Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? #4

Kerstin —  6. September 2016 — 8 Kommentare

#wmdedgT „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?„ Frau Brüllen will es wissen und so gibt es heute mal wieder ein Protokoll eines ganz normalen, langweiligen Tages bei uns. Heute erstmals in der Edition: Kindergarten!


6:00 Uhr // Der Krümel schimpft laut. Er ist wach. Seine Eltern debattieren, wer nach dieser ausgesprochen dusseligen Nacht das Opfer ist. Sie debattieren zu lange. Als der Vater gerade mit dem Jüngsten nach unten stapft, vermelden die großen Geschwister, dass sie ebenfalls ausgeschlafen hätten.

7:00 Uhr // Die Familie frühstückt und nutzt es aus, dass der Vater heute später zur Arbeit muss.

7:40 Uhr // Auf dem Weg zum Kindergarten werfen die vier anderen Familienmitglieder den Ältesten am Bahnhof raus und jagen ihn damit in die harte Welt der Berufstätigen.

8:00 Uhr // Der Sonnenschein spielt bereits in seiner Gruppe, die Prinzessin wartet an der Einganstür des Kindergartens auf ihren Abschiedskuss und die Mutter rennt zum fünften Mal auf der Suche nach dem Krümel durch die Räumlichkeiten. Der kleine Kerl würde auch gerne hier bleiben.

8:30 Uhr // Jetzt macht er aber erst einmal Nickerchen. So viel erlebt heute schon. Knapp bemessene und vor allem in ihrer Ausdehnung zuvor niemals absehbare Zeit für Home Office. Mutti tippt sich die Finger wund.

10:00 Uhr // Der Krümel wird wach und sein Onkel wird stürmisch begrüßt. Der tauchte zwischenzeitlich auf und fand am Tisch ebenfalls Platz für seinen Laptop, eine Tasse frischen Kaffees und WLAN-Zugang. Krümel beendet die Phase der effizienten Konzentration der kleinen Bürogemeinschaft.

10:15 Uhr // Krümel nascht Weintrauben. Die Erwachsenen Reste vom Geburtstagskuchen.

10:30 Uhr // Krümel übt Stunts auf dem Puky Wutsch.

10:35 Uhr // Krümel übt Stunts auf dem Rollbrett.

10:45 Uhr // Krümel hat schlechte Laune, weil er doof gefallen ist.

10:55 Uhr // Krümel spielt zufrieden. Die Erwachsenen versuchen schnell noch wenigstens diese eine Mail…

11:10 Uhr // Krümel wird unleidlich. Er wird hungrig und müde und langweilig ist ihm auch ein wenig. Sein Onkel wird zur Bespaßung abkommandiert. Mama stellt schnell eine Wäsche an, räumt die Spülmaschine ein, putzt die Küche, bereitet Essen vor,…

11:50 Uhr // Krümel reißt den Mund auf und Mutti löffelt in die Luke rein. Wirklich Hunger hat er anscheinend doch nicht.

12:20 Uhr // Der Onkel ist verschwunden. Eigentlich wäre man startklar, die Zwillinge vom Kindergarten abzuholen, aber dann muss doch eben noch eine Windel gewechselt werden. Also alles wieder ausziehen.

12:45 Uhr // Etwas verspätete Ankunft am Kindergarten. Die beiden großen haben schon ungeduldig gewartet. Nuri habe Geburtstag gehabt! Und überhaupt gäbe es viel zu berichten. Ich lausche gebannt auf dem Heimweg.

13:05 Uhr // Die Kinder sammeln Steine vor der Haustür und wollen Unkraut jäten. Das Unkraut steht im falschen Vorgarten und wird vom Besitzer desselbigen vermutlich nicht als solches angesehen. Eher hat er es teuer im Gartencenter erworben. Es beginnen Diskussionen zwischen Mutter und Dreijährigen. Es dauert…

13:30 Uhr // Zeit für ein kleines Mittagessen mit sehr müden Kindern.

13:45 Uhr // Krümel schläft. Die großen Zwillinge wollen tatsächlich CD hören und sich ausruhen.

14:00 Uhr // Prinzessin ist fertig mit ausruhen und wünscht Unterhaltungsprogramm. Ihr Zwillingsbruder schläft.

14:30 Uhr // Auftritt des Klempners, der die Heizung warten soll. Prinzessin versteckt sich.

