Wenn ich wilde Selbstgespräche über das Elterngeld führe…

Neulich bei mir im Büro, als ich ganz WorkingMom im HomeOffice (Nein, so läuft das hier nicht immer ab. Aber manchmal eben dann doch.) eben schnell die Wäsche wegbügelte und den Podcast der coolen Papas aus Köln hörte:

(Also ich habe tatsächlich versucht, das ganze direkt als Video zu beantworten, aber bis ich mir ein gescheites Mikrofon besorgt habe, dass die Hintergrundgeräusche nicht mehr so nervig rauschen und mich überwunden habe, irgendwie nicht alles rauszuschneiden, sind die drei Jungs dann Großväter.)

So… also schreiben. Uff.
Versuchen wir es mal gegen meine Gewohnheit systematisch.

Meine Antwort auf Episode 18 des Väter-Podcasts

These: Elterngeld kostet sehr viel Geld.

Das kommt auf die Perspektive an, lieber Janni.

Elterngeld ist eine „Entgeld-Ersatz-Leistung“ und bezieht sich direkt auf das entfallende Einkommen. Entsprechend sind die Kosten umso höher, je höher das Einkommen ist. Je mehr du also verdienst, desto höher fällt das fehlende Drittel im Portmonnaie aus. Wobei das Elterngeld bei Geringverdienern (bei wirklich kleinen Einkommen) bis zu 100% des vorherigen Einkommens betragen kann und durch den Maximalbetrag von 1800 Euro natürlich bei sehr gutem Einkommen, eine deutlich größere Lücke als ein Drittel des vorherigen Einkommens entstehen kann.

Elterngeld kostet also nur diejenigen richtig viel, die viel verdienen. Oder zumindest kostet es umso mehr, je mehr du verdienst.

These: Wenn du länger als zwei Monate Elternzeit nehmen willst – in unserer heutigen Zeit, musst du schon ein gut situierter Mensch sein.

Diese These ist Jannis Schlussfolgerung aus den hohen Kosten des Elterngelds, die man nur mit entsprechenden Rücklagen finanzieren kann. Diese hohen Kosten sind aber tatsächlich hauptsächlich ein Problem der „gut situierten Menschen“. s.o.

Natürlich hat man bei einem generell höherem Einkommen vermutlich einen höheren Lebensstandard mit entsprechend höheren Fixkosten, die weiter bedient werden wollen.  Aber dann ist man zumindest theoretisch auch in der Lage Rücklagen zu bilden (vorher), um diesen Ausfall zu kompensieren.

Selbstverständlich ist das Einkommen während der Elternzeit spürbar geringer. Für fast alle Einkommensgruppen. Das merkt man. Aber wie Lempi so schön anmerkt:

Du kriegst zwei Drittel deines Gehalts geschenkt, weil du ein Kind in die Welt gesetzt hast. … Ohne weitere Gegenleistungen. Du musst nicht dafür arbeiten. Das ist doch erstmal ein guter Deal!

Das Problem ist „in der heutigen Zeit“ übrigens mitnichten größer geworden. Zumindest nicht, wenn man überlegt, dass das Elterngeld 2007 das Erziehungsgeld ablöste. Dieses überstiegt auf zwei Jahre verteilt nicht den heutigen Grundbetrag von 300 Euro und wurde bei höheren Einkommen (30.000 Euro/Jahr bzw 23.000 Euro/Jahr bei Alleinerziehenden) gar nicht gezahlt.

Frage: Es gibt mehr Kinder. Liegt es am Elterngeld?

In der Diskussion taucht die Frage auf, ob der gestoppte Abwärtstrend bei den Geburtenzahlen auf das Elterngeld zurückzuführen sei. Nach einigen sehr interessanten Schleifen der Debatte, scheinen sich die drei Kölner Väter auf „Nein“ zu einigen. Da möchte ich anmerken, dass das Statistische Bundesamt bei der letzten Veröffentlichung der Kinderlosenquote zum Beispiel verkündet hat, dass bei den akademisch gebildeten Frauen die Kinderlosigkeit zurückgehe. Gerade diese waren doch immer so geburtenfaul in den letzten Jahren.

