Familientisch im Alltag

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, Kerstin? 03/2018

Wow! Wir haben schon März und dann ist ja auch immer fix der 5. und Frau Brüllen will wissen, was wir den ganzen Tag so treiben. Nun war gestern (ich schreibe mit einem Tag Verspätung) ein MONTAG.

Montags ist hier Krümeltag, denn montags geht Krümel nie zur Tagesmutter. Also trödeln wir montags immer mit den Sachen rum, die man mit Krümel machen kann. Auch Sachen, die mit Krümel doppelt solange dauern und doppelt so aufregend sind, denn dafür muss ich sie an den anderen Tagen nicht mehr machen.


5:20 Uhr // “Mama? Aufstehn! Bin nich müde! Auslafen hat!” Die Nächte werden langsam ruhiger, Krümel eloquenter, doch so ein Morgen fühlt sich immer noch sehr früh an.

6:30 Uhr // Ich quäle mich vom Sofa hoch, auf dem ich mir nun eine Stunde lang die selben drei Buchseiten des Wimmelbuchs total begeistert ansehen durfte, und backe Brötchen auf. Unmotiviert räume ich in der Küche Dinge von hier nach da. Krümel räumt sehr motiviert mit, will den Tisch decken und sofort frühstücken.

7:00 Uhr // Wir müssen aber erstmal die Zwillinge wecken, was diese sehr doof finden. Dem Sonnenschein sagt keine der sauberen Hosen im Kleiderschrank zu. Er wählt das Joggingbuchsenoutfit. Prinzessin versucht sich unsichtbar zu machen und Krümel besteht auf eine reichlich enge Jeans, nachdem er seinen gesamten Schrank gründlich begutachtet und vor allem ausgeräumt hat. Ich bemühe mich um Gleichmut und Fassadensanierung, denn heute ist mir nicht nach ungeschminkter Wahrheit.

7:40 Uhr // Frühstück. Ereignisarm.

8:00 Uhr // Zähne putzen und die Feststellung, dass Sonnenschein viel zu wenig Spielzeug besitzt. Es findet sich kein optimales Spielzeug für den Spielzeugtag. Der Drache wäre super, würde nicht der Peter immer sagen, Plüschdrachen seien doof. Ich finde Peter hat keine Ahnung.

8:30 Uhr // Packe Plüschdrachen und drei Kinder, Einkaufskorb und Rucksäcke in das Familienauto. Ab zum Kindergarten.

8:45 Uhr // An der Tür noch wird Prinzessin das ausgefüllte Freundebuch sehnsüchtig aus der Hand gerissen, Sonnenschein verschwindet im Gruppenraum und ich bin abgemeldet. Suche stattdessen den Krümel und finde ihn auf dem Außengelände auf dem Kletterturm. Er hat wenig Lust herunterzukommen.

9:00 Uhr // Einkaufen mit Kindereinkaufswagen und Krümel, der dem riesigen Aufsitzwischdings durch den Laden nachrennt. Super Teil. Will er auch.

9:45 Uhr // Wir machen Halt bei meinem Papa im Home Office. Ich kriege Kaffee und eine Wahlanalyse der gestrigen Bürgermeisterwahl. Wobei wenig analysiert wird, trotzdem muss ich mit Papa immer alle politischen Entwicklungen durchquatschen, weil das eben so ist zwischen Vater und Tochter. Krümel spielt mit meinen alten Matchboxautos und lässt Opa als Andenken noch eine duftende Windel da.

10:30 Uhr // Wir könnten kurz zu IKEA, denn was sinnvolleres fällt mir nicht ein. Krümel pennt 10 Minuten auf dem Weg und SPOILER das wird für den Tag reichen.

10:45 Uhr // Ich brauche zwei Schubladen für das Büro und kaufe Kaffeetassen, Tischläufer, Plastikboxen, einen Sparschäler und sogar Schubladen. Ich verbuche es als Erfolg, zumal wir ohne Bruch durch die Haushaltswaren und Geschirr gekommen sind.

11:30 Uhr // Ich will nun eigentlich nach Hause, aber Krümel hat sich in den Kopf gesetzt, dass eine Runde Waschanlage jetzt super wäre. Ich denke an die Familienkarre in Streusalzkruste und dass Montagvormittag es sicher nur halb so wild an der Waschanlage sein kann. Das dachten sich bei strahlendem Sonnenschein auch 200 andere und während Krümel begeistert ALLES kommentiert, muss ich mir Langmut zureden. Wir haben Zeit, wir haben keine Termine, wenn das Kind so gerne Ewigkeiten vor einer Waschanlage parkt, dann ist das jetzt halt so. Nur die 30 besten Dingsdalieder von CD kauen kontinuierlich an meinen Nerven.

12:00 Uhr // Wir haben ein sauberes Auto und sind zu Hause! Yeah! Mittagessen?

12:30 Uhr // Hunger hat Krümel durchaus. Aber die Frage nach einem möglichen Mittagsschlaf weist er weit von sich!