15:00 Uhr // Die Heizung ist startklar für den Winter. Und alle so YEAH! (Ich bin das noch so gar nicht!!!) Krümel wacht auf. Vergeblich versuchen wir Sonnenschein zu wecken. Er brummelt nur und dreht sich um.

15:15 Uhr // Ein klein wenig Obst tut jetzt gut. Gleich wollen wir zum Bahnhof und Züge bewundern. Den Familienvater später dort einsammeln. Prinzessin startet einen neuen Weckversuch beim Sonnenschein.

15:30 Uhr // Es klingelt. Die Stiefschwiegeruroma – Oma – steht mit einer Cousine vor der Tür. Sie hätte ausgemistet und bringt kurz ein wenig (übersetzt BERGE!!!) Klamotten vorbei. Sonnenschein schläft immer noch.

15:35 Uhr // Wir streichen den Ausflug zum Bahnhof und reichen Kaffee. Prinzessin und Krümel durchwühlen die mitgebrachten Taschen. Krümel begeistert sich für den rosa Barbie-Fön (der dritte, den wir von dieser Adresse hiermit erben) und Prinzessin fährt die Playmobilautos durch das Wohnzimmer. Niemand bekommt den Sonnenschein aus seinem Bett.

15:55 Uhr // Der Sonnenschein steht dann doch auf, um den geerbten Bagger zu bewundern. Cousine und Oma ziehen weiter.

16:00 Uhr // Auftritt des Papas. Wildes Durcheinander. Zwei von drei Kindern quengeln, weil sie gerade dringend irgendwas wollen. Krümel versucht an seinem Vater vorbei nach draußen zu gelangen in die Freiheit und die Erwachsenen bemühen sich um ein kurzes Status-Update.

16:15 Uhr // Der Herr des Hauses will (muss) kurz mit den Kindern einkaufen gehen. Es beginnt eine Diskussion, ob man dazu Schuhe benötigt, ob man nicht direkt auf dem Spielplatz könne, warum man jetzt nicht zum Bahnhof fahre, ob Schwimmen gehen jetzt nicht netter wäre und dass man ein Eis wolle!!! Krümel versucht sich durch das Chaos zu der immer mal wieder geöffneten Haustür zu flüchten.

16:30 Uhr // Vier Familienmitglieder verlassen das Haus. RUHE!!! Jetzt ganz schnell für eine Stunde ins Büro! Auf dem Weg noch kurz an der Waschmaschine vorbei, endlich einmal die Spülmaschine öffnen können, ohne dass ein Krümel hereinklettert, zwanzig Kleinigkeiten vom Boden aufsammeln und im Büro den Weg zum Schreibtisch vor lauter Bügelwäsche nicht finden.

17:30 Uhr // Die Lebensmittel vom Einkauf stehen auf der Arbeitsplatte. Sie wurden kurz hereingereicht. Jetzt schnell daraus etwas essbares zaubern.

17:55 Uhr // Ziemlich dreckige Kinder kehren vom Spielplatz heim. Eins von drei weinend. Sie habe Hunger, jammert die Prinzessin. Sie habe Durst. Ihr Fuß täte weh und Mama diagnostiziert, dass sie die Augen kaum aufhalten kann.

18:10 Uhr // Das Gäste-WC steht unter Wasser, weil eine immer noch weinende Prinzessin seit 10 Minuten ihre Hände wäscht und auf keinen Fall jetzt fertig ist. Die Jungs haben ihre Hände bereits am Sofa gereinigt. Das Waschbecken ist ja belegt.

18:15 Uhr // Drei Kinder stehen in einer plötzlich sehr engen Küche und brüllen Bedürfnisse heraus. Zwei Erwachsene versuchen ohne Verbrennungen ihrerseits oder eines der Kinder das Essen aus dem Ofen zu bekommen, den Tisch zu decken und alle erkennbaren Bedürfnisse aus dem Gebrüll zu filtern und zu erfüllen.

18:30 Uhr // Krümel futtert mit Begeisterung. Prinzessin weint, weil sie Nudeln mit ohne alles und Ketchup und Käse und auf einem anderen Teller will. Sonnenschein hat kein Interesse an einer Nahrungsaufnahme und mal Muster auf die Tischplatte.

