Wie ich alleinerziehend wurde… Der Tragödie zweiter Teil

Murmelmama —  16. März 2015 — 32 Kommentare

Was bisher geschah… „Ich ertrage das Geschrei keine Sekunde länger! Ich ziehe aus!“

Mit diesen wenigen Worten verkündete der Murmelpapa, dass er sich aus unserem gemeinsamen Leben, aus unserer kleinen Familie verabschiedet.

Reden machte keinen Sinn mehr. Ich drang nicht mehr zu ihm durch! Reden, schreien, toben, wüten, drohen… alles sinnlos.

Ich war verletzt! Extrem sogar! Ich bin aber auch ein sehr realistischer Mensch und so erschloss sich mir, neben dem persönlichen Schmerz, dass ich ein Problem hatte.

Ich hatte ein Problem! Ein verdammt großes Problem. Es war ja nicht nur so, dass ich soeben von meinem Mann und Vater meiner Kinder verlassen wurde.

Meine Kinderbetreuung der nächsten Monate war ad hoc weg! Es schlich sich zu dem auch das Begreifen ein, dass auch die zukünftige Betreuungsplanung (im Anschluss an die Elternzeit des Murmelpapas) zum Scheitern verurteilt war. 30 Stunden/Woche bei einer Tagesmutter funktionieren nur im Schichtbetrieb beider Eltern!

Ich habe noch am selben Abend (es war mittlerweile gegen 22 Uhr) meine Eltern angerufen.

Ich liebe meine Eltern und ihren unerschütterlichen Pragmatismus.

Da der Tatort bereits zu Ende war, waren meine Eltern bereits im Bett. Geschlafen haben sie zum Glück noch nicht. Mein Papa wäre am liebsten sofort ins Auto gesprungen (gesprungen… mit 69 Jahren… schon klar!), um uns zu holen. O-Ton: „Brauchen wir den Anhänger?“ Da ich den kommenden Tag frei hatte, einigten wir uns darauf, dass ich erst mal gucke, wie die Stimmung ist. Ich musste ja doch so einiges packen, wenn ich mit zwei 9 Monate alten Babies „auswandere“.

Zumindest war schnell klar, wenn der Murmelpapa all das wirklich ernst meint, dass ich am nächsten Tag mit den Murmels „erstmal“ zu meinen Eltern gehe, damit ich weiter arbeiten kann und mir von dort aus Gedanken mache, wie es weiter gehen wird.

Auch wenn man die Mitte 30 bereits überschritten hat, es fühlt sich verdammt gut an, wenn Papa sagt „Du kommst erst mal nach Hause und dann sehen wir weiter! Alles wird gut!“

An dieser Stelle und #ausgründen Mama und Papa, ihr seid die Besten und ich liebe Euch!

Murmelmaus und Murmelopa

Zumindest hatte der Murmelpapa die Eier, die Kinder und mich mit Reisebetten und Hochstühlen und und und mit zu meinen Eltern zu bringen. Zwei Autos vollgepackt mit allem, was man braucht (und was ich in der schnelle nicht vergessen habe).

Er überließ mir auch (wie bereits in meiner Elternzeit) sein Auto, da ich in meinen Wagen den Zwillingskinderwagen nicht hinein bekam.

Dann war er weg…

Durch Nachbarn erfuhr ich bereits 2 Tage später, dass ein Umzugswagen vor meinem Haus steht.

Als ich am folgenden Freitag nach der Arbeit „nach Hause“ fuhr, um noch ein paar Dinge zu holen und einiges zu regeln (z. B. Winterdienst durch die Nachbarstochter), waren seine Sachen fast vollständig weg.

Er wollte scheinbar wirklich tabula rasa machen.

Persönlichen Kontakt gab es keinen! Kein Treffen, kein Telefonat. Einzige Kommunikation: Whatsapp! Vorwürfe und Gemeinheiten…

Ich war froh, dass ich wenig Zeit für meinen Kummer hatte. Ich hatte „Hauptsaison“ und zwei Babies und es waren kaum zwei Wochen bis zu unserem ersten Weihnachtsfest.

Weihnachten! Unser erstes! Alles sollte perfekt sein! Und jetzt? Nichts mehr!

Meine Eltern sind toll! Sie haben uns nicht nur aufgenommen, sie haben ihr ganzes Leben für uns auf den Kopf gestellt und von jetzt auf gleich die Vollzeitbetreuung für die Murmels übernommen.

Und ich? Ich saß im Gästezimmer meiner Eltern! Mein großes Haus, mein Leben, war über 80 km weit weg!

Wie sollte es weiter gehen?

Murmelnasenbär und MurmelomaWas war mit meinem Mann?

Ich glaube ein Teil von mir, ein Teil der von positiven Gedanken und Liebe dominiert war, ist in dieser Zeit gestorben.

