Schwangerschaftsbericht: Leas Zwillinge stürmten ganz ungeplant in ihr Leben

Heute habe ich für euch die Geschichte von Lea aus Hamburg. Sie berichtet von ihrer Zwillingsschwangerschaft, die vor gut eineinhalb Jahren begann. 


Es war der 1 Juli. Ich hatte meine zweite Ausbildung abgeschlossen und war auf Jobsuche. Mein Freund und ich hatten gerade unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen. 2 1/2 Zimmer! Wir konnten unser Glück kaum fassen, dass wir sogar 2 1/2 Zimmer bekommen hatten; gesucht hatten wir ja nur 2. Beim Renovieren war mir immer schon so komisch; die Zigarette hat auch nicht mehr so geschmeckt. Deswegen machte ich mich auf den Weg zum Frauenarzt, um eine Schwangerschaft auszuschließen.

Einen Termin hatte ich nicht, stand um 8 Uhr am Empfang in der Praxis und sagte, dass ich immer ein Ziehen im Bauch hätte und das gerne mal nachgucken lassen würde. Die Ärztin sagte: „Ich gucke mal, was da los ist.“ Auf einmal hörte ich nur ein Schnaufen von ihr und ein „ahhh“. Ich sollte mich wieder anziehen und setzen. „Glückwunsch, sie sind schwanger. Freuen sie sich?“ Ich sagte nur: „Wird schon klappen.“

Ich ging aus der Praxis und war fertig mit der Welt. Als erstes rief ich heulend meine Schwester an. Daraufhin fuhr ich zu ihr, erzählte ihr was los war. Sie freute sich. Meinen Freund rief ich dann an. Er sagte: „Ist doch super.“ Ich war aber immer noch fertig, informierte dann noch meine Eltern. Alle fanden es super… ich fühlte mich unwohl. Noch am selben Tag bot mir auch eine Firma einen Job an. Darüber konnte ich mich nicht wirklich freuen.

Und dann sind es plötzlich 2!

Vier Wochen später war dann der nächste Kontroll-Termin. Dieses Mal war mein Freund mit dabei. Die Frauenärztin begann den Ultraschall. Ich guckte auf den Bildschirm und sah 2!!! Baby-ähnliche Umrisse. Mein Herz blieb stehen. Was hat die Frauenärztin gemacht? Hat sie die Spiegelfunktion an? Dass man das Baby von beiden Seiten sieht? „Oh das haben wir beim letzten Mal noch nicht gesehen: Glückwunsch es werden 2!“ Mein Herz pochte. Ich schaute meinen Freund an und sah ihn nur grinsen. Die Ärztin frage, ob es bei uns in der Familie Zwillinge gäbe. Ja, meine Schwiegermutter ist einer.

Als wir aus der Praxis raus waren, fing ich an zu heulen. Wieso ich? Wie soll ich denn 2 Kinder auf einmal versorgen? Das kann nicht klappen!

Mein Freund rief meine Schwester an. Wir fuhren zu ihr. Ich war nur am Heulen. Sie guckte mich an und ich zeigte ihr nur 2 Finger. Sie wusste sofort, was ich meinte und freute sich total. Ich rief dann meine Eltern an, die sich zu der Zeit im Urlaub befanden: „Mama es werden 2!“ Sie sagte: „Oha Oha Oha…das kann man jetzt schon sehen?“

Die erste Nacht mit dieser Nachricht konnte ich kaum schlafen. 3 Tage später fing ich nun meinen neuen Job an. Ich wollte ja arbeiten, fühlte mich super. Nach einer Woche beschloss ich dann meinem neuen Arbeitgeber, meine Schwangerschaft mitzuteilen. Ich fing sofort an zu heulen, konnte es kaum in Worte fassen, was ich meinem Vorgesetztem mitteilen wollte. Er nahm die Nachricht super auf und meinte, das bekommen wir schon hin. Nächsten Tag kam ich dann wieder ganz normal zur Arbeit. Und wurde zum Niederlassungsleiter berufen: „Aufgrund ihrer Schwangerschaft müssen wir sie leider entlassen.“ Ich antworte: „Das können sie nicht. Ich habe Kündigungsschutz.“ „In der Probezeit kann ich alles. 2 Wochen können sie noch hier arbeiten, dann sind sie entlassen.“

Kampf um den Arbeitsplatz

Ich war vollkommen fertig und ging sofort nach Hause. Ich hatte mich vorher informiert und wusste das er im Unrecht war. Ich ging ein paar Tage später mit meinem Freund zum Arbeitsgericht, um Klage einzureichen. Die sprachen mir gut zu und sagten, ich sei im Recht. Nach ein paar Tagen bekam ich einen Brief mit einem Termin für ein Schlichtungsgespräch. Wenige Stunden später hatte ich eine E-Mail in meinem Postfach von meinem Arbeitgeber:

Sehr geehrte Frau G.
Wir bitten das Missverständnis zu entschuldigen und würden uns freuen, Sie am nächsten Montag wieder in unserem Unternehmen begrüßen zu dürfen.