Warum bekommen die mehr bzw endlich überhaupt mal wieder Kinder? Das liegt zum einen an dem Ausbau der Kinderbetreuung (uuuuund das ist nochmal ein ganzes Themenfeld s.u.) und zum anderen vermutlich auch ein wenig am Elterngeld. Denn in Zeiten vor dem Elterngeld hatte man aus gut verdienende Frau (Akademikerinnen verdienen nicht immer gut, aber doch statistisch häufiger als jemand mit einem mittlerem Schulabschluss) in finanzieller Hinsicht viel mehr zu verlieren. Die Einkommenseinbußen durch die Aktion „Kinder kriegen“ halten einen nicht allein davon ab, aber wenn man gar nichts bzw kaum etwas bekommt und seine hohen Fixkosten weiter tragen muss, dann macht das die Entscheidung nicht unbedingt leichter. s.o.

These: Mehr als zwei Monate Elternzeit sind nicht drin

Janni beantwortet das in seinem Blogbeitrag nicht nur mit den hohen Kosten, sondern führt in seinem Fall vor allem seine Verantwortung in der Agentur an. Angestellte in kleinen Unternehmen oder Selbtständige/Unternehmer haben es oft schwerer länger auszusteigen bzw die Last auf die Kollegen zu verteilen. Geschenkt.*

Mir fiel da trotzdem ein Tweet der letzten Tage ein:

Das Thread in Gänze zitiert:

Männer nehmen 2 Monate Elternzeit, weil das gesellschaftlich toleriert wird und man wenig Konsequenzen fürchten muss.
Frauen haben oftmals keine Wahl in dem Setting und müssen mit den Konsequenzen am Arbeitsmarkt leben.
Und so werden auch auf absehbare Zeit meist die Väter mehr verdienen und die Katze beisst sich in den Schwanz.
Also Jungs, wenn Ihr 2 Monate Elternzeit nehmt, erzählt Eurer Omi, dass mehr nicht drin war. Die lobt Euch sicher für Euren Wagemut.

Ist es nicht tatsächlich so, dass viele Väter (nicht du Janni) nur ihre obligatorischen zwei Monate nehmen, weil sie das höhere Einkommen haben und damit die größeren Einbußen in der Elternzeit?**
Das führt aber ganz logisch dazu, dass die Frau meist die restlichen 12 Monate nimmt und somit länger ausfällt. Sie ist vermutlich dann auch aus finanziellen Gründen häufig eher diejenige, die Teilzeit arbeitet. Einer muss beruflich zurückstecken, damit das mit der Vereinbarkeit läuft. Oftmals derjenige mit dem geringeren Einkommen.
Lange Elternzeiten und anschließende Teilzeit bremsen aber tatsächlich dieses Karriereding aus. Die Wahrscheinlichkeit auf baldiges höheres Einkommen wird geringer. Die Unterschiede im Einkommen zementiert.

Konsens – Kinderbetreuung

Übrigens stimme ich euch aus ganzem Herzen zu, dass der große Hebel die Kinderbetreuung ist. Hier muss die Familienpolitik ansetzen und weiter investieren.

Mehr Elterngeld wie die CDU es wohl fordert (ich habe da eure Aussage gerade ganz schlampig nicht verifiziert) bringt es nicht. Ja, das Elterngeld macht das erste Jahr oder wahlweise die ersten zwei Jahre deutlich einfacher. Aber das ist ja erst der Anfang und eine vergleichsweise kurze Zeit, die Eltern überbrücken müssen.

Um Vereinbarkeit zu erleichtern, braucht es flächendeckende GUTE!!! und bezahlbare Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Und es reicht eben nicht, dass man rein von den Zahlen her ausreichend Plätze hätte (welche Stadt hat die schon), die Erreichbarkeit und die Qualität muss stimmen. Wir brauchen:

  • in der Anzahl ausreichende Betreuungsangebote  in zumutbarer räumlicher Nähe
  • mit individuell wählbarem, ausreichend umfangreichem Betreuungszeiten
  • in sehr guter Qualität, dass man nicht Bauchweh bekommen muss, wenn man seine Kinder abgibt
  • mit gutem Betreuungsschlüssel von gut ausgebildetem und anständig bezahltem Personal

Übrigens sind diese oft unterbezahlten Erzieher unserer Kinder auch meist Frauen. Die suchen sich ja scheinbar absichtlich immer diese blöden mies bezahlten Berufsgruppen aus.

