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Liebeserklärung an meine Eltern (… und meine Schwester)

Meine liebe Gastgeberin Kerstin hat in ihrer “Liebeserklärung an die Familie“ die nachfolgenden Fragen gestellt:

Wie lebt ihr Familie? Habt ihr auch so eine enge Bindung oder seid ihr eher froh, wenn sie nicht in der Nähe sind?
Und könnt ihr loslassen? Eine Stunde entspannt abschalten, während der kleine Wurm von Familienmitgliedern betreut wird?

Als die Murmels geboren wurde, habe ich bereits seit einigen Jahren weiter weg von meiner Familie gewohnt. Die Gründe dafür waren vielfältig > Liebe auf den ersten Blick (mein Haus), kürzerer und weniger staulastiger Arbeitsweg, aber ehrlich gesagt auch die Familie… der ewige Zwist meiner Brüder, permanent zwischen die Fronten gezogen werden, vielleicht auch ein Stück weit weglaufen und Distanz schaffen nach dem Tod meiner Schwester! Auch wenn sie schon ewig nicht mehr bei uns im Ort gelebt hat, so gab es doch zu viele Erinnerungen.

Ich habe mich in meiner Wahlheimat Wuppertal super wohl gefühlt und “mein Zuhause“ fehlt mir auch nach bald zwei Jahren noch.

Die Babyzeit war nicht immer einfach. Durch die räumliche Distanz waren wir ganz auf uns auf uns alleine gestellt. Es war schon Luxus pur, als irgendwann die Tochter einer Bekannten bzw. die Nachbarstochter ab und an mal mit den Murmels spazieren gegangen sind… schnell alleine einkaufen, mal in Ruhe duschen oder auch (direkt beim ersten Ausflug der Kinder) elterliche Zweisamkeit…

Besonders für meine Eltern war das schon ziemlich doof, dass die Enkelkinder so weit weg waren. Sie haben die Murmels alle zwei – drei Wochen sonntags nachmittags gesehen… viel viel zu wenig!

Als die Murmels 4,5 Monate alt waren, bin ich mit ihnen nach Nordholland zu meinen Eltern auf den Campingplatz gefahren. Meine Eltern haben die Zeit mit ihren Enkelkindern so sehr genossen. Ich hatte das erste Mal seit der Geburt richtig Zeit für mich – ein Buch lesen, am Strand spazieren gehen 😉

Und dennoch ist für mich eine Welt zusammen gebrochen, als klar war, dass ich mein Haus verlassen und zurück in die alte Heimat muss…

Warum musste ich mein Heim verlassen? Es war immer klar, dass ich auch mit Kindern relativ schnell wieder arbeiten gehe. Wir haben uns daher sehr schnell um Betreuungsplätze für die Murmels bemüht. Allerdings ist es in Wuppertal nahezu unmöglich Kita Plätze für unter 2jährige zu bekommen. 2 Kinder in der gleichen Einrichtung unterzubringen setzt dem ganzen dann noch die Krone auf. Mit viel Mühe haben wir dann irgendwann eine super tolle Tagesmutter gefunden. Der Harken – nur für 30 Stunden die Woche. Der Murmelpapa arbeitete in Essen und ich bin kurz vor dem Mutterschutz nach Gelsenkirchen versetzt worden. Zusätzlich zu der reinen Arbeitszeit kamen also (vor allem bei mir) erhebliche Fahrzeiten hinzu. Es konnte funktionieren – es musste alles auf die Minute durchgetimet werden…

Murmeljunge mit OpaUnd meistens kommt es doch ganz anders. Nach dem der Murmelpapa mir offenbart hat, dass er geht, war klar, alleine schaffe ich das mit der begrenzten Betreuung nicht. Da der Murmelpapa zu der Zeit in Elternzeit war, hatte ich ad hoc keine Betreuung mehr (bis zur Eingewöhnung bei der Tagesmutter wären es noch ca. 3 Monate gewesen).

Es ist der 9. Dezember, 22 Uhr… Mama und Papa sind gerade nach oben ins Bett. Erste Reaktion meines Papas am Telefon war “Soll ich sofort kommen? Brauchen wir den Anhänger?“ (zwei 8 Monate alte Babies > Kinderwagen, Reisebetten, Hochstühle…) Papis wissen, wie sie auf ewig die Helden ihrer Töchter bleiben <3

Er musste in der Nacht nicht mehr kommen. Ich bin am nächsten Vormittag mit den Kindern zu meinen Eltern – für 4 Monate. Sie haben von jetzt auf gleich ohne mit der Wimper zu zucken uns Asyl gegeben, bis die neue Wohnung gefunden und fertig war. Sie haben völlig selbstverständlich für 2,5 Monate die Kinderbetreuung übernommen. Mein Papa hat die Kita Eingewöhnung (ja, hier habe ich sofort 2 Plätze in der gleichen Einrichtung bekommen) zu Ende geführt, als das Murmelmädchen mit mir nur noch Theater gemacht hat.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe die besten und tollsten und liebsten Eltern der Welt! <3

Murmelmädchen mit OmaDie Zeit war hart! Verdammt hart! Meine Mama und ich unter einem Dach, dasging noch nie lange gut. Neben meiner Arbeit musste ich in Wuppertal meinen Hausrat zusammen packen, die Wohnungen für die Vermietung herrichten, Mieter finden, die neue Wohnung renovieren… Die Murmels waren zu der Zeit auch sehr anstrengend. Die ganzen Veränderungen sind auch an ihnen nicht vorbei gegangen. Schlaf war nahezu ein Fremdwort… und auch dabei haben meine Eltern mir geholfen <3 meine Eltern haben sehr oft nachts den Murmeljungen zu sich ins Bett geholt, damit ich mir die Nacht nicht mit 2 Babies um die Ohren schlagen muss.

Trotz all der Hilfe durch meine Eltern, waren wir doch alle sehr froh, als die Murmels und ich in unsere neue Wohnung umziehen konnten. Meine Eltern und ich hatten endlich wieder Privatsphäre und die Murmels bekamen wieder einen geregelten Tagesablauf. Wir hatten wieder ein großes Bett und konnten dort zusammen schlafen, so dass wir alle wieder mehr Schlaf bekamen.

Ich werde meinen Eltern auf ewig dankbar sein. Ohne sie hätte ich vermutlich meinen Job hinschmeißen müssen…

Unsere neue Wohnung ist toll – Gartentor auf und die Murmels stehen bei Oma und Opa vor der Tür! Großeltern und Enkelkinder sind unzertrennlich! Meine Eltern sind glücklich, noch mal Enkelkinder aufwachsen zu sehen (meine Neffen sind 34 und 23).

So sehr ich meine Wahlheimat vermisse, für meine Eltern und Kinder war es das Beste was passieren konnte!

Familie wird für mich dennoch auch immer eine traurige Seite haben. Die Murmels werden niemals die tollste Tante der Welt kennen lernen. Wie erkläre ich meinen Kindern, dass sie eine Tante haben, die nicht mehr da ist. Eine Tante, die ihre Mama immer noch so wahnsinnig vermisst… und ein Murmelmädchen, dass aussieht wie ihre verstorbene Tante?

Mein Name ist Tanja. Ich bin alleinerziehende, getrennt lebende, berufstätige Mama eines fünfjährigen Zwillingspaares - meine Murmels. Auf Twitter findet Ihr mich unter @Murmelmum und hier im Blog hat die liebe Kerstin mir ein kleines Dauergast-Apartment eingerichtet :-)

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