Einkaufen mit Kleinkindern und der Anspruch

Anspruch & Wirklichkeit: Die Wissenschaft des perfekten Einkaufs

Also das mit dem Einkaufen ist ja so eine Sache. Früher da hatten wir (also der Traummann und ich) zum Beispiel Hunger und beschlossen etwas dagegen zu unternehmen. Wir fuhren fix einkaufen. Oder vielleicht kauften wir sogar etwas weniger hungrig Lebensmittel ein. (Wenn wir klug waren, was wir aber oft zuviel vorausschauendes Denken damals war.)

  1. Hin zum Supermarkt.
  2. Rein in den Supermarkt.
  3. Leckeres Gedöns in den Einkaufswagen.
  4. Bezahlen.
  5. Raus aus dem Supermarkt.
  6. Nach Hause. Fertig.

Manchmal wechselten wir der Supermarkt. Aber eher selten. Hin und wieder fuhren wir nicht mit dem Auto, sondern gingen wagemutig zu Fuß. Wir verfeinerten im Laufe der Jahre die Definition von „lecker“ und Punkt 4 wurde immer angenehmer/leichter. Aber im Großen und Ganzen war dieses Lebensmittel-Einkaufen eine simple Geschichte.

Eltern kaufen anders ein.

Wir sind Eltern! Wir haben Kinder! Also haben wir weniger Zeit zum Einkaufen, höhere Ansprüche und erschwerte Bedingungen. Einkaufen mit Kindern kann furchtbar aufregend sein, möglicherweise sogar stressig oder einfach ziemlich skurril. Wir sind zur gnadenlosen Effizienz gezwungen und bummeln nicht mehr gemütlich durch Regalreihen.

Heute kaufen wir möglichst effizient und vorausschauend, kostengünstig und zeitsparend, frische und gesunde, kindgerechte und leckere, regionale und saisonale, nachhaltig produzierte und möglichst unverpackte, zu fairen Bedingungen produzierte und fair bezahlte Bio-Lebensmittel ein. UFF!

Und an dieser Stelle reibe ich mich dann gerne mal auf. Denn ja, das sind so meine theoretischen Ideale. Praktisch läuft das bei uns so:

Die Schere zwischen Theorie und Praxis

Der nächste Discounter ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad prima zu erreichen. Da kann ich dann den Groß-Einkauf für die ganze Woche machen, für den ich dann doch besser das Auto nehme, um nicht zig mal die Woche los zu müssen. Macht ja mit kleinen Kindern wenig Spaß und wir wollen unsere Freizeit ja nicht nur im Discounter verbringen.

Dummerweise hat dieser Discounter nicht so das breite Sortiment und es mangelt an Bio-Produkten, Obst und Gemüse sind in Plastik eingeschweißt und überhaupt, kann man hier definitiv nicht alles mit gutem Gewissen kaufen. Macht nix.

Der nächste Supermarkt ist gleich gegenüber. Nur ein paar Schritte. Da kann ich dann wunderbar auch unverpackte Gemüsesorten finden, wenn ich denn Glück habe. Die haben sogar eine Fleischtheke. Nur leider gibt es da kein Bio-Fleisch. Käse und Wurst muss ich in Plastik verpackt in der Kühltheke holen, wenn ich denn so unbedingt auf Bio bestehe. Aber dann habe ich mehr Müll. Die Milch ist entweder Bio ODER in Flaschen zu bekommen. Wenn Bio dann aus 600km Entfernung und wenn regional, dann sicher nicht Bio. Macht nix.

In der Stadt unten gibt es einen kleinen Bio-Metzger, der auch ganz hervorragende regionale Produkte anbietet. Die Preise sind fair.  Da wir auch eher wenig Fleisch essen, kann man das ja hier kaufen. Wenn man sich denn auf den Weg macht in die Stadt. Das bedeutet einen gewissen Extraaufwand.

Macht aber eigentlich nix, denn das kann man ja mit einem Besuch auf dem Markt verbinden. Das ist ja eh romantisch. Außerdem gibt es beim Metzger Bio-Milch in Flaschen aus der Region. Also die Milch aus der Region. Bei den Flaschen kann ich das jetzt nicht konkret behaupten.

Dummerweise mögen die Kinder aber keine Milch, auf der sich Rahm absetzt. Da kann Mama noch so davon reden, dass das bei Milch durchaus normal ist, wenn sie nicht so hocheffizient durch die Industrie dreimal hin und her perfektioniert wurde. Sie trinken sie nicht. Mittlerweile misstrauen sie jeder Milch aus Glasflaschen. Na super. 

