Vor einem Strandcafé auf Fehmarn

Kur-Tagebuch: Die dritte Woche

Nachdem mich die ersten Tage der Mutter-Kind-Kur fast erschlagen haben und wir uns zu dritt dann in der zweiten Woche akklimatisiert haben, folgte natürlich auch noch eine dritte Woche in der Südstrandklinik auf Fehmarn.

Sonnenuntergang auf Fehmarn - Mutter Kind Kur

Sommer, Sonne, Strand

Eine Kur ist kein Urlaub! Aber wenn sich das Wetter alle Mühe gibt und der Strand direkt vor der Kliniktür liegt, kann es sich doch ein wenig so anfühlen. Wir haben in Woche drei richtig Glück mit dem Wetter.

Ok, der Rest der Republik hat Hochsommer im April, aber wir haben immerhin Sonne! Und der Wind hat nachgelassen. Jeden Nachmittag spuckt die Kurklinik ihre Bewohner aus und eine lustige Schar Kinder mit Sandspielzeug ergießt sich an den Strand. Meine beiden natürlich ganz vorne weg.

Am liebsten würden sich die beiden im Badeanzug in die Ostsee stürzen, aber während ich ihnen so in Sweatjacke am Strand folge, finde ich die Idee nur so semi-super. Es ist frisch. Nicht kalt, aber eben auch nicht warm.

Strand auf Fehmarn

Unsere Strandausflüge sind für mich auch eher Strandspaziergänge. Während der eine Trupp Mamas mit Picknickdecken bewaffnet direkt vor der Tür der Klinik am Strand positioniert ist und der andere Teil ein Stückchen weiter an der Strandbar in Liegestühlen oder Strandkörben fläzt, bin ich permanent in Bewegung.

Erste Amtshandlung ist jeden Nachmittag der Marsch zur Strandbar: EIS! Und dann fliegen die Schuhe von den Füßen, die Socken hinterher und ab dem dritten Nachmittag bin ich dann so klug, den Zwillingen gleich kurze Hosen anzuziehen, denn es geht rein ins Wasser!


Natürlich hatte ich keine kurzen Hosen eingepackt und so rennen beide eine ganze Woche lang nachmittags mit ihren Trikothosen rum, denn Sportsachen hatte ich dabei.


Dann kneipen die Zwillinge ausgiebig: rennen unentwegt den Strand mit den Beinen in der Ostsee von links nach rechts und wieder von rechts nach links. Ich folge ihnen die nächsten zwei Stunden parallel mit dem Rucksack auf dem Rücken auf dem Trockenen und mache Strandspaziergang.

Dadurch wechseln meine Gesprächspartner im 5-Minutentakt, denn überall sind die anderen aus der Klinik und ja, irgendwie ist immer einer da für einen Smalltalk, aber der bleibt bei mir immer sehr small. Ich muss den Zwillingen folgen. Ich stehe also hier am Strandkorb für zehn Minuten und dort neben der Picknickdecke und laufe den Strand hoch und wieder runter. Immer den Zwillingen hinterher.

Vor einem Strandcafé auf Fehmarn

Freundschaften & Kindergarten

Die fühle sich pudelwohl am Meer. Sei besser als zu Hause. Weil eben wegen Meer. Und überall sind Freunde. Sonnenschein lädt die halbe Kur-Klinik zu seinem Geburtstag im Juli ein.

Nur Kindergarten findet er dann trotzdem zunehmend blöder. Während die Prinzessin jeden Morgen sich richtig darauf freut, mag Sonnenschein nicht. Es gibt keine Tränen, aber jeden Morgen kommt ein klares „Ich will nicht in den Kindergarten. Der ist blöd.“

Warum genau er blöd sein soll, erfahre ich nicht. Wenn wir da vor der Tür stehen, ist auch wieder alles gut. Aber eines Tages mache ich einen kapitalen Fehler:

Ich kann mein Glück kaum fassen, dass bei der Wasser-Gymnastik für Kinder, für die Prinzessin eh eingetragen ist, ein weiterer Platz an diesem Tag frei ist. Sonnenschein kann mit! Super!

Also hole ich nach meinen ersten Terminen des Tages beide zusammen vom Kindergarten und wir gehen Schwimmen. Sie finden den Kurs klasse und haben richtig Spaß. Wir gehen noch gemeinsam Mittagessen und dann sollen beide wieder in ihre Gruppe. Mama hat noch eine Anwendung. Sonnenschein will nicht. So richtig absolut gar nicht. So richtig super dolle nicht.

Und ich merke mir, dass ich die Kinder kein weiteres Mal vorzeitig aus dem Kindergarten hole, wenn ich im Anschluss noch Anwendungen habe. Bei anderen klappt es super, die Kinder zwischendurch zu holen und wieder zu bringen. Mit Sonnenschein geht das nicht. Er ist nachhaltig sauer auf mich.

Also die Kinder nur noch für freiwillige Sportangebote eintragen, wenn ich danach keine eigenen Anwendungen mehr habe! *notiert* Man lernt ja nie aus.

Kaffee am Strand mit mir - Mutter Kind Kur

sportlich, sportlich

Überhaupt wachse ich über mich selbst sportlich hinaus. Amüsanterweise kann ich sogar ganz gut mithalten und bin gar nicht so unfassbar unsportlich, wie ich dachte.

Ich trage mich fast jeden Morgen für die frühe Runde Nordic Walking ein und es tut gut! Allerdings stellen wir auch gemeinsam (andere Mutti und ich) fest, dass das einen Haken hat. Ich kann mir ums Verrecken nicht vorstellen, zu Hause mit solchen Stöcken durch die Landschaft zu latschen. Echt nicht. Auf gar keinen Fall.