Würde man die Erzieher unserer Kinder vernünftig bezahlen, wäre das nicht nur fair und gerecht, dieser „Frauenberuf“ würde aufgewertet und man hätte vermutlich auch mehr Personal (weil es mehr Leute machen wollen). Vielleicht würde dann die Erzieherin auch so gut verdienen, dass ihr Mann auch gerne Teilzeit arbeiten geht. Weil die beiden es sich so ausgesucht haben und es finanziell keinen Unterschied macht, wer von beiden geht.

Teure Wünsche

Diese oben genannten Ansprüche an die Kinderbetreuung kosten verdammt viel Geld, aber ich bin der Meinung, dass das die Gesellschaft tragen muss. Denn wie ihr so schön im Podcast erzählt, basiert das ganze deutsche System auf einem Generationenvertrag. Die Kinder werden das System am kacken halten. Die Gesellschaft braucht Kindern.

Die im Podcast und auch in Jannis Beitrag zitierten Gesellschaften, in denen die Großfamilie die Kinderbetreuung gemeinschaftlich stemmt, haben wir hier in Deutschland nicht. Es ist aber auch nur eine andere Form des gemeinsamen verantwortlich fühlen für die kommenden Generationen.

Aus genau den Gründen bin ich nicht für eine baldige kostenlose Kinderbetreuung, obwohl ich die generell für das langfristige eher mittelfristige Ziel halte. 

Erst muss die Qualität und die Quantität stimmen, dann käme als nächster Schritt der kostenlose Zugang. Denn gesamtgesellschaftliche Verantwortung und so…

Trotzdem sind die Ungerechtigkeiten und gewaltigen Unterschiede in den Beitragskosten in dem Bereich ein Unding, was bitte besser gestern abgestellt werden sollte.

Was sagt man zum Abschluss von so einem wilden Machwerk?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit? Ähm neee, das passt weder zu mir noch zum Anlass noch zum Blog. Eher:

Lieber Janni, lieber Lempi, lieber Doc: Es war ne geile Folge und ich diskutiere das gerne nochmal bei einem Bier mit euch aus. Ob irgendwo abends auf einer kippeligen Bierbank oder in eurem Büro vor laufender Kamera. Das Thema ist noch nicht durch!

Liebe Leserinnen, liebe Eltern: Geht wählen! Geht bitte, bitte am 24. September sind Bundestagswahlen und eure Stimme ist wichtig. Engagiert euch für eine gute Familienpolitik und seid laut. Rückt sie mehr in die öffentliche Aufmerksamkeit. Wir müssen gemeinsam sichtbar sein. Ein Drittel der Wahlberechtigten sind über 60 Jahre alt in Deutschland und weisen nebenbei noch eine deutlich höhere Neigung zur Wahlurne zu gehen auf. Wer kann es den Parteien verübeln, dass sie gerade diese Wähler besonders im Fokus haben.

Eure Kerstin


Weiterführende Links:

*Wirklich. Ist nachvollziehbar. Trotzdem übrigens ein Punkt, der in Kombi mit Docs „Fuck Rahmenbedingungen! Ändere es!“ zu noch einem Beitrag hier führen muss. Sorry ist so. Ach neee, nicht sorry.

**Bei dieser stark vereinfachten Argumentation lasse ich gerade außen vor bzw erwähne nicht explizit, dass es natürlich auch andere Gründe gibt, warum mann Vollzeit geht und frau das Kinderding in Elternzeit schaukelt. Ganz sicher auch manchmal einfach so, weil man das so will. Dann ist das auch total in Ordnung.

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

7 comments

  1. Hallo Kerstin,
    ja, ich hab den Podcast auch gehört, war sehr interessant, aber aus meiner Sicht ebenfalls nicht immer zutreffend.
    Elterngeld – sorgt es für mehr Kinder? Ja, das tut es! Oh doch! Wenn ich mich da richtig entsinne, stand genau das in einer Studie des Familienministeriums, noch unter Kristina Schröder. Die Ergebnisse der Studie sind nie so richtig publiziert worden, weil manches wohl zu peinlich war. Z.B. dass das Kindergeld nicht für mehr Kinder sorgt, Betreuungsgeld erst recht nicht. Passte der konservativen Ministerin nicht wirklich ins Konzept.
    Also: Zusatzinvestitionen in das Elterngeld würden eine Menge bringen, wenn das Ziel heisst, es sollen mehr Kinder geboren werden. Höheres Elterngeld, längere Bezugsdauer. Das würde ganz bestimmt auch mehr Väter in Elternzeit bringen, deren Einkommen faktisch und sehr verbreitet höher ist.

