Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 06/2017

#wmdedgT bedeutet: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?„ Frau Brüllen will genau das nämlich wissen und ich gestehe, diese Blogkategorie wirklich aufrichtig zu lieben.Also gibt es den heutigen Pfingstmontag für euch im Protokoll:

5:30 Uhr // Der Mann steht neben mir. Streckt mir griesgrämig aus blutunterlaufenden Augen blinzelnd Krümelchen entgegen. Krümel quietscht begeistert. Ich nicht ganz so.

Ich floh in der Nacht auf das Sofa, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu finden und bereue diese Entscheidung gerade. Damit habe ich die Frühschicht im Grauen des grauenhaften Morgengrauens ergattert. Mäh. Mag nicht!

6:00 Uhr // Klein-Krümelkind hat seine zweite Nuckel-Flasche Wasser leer gezogen, die er sich morgens gerne zum Kuscheln gönnt, und stellt klug fest „AJE!“ Er scheint auch nicht zwingend direkt noch mehr zu wollen. Schade.

Er springt vom Sofa und schaltet in wilden Aktivitätswahn um.

6:30 Uhr // Nach einigen halsbrecherischen Runden mit dem Puppenwagen durchs Wohnzimmer, dem Leerräumen der Autokiste und des Vorratsschranks erklärt der Krümel, dass er Hunger habe. „NANE!“ Also pelle ich eine krumme, gelbe Südfrucht und der Herr lässt sich neben mir auf dem Sofa nieder. Ich schalte den Fernseher an. Jamie Oliver kocht und Krümel mampft.

7:00 Uhr // Große Erleichterung für die morgenmuffelige Mama: Der Traummann erscheint wieder auf der Bildfläche und ich schleiche mich an ihm vorbei zurück ins Bett.

7:15 Uhr // Decke über dem Kopf höre ich Sonnenschein nach unten tapsen. Er muss Pipi. Die Männer gehen zu dritt aufs Gäste-WC. Einer pullert, einer assistiert, einer kommentiert begeistert. Ich bin müüüde.

7:45 Uhr // Sonnenschein steht neben dem Bett und verkündet, das Frühstück sei angerichtet. Ich muss nochmal kurz eingeschlafen sein, kämpfe mich aber endgültig aus dem kuscheligen Bett. Wir frühstücken.

8:20 Uhr // Der Kaffee in meiner Tasse ist nur noch lauwarm, aber wir räumen hektisch den Tisch ab, denn Krümel hat vom Modus „Essensaufnahme“ auf „um-den-Tisch-herum-klettern“ umgeschaltet. Wir pflücken das offene Marmeladenglas unter Protest aus seiner Hand und versuchen unsere Kaffeetassen zu retten.

Die Kinder spielen, wir starren in die Kaffeebecher und lassen den Tag langsam angehen.

8:45 Uhr // Der Traummann räumt die Küche auf, ich habe mir das Büro vorgenommen. Während die Kinder im Spielzimmer Chaos verbreiten, versuche ich zumindest die Schreibtischoberfläche wieder erahnbar zu machen. Oder den Fußboden.

Überall liegen Bügelwäsche, Inhalte von Goodiebags, Stoffreste, Schnittmuster, Rechnungen, Buntstifte, Kinderkunstwerke und sonstige Unterlagen fröhlich durcheinander.

9:30 Uhr // Kurz Wäsche aufhängen und weiter machen. Irritiert stelle ich nach drei Jahren in meinem Besitz fest, dass das dusselige Whiteboard, von dem sich die Marker nie abwaschen ließen, noch eine Schutzfolie über der weißen Fläche hat. Man könnte sie abziehen und dann…!!! Blitzmerkerin! OMG.

10:00 Uhr // Die Stubenhockerei führt zu nichts Gutem. Es wird sich angezogen. Die Zwillinge sind auf Hochsommer eingestellt und zweifeln den generellen Sinn von langärmliger Bekleidung an. Es gibt längere Debatten.