Yoga kann ich mir dafür eher vorstellen. Das gefällt mir tatsächlich. Ich bin selbst ein wenig von mir überrascht. Aber da kann man ja auch ohne Publikum albern aussehen. Mal schauen, ob sich davon was in den Alltag zu Hause retten lässt.

Die anderen

Ich würde gar nicht behaupten, dass tiefe Freundschaften entstehen, aber manche Mamas sind mir echt sehr sympathisch. Eine wächst mir sogar sehr ans Herz.

Viele sind einfach super nett, man teilt Sorgen oder einfach eine schöne Zeit bei einem Kaffee, ohne dass man das Gefühl hat, man müsse sich für immer verbrüdern. Es geht gemeinsam an den Strand, auf den Spielplatz und abends sogar zum Sonnenuntergang mit Kindern und Bollerwagen in eine wunderhübsche Bar am Binnensee. Herrlich. <3

Erstaunlicherweise bekomme ich sogar meine Zwillinge nach Sonnenuntergang die lange Strecke zur Kurklinik ohne Heulen und Jammern zurück. Sind ja genug andere da.

Meereszentrum Fehmarn

Ein Ende auf Raten

Das Ende der Kur wirft die Schatten schon weit vor das Wochenende. Listen hängen aus, in die man eintragen muss, zu welchem Bahnhof man gebracht werden muss und wann. Man muss die Koffer anmelden, die verschickt werden sollen und es tauchen immer mehr Väter auf, die wohl das letzte Wochenende mit ihren Familien gemeinsam hier verbringen werden.

Der Speisesaal wird aber nicht voller, denn zum Abschlussbuffet, was gar nicht am letzten Abend, sondern am letzten Freitag der Kur stattfindet und unter dem Motto „50 Sorten Fast Food in Häppchengröße“ steht, sind die ersten schon abgereist. Wir bleiben und freuen uns auf das Wochenende. Zumindest ein bisschen, denn ich habe Angst vor dem Krümelweh. Das nimmt stetig zu.

Wir versuchen viel zu unternehmen. Ich trage uns für Bastelangebote und einen Ausflug ins Meereszentrum ein, wir fahren von Puttgarden mit der Fähre nach Rødby und dann ist da ja auch noch der Strand. Die nette Gesellschaft der anderen macht es leichter. Ich werde fast wehmütig, sie alle bald so gar nicht mehr zu sehen.

Ja, es gibt hier auch Personen, mit denen ich vermutlich nicht wirklich gut klar käme, aber es bleibt bei einer Ahnung meinerseits, denn diesen Menschen begegne ich nur manchmal im Aufzug oder ähnlichen zeitlich sehr begrenzten Momenten. Die sind alle kurz genug, dass es bei einer Ahnung von Antipathie bleiben kann. Ich bin dankbar.

Hin und wieder spricht mich jemand aufs Blog an. Vor allen den ersten Beitrag. Und nachdem ich beim ersten Mal völlig irritiert und unhöflich geflüchtet bin, versuche ich mir eine Reaktion für „Scheiße, das liest tatsächlich jemand, der dir im realen Leben begegnen kann“ bereitzulegen. Die Reaktionen sind nämlich durchaus sehr positiv. Der Beitrag sei treffend und gut gewesen. Vermutlich sagt einem im realen Leben auch weit seltener jemand direkt ins Gesicht, dass man Bullshit geschrieben hat. Aber ich freue mich.

Final Countdown

Sonntagabend habe ich noch nichts gepackt und beginne langsam nervös zu werden. Als ich Montag zwischen den Abschlussgesprächen versuche zu packen, werde ich leicht panisch. Das Gepäck hat sich dramatisch vermehrt! Ob es an den zwanzig Kilo Sand liegt, der sich in jeder Falte jedes Kleidungsstücks angesammelt hat?

Da gehe ich lieber Kaffee trinken mit meiner wundervollen Kur-Bekanntschaft, die ich vermutlich wirklich sehr vermissen werde. Es gibt auch noch ein tränenreiches Abschieds-Kaffee-Trinken im Speisesaal, bei denen die einzelnen Kinder-Gruppen irgendwas vorführen oder singen, was keiner versteht und zwischen den ganzen Handykameras und Tränenschleiern auch niemand sieht. Aber alle sind gerührt. Ich heule Rotz und Wasser, während ich Sonnenschein auf den Schultern und Prinzessin auf der Hüfte trage, zu den Klängen von „Geiles Leben“, das der Kids-Club (die Gruppe der ältesten Kindern) vorträgt.

Zum Abendessen ist der Speisesaal dann wirklich ziemlich leer. Viele sind nun aber so wirklich los! Ich packe, als die Zwillinge schlafen. Und jetzt werde ich richtig panisch!

Einen riesigen Koffer stelle ich vor die Tür, damit die Haustechnik diesen verschicken möge, aber es bleibt viel zu viel über. Ich stehe da mit zwei überfüllten Koffern, einer Tasche und drei Rucksäcken und muss den nächsten Beutel klar machen. Die beiden Käscher, die die Zwillinge unbedingt ihr eigen nennen wollten, passen in KEIN Gepäckstück.

Das kann heiter werden. Denn auch wenn die Zwillis Rucksäcke und Käscher selber tragen müssen, sind das rein rechnerisch echt mehr Gepäckstücke als ich Arme, Schulter oder Rücken habe!!! UND DAS MIT DER BAHN UND AM HAUPTBAHNHOF EINER MILLIONENSTADT!!! *aaaaaaaaghhhhhhh*

Aber das ist dann eine andere Geschichte. Die Rückfahrt…

Erstmal darf ich euch den Umstand verraten, dass wir heile und vollzählig daheim angekommen sind.

Eure total erholte Kerstin

PIN IT BABY! 😉

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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