Werbung auf Instagram

Instagram: Werbung, Werbung, Werbung!

Ich habe mir vor vielen Monaten einmal vorgenommen, auf diesem Blog keine Beiträge über das Bloggen oder über Social Media oder Netzpolitik oder was weiß ich zu schreiben, da es die Kernzielgruppe meines Blogs nicht interessiert/betrifft.

Ich wollte mir beizeiten an kleines, feines Zweitblog aufsetzen, auf dem ich sowas schreibe. Denn ja, da schreibe ich gerne drüber und diskutiere für mein Leben gerne Entwicklungen im Netz durch. Für diejenigen unter euch, denen das bisher nicht aufgefallen sein sollte (online) Kommunikation ist meine Passion und mein Beruf.

Leider existiert noch kein Zweitblog und ich muss trotzdem schreiben. Sorry.

Dieser Beitrag enthält Werbung für zum Beispiel VW oder #kommakaffee oder adidias oder anderes


Nur noch Werbung auf Instagram!

Wenn man als Blogger, Instagramer, YouTuber, Influencer von Firmen Geld bekommt, um für sie zu werben, dann muss man diese werbenden Beiträge kennzeichnen. Wissen wir alle schon lange, machen wir alle schon lange, es dient der Transparenz und niemand will Schleichwerbung machen. Alles fein.

In den letzten Wochen wurde es aber immer ungemütlicher und unklarer. Eine Bloggerin wurde wegen mangelnder Kennzeichnung auf Instagram abgemahnt. Es ging bei Vreni Frost um nicht als Werbung gekennzeichnete Markierungen von Firmen bei selbstgekaufter Kleidung. Sie ging gerichtlich gegen die Abmahnung vor und verlor.

Ab sofort markiert sie jeden ihrer Insta-Posts als WERBUNG. Aus Prinzip. Kann man als bockige Reaktion lesen, ist aber mehr als das.

Denn nach diesem Urteil ist jede Verlinkung oder Erwähnung einer Marke Werbung. Kann oder will man darauf nicht verzichten, muss man das Wörtchen „WERBUNG“ oder alternativ „Anzeige“ dazuschreiben. (Und zwar nicht irgendwo, sondern vorne weg bzw so dass man es sofort sieht.)

Eine andere betroffene Instagramerin – Vanessa Blumenthal – markiert aus ähnlichen Gründen nun prinzipiell nicht mehr. (In den Story-Highlights ansehen)

Was ist denn dann keine Werbung?

Ich frage mich dann allerdings auch, warum dann in Zeitungsartikeln eine Firma erwähnt werden darf oder ein Markenname – ohne es als Werbung zu kennzeichnen. Richtig: Weil es redaktionelle Berichterstattung ist. Wenn in der Rundfunknachrichten VW erwähnt wird (Diesel-Skandal-Oh-Yeah), dann ist das eine Markennennung, dann ist das Werbung?

Nein, es ist der redaktionelle Rahmen, der natürlich auch dazu da ist, Reichweite zu genieren, Hörer zu binden und Werbung zu verkaufen.

Was bedeutet Werbung dann noch?

Auf Instagram schreiben immer mehr Nutzer vor ihre Beiträge WERBUNG. Aus Angst vor Abmahnungen. Das Café, in dem frau ihren Kaffee trank und den Ort markierte: WERBUNG

Ist es ja auch rein theoretisch: Ein positiv werbender Beitrag für diese Lokalität.

Der Pool im Urlaubsresort von der Liege aus fotografiert mit Ortsmarkierung: WERBUNG

Die Kaffeetasse kunstvoll neben dem Apfel-Laptop fotografiert: WERBUNG

Die Kaffeetasse vom dänischen Hersteller, das Regal aus dem schwedischen Möbelhaus, kann man selber kaufen, wenn ich aber die Marke erkenne oder sogar markiere: WERBUNG

Unser Bollerwagen auf einigen Bildern mit deutlichem Schriftzug: WERBUNG

Aber was ist, wenn ich eine andere Bloggerin erwähne, weil sie mit mir auf dem Bild ist, weil ich sie bei einem Event traf, weil sie mich zu einem Text inspirierte?

WERBUNG – nach meinem Verständnis dieser Logik, denn ich zB habe mir chaoshoch2 als Marke schützen lassen. Ich bin eine Marke oder zumindest dieses Blog und seine zugehörigen Accounts. Ich bin freiberuflich tätig und damit eine Ein-Frau-Firma. Ich habe auf allen Kanälen Business-Accounts. Es ist unerheblich, ob ich damit direkt Geld verdiene oder verdienen möchte: Ich bin eine Marke, ein Unternehmen. Wer mich erwähnt oder verlinkt, der verweist werbend auf mich.

Oder seht ihr das anders?

Und was mache ich jetzt?

Ich gehe jetzt erstmal alle Beiträge auf Instagram durch und entferne Ortsmarkierungen und kennzeichne Beiträge mit befreundeten Bloggern als WERBUNG. Sicher ist sicher.


Anmerkung nach Kontrolle meines Feeds:
Wo fängt das an und wo hört das auf. Teilweise habe ich nicht Lokale oder Hotels markiert, sondern Museen und Zoos: Unternehmen!
Aber auch Städte betreiben Stadtmarketing und Regionen laden zu Pressereisen, was wenn ich Berlin oder Grömitz in meinen Beiträgen markiert habe?
Mir raucht der Kopf!


