Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 09/2017

#wmdedgT bedeutet: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?„ Frau Brüllen will es wissen und so gibt es heute mal wieder ein Protokoll eines atemlosen Tages bei uns. 


0:30 Uhr // Urschrei aus Kinderzimmer 1. Der Traummann schwankt hin, quatscht mit dem Sonnenschein, wühlt, werkelt, ich höre Fetzen eines Gesprächs und weiß, dass am Morgen ein Berg feuchter Bettwäsche auf mich warten wird.

2:30 Uhr // Jammern aus Kinderzimmer 2. Der Traummann torkelt müde hin und neben mir landet Krümel im Bett. Ich blinzle auf die Uhr „spät für seine Verhältnisse“, der Traummann verlässt das Schlafzimmer Richtung Gästezimmer. Krümel grunzt. Schläft.

3:40 Uhr // Ein Ruf aus Kinderzimmer 1. Nicht mein Job. Ich höre Treppen tapsen und kurzes Gemurmel, als der Traummann die Situation klärt. Krümel schmatzt. Schläft.

5:10 Uhr // „Mama! Tinken! Bessa haben! Unter dehn!“ Nein, Krümel, wir gehen nicht runter. Es ist Schlafenszeit. Hier ist dein Becher, Danke ein paar Schluck reichen. Schlaf. BITTE! Krümel trinkt, reicht mir den Becher, wühlt im Bett und schläft tatsächlich nochmal ein.

6:00 Uhr // Der Traummann hat das Haus bereits verlassen, der Krümel weckt mich „Mama! Tinken! Bessa haben! Unter dehn!“. Ich schnappe mir den nun Zweijährigen (Ja, über den Geburtstag schreibe ich noch.) und wir gehen runter. Frische Windel, eine Flasche Wasser, Sofa, kuscheln.

6:30 Uhr // Schreie aus dem Obergeschoss. Sonnenschein beschuldigt seinen Cousin den Stecker der Lampe seiner Zwillingsschwester aus der Steckdose gezogen zu haben. Sie habe kein Licht!!! Die Zwillingsschwester schläft und ich schalte verwirrt, um den weinenden Sohn zu beruhigen, ihr Licht an. Sie ist nicht begeistert. Sonnenschein kuschelt sich wimmernd in meinem Arm aus seinem Traum.

6:40 Uhr // Ich gönne mir einen kurzen Stopp über das Badezimmer und gehe mit den drei Kindern in die Küche. Brotdosen bestücken, Kaffee kochen, Frühstück machen. Sonnenschein steht weiterhin neben sich, aber das Frühstück verläuft weitestgehend friedlich.

7:20 Uhr // Ich gehe mit zwei Kindern hoch, Sonnenschein will noch alleine eine zweite Portion frühstücken. Oben kurze Debatte mit der Prinzessin über ihr Outfit, den Krümel anziehen und während die beiden schon wieder spielen, den Sonnenschein in eine für ihn genehme Klamotte komplimentieren. Er will heute Drachen steigen lassen (Windstärke -2 hier vermutlich aktuell) und auf keinen Fall zum Fußball.

7:50 Uhr // Zähne putzen, Haare Kämmen, dies und das, Schuhe anziehen, Taschen packen, alles zusammenraffen, die Jungs jeder mit einer Puppe unterm Arm Richtung Auto.

8:00 Uhr // Diskussion über die Sitzplatzverteilung im Auto. Nein, der Fahrersitz ist meiner, beim Rest ist es mir extrem egal, wie ihr euch auf den drei Gruppe-I-Sitzen verteilt.

8:05 Uhr // Aus dem Auto rufe ich den Traummann an, um ihn meine in mir aufkommende Panik um den Kopf zu knallen. Wie soll ich das heute alles gebacken bekommen??? Ich muss noch zur Post, Geld muss ich auch abholen, der Wocheneinkauf steht aus „Nein, auf gar keinen Fall kaufe ich heute wieder nur drei Teile und muss dann morgen schon wieder…..!!!“ außerdem ist heute Fußball, wann soll ich zum Arbeiten kommen und überhaupt müssen wir uns verdammt nochmal ganz dringend um neue Autositze für die Zwillinge kümmern!!! Sonnenschein ist schließlich nicht so untergewichtig wie seine Schwester und auch die wird irgendwann bald zumindest demnächst möglicherweise in einiger Zeit mal 15kg wiegen.

Er liebt mich.

8:10 Uhr // Aus dem Auto raus, rein in den Kindergarten. Der Sonnenschein steht orientierungslos rum, Krümel zieht Schuhe und Jacke aus, geht in den Gruppenraum. Damit Sonnenschein gleiches macht, braucht es viel Mama und eine Weile. Anschließend Krümel wieder anziehen, sechs Küsse verteilen: Sonnenschein braucht vier, Prinzessin reichte einer, aber der Krümel muss ja auch. Auch ins Auto müsste er. Mag er aber nicht.

8:30 Uhr // Ankunft Tagesmutter. Krümel rennt durch, stürzt sich auf die Küche, bekocht seine Puppe und ignoriert seine Mama. Auch gut. Und tschüss.

8:40 Uhr // Im Auto geht das Telefon. Die Schwiegermutter. Ob ich sie bei der Werkstatt abholen kann auf dem Rückweg. Noch stehe sie allerdings im Schlafanzug zu Hause. Ja, einkaufen muss ich ja eh noch.