Meine Eltern gaben uns für knapp 4 Monate ein zu Hause und endlose Unterstützung.

Nur weil sich unser Umfeld verändert hat, hieß das ja nicht, dass meine Kinder plötzlich schlafen. Unser Einschlafritual habe ich zum Glück alleine hinbekommen – vorher pro Elternteil ein Baby. Aber die Nächte waren nach wie vor Katastrophal und trotzdem leichter. Da ich bei meinen Eltern ein einfaches Einzelbett hatte, konnte ich nicht beide Kinder zu mir holen. Die heimische Variante, dass sie im Wohnzimmer rumkugeln bis sie k. o. gehen, ging hier auch nicht. Also übernahmen meine Eltern eines der Kinder JEDE NACHT. Wenn das Kind, das bei mir schlief, wach war, wenn ich aufstehen musste, habe ich meine Mama geweckt.

Es war aber auch die Zeit, wo auf Gläschenbrei umgestellt wurde. Meine Mutter fand das für sich einfacher und da sie mir so wahnsinnig toll geholfen haben, habe ich sie in vielen Punkten gewähren lassen.

Diese 4 Monate, verbrachte ich damit, meinen Haushalt aufzulösen, mir eine neue Wohnung zu suchen, mein Haus zu vermieten, die Kinderbetreuung neu zu organisieren, umzuziehen… mir ein neues Leben als alleinerziehende Mama zu basteln.

Ein Weg den ich ohne die Unterstützung meiner Eltern und Freunde nie geschafft hätte!

UND – so absurd es jetzt klingt – ein Weg, den ich auch ohne den Murmelpapa nicht geschafft hätte!

So geht es weiter…

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Murmelmama

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Mein Name ist Tanja. Ich bin alleinerziehende, getrennt lebende, berufstätige Mama eines fünfjährigen Zwillingspaares - meine Murmels. Auf Twitter findet Ihr mich unter @Murmelmum und hier im Blog hat die liebe Kerstin mir ein kleines Dauergast-Apartment eingerichtet :-)

32 Antworten zu Wie ich alleinerziehend wurde… Der Tragödie zweiter Teil

  1. 

    Wow, ich ziehe wirklich den Hut vor Dir – dass Du das geschafft hast und trotzdem noch so viel Kraft aufbringst darüber zu schreiben. Ich habe wirklich großen Respekt vor alleinerziehenden Mamas (und auch Papas) – und dann noch Zwillinge und so klein…

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    • 

      Danke für Deine lieben Worte!

      Das ganze ist jetzt 2 Jahre her. Vor 2 Jahre hätte ich das auch so nicht schreiben können.
      Für mich ist Teil des Verarbeitungsprozesses.

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  2. 

    Hallo Du Liebe, ich heule hier gerade nur, weil das so unfassbar hart klingt, weil Du zum Glück so tolle Unterstützung bekommen hast, weil ich mir gar nicht vorstellen kann wie es ist, sich so plötzlich ein neues Leben aufbauen zu müssen. Wie hast Du das nur geschafft? Ein ganz dickes, aufrichtiges Staunen und Bewundern für Dich.

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    • 

      Danke für die Blumen!

      Ich glaube vieles war einfach nur “Funktionieren“ – zum Teil auch, um nicht in stumpfes Brüten zu verfallen.
      Und ich hatte die tollste Eltern der Welt an meiner Seite! Meine Eltern haben am ersten Abend bei ihnen sogar darauf bestanden, dass ich zu einer Gewerkschaftssitzung fahre, da es um ein wichtiges Mandat ging…

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  3. 

    also Hut ab, ich bewundere dich wirklich dafür, dass du das alles geschafft hast. Ich kenne dich und den Papa deiner Kinder nicht, aber diese Aktion ist wirklich das Letzte. Ich hoffe, es geht dir inzwischen wieder gut und du kannst das alles irgendwie hinter dir lassen. Liebe Grüße und viel Kraft für dich

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  4. 
    Bianca Thurow 16. März 2015 um 13:07

    Hallo Weltbeste Murmelmama!!!
    Ich kann mir nicht helfen, mir laufen beim lesen echt die Tränen. Ich fahre die Gefühlsachterbahn mit. Du schreibst so toll und lässt mitfühlen und mitverdienen. Es tut mir so leid, dass eure Liebe die große Krönung nicht überlebt hat.
    Und bei allem Verständnis (ja das habe ich als vierfachmami, die kleinsten anderthalbjährige Twins, wirklich!!!) finde ich den Murmelpapi sehr feige. Die ging es doch genau wie ihm und du wärest niemals schreiend weggelaufen!!!
    An der Stelle bin ich meinem Mann, der auch am Rande des Nervenzusammenbruchs ist, unendlich dankbar, dass er tapfer durchhält;)
    Danke Murmelmama, für deine bewegenden Blogs

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    • 

      Danke für Deine lieben Worte!