    Allerdings, schon jetzt besteht die Möglichkeit als Vater mehr Elternzeit als zwei Monate zu nehmen. Es stehen vierzehn Monate bezahlte Elternzeit zur Verfügung. Alles eine Frage der Aufteilung zwischen Vater und Mutter. Der Podcast erweckt so ein bisschen den Eindruck, dass ein Vater sich auf keinen Fall mehr Elternzeit „leisten“ kann. Das stört mich. Denn da „darf man sich doch nicht von existierenden Verhältnissen abbringen lassen“, um den Podcast selbst zu zitieren.
    Viele Grüße
    Dirk

    1. Ich erinnere mich auch diffus an teilweise publizierte Ergebnisse der Studie. Über das Betreuungsgeld habe ich vor geraumer Zeit sogar mal gebloggt und es gibt sicher zahlreiche ineffektive und sogar kontraproduktive „Subventionen“ im großen Bereich der Familienpolitik.

      Ich mochte aber an der Folge auch sehr, dass sie kontrovers war. Es war ja nicht so, dass nur eine These/Meinung im Raum stand und ich habe, wie du richtig anmerkst, den Teil unterschlagen, an dem Mann/Frau sich selbst an die Nase fassen muss und es eben anders macht. Ja, auch nach den jetzigen Gegebenheiten sollte es Möglichkeiten geben, die Elternzeit anders zu verteilen als 80% der Eltern es machen, wenn man es nur will.

      Manchmal ist es dann doch in der Praxis nicht so einfach. Aber das ist es nie.

      Viele Grüße,
      Kerstin

  2. Kerstiin!
    Erstmal schön, dass du uns so charmant und multimedial thematisierst. Danke für dein treues Ohr!

    Etwas Grundsätzliches: Ich nehme mich als Beispiel, denke aber an die 80% der Väter, die „nur“ zwei Monate Elternzeit nehmen. Das es sich dabei, wie von manchen behauptet wird, um Machos und gemütliche Männer handelt, bezweifele ich stark. Das wiederlegen auch zahlreiche Statistiken, die belegen, dass Männer länger zu Hause bei den Kindern bleiben wollen. Der Grund liegt also nicht (nur) am „faulen“ Mann, der von seiner Oma beklatscht wird, wenn er das Baby richtig rum hält. Das wäre zu einfach.

    Jetzt stelle dir doch einfach mal vor, Eltern würden 100% des Gehaltes bekommen. Von mir aus gedeckelt auf 2000 EUR. Meinst du nicht, dass viel mehr Väter in Elternzeit gehen würden und die partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit besser laufen würde? Oft wird das Geldproblem marginalisiert. Da müsste man etwas sparen und gut. Dem ist nicht so. Und ich spreche da nicht ausschließlich von mir. Warum nehmen Schichtarbeiter weniger Elternzeit als Akademiker? Bestimmt nicht, weil sie so einen Spaß auf der Arbeit haben. Es ist häufig das Geld, gepaart mit Existenzängsten. Hypotheken, Kitas, Leasingverträge – die Kosten laufen weiter.

    Der gender pay gap tut ihr übriges. Aber wir müssen es schaffen, dass Männer und Frauen vor dem Personaler gleich betrachtet werden und das können wir u.a., wenn Väter mehr Elternzeit beantragen. Also das „Risiko“ für den Arbeitsausfall geringer ist. Klar wir können sofort die 7-7 Regel gesetzlich festhalten, aber wollen wir das in unserer Konsensgesellschaft?

    Was mich immer auf die Palme bringt ist dieses „Das geht doch nicht! Deutschland gibt doch schon so viel.“ So lange die Finanzierungslücke nicht gelöst ist, werden Väter weiterhin weniger Elternzeit beantragen. Finde ich das schön? Nein.

    In Schweden bekommen Eltern 390 Tage 80% des Bruttolohns als Lohnersatzleistung gezahlt. Wir bekommen max. 65% vom Netto. Aber wir sind wie immer zufrieden. Ich werde das nie verstehen können. Immer vom Ist-Zustand zu argumentieren und nicht ein paar Jahre in die Zukunft zu blicken und sich zu fragen, ob das in die richtige Richtung geht.

    Und zum Schluss: Das Elterngeld ist nur ein Puzzleteil und es ist im Podcast größer geworden als es geplant war. Betreuung, Arbeitszeiten, mobiles Arbeiten, Flexibilität u.a. sind mindestens genauso wichtig.

    Danke für deine Meinung!
    Lieben Gruß, Janni

    1. Lieber Janni,

      das Thema ist so umfangreich und so spannend. Und nein, ich selber würde nie unterstellen, dass die meisten Väter keinen Bock auf mehr Elternzeit haben. Ich kenne ja nicht nur dich, sondern bin mit einem Mann verheiratet, der gerne deutlich länger zu Hause geblieben wäre.
      Bei uns waren es übrigens interessanterweise wie bei dir (zumindest nicht als ausschließlicher und ausschlaggebender Grund) nicht im klassischen Sinne das Einkommensgefälle, die dazu führten, dass am Ende ich bis hierher beruflich am weitesten runtergefahren habe. Aber dazu habe ich gerade einen weiteren, getrennten Beitrag in die Entwürfe gehauen.

      Ich glaube, dass das Elterngeld ein richtiger Schritt ist. Aber ich glaube eben auch (da sind wir uns einig), dass man sich an der Stelle nicht ausruhen kann. Zufrieden zurücklehnen sollte sich niemand. So wie es jetzt ist und wenn es so bleiben würde, dass aus diversen Gründen so wenige Väter mehr Elternzeit nehmen, obwohl sie es gerne würden, verstärkt es die Einkommensungleichheit.

      Es muss weiter gedacht, weiterdiskutiert werden. Denn auch die öffentliche Diskussion ist ein Weg zum Beispiel durch öffentliche Aufmerksamkeit für gesellschaftliche Akzeptanz und neue familienpolitische Lösungen zu sorgen.

      Möglicherweise kann ein höheres Elterngeld ein Anreiz sein. Mir persönlich drängt sich das aber nicht als erste, zentrale Stellschraube auf. Du nennst selber die anderen zentralen Punkte wie die Betreuung und die flexibleren, elternfreundlicheren Arbeitsmodelle. Darüber hinaus gibt es auch die wunden Punkte in der Steuergesetzgebung.

      Geld muss man dafür in die Hand nehmen. Definitiv. Und das kann und muss Deutschland auch. Es ist ein reiches Land, deswegen kann es das. Und es wird kein reiches Land bleiben, wenn es das nicht tut, deswegen muss es das. Es liest sich wie ein abgedroschener Slogan, aber gerade für ein Land, das so auf dem Solidaritätsgedanken basiert, sind Kinder die Zukunft.

      Herzliche Grüße,
      Kerstin

  3. Liebe Kerstin, interessanter Post. Bei vielen Punkten sitze ich zustimmend hier.
    Was ich aber nie verstehen werde ist, dass es Menschen gibt die für die (hohen) Betreuungskosten sind?!? Wenn ich uns als Beispiel nehme dann zahlen wir stand Sep. 2017 756€/Monat für 2 Kinder. Beide angrenzenden Bundesländer zahlen -genau-nichts. Wenn ich mir dann anschaue welche Kosten der Bund für zB die Rüstungsindustrie ausgibt verstehe ich nicht wie man zu dem Schluss kommt, das Betreuungskosten angemessen sind. Keine Erzieherin verdient dadurch mehr! Die Qualität in Hessen ist nicht schlechter nur weil ich dort jeden Monat 756€ weniger zahlen müsste.
    Mit Familienpolik kommt man nicht in Geschichtsbücher, das ist traurig, aber so ist es hier.

    Alles Liebe und Danke fürs Schreiben
    Bella

    1. Hallo Bella,

      ich bin nicht generell für die Betreuungskosten und auch wenn es im Beitrag untergeht erst recht nicht für diese Unterschiede! Die müssen kurzfristig abgeschafft werden. Ich finde zB das Modell aus NRW recht fair, dass man immer nur für ein Kind bezahlen muss.
      Das man gleich hinter der Landesgrenze unfassbar viel mehr bezahlt bzw hier auch teilweise je nach Stadt sehr unterschiedlich, geht überhaupt nicht.
      Mittelfristig sollte die Betreuung kostenlos sein. Immer. Überall.
      Ich sehe das nur nicht als ersten von vielen notwendigen Schritten.

      Liebe Grüße,
      Kerstin

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