Ich ging wieder hin. Die nächsten Wochen auf der Arbeit waren schrecklich. Ich wurde komplett ignoriert, man hat mich nicht einarbeiten wollen. Ich saß von 8 bis 17 Uhr auf meinem Stuhl und niemand redet auch nur ein Wort mit mir. Nach langer Überlegung ging ich zum Frauenarzt und ließ mir ein Beschäftigungsverbot ausstellen.

Ich hatte bis auf die Geschichte mit meinem Arbeitgeber und der Übelkeit am Morgen und nach dem Essen eine super Schwangerschaft. Mein Freund und ich beschlossen zu heiraten. Für uns war es wichtig. Wir lieben uns.

Schwanger zu heiraten ist, wie ich finde, sehr anstrengend. Aber auch das schafften wir alles mit super Unterstützung der Familie. Kurz vor der Hochzeit hatte ich meinen ersten Termin zur Feindiagnostik. Mein Mann musste arbeiten also kam Mami mit. Wir wollten endlich erfahren, welches Geschlecht die Zwillinge haben. Der Arzt machte alle Untersuchungen und war dabei sehr ruhig. Er zwar im Voraus gesagt, dass er nicht viel sagen würde, aber das beruhigt einen natürlich nicht. Immerhin erfuhren wir, dass beide Zwillinge Jungs waren. Ich freute mich riesig! Zwei Jungs hatte ich mir insgeheim gewünscht. Mein Mann hatte es sich natürlich noch mehr gewünscht als ich. Wir waren sehr glücklich und den beiden Flips in meinem Bauch ging es auch sehr gut.

Am Ende ging alles ganz schnell

Ich hatte eine super Hebamme, die mir und meinem Mann viel Mut zu gesprochen hat und uns unsere Angst genommen hat. Wir freuten uns soo auf die beiden. Am Abend des 22. Januars gingen wir ganz normal ins Bett. Ich bin aufgewacht und musste auf Toilette, wunderte mich aber wieso es nicht aufhörte. Muss man sooo viel pinkeln? Hmm ich weckte meinen Mann: „Schatz, ich glaube meine Fruchtblase ist geplatzt,“ Er brummelte nur: „Bist du sicher? Wir haben doch morgen um 11 Uhr einen Arzt-Termin. Das reicht doch bis dahin.“

Also legte ich mich nochmal hin… vielleicht 2 oder 3 Minuten später sagte ich dann entschieden: „Nein, ich rufe im Krankenhaus an.“ Mittlerweile war es nach Mitternacht. Die freundliche Hebamme am Telefon empfahl einen Krankenwagen zu rufen. Das habe ich dann getan. Die zwei Sanitäter waren tiefenentspannt (wie sollen sie auch anders sein). Mittlerweile hatten bei mir auch die Wehen eingesetzt. Wir fuhren ins Krankenhaus. Kurz wurde überlegt, ob man die beiden noch eine Weile zum Verbleib im Bauch überreden könnt und ich sah mich schon Wochen im Krankenhaus liegen. Aber dann kam die erlösende Nachricht: „Wir werden die beiden gleich holen. Wir können die Geburt nicht mehr verzögern.“ Ich hatte einen Kaiserschnitt gewünscht.

Bei 36+0 sind meine Zwillinge am 23.01.2014 um 3:44 und 3:46 auf die Welt gekommen.


Und wie war es bei dir? Wie war deine Zwillingsschwangerschaft?

Falls du Lust hast, uns DEINE Geschichte zu erzählen, dann schreibe eine kurze Mail an kontakt@chaoshoch2.com. Jede (Zwillings-)Schwangerschaft verläuft anders und wir würden uns freuen, ganz unterschiedliche Geschichten wiedergeben zu dürfen.

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

0 comments

kommentieren

%d Bloggern gefällt das: