Flavius und Brutus

Meine Zwillingsschwangerschaft mit Flavius und Brutus

Meine Zwillingsschwangerschaft war ziemlich unaufregend und doch habe ich 5 Teile gebraucht, sie für euch niederzuschreiben. Aber es gibt soviele Geschichten zu erzählen. Jenni ist ebenfalls Zwillingsmutter und bloggt sonst auf Flavius und Brutus. Heute erzählt sie euch hier die Geschichte ihrer Schwangerschaft:


Ich war gerade mittendrin in meiner Bachelorarbeit, für die ich selbst ein Projekt an einer Gesamtschule organisieren und durchführen durfte, als mich der Schlag traf. Noch nie, oder sagen wir einmal, ganz selten war ich jemals auch nur einen Tag drüber gewesen. Ich holte mir peinlich berührt im Drogeriemarkt meines Vertrauens einen Schwangerschaftstest. Der Verkäufer grüßt mich heute noch. Schnell hatte ich das Ergebnis. „Der zweite Streifen kann sehr blass erscheinen“, stand da. Haha, von wegen. Zwei dicke, fette, blaue Streifen waren da zu sehen. Kein Zweifel. Ich machte einen Frauenarzttermin aus und beichtete abends im Bett meinem Freund. „Ich glaube, ich bin vielleicht schwanger“. Ich weinte ein bisschen, aber wir dachten, ein Kind, das kann man auch neben dem Studium wuppen. Das steckt man sich ins Tragetuch und nimmt das zur Not mit. Machen doch viele, oder? Und die Uni nennt sich „kinderfreundlich“. Na also! Ein Wochenende verbrachten wir in dem Glauben, wir bekämen ein Kind. Darüber lachen wir manchmal immer noch. Eins! Eins ist keins, sagen Zwillingseltern gerne.

Meine Familie war aus dem Häusschen. Ich hatte es nämlich meiner Mutter gesagt, denn ich wäre sonst geplatzt. Schwester 2 sagte: „Das ist ja super! Endlich!“ und Schwester 1 sagte: „Bestimmt kriegst du Zwillinge.“

Der Frauenarztbesuch bestätigte das ziemlich schnell. Auf dem Ultraschall konnte ich zwar gar nichts erkennen und konnte auch selbst noch nicht so richtig verarbeiten, dass ich schwanger sein sollte, aber dann fragte die Ärztin mich: „Lieben Sie Ihren Partner?“ und ich fragte zurück: „Äh, ja? Wieso?“ „Na, das ist schon mal gut. Sie bekommen nämlich Zwillinge.“ Ab da lachte ich hysterisch und hörte nur aus weiter Ferne, wie sie murmelte „Ich leuchte mal, ob ich noch ein drittes finde.“ Im Wartezimmer saß mein Freund, der auf eine Hormonschwankung hoffte, zwischen einigen schwangeren Frauen, die sich alle einen abgrinsten, als ich ihm das Ergebnis mitteilte. Draußen riefen wir unsere Mütter an.

Schwanger im Studium mit Zwillingen

Was es bedeutet, schwanger zu sein und ein oder dann gleich zwei Kinder zu bekommen, davon hatte ich nicht die geringste Ahnung. Ich fühlte mich von Arzttermin zu Arzttermin geschubst, musste zum Spezialisten, schrieb nebenbei irgendwie meine Bachelorarbeit und machte mein Latinum. Ich wohnte im Studentenwohnheim, übergab mich jeden Morgen und musste oft eher nach Hause gehen, weil ich so müde und fertig war. Meine Mitbewohnerin zeigte kein Verständnis und nahm mir gar nichts ab, dabei war es manchmal sogar zu viel, mir etwas Vernünftiges zu essen zu machen. An einem Tag konnte ich vor lauter Kotzen noch nicht einmal aufstehen und mein Freund musste kommen, um sich um mich zu kümmern. Das war echt eine heftige Zeit. Das Verhältnis zwischen meiner Mitbewohnerin und mir und die Atmosphäre in der Wohnung waren so frustrierend für mich, dass ich meine Tür abschloss und mich für die letzten Semesterwochen bei meiner Familie einnistete. Ich hatte auch noch nicht wirklich viel Bauch bis dahin.

Im Sommer zogen mein Freund und ich in unsere erste gemeinsame Wohnung. Ab da wurde alles besser. Ich kam endlich zur Ruhe, hatte einen neuen Frauenarzt, der gleichzeitig ein Risikoschwangerschaftsspezialist war und musste mich nicht mehr in verschieden Praxen ausziehen. Die Schwangerschaft wurde endlich schön und greifbar und ich konnte sie genießen. Mein Freund ölte abends meinen immer riesiger werdenden Bauch ein. Mir war immer noch sehr oft schlecht, aber es war alles nicht mehr so schlimm. Ich musste im September meine Latinumsprüfung absolvieren, konnte aber nur sehr selten zum Unterricht gehen und an den Probeklausuren teilnehmen. Ich hatte eigentlich jedes Mal Nasenbluten oder Übelkeit und musste dann doch nach Hause gehen. Die Blicke der Prüfer, als sie meinen überdimensionalen Bauch sahen, werde ich nie vergessen. Und als ich fragte, ob man für die Jungs auch schnell ein Latinum ausstellen könnte, lachten sie leider nur.

Ansonsten hatte ich lustigen Heißhunger auf Ristorante Pizza Pasta (gibt es nicht in jedem Supermarkt, fragt meinen Freund), gefrorene Himbeeren und Carolinen Isolight (dasselbe Problem wie bei der Pizza). Ich war noch näher am Wasser gebaut als sowieso schon, am schlimmsten traf es mich, als im Fernsehen die Naturdoku „Der Wiedehopf kehrt zurück“ lief. So viel habe ich in meinem ganzen Leben nicht geweint, wie an diesem Abend. Außer bei der Wiederholung.

Ein dicker Bauch im Herbst

Entgegen aller aufheiternden Sprüche à la „bis zur 20. Woche geht eh noch einer ab“, „Zwillinge kommen meistens in der 30. Woche und müssen noch ewig im Krankenhaus bleiben“ oder „manchmal bringt ein Zwilling den anderen im Bauch um“ kam und ging der Herbst, ich kam und ging nicht mehr zur Uni und ließ es stattdessen, wenn ich nicht auf dem Sofa chillte, noch röchelnd und unter Ischiasschmerzen auf der Soester Allerheiligenkirmes „krachen“. Ich war bestimmt eine ganze Stunde da, bis ich nach Hause musste.

Flavius und Brutus

Bei den Untersuchungen hörte ich immer nur Gutes, das war absolut herrlich. „Ihre Jungs sind vom Feinsten!“, sagte mein Arzt immer. Aber die Zeit verging trotz Nestbau und Fernsehen langsam. Ich wollte nur noch meine Babys endlich im Arm halten. Ich konnte allerdings manchmal einen Fuß oder einen kleinen Popo halten, denn die traten beim Purzelbäume schlagen der Kinder oft deutlich aus meinem Bauch hervor. Dabei wusste ich immer, wer welches Kind ist, noch heute verhalten sie sich teilweise ähnlich wie im Bauch. Und wenn ich auf der Seite schlief, kriegte das untere Kind irgendwann einen Ausraster, bis ich mich umdrehte. Und dann das gleiche Spiel, nur umgekehrt.
Ende November dann der Tag. Wehen. Ab ins Krankenhaus. Und da? Fehlansage. Nix mehr!

Der zweite Zwilling wollte die Geburt starten, aber das ging nicht, weil der erste wie ein Stöpsel vorlag. Die Assistenzärztin allerdings machte mich panisch und wahnsinnig. Sie könne mir nicht sagen, ob ich nach Hause gehen oder im Krankenhaus bleiben soll. Das könne niemand sagen. Die Babys könnten kommen – oder sie könnten nicht kommen. Na, für diese Aussage hat sich das lange Studium doch gelohnt. Ich bin entgegen ärztlichen Rates nach Hause gefahren und auf dem Rückweg wurden wir von der Polizei angehalten, weil mein Freund ihnen aus Versehen die Vorfahrt genommen hatte. Die guckten ganz schön, als sie mich sahen! „Müssen Sie zur Entbindung ins Krankenhaus?“ Anstatt uns mit Blaulicht zu geleiten, was sie sicher gern getan hätten, ermahnten sie nach Auflösung der Geschichte meinen Freund zur Vorsicht und ließen uns weiter fahren.

Ab da bis zum Ende lag Nr. 2 dann quer über dem anderen, was für mich persönlich nicht so schön war. Heute bin ich ja froh um jeden Tag, den sie in meinem Bauch waren, aber als in der 39. Woche endlich die Wehen eingeleitet wurden, weil diese Kinder einfach nicht rauswollten, war ich schon froh. Und dann waren sie plötzlich da- zwei gesunde, prächtige, süße Jungs, gierig nach Milch und Liebe.

Von Jennifer Bolz


Und wie war es bei dir? Wie war deine Zwillingsschwangerschaft?

Falls du Lust hast, uns DEINE Geschichte zu erzählen, dann schreibe eine kurze Mail an kontakt@chaoshoch2.com. Jede (Zwillings-)Schwangerschaft verläuft anders und wir würden uns freuen, ganz unterschiedliche Geschichten wiedergeben zu dürfen.

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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