Wie stellen stattdessen mal eine Maschine Wäsche an und während ich die Küche aufräume, will Krümel staubsaugen. Ein Quadratmeter des Wohnzimmers wird engagiert fünfzehn Minuten lang gesaugt. Mutti darf den Staubsauger aber nicht haben!

13:30 Uhr // Ich würde ja extrem gerne Schlafen oder zumindest den Schlaf des Jüngsten ausnutzen. Ich versuche mich mit Krümel gemeinsam hinzulegen. Der turnt aber nur durchs Bett und erklärt Schlaf für eine absolut absurde Idee. Will aber!!!

14:00 Uhr // Auf mich hört hier niemand und so muss ich wieder aufstehen.

Also dekorieren wir das Wohnzimmer um, Krümel schlägt eine andere Tischordnung vor und schiebt die drei TripTraps mehrere Runden um den Esstisch, bis die Anordnung ihm genehm ist. Ich verteile meine neuen rosa Tischläufer auf dem Tisch.

Meine Mutter ruft an, dass sie sich opfern würde, den restlichen Kuchen vom Wochenende mit uns zu vernichten. Da sie auch gleich die Zwillinge abholt auf dem Weg, können wir noch etwas aufräumen.

15:00 Uhr // Oma und die Zwillinge sind da. Kaffee und Kuchen auf dem Tisch. Sonnenschein würde aber lieber zu den Nachbarsjungs!!!

Ich nehme also den Sonnenschein und schlurfe mit ihm in Hausschuhen drei Häuser weiter. Prinzessin ist sauer, denn sie will auch. Aber mir ist nicht wohl dabei, gleich zwei meiner Kinder unangemeldet irgendwo abzuladen.

Sie hätte sich nicht so echauffieren müssen, denn die Brüder sind nicht zu Hause. Sie haben heute russisch. Morgen vielleicht.

16:00 Uhr // Oma eröffnet auf der Terrasse ein Friseurstudio, da zwei der drei Kinder mit ihren langen Fransen kaum noch aus den Augen gucken können. Bei Krümel können die Haare nun sehr lange wachsen, bevor er wieder zum Friseur muss/kann.

16:30 Uhr // Der Traummann erscheint zu Hause und ich bemerke ganz freundlich, dass er sämtliche Kreuzschlitzschraubendreher des Haushalts gründlich verbummelt habe, während ich versuche auf der Küchenarbeitsplatte mit unpassendem Werkzeug meine Schubladen zu montieren. Er weist die Vorwürfe von sich und behauptet, sie seien nur kindersicher auf einer seiner Baustellen auf dem Spitzboden versteckt.

17:00 Uhr // Da hauen doch besser alle schnell ab. Oma nach Hause und die Kinder mit ihrem Vater raus zum Fahrradfahren. Ich stelle derweil das Büro auf den Kopf und verbaue meine Schubladen. Natürlich muss der Inhalt sämtlicher Schränke nun in andere Schränke umgeräumt werden und so räume ich erstmal alles aus.

17:45 Uhr // Die Schubladen sind montiert, das Büro im Chaos versunken, die Kinder mit dem Traummann wieder zu Hause und ich wärme liebevoll Reste vom Vortag wieder auf.

18:15 Uhr // Abendessen. Sonnenschein mag das Essen, das gestern noch sooo lecker war, absolut nicht essen. Krümel fällt vor Müdigkeit fast mit der Nase in die Soße und Prinzessin schaufelt, als gäbe es kein Morgen mehr.

18:45 Uhr // Während der Traummann die Küche aufräumt und die Kinder kurz KiKa gucken dürfen, nutze ich die Chance auf eine Dusche ohne Zuschauer.

19:15 Uhr // Kinder-Bett-Gedöns so mit ausziehen, umziehen, Zähne putzen, Pippi machen, Windeln wechseln, Diskussionen und Büchern. Vielen Büchern. Denn  auf einmal ist keiner mehr müde.

20:00 Uhr // Alle Kinder sind im Bett und ich hocke unbequem auf dem Fußboden, um den langwierigen Prozess des Einschlafens zu begleiten. Doch heute muss Prinzessin nur dreimal wieder aufstehen, um etwas ganz wichtiges zu erledigen und sogar Krümel fallen die Augen schnell zu.

20:30 Uhr // Ich habe die Ehre eine Einladung für irgendwelchen Elternbeiratskram zu formulieren und da mein PC dann schonmal an ist, könnte ich auch noch mal eben… ich klicke Facebook und Blog aber fix wieder weg. Heute nicht. Morgen ist auch noch ein Tag…

21:30 Uhr // Zwei Folgen Pastewka später kriechen wir müde ins Bett. Ich hoffe auf Schlaf…


Dienstag 5. März 2018: Da ich mich gestern über die nun ganz passablen Nächte gefreut habe, musste Krümel heute Nacht viermal laut alles zusammen Brüllen und ich habe seit 2 Uhr im Stundentakt mit ihm Debatten darüber geführt, ob man denn nun ausgeschlafen habe und endlich runtergehen könne.

Deswegen ganz wichtiger Tipp: Genießt und schweigt, wenn eure Kinder schlafen. Sprecht es nicht aus und lasst nicht einmal einen Gedanken daran zu! Es wird sich rächen!!!

Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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