Denn rund um diese Möglichkeiten der Abmahnung hat sich mittlerweile  eine kleiner Geschäftszweig entwickelt, der gefühlt prächtig davon lebt, Fehler zu finden und abzumahnen. Ich habe gerade kein Geld und keine Energie übrig, mich mit sowas zu befassen. Zumal ich mir aktuell nicht einmal sicher bin, ob es dann zu meinen Gunsten ausgehen würde, nur weil ich mich immer um möglichst gute Transparenz bemüht habe.

Was ist denn mit meinem kleinen neuen Projekt? Ja, ich werbe für #kommakaffee, weil ich auf das neue Podcast-Projekt von mir und Juli hinweisen möchte, ich möchte es bekannt machen. Ich bin da auch stolz drauf.

Ich will damit kein Geld verdienen, aber es ist das gemeinsame Projekt zweiter Bloggerinnen, die obige Kriterien erfüllen (Marke/Firma) und man könnte damit Geld verdienen. Also WERBUNGANFANG seid gespannt auf den Kaffeeklatsch WERBUNGENDE.

Oder wie muss ich das nun handhaben?

Meine Meinung?

Ich finde es ganz essentiell, dass Werbung klar und deutlich gekennzeichnet wird. Leider rennt die Rechtssprechung und vor allem die Gesetzgebung den tatsächlichen Entwicklungen immer deutlich hinterher. Es fehlt der klare Rahmen.

Djure schreibt schon ganz richtig auf Facebook, dass klare Regeln geben muss und dass weiche Grenzen/Regelungen oftmals leider dann ausgenutzt werden.

„Ich folge zwar einerseits der Argumentation der Bloggerin, dass ein Post, der auf eine Marke vertaggt nicht unbedingt Werbung sein muss. Andererseits wäre die kennzeichnungsfreie Zulässigkeit der hier abgemahnten Beiträge ein Türöffner für das nächste Schlupfloch. Bspw. in dem Sinne, dass ein Post über ein beworbenes Sofa im Wohnzimmer einmalig bezahlt wird, das Sofa dann aber über Wochen und Monate teil der Einrichtung bleibt und regelmäßig vertaggt wird. Wer soll bitte schön prüfen und abgrenzen, was davon bezahlt und was nicht?
Und leider leider zeigt die Erfahrung, dass Schlupflöcher gnadenlos ausgenutzt werden. Von Influencern und von ihren Auftraggebern.“

Bedeutet zum Beispiel bei uns Mamabloggern, dass man eine Kindermodemarke bewirbt – korrekt gekennzeichnet in einem Insta-Beitrag, aber auch auf folgenden Beiträgen immer mal wieder die Kinder diese Klamotte tragen und bei der ein oder anderen Marke würde ich das sogar für so offensichtlich halten, dass man nicht einmal vertaggen müsste. Jeder sieht: Ah die Zwerge von der Kerstin tragen Adidas (Marke hier beliebig ausgesucht – wüsste nicht einmal, ob wir was entsprechendes in den Kleiderschränken der Kinder finden würden) oder was auch immer.

In dem Fall würde ich mich als PRler freuen, wenn ich es geschafft hätte, eine erfolgreiche Mamafluencerin so gut auszustatten, dass auf jedem zweiten Bild deutlich zu erkennen ist, von wem die Kinderklamotte stammt. Denn das wäre dann Werbung für mein Unternehmen.

Aufweichung des Begriffs

Wenn wir als Blogger, Influencer nun aber grundsätzlich jeden unserer Beiträge als Werbung kennzeichnen, was passiert dann mit dem Begriff WERBUNG? Wenn wir alle zu einer reinen Dauer-Werbesendung werden, dann verschwinden die bezahlten Kooperationen und die „echte“ Werbung im Sinne von „das Unternehmen hat zwei Instablogposts, drei Story-Erwähnungen und einen Blogpost gebucht“ unter dieser Kennzeichnung. Was ist das Wort WERBUNG dann noch wert?

Klar kann ich (und mache ich) immer noch im Anschluss an dieses Wort oder unter dem Posting genauer beschreiben, warum ich es als Werbung kennzeichne. Kann erklären, dass dies unbezahlte Werbung ist, weil ich meinen traumhaften Rock selbst gekauft habe, weil mir einfach meine (bloggende) Freundin (mit Web-Shop) das Armband geschenkt hat, weil mich in diesem Fall tatsächlich das Unternehmen für das, was ich mache, bezahlt hat.

Aber ist es dann auf den ersten Blick ersichtlich? 

Transparenz ist wichtig, aber sie kann nicht nur mit irre langen Erklärungen hergestellt werden. Eigentlich sollte sie auf den ersten Blick klar erkennbar sein.

Ich komme bei diesem Thema zu keinem klaren Schluss, außer dass dringend weiter gedacht werden muss. Dass es klare Regeln braucht und vor allem anwendbare Regeln.

Eure Kerstin


Einer der besten Texte zum Thema ist von Moritz Meyer.

Ansonsten für alle Interessierten der Hinweis, dass BLOGST mit Dr. Thomas Schwenke auf Instagram am 25.06. um 21 Uhr live geht.

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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