion taucht die Frage auf, ob der gestoppte Abwärtstrend bei den Geburtenzahlen auf das Elterngeld zurückzuführen sei. Nach einigen sehr interessanten Schleifen der Debatte, scheinen sich die drei Kölner Väter auf „Nein“ zu einigen. Da möchte ich anmerken, dass das Statistische Bundesamt bei der letzten Veröffentlichung der Kinderlosenquote zum Beispiel verkündet hat, dass bei den akademisch gebildeten Frauen die Kinderlosigkeit zurückgehe. Gerade diese waren doch immer so geburtenfaul in den letzten Jahren.

Warum bekommen die mehr bzw endlich überhaupt mal wieder Kinder? Das liegt zum einen an dem Ausbau der Kinderbetreuung (uuuuund das ist nochmal ein ganzes Themenfeld s.u.) und zum anderen vermutlich auch ein wenig am Elterngeld. Denn in Zeiten vor dem Elterngeld hatte man aus gut verdienende Frau (Akademikerinnen verdienen nicht immer gut, aber doch statistisch häufiger als jemand mit einem mittlerem Schulabschluss) in finanzieller Hinsicht viel mehr zu verlieren. Die Einkommenseinbußen durch die Aktion „Kinder kriegen“ halten einen nicht allein davon ab, aber wenn man gar nichts bzw kaum etwas bekommt und seine hohen Fixkosten weiter tragen muss, dann macht das die Entscheidung nicht unbedingt leichter. s.o.

These: Mehr als zwei Monate Elternzeit sind nicht drin

Janni beantwortet das in seinem Blogbeitrag nicht nur mit den hohen Kosten, sondern führt in seinem Fall vor allem seine Verantwortung in der Agentur an. Angestellte in kleinen Unternehmen oder Selbtständige/Unternehmer haben es oft schwerer länger auszusteigen bzw die Last auf die Kollegen zu verteilen. Geschenkt.*

Mir fiel da trotzdem ein Tweet der letzten Tage ein:

Das Thread in Gänze zitiert:

Männer nehmen 2 Monate Elternzeit, weil das gesellschaftlich toleriert wird und man wenig Konsequenzen fürchten muss.
Frauen haben oftmals keine Wahl in dem Setting und müssen mit den Konsequenzen am Arbeitsmarkt leben.
Und so werden auch auf absehbare Zeit meist die Väter mehr verdienen und die Katze beisst sich in den Schwanz.
Also Jungs, wenn Ihr 2 Monate Elternzeit nehmt, erzählt Eurer Omi, dass mehr nicht drin war. Die lobt Euch sicher für Euren Wagemut.

Ist es nicht tatsächlich so, dass viele Väter (nicht du Janni) nur ihre obligatorischen zwei Monate nehmen, weil sie das höhere Einkommen haben und damit die größeren Einbußen in der Elternzeit?**
Das führt aber ganz logisch dazu, dass die Frau meist die restlichen 12 Monate nimmt und somit länger ausfällt. Sie ist vermutlich dann auch aus finanziellen Gründen häufig eher diejenige, die Teilzeit arbeitet. Einer muss beruflich zurückstecken, damit das mit der Vereinbarkeit läuft. Oftmals derjenige mit dem geringeren Einkommen.
Lange Elternzeiten und anschließende Teilzeit bremsen aber tatsächlich dieses Karriereding aus. Die Wahrscheinlichkeit auf baldiges höheres Einkommen wird geringer. Die Unterschiede im Einkommen zementiert.

Konsens – Kinderbetreuung

Übrigens stimme ich euch aus ganzem Herzen zu, dass der große Hebel die Kinderbetreuung ist. Hier muss die Familienpolitik ansetzen und weiter investieren.

Mehr Elterngeld wie die CDU es wohl fordert (ich habe da eure Aussage gerade ganz schlampig nicht verifiziert) bringt es nicht. Ja, das Elterngeld macht das erste Jahr oder wahlweise die ersten zwei Jahre deutlich einfacher. Aber das ist ja erst der Anfang und eine vergleichsweise kurze Zeit, die Eltern überbrücken müssen.