Die Kette geht so weiter. Obst und Gemüse sind gesund. Leider essen einzelne Kinder hier nur einzelne Sorten. Die haben aber nicht ganzjährig im direkten Umland Saison. Essen die Kinder eben nur in der Saison Gemüse. Auch ok. Und die saisonalen Produkte aus der Region machen sich auch nach einer Woche ignorieren mit ihrem leicht matschigen Shabby Chic in der Obstschale ganz hervorragend. Esse ich eben alleine Grünzeug und die Kinder bekommen Pillen zur Vorbeugung von Skorbut.

Aber die Pharmaindustrie wollen wir ja bei ihrem Wettkampf um das nächste unnötige und völlig überteuerte Nahrungsergänzungsmittel auch nicht unbedingt unterstützen. Also doch lieber Erdbeeren aus der Tiefkühlung und Bananen aus der Karibik. Aber bitte wenigstens Fairtrade und Bio.

Ansprüche muss man sich auch leisten können

Ich scheitere oft ein wenig an diesen Idealen. Natürlich kann man alles hier irgendwie bekommen. Aber es gibt eben in der ganzen Kleinstadt keinen Bio-Supermarkt oder Unverpackt laden, in dem man mal eben so reingehen könnte. Es gibt einen Bio-Metzger, ein klitzekleines Reformhaus, die schmalen Bio-Regale in den Supermärkten, samstags den Markt und einzelne Bauernhöfe mit Hofläden.

Aber wenn ich meine Eier bei dem Bio-Hof im Dortmunder Süden hole, die Milch und das Fleisch beim Metzger, den veganen Brotaufstrich im Reformhaus, das Gemüse beim Bio-Bauern auf dem Markt, die günstigen Trocken-Produkte im Discounter und anschließend die Lücken im Supermarkt fülle, bin ich selbst bei effizientester Planung die ganze Woche permanent unterwegs auf Nahrungsmittelbeschaffungstour oder blase an einem sehr langen Nachmittag sehr viel Diesel mit unserem dicken Familienauto in die Umwelt. Das fühlt sich dann auch nicht mehr sinnvoll und vor allem ziemlich ineffizient und wenig kostengünstig an. Also gibt es Kompromisse.

Man glaubt ja, dass es auf dem Land, in der Nähe der Erzeuger viel einfacher sei, ganz nachhaltig zu leben. Vielleicht in einer Selbstversorger-Kommune. Ansonsten sind die Wege immer weiter, je ländlicher man wohnt, die Bio-Märkte kleiner und seltener. Der öffentliche Nahverkehr eine immer unzumutbare Alternative zum Auto.

Ich kenne übrigens Menschen, die fast alle diese oben genannten Kriterien beim Einkauf beherzigen. Erfolgreich! (Und ich finde das gut!) Die haben aber oft keine Kinder, mehr Zeit, wohnen in der Großstadt, haben mehr Kleingeld (und sogar Scheine) in der Tasche. Wir versuchen es im Kleinen.

Die Kompromisse

Manche Produkte kaufe ich nicht, wenn ich sie nicht in entsprechender Bio-Qualität bekomme. Bei Obst und Gemüse kaufe ich lieber regionale Produkte, die Saison haben, als Bio-Erdbeeren aus Israel im Advent. Bevor kein Gemüse im Haus ist, das jedes Kind ist, kaufe ich aber auch zu den unmöglichsten Jahreszeiten und leider auch Preise eine Schlangengurke. Wenn ich Verpackung vermeiden kann, dann auf jeden Fall. Wenn ich einige Kilometer weiter fahren muss, um das zu schaffen, dann eher nicht. Damit können wir ganz gut leben und es ist unsere Variante des bewussten Einkaufs.

Nächste Herausforderung: glutenfrei

Und nun kommt der nächste Hit: Ab jetzt bitte alles glutenfrei.

Bei mir wurde Zöliakie diagnostiziert. Und eine Laktoseintoleranz. Später schreibe ich drüber. Jetzt gerade ist es einfach eine neue Einkaufs-Challenge.

Aus oben genannten Gründen darf ich nun glutenfreie Produkte jagen und ratet mal, wer da alles quasi gar kein entsprechendes Sortiment führt? RICHTIG! Alle im direkten Umkreis befindlichen Geschäfte. Ich weiß bisher nur von einem ernstzunehmenden glutenfreien Sortiment im mir persönlich unsympathischen Groß-Supermarkt der Stadt und dem Drogeriemarkt in der Innenstadt. Auf ein neues in die Einkaufshölle!

Worauf achtet ihr beim Einkaufen? Schafft ihr es, immer gesund und lecker zu kombinieren, regionale Produkte in Bio-Qualität zu ergattern, die dann auch noch unverpackt sind?

Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

4 comments

  1. Ganz ehrlich? Ich achte darauf, dass es uns schmeckt und gegessen wird. Dass es nicht zu teuer ist (ich meine damit aber auch nicht billig), ist ein weiteres Kriterium. Meist hole ich alles bei unserem Supermarkt um die Ecke, bei dem ich beim Weg von der Arbeit (mit dem Auto) sowieso vorbei komme. Effizienz und so. Leider gibt es hier keine „Frischetheken“, aber so ist das halt. Beim Obst und Gemüse kommt es mir manchmal in den Sinn zu schauen, wo es her kommt. Äpfel aus Deutschland werden bevorzugt gekauft. Und jetzt die Orangen und Mandarinen aus Spanien statt Südafrika. Aber auch das ist nicht immer so. Manchmal, also selten, wird auch was gekauft, was gerade keine Saison hat. Aber meist hält mich (zum Glück) der horrende Preis vom Konsum ab. Und beim Obst und Gemüse verwende ich Netze, die mehrfach genutzt werden können, statt der Kunststofftüten.
    Ich wünsche dir viel Erfolg bei der glutenfreien Ernährung. Du packst auch diese Challenge, da bin ich mir sicher!

  2. Liebe Kerstin,
    Wir haben ganz ähnliche Kriterien, wie ihr.
    Ich versuche so viel wie möglich aus der Region zu kaufen. Zum Glück haben wir hier eine meierei ums Eck, die Milch verarbeitet, bei der die Kälber bei ihren Müttern bleiben dürfen, leider aber nur im Tetra pack, aber das nehm ich dann hin.
    Da mein Mann und ich meistens vegan und immer vegetarisch essen, gibt es hier Bio-Fleisch und Wurst, die bekomm ich dann an der Theke beim Wochenend-Einkauf, den wir mit dem Auto bestreiten.
    Bei Obst und Gemüse achte ich schon darauf, dass es aus der Region oder zumindest aus Deutschland kommt.
    Mein Supermarkt Nebenan, zu dem ich dann nach der Kindergarten und Schulbring runde gehe, hat auch wirklich viel regionale Ware. Leider nicht immer bio aber regional.

    Vielleicht fällt es mir daher etwas leichter meine Kriterien einzu halten.

    Gluten und Laktose frei bekommt man im großen Supermarkt zu dem wir am Wochenende fahren auch ganz gut.

    Viel Erfolg bei der neuen Einkauf-Herausforderung

  3. Im Vergleich zum Durchschnitt legen wir garantiert schon ein recht vorbildliches Einkaufverhalten an den Tag… Wir versuchen soweit regional/saisonal und bio einzukaufen, versuchen wo es geht auf unnötige Verpackungen zu verzichten und soweiter. Aber wir machen auch großzügige Kompromisse, wenn es nicht passt. Ich versuche da auch immer recht unverkrampft ran zu gehen ;o)
    Unser Vorteil ist, dass alle ein warmes Mittagessen in Kita/Schule/Büro haben und wir so unter der Woche nicht kochen. Von daher reicht uns ein großer Wocheneinkauf am Freitag im großen Supermarkt mit „K“, der Marktgang am Samstag sowie max. 2 kleine Einkäufe unter der Woche für frisches Obst o.ä.

    Zu deiner Lebensmittelunverträglichkeit: Auch wenn es erstmal massig viel Aufwand ist, kommst du wahrscheinlich am besten, wenn du möglichst viel selbst machst. Es gibt relativ viele glutenfreie Mehle (Buchweizen, Hafer, Mais…) und man kann Weißmehl auch gut durch gemahlene Nüsse und Stärke ersetzen. Für den Th*rm*m*x gibt es ein eigenes Rezeptheft zum Thema „Glutenfrei backen und kochen“ und wegen der Lactoseintoleranz lohnt sich ein Blick in die vegane Küche – du kannst dann ja immer noch ein Steak dazu essen ;o)
    Eine Ernährungsumstellung ist am Anfang immer aufwendig und stressig, aber auf lange Sicht wirst du dich wesentlich vielseitiger, stressfreier und wahrscheinlich auch preiswerter ernähren können als wenn du auf Fertigprodukte zurück greifst…

    Alles Gute,
    Nadine

    1. Danke Nadine, ja ich sehe es auch einfach als Herausforderung, neue Dinge zu lernen. Sorgen mache ich mir keine, zumal es mir langfristig dann besser gehen wird. LG

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