8:50 Uhr // Discounter: Ich brauche eine Weile und rezitiere aus dem Kopf die Zutaten für noch drei Tage Kindergarten-Brotboxen, Frühstück, Snacks und die fünf Mahlzeiten der nächsten Tage. Actimel für den Kindergarten gibt es natürlich nicht im Aldi und so beschließe ich, auf Lücke einzukaufen.

9:15 Uhr // Einmal quer über den Hof der Werkstatt gefahren und die Schwiegermutter aufgelesen. Nächster Halt: Schwiegerhausen.

9:30 Uhr // Ich muss zwingend noch Bargeld haben: Also zum Geldautomat. Der ist beim Edeka, also kann ich noch Actimel kaufen und beim Bäcker ein Frühstück für meinen immer noch leeren Magen.

10:00 Uhr // Eigentlich will ich zum Rechner durchmarschieren, aber man kann kaum treten bei uns im Haus und der Einkauf muss verstaut werden. Das Telefon piepst: E-Mail von Amazon: Offensichtlich habe „ich“ gerade einen Autositz Gruppe II erworben. Ich sollte mal den Traummann anrufen und mich entschuldigen. Aber erst die TK-Sachen ausräumen und den Kühlschrank irgendwie so sortieren, dass alles hineinpasst. Die Hälfte muss in den Vorratskeller: Ach, da liegt ja ein Berg nasser Wäsche!!!

10:45 Uhr // Ich beschließe das Chaos inklusiv Wäsche zu ignorieren, obwohl ich mich später dafür hassen werde und gehe ins Büro. Das ist übrigens auch nicht aufgeräumter und zudem abgeschlossen, den Schlüssel muss ich erstmal suchen. Fragt nicht!!!

11:00 Uhr // E-Mails abfragen, der Magen knurrt und ein genialer Text von Frau Rabe hält mich von weiteren sinnvollen Gedanken ab.

12:11 Uhr // E-Mails und Kommentare beantworten, dann doch mal eben die Waschmaschine anstellen, auf dem Weg das Brötchen zwischen die Zähne klemmen und schwupps: schon ist eine Stunde um. Autsch.

Der Traummann schreibt eine Nachricht, dass er früher Feierabend macht, damit ich… ach kacke ich hatte ihn doch anrufen wollen. <3

14:00 Uhr // Ich bin doch noch erstaunlich produktiv gewesen und renne nun wild durch das Haus: Fußballsachen suchen, Trinkflaschen und Snacks, Wickelsachen zusammenraffen, den Trockner noch eben beladen.

14:30 Uhr // Ich habe kurzfristig beschlossen, den normalen Ablauf umzuwerfen und die Kinder in umgedrehter Reihenfolge abzuholen. Der Plan ist ein Picknick auf dem Spielplatz neben der Tagesmutter des Krümels. Das müssten sie doch toll finden.

Sonnenschein findet aber gar nichts toll. Er will ins Kino. Nicht dass er wüsste, was Kino ist, aber er will es unbedingt.

14:45 Uhr // Krümel kommt uns bei der Tagesmutter entgegengestürzt und rennt als einziges Kind begeistert zum Spielplatz. Prinzessin ist müde und Sonnenschein will jetzt sofort zum Kino fahren!

Trotzdem finden kleine Leckerein auf der Spielplatzbank dann doch Anklang. Rutschen, wippen, schaukeln und die drei spielen verstecken. Krümel muss das mit den Spielregeln allerdings noch üben.

15:50 Uhr // Wir sammeln den Traummann am Dorfbahnsteig ein und fahren weiter zum Sportplatz.

16:00 Uhr // Sonnenschein findet Trikots doof und Fußball. Er will nur zusehen. Ok.

Einige Minuten später rennen die Zwillinge aber doch mit den anderen Minis über den Platz und Krümel schiebt seinen Puppenbuggy die Tribüne rauf und runter.

17:10 Uhr // „Training“ vorbei und während die Prinzessin ihre Müdigkeit überwunden hat, ist Sonnenschein nun ganz durch. Alles doof! Er will ins Bett.

17:30 Uhr // Ankunft zu Hause. Ich bereite Flammkuchen mit Frühlingszwiebeln und Räucherlachs zu, während die Kinder einer nach dem anderen oder auch zu zweit unter dem Duschstrahl herumhüpfen, um grob den Dreck des Tages abzuwaschen.

18:10 Uhr // Wir essen. Die Kinder mögen heute keinen Flammkuchen und bevorzugen gebutterte Laugenstangen. Auch gut.

18:30 Uhr // Wir kuscheln mit drei müden Kindern auf dem Sofa. Gleich läuft das Sandmännchen.

19:00 Uhr // In ihren Kinderzimmern drehen die drei dann nochmal auf. Es gibt ja noch soviel zu spielen!

20:00 Uhr // Sie haben erstaunlich lange noch gespielt und sind am Ende doch müde im kuscheligen Bett gelandet. „Feierabend.“

Zeit zu schreiben und vermutlich noch eine ausgedehnte Spät-Nachtschicht, da heute kaum Zeit für irgendwas blieb.

Eure Kerstin


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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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