18:45 Uhr // Krümel spielt mit seinem Vater im Kinderzimmer, während der große Sonnenschein sich unter Aufsicht seiner Mama ganz alleine duscht. Prinzessin macht es ihm kurz darauf erstmals nach. Sollte der Bann endlich gebrochen sein und Haare waschen langsam ohne Drama ablaufen?

19:10 Uhr // Die Zwillinge sitzen in ihren Bademänteln auf dem Sofa und sehen Sandmännchen. Wie machte man das in Zeiten vor der Mediathek? Das muss stressig gewesen sein!

Krümel präsentiert derweil seine neuste Fähigkeit: Er kann jetzt alleine auf das Sofa klettern. Unfallfrei runter geht es selbstverständlich nicht.

19:45 Uhr // Krümel wird vom Traummann ins Bett gebracht, während eine ziemlich müde Mama drei Gute-Nacht-Geschichten vorliest. Prinzessin protestiert kurz, dass sie jetzt auf gar keinen Fall schlafen könne. Ich reiche also ein weiteres Buch und schlage vor, dass sie dann noch ein wenig lesen möge.

19:50 Uhr // Auf dem Weg zum Wohnzimmer verrät der Blick ins Kinderzimmer, dass Prinzessin auf ihren vier Büchern eingeschlafen ist. Sonnenschein murmelt müde: „Machst du Licht aus, Mama?“ Ja!

20:00 Uhr // Während der Traummann die Küche aufräumt, klappe ich den Rechner auf und will eigentlich noch schreiben und endlich mal wieder bei #wmdedgt mitmachen!!!

20:10 Uhr // Die Erkenntnis, dass kein gerades Wort mehr dabei rumkommt, setzt sich durch. Aus dem Gefrierschrank fische ich mir ein Eis und kuschel mich mit dem mir angetrauten auf das Sofa. Ein oder zwei Folgen Gilmore-Girls netflixen und dann…

20:30 Uhr // Auf dem Sofa schläft der erste.

21:15 Uhr // Man einigt sich, ins Bett umzuziehen. Viel Schlaf gibt es auch in dieser Nacht nicht.


Mehr langweilige Alltagsprotokolle von uns findet ihr hier.

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

8 Antworten zu Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? #4

  1. 

    Klingt fast wie bei uns. Jedoch ohne Krümel und ohne Kindergarten. xD

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  2. 

    Herrlich!!!
    Da hab ich doch tatsächlich ein so tolles Blog wie deines bisher nicht gekannt.
    Wenn ich das lese, frage ich mich, wie ich nur mit meinem einen kleinen Käferle schon so überfordert sein kann 🙂
    Danke für diesen tollen und witzigen Einblick in euren Alltag, da freue ich mich jetzt schon auf die anderen Protokolle!

    Liebste Grüße
    Julia

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    • 

      Hallo Julia! Und Willkommen. 🙂 Das freut mich zu lesen, dass dir mein Blog gefällt. Humor ist ja oft das beste Mittel, in dem Chaos nicht den Verstand zu verlieren. Vielleicht habe ich das aber auch schon längst, es würde vermutlichnicht auffallen. 😉 LG Kerstin

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  3. 

    Hallo, bin heute auf deinen blog gestoßen und es kommt mir vor wenn ich das geschrieben hätte ☺ sehr ähnlich siehts bei uns auch ab und zu aus. 🙈
    mein zwillingspärchen wird im jänner 3 Jahre.

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  4. 

    Hallo Kerstin,sehr toll wie du alles schreibst….hab dich schon öfters gelesen. Kann mir das gar nicht vorstellen wie das mit drei Kleinkindern machbar ist. Meine Jungs sind jetzt 14 Monate….und sind sehr wild! 🙂 aber trotzdem ist es wunderschön. Liebe Grüße! 🙂

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  5. 

    Ich habe mich inzwischen durch deinen ganzen Blog gewühlt, oft herzhaft gelacht, dich öfters beneidet, und ehrlich gesagt liebe ich es, ein Stündchen pro Tag bei dir zu verbringen 😀 Bitte weiter so. Deine Kinder sind klasse, dein Mann erst recht und du rockst es wirklich!!

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  6. 

    Wunderbar, da fühle ich mich so richtig verstanden;)
    Wir haben vier Kinder und die kleinsten sind bei uns die Zwillis. Vielen Dank für diesen ‚Schmunzelbeitrag‘.

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