Familienblog Buchempfehlung Trotzphase

Ich habe drei Wunschkinder und ganz viel Wahnsinn…

…aber das mit dem Wahnsinn schaffe ich auch ganz alleine. Also ohne drei Kinder. Darum sollte es eigentlich aber gar nicht gehen.

Also nochmal von vorne. Wie so ein anständiger Blogbeitrag:

Wenn die Wunschkinder einen in den Wahnsinn treiben…

…dann gibt es Hilfe in x-ter Auflage. ūüėČ

Ich habe es ja nicht so mit Ratgebern. Oder mit Pädagogik.

Hier und da nannte ich mein kleines Blog schon „p√§dagogisch wertlos“, denn ich vermeide es tunlichst, selber irgendwelche erzieherischen Tipps zu verbreiten. Ich unterhalte lieber. Kann ich besser.

In unseren B√ľcherregalen, die sowieso vorwiegend meine sind, fehlt die Rubrik „Ratgeber“ g√§nzlich. Es gab bei mir noch nie den Wunsch nach entsprechender Literatur.

Und doch habe ich in den letzten Monaten ein Buch vielen Bekannten empfohlen, das man wohl in der Ecke mit der Ratgeberliteratur f√ľr Eltern finden wird. Und ich liebe es. (Sonst w√ľrde ich es kaum empfehlen.)

Das gew√ľnschteste Wunschkind

Auf Twitter ist es sowieso große Liebe <3 und das Blog hat bei mir schon lange ein Platz unter den Favoriten. Ich lese nicht jeden einzelnen Beitrag, aber immer mal wieder und suche ganz gezielt dort Rat.

Ja! Kerstin sucht Rat!!! Und ich finde ihn. Dort.

Jetzt gebe ich hier hoch offiziell euch den Rat, euch dort Rat zu suchen. ūüėČ Bzw KAUFT DIESES BUCH!!!

Nein, das ist kein Geheimtipp, sondern ein Bestseller.
Und das zu recht.

Ich habe das Buch nicht in einem Rutsch gelesen, sondern immer mal wieder einige Seiten, so wie mich meine drei Trotzk√∂pfe hier lesen lassen. Grob (ganz grob) geht es in dem Buch darum, zu verstehen, warum das Kind gerade so furchtbar w√ľtend ist. Warum rastet es aus? Wie funktioniert das Hirn eines Kleinkindes?

Das Buch hilft dabei, die kindliche Kommunikation zu verstehen. Es bietet echte √úbersetzungshilfen Kind – Eltern / Eltern – Kind an. Das ist praktisch, denn gerade im Alter meines j√ľngsten trotzigen Wunschkindes mangelt es noch ganz erheblich an sprachlicher Eloquenz.

Total entspannte Wutanfälle

Mal ehrlich: auf manchen Seiten habe ich die Augenbrauen in den Haaransatz gezogen und den Kopf gesch√ľttelt „Niemand kann so geduldig bleiben!“ wie unrealistisch! Wie soll man denn bitte immer so beherrscht, erwachsen und reflektiert sein? Geht nicht!

Stimmt nicht.

Ich traue es den Autorinnen zu. Ich bin mir sogar extrem sicher, denn genauso habe ich zumindest den einen Teil kennengelernt.


Mir nicht unbedingt (ich bin nur so semi-erwachsen und einfach zu emotional, um immer beherrscht zu sein), aber auch da hat sich viel geändert.


Und je mehr ich gelesen habe, desto mehr habe ich meine Kinder verstanden. Nicht, dass mein Bauchgef√ľhl mir vorher generell falsches eingefl√ľstert h√§tte. Nein, aber einige Kapitel best√§tigen dieses diffuse Gef√ľhl, geben mir Sicherheit. Manche bringen mir aber auch Denkweisen n√§her, die ich vorher noch nicht bedacht habe.

Wie deeskaliere das abendliche Schlaf-Drama in 20 Akten?

Richtig praktisch finde ich den hinteren Teil des Buches, in denen die ganz bekannten Situationen unseres Lebens alle aufgelistet sind:

  • Warum macht das Kind so ein Theater beim zu Bett gehen? Warum macht es den nur bei Mama und nicht bei Oma?
    SPOILER: Nein, es liegt nicht daran, dass Mama sich auf der Nase rumtanzen lässt.
  • Warum das Kind st√§ndig den Teller runter wirft beim Essen?
  • Wieso rennt das Kind st√§ndig weg?

Hier finde ich mich uns bzw mindestens eines meiner drei Kinder in jedem der kleinen Geschichten wieder. Und lerne die Handlungen zu verstehen, bekomme tatsächlich brauchbare Tipps, damit umzugehen, die Situationen zu verändern.

Tipps, die nicht nur Menschen mit engelsgleicher Geduld und dem Temperament eines Ghandi umsetzen können.

Es ist wirklich schockierend, aber man kann tatsächlich einiges dann doch anders machen und auf einmal läuft es.

Ihr seid schuld!

Am Ende sind die beiden Autorinnen √ľbrigens mit schuld daran, dass ich entspannt in den Supermarkt reinmarschiere und den Wutanfall des Kr√ľmels nicht nur l√§chelnd √ľberlebe, sondern sogar verstehe, was da passiert.

Ich verhalte mich absolut nicht immer den Ideen des Buches entsprechend und ganz sicher ist mein Geduldsfaden deutlich k√ľrzer gestrickt worden, aber wenn es nur in vier von f√ľnf Situationen hilft, dann ist das doch auch was, oder?

Und wenn ich eine ganze besch*** Nacht lang, mit dem Kr√ľmel dar√ľber diskutiert habe, warum er jetzt keine vierte Flasche Wasser bekommt und dass ich es semi-optimal finde, ihn aufgrund seines H2O-Massen-Konsums zu nachtschlafenden Zeiten dreimal wickeln zu d√ľrfen und √ľberhaupt das mit dem ausgekippten Becher in Mamas Bett auch nicht supi-dupi war und Mama echt einfach m√ľ√ľ√ľ√ľ√ľde ist, dann hilft auch kein Buch und kein Verst√§ndnis dabei, vor dem ersten morgendlichen Kaffee schon eine mittelschwere Krise zu deeskalieren. Dann eskaliere ich mit. Aber nur ein kleines bisschen. Ich bin ja erwachsen. Und beherrscht. Und ganz krass reflektiert. KAFFEE!!!

KAUFEMPFEHLUNG!

Habe ich das jetzt schonmal erwähnt gehabt? Egal. Ist so.

Wer das Buch also nicht eh schon besitzt, der sollte es jetzt unbedingt kaufen und jedem zuk√ľnftigen Elternpaar (oder den werdenden Omas/Opas) ein Exemplar zur Geburt schenken. Auf diese Art kann man n√§mlich tats√§chlich sowohl entspannt durch Trotzphasen kommen als auch weisen Ratschl√§gen im Stil „Du musst dich mal durchsetzen!“ theoretisch ganz eloquent und fundiert etwas entgegensetzen.

Letzteres mache ich grundsätzlich nicht. Ich lächle nur engelsgleich und nicke milde.

Das gew√ľnschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn:
Der entspannte Weg durch Trotzphasen

Autoren: Danielle Graf und Katja Seide
Verlag: BELTZ
ISBN: 978-3407864222

Jetzt direkt bei Amazon kaufen. (Affiliate-Link)


Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vor Ewigkeiten zur Verf√ľgung gestellt.

 

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingsp√§rchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Kr√ľmelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumw√ľhlt,‚Ķ Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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