10:30 Uhr // Vier Familienmitglieder gehen raus, eines wieder auf das Dach und putzt weiter das Büro. Faszinierend, was sich so alles in den Papierstapeln findet. Ich müsste vielleicht mal Ablage machen. Wenn ich mal Zeit habe.

11:00 Uhr // Ich weiß nicht mehr wohin mit den ganzen Sachen und bewundere heimlich diese merkwürdigen Menschen, die für alles einen Schrank, ein Fach, eine Kiste haben. Die sitzen nämlich in super ordentlichen Büros und aufgeräumten Nähzimmern ohne Flusen, Fäden, Wollmäusen und Stoffstapeln in allen Ecken. Weitermachen!

11:30 Uhr // Der Traummann reicht den müden, hungrigen Krümel rein und verschwindet wieder: den untriebigen Zwillingen hinterher. Letztere spielen mit dem deutlich älteren Nachbarsjungen, der immer ganz großartige Einfälle hat, bei denen selbst der eher gelassene Traummann dann doch besser ein Auge drauf hat.

Ich werfe mit dem Riesenbaby auf der Hüfte Nudeln von gestern in die Pfanne, kloppe ein Ei drauf, wende und rühre, schneide am Ende doch eine Avocado auf, die ebenjenes lautstark einfordert. Eine viertel „KADO!“ später, fallen ihm beim Kauen die Augen zu.

11:50 Uhr // Wir starten offiziell in Krümelchens Mittagsschlaf. Ich im Büro. Mittlerweile nicht mehr putzend, sondern Ablage machend. Die drei Abenteurer noch außer Haus.

12:30 Uhr // Ich habe noch nicht wirklich alles sortiert, widme mich aber nun – ein Hörbuch auf den Ohren – der Bügelwäsche. Ich muss leider gestehen, dass ich gerne bügel. Eine absonderliche Passion, der ich seit vier Jahren nur noch selten hingebe. Aber alle paar Wochen muss sich jemand der Hemden erbarmen.

13:00 Uhr // Ich trage gebügelte Wäsche, Staubsauger und Gedöns durchs Haus, verteile dieses hier und jenes dort. Auf dem Weg entdecke ich den Traummann im Garten. Er pinselt meine Palette an, die mal ein Kräuterbeet werden soll.

13:15 Uhr // Ich habe mir eine weitere Ladung Wäsche aus dem Keller besorgt und werde beim enthusiastischen Klamottenknicken vom Gemecker des Krümels unterbrochen. Er ist wach und hat erstmal ganz blöde Laune. Aufwachen ist blöd. Bett ist blöd. Sofa ist blöd. Getragen werden ist blöd. Geschwister sind blöd. Sonne ist blöd. Alles ist blöd.

13:30 Uhr // Die konstruktive Laune des Krümels färbt ab und ich erkläre dem Traummann, dass er das ganz fein gemacht hat mit der Palette. Nun weiß ich, dass dieser Shabby Chic Look seinen Ursprung im pragmatischen „Nein, kannse so lassen. Musste nicht nochmal drüber, damit es deckend wird. Hat man eh heute so.“ hat. Das muss jetzt reichen. Wir haben ja keine Zeit!

Die Zwillinge erscheinen zurück aus der Nachbarschaft und verkünden Hunger. Sie futtern Joghurt.

14:00 Uhr // Der Krümel hat noch immer blöde Laune. Der Traummann hat den Pinsel immer noch nicht weggelegt. Die Zwillinge überlegen zu streiten. Ich beschließe das Küchenfenster anzumalen. Wir zücken die Woodys und malen zu dritt eine psychedelische Blumenwiese. Der Traummann zieht die Augenbraue hoch, lässt aber wenigstens den Pinsel fallen und die Laune der Kinder hebt sich.