      Mein Mann ist nicht aus Feigheit oder Gehässigkeit weggelaufen. Haben im oberen Kommentar Links in die Antwort gepackt und es folgt noch ein dritter Teil!

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  5. 

    Wow, das ist wirklich unglaublich! Aber wenn man Kinder hat, kann man ja gar nicht aufgeben und in völliger Trauer und Wut versinken. Die Kinder brauchten dich, noch dazu war der Papa auf einmal weg. Super, dass du das so geschafft hast.
    Und deine Eltern scheinen toll zu sein, solch eine Unterstützung sollte jeder haben, wenn es einmal schlimm wird.
    Alles Gute!

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  6. 

    Wahnsinn! Du! Deine Eltern! Bin ergriffen von soviel Zusammenhalt und Stärke!

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    • 

      Familie 💖

      Wir waren aber auch froh, als wir wieder jeder unser eigenes Reich wieder hatten… 4 Monate Gästezimmer bei Mama und Papa, nahezu jeden Abend Fernsehen mit ihnen, da die Murmels oben geschlafen haben, kein Rückzugsort… Home Office von Mamas Esstisch während sie fernsehen oder sich unterhalten…

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  7. 

    Krasse Scheisse! Oh man…du bist echt WonderMommy! Im Ernst. Gut das Schreiben so sehr der Verarbeitung dient oder?
    Ich bin gespannt wie es weiter geht. Denn das hilft mir vllt. Auch.
    Liebste Grüsse

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  8. 

    Am erstaunlichsten finde ich, dass du stark genug warst, deinen Mann weiterhin zu lieben. Ich kenne den Job mit zwei, sogar drei Kleinkindern. Leider gänzlich ohne Familie, jedoch mit Mann. Ich kann nur sagen: Chapeau!

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    • 

      “Entlieben“ wäre vermutlich leichter gewesen… dann hätten meine Kinder keinen Vater mehr und ich, ich hätte den Mann verloren, den ich nur 4 Monate zuvor aus Liebe geheiratet habe.

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  9. 
    Frida Mercury 16. März 2015 um 22:45

    Meine Güte… ich kann mich den anderen hier nur anschließen: tiefsten Respekt für deinen Weg! Und auch für deine tollen Eltern ❤ Schön dass du dich so auf sie verlassen konntest, und Wahnsinn wie viel Kraft du hattest… und natürlich auch danke für deinen Mut, deine Geschichte hier zu teilen 🙂

    Ganz liebe Grüße, Frida

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  10. 

    Ich kann auch nur den Hut vor dir ziehen, wie du das alles schaffst. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und dass deine Stärke belohnt wird.

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  11. 

    Respekt.
    Großen, ehrlichen Respekt von einer weiteren Zwillingsmutter, die weiß, warum sie dir größten Respekt aussprechen muss. Alles Gute 💐

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  12. 

    Wow, was für eine Story, das wünscht man echt keinem – von einem Tag auf den anderen wird alles über Kopf geworfen. Hut ab, dass du das so toll hingekriegt hast. Zum Glück hast Du so tolle Eltern! ❤ Weiterhin alles Gute!

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  13. 

    Ich musste eine sehr ähnliche Situation durch machen. Nur stand ich nicht mit 2 Kindern vor der Tür meiner Eltern, sondern im 7. Monat schwanger mit meinen beiden Krümeln…

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  14. 

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass man als Papa seine Familie einfach mal ebenso kalt im Stich lässt. Der Mann muss doch irgendwie psychisch krank gewesen sein oder? Oder es gab schon vorher so schlimme Probleme, die nie besprochen wurden. Ich bin auf den letzten Teil gespannt.

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  15. 

    Habe wirklich den allergrößten Respekt vor dir! Meine Zwerge sind nun 13 Monate alt und auch keine großen Schläfer. Bin sehr froh, dass auch ich große Unterstützung von meinen Eltern und auch meiner Schwiegermutter habe. War die Nacht mal wieder sehr hart, findet sich immer jemand der mit den Zwergen spazieren geht und mir so eine kleine Pause verschafft. Als wir alle mit Magen Darm Virus flach lagen, haben die Großeltern den Haushalt geschmissen und die (überraschenderweise sehr fitten) Kinder bespaßt, um im Anschluss auch mit Magen Darm flach zu liegen.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass es beim Kindsvater und mir auch nicht mehr so rosig aussehen würde, wenn wir diese Unterstützung nicht hätten! Mein Mann hat keine Elternzeit genommen, worüber ich teilweise auch froh bin, denn seine Nervenstärke was Kindergeschrei betrifft, ist oft nach einem Wochenende aufgebraucht.
    Wünsche dir weiterhin viel Kraft!

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