Um Vereinbarkeit zu erleichtern, braucht es flächendeckende GUTE!!! und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Und es reicht eben nicht, dass man rein von den Zahlen her ausreichend Plätze hätte (welche Stadt hat die schon), die Erreichbarkeit und die Qualität muss stimmen. Wir brauchen:

  • in der Anzahl ausreichende Betreuungsangebote  in zumutbarer räumlicher Nähe
  • mit individuell wählbarem, ausreichend umfangreichem Betreuungszeiten
  • in sehr guter Qualität, dass man nicht Bauchweh bekommen muss, wenn man seine Kinder abgibt
  • mit gutem Betreuungsschlüssel von gut ausgebildetem und anständig bezahltem Personal

Übrigens sind diese oft unterbezahlten Erzieher unserer Kinder auch meist Frauen. Die suchen sich ja scheinbar absichtlich immer diese blöden mies bezahlten Berufsgruppen aus.

Würde man die Erzieher unserer Kinder vernünftig bezahlen, wäre das nicht nur fair und gerecht, dieser „Frauenberuf“ würde aufgewertet und man hätte vermutlich auch mehr Personal (weil es mehr Leute machen wollen). Vielleicht würde dann die Erzieherin auch so gut verdienen, dass ihr Mann auch gerne Teilzeit arbeiten geht. Weil die beiden es sich so ausgesucht haben und es finanziell keinen Unterschied macht, wer von beiden geht.

Teure Wünsche

Diese oben genannten Ansprüche an die Kinderbetreuung kosten verdammt viel Geld, aber ich bin der Meinung, dass das die Gesellschaft tragen muss. Denn wie ihr so schön im Podcast erzählt, basiert das ganze deutsche System auf einem Generationenvertrag. Die Kinder werden das System am kacken halten. Die Gesellschaft braucht Kindern.

Die im Podcast und auch in Jannis Beitrag zitierten Gesellschaften, in denen die Großfamilie die Kinderbetreuung gemeinschaftlich stemmt, haben wir hier in Deutschland nicht. Es ist aber auch nur eine andere Form des gemeinsamen verantwortlich fühlen für die kommenden Generationen.

Aus genau den Gründen bin ich nicht für eine baldige kostenlose Kinderbetreuung, obwohl ich die generell für das langfristige eher mittelfristige Ziel halte. 

Erst muss die Qualität und die Quantität stimmen, dann käme als nächster Schritt der kostenlose Zugang. Denn gesamtgesellschaftliche Verantwortung und so…

Trotzdem sind die Ungerechtigkeiten und gewaltigen Unterschiede in den Beitragskosten in dem Bereich ein Unding, was bitte besser gestern abgestellt werden sollte.

Was sagt man zum Abschluss von so einem wilden Machwerk?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit? Ähm neee, das passt weder zu mir noch zum Anlass noch zum Blog. Eher:

Lieber Janni, lieber Lempi, lieber Doc: Es war ne geile Folge und ich diskutiere das gerne nochmal bei einem Bier mit euch aus. Ob irgendwo abends auf einer kippeligen Bierbank oder in eurem Büro vor laufender Kamera. Das Thema ist noch nicht durch!

Liebe Leserinnen, liebe Eltern: Geht wählen! Geht bitte, bitte am 24. September sind Bundestagswahlen und eure Stimme ist wichtig. Engagiert euch für eine gute Familienpolitik und seid laut. Rückt sie mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit. Wir müssen gemeinsam sichtbar sein. Ein Drittel der Wahlberechtigten sind über 60 Jahre alt in Deutschland und weisen nebenbei noch eine deutlich höhere Neigung zur Wahlurne zu gehen auf. Wer kann es den Parteien verübeln, dass sie gerade diese Wähler besonders im Fokus haben.

Eure Kerstin


Weiterführende Links:

*Wirklich. Ist nachvollziehbar. Trotzdem übrigens ein Punkt, der in Kombi mit Docs „Fuck Rahmenbedingungen! Ändere es!“ zu noch einem Beitrag hier führen muss. Sorry ist so. Ach neee, nicht sorry.

**Bei dieser stark vereinfachten Argumentation lasse ich gerade außen vor bzw erwähne nicht explizit, dass es natürlich auch andere Gründe gibt, warum mann Vollzeit geht und frau das Kinderding in Elternzeit schaukelt. Ganz sicher auch manchmal einfach so, weil man das so will. Dann ist das auch total in Ordnung.