14:15 Uhr // Wir sollten uns mal umziehen, einige von uns auch duschen, denn wir wollen zur Schwägerin, um ihren Geburtstag zu feiern bzw Reste ihrer gestrigen Party zu vernichten. Also machen wir nochmal ein Haufen sinnvollen Kram, um nicht mit dem Umziehen zu beginnen.

14:30 Uhr // Ich erinnere uns vorsichtig an den Plan, als vollständige und halbwegs saubere Familie in einer halben Stunde das Haus zu verlassen und steige selbst unter die Dusche.

15:15 Uhr // Es dauert eine Weile, bis alle Mitglieder der chaotischen Hausgemeinschaft fertig ist, aber wir fahren los. Der Weg von der Haustür zum Auto und in die Autositze, von denen man prima in den Kofferraum und wieder zurückklettern kann, braucht über 10 Minuten, die Fahrt keine 5.

15:30 Uhr // Wir sind da. Die Schwägerin und ihre Freund hängen noch etwas durch. Die Kinder erstürmen den Garten.

15:55 Uhr // Der kümmerliche Rest des mitternächtlichen Kuchenbuffets wird zum Kaffee gereicht. Eine halbe Nutella-Torte. Prinzessin puhlt alle Kirschen aus der Torte und vermacht mir dann den Rest. Lecker ist das Zeug trotzdem.

16:30 Uhr // Die Kinder verbuddeln sich irgendwo hinten im Garten. Aber da ist ein Zaun drum und nachdem der Traummann genötigt wurde, sich des geschlossenen Tores zu vergewissern, lasse ich sie machen.

17:00 Uhr // Schwager und Familie schlagen auf. Die Cousins werden mit großer Freude empfangen und in Beschlag genommen.

17:30 Uhr // Man heizt den Grill an und kramt die gar nicht kümmerlichen Reste Fleisch und Wurst zusammen. (Pssst… ich bin zwar keine Vegetarierin, esse aber wenig Fleisch und beim Grillen eher alles außer Fleisch.)

18:00 Uhr // Wir starten das Mahl. Es gibt Fleisch oder Fleisch oder Fleisch oder Wurst oder Pute oder Schwein in zwanzig Formen. Ich nehme Fleisch und Fleisch und Brot. Die Kinder sind eh schon verhungert und stürzen sich auf alles wie wilde Bestien.

18:45 Uhr // Wir wollen langsam aufbrechen.

18:47 Uhr // Aber ein Bier ginge noch!

18:55 Uhr // Wir müssten aber nun wirklich langsam. Schonmal den Kindern Bescheid geben!

19:00 Uhr // Die Kinder wollen nicht. Sonnenschein erklärt mit derartig großer Dramatik, dass klar wird: Ok, der ist sau müde.

19:05 Uhr // Sonnenschein weint immer noch bei der Vorstellung, nach Hause zu müssen. Sooo eilig haben wir es ja nicht, man könnte ja noch 10 Minuten spielen?

19:15 Uhr // Statt zu spielen diskutiert Sonnenschein weinend, warum er nicht nach Hause will. Die Cousin fahren ja auch noch nicht. Dass die morgen schulfrei haben, ist kein Argument.

19:20 Uhr // Wir tragen Sonnenschein zum Auto, weil er unmöglich selber laufen könnte nach so einem anstrengenden Tag und überhaupt sei er zu schwach und zu müde.

19:30 Uhr // Wir sind zu Hause. Sandmann wird gefordert und der Wunsch erfüllt. Hände, Füße, Gesicht und Zähne brauchen eine Katzenwäsche, die Schlafanzüge anziehen und Buch vorlesen. Zack ist es 20:15 Uhr. Ich bleibe noch beim Sonnenschein, bis er eingeschlafen ist. Das muss so.

20:40 Uhr // Ich tippe die letzten Worte und freue mich auf das Sofa. House of Cards gruselt einen in Trumps Zeiten zwar etwas, aber vielleicht geht noch eine Folge, bevor ich einpenne.

Eure Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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