Wenn das Leben passiert…

Ich habe seit März nichts mehr veröffentlicht – was nicht heißt, dass ich seit März nichts mehr geschrieben hätte. Vieles hat es weder bis auf die Tastatur noch in den Entwürfe-Ordner geschafft. Insgesamt habe ich im vergangenen Jahr nur zwei Beiträge veröffentlicht. Zwei Beiträge, aus denen gar nicht ersichtlich ist, dass 2018 ein super tolles, aufregendes Jahr für uns als Familie werden sollte.

2018 – unser Jahr

Vor einem Jahr war ich nahezu euphorisch ins neue Jahr gestartet. Ich war glücklich. Der Murmelpapa und ich wollten es wagen. Wir hatten beschlossen, wieder als Familie zusammenleben zu wollen. Wir wären nicht wir, wenn das ganze einfach ginge. Nein. Hinter allem hängt immer ein riesiger Rattenschwanz. In diesem Fall: mein Haus – das seit Jahren vermietet ist – soll verkauft werden, sein Haus muss umgebaut werden, um Platz für uns alle zu schaffen. Wir wohnen 60 km auseinander, gehen beide Vollzeit arbeiten und haben 2 kleine große Kinder. Auch wenn wir keinen fixen Zeitplan hatten, war uns klar, dass dauert. Wir haben für uns selbst so mit ca. 2 Jahren geplant, da Umbau-Urlaub nur im geringen Maße machbar wäre. Unsere Urlaube gehen für Schließzeiten drauf und wir wollten auch dann wirklich Urlaub machen.

Jetzt sind wir ein Jahr weiter. Wo stehen wir? Viel weiter, als bis zur Überlegungen, was wir wie umbauen wollen und einer rein theoretischen Raumauf- und –verteilung sind wir nicht gekommen.

Was ist passiert?

Das Leben ist passiert. Die Euphorie ist sehr schnell verflogen. Der Jahresanfang war von einer sehr anstrengenden Phase des Nasenbärs geprägt. Was passiert war, können wir nur vermuten. Irgendwann wurde es besser. Irgendwann war es vorbei. Aber in der Zeit selber hat es eine Menge Zeit und Energie bei uns gebunden.

Die Kita-Zeit neigte sich dem Ende zu, alle Zeichen standen auf Einschulung. Auch hier gab es viele Termine. Schuleingangsuntersuchung, Ranzen aussuchen, vergleichen. Kennenlernveranstaltungen auf der einen, Abschiedsveranstaltungen auf der anderen Seite. So dass kaum Zeit zum Luft holen war. Es war unser ganz normaler Alltag. Bis Mai war es einfach nur ein normales chaotisches Jahr. Wir waren im Urlaub. Ich war auf der Blogfamilia. Vieles aus der Zeit hätte ich gerne verbloggt. Alles war gut. Etwas anstrengend, aber wirklich gut. Ich habe mir wieder erlaubt, über eine gemeinsame Zukunft für meine Familie zu träumen. Den Traum mag ich auch nicht mehr wieder hergeben.

Und dann kam die Realität

Mitte Mai wurde schlagartig alles anders. Dienstags erfahre ich, dass sich mein Papa „nicht so gut fühlt“. Mittwochs klingelt auf der Arbeit das Telefon: „Kannst Du den Papa ins Krankenhaus bringen?“ Seit diesem besagten Mittwoch hat mein Papa 115 Tage im Krankenhaus verbracht – die ganzen ambulanten Termine nicht mitgezählt. Mehrere Wochen davon auf der Intensivstation und teilweise kaum ansprechbar. Eingewiesen wurde er mit dem Verdacht auf Verstopfungen. Tatsächlicher Befund, Prostatakarzinom und Knochenmarkskarzinose.

Mein Jahr war ab da geprägt von Krankenhaus, Arztgesprächen, Beantragung Pflegegrad, Organisation von Fahr- und Pflegedienst und allem, was da mit dran hängt. Das Haus meiner Eltern erinnert schon fast selbst an ein Krankenhaus. Pflegebett im Wohnzimmer, Rollator, Rollstuhl, Toilettenstuhl. Vor Weihnachten war er dann noch eine Zeit auf der Palliativstation, was uns, aber besonders meiner Mama, den Boden unter den Füßen weggezogen hat.

Mein größter Weihnachtswunsch war, dass Papa an Weihnachten zu Hause ist. Dass er mit Mama und uns Weihnachten feiern kann. Er wurde uns erfüllt <3 und es war schön. Wunderschön. Und auch an Silvester war er zu Hause und hat vor dem Haus mit uns Feuerwerk geguckt.

Ende August hat seine engagierte Onkologin schon Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, dass er bei der Einschulung der Murmels dabei sein konnte. Ich bin ihr so verdammt dankbar.

Meine Schwiegermutter ist dann auch noch zweimal gestürzt. Der erste Sturz hat den gemeinsamen Sommerurlaub mit dem Murmelpapa ins Schwanken gebracht. Der zweite Sturz hat den gemeinsamen Herbsturlaub zunichte gemacht.

Der Murmelpapa war durch die Stürze und Krankenhausaufenthalte somit stark an seinen Wohnort gebunden, so dass wir uns über lange Strecken nur zur Murmelübergabe gesehen haben. Ein Familienleben auf Distanz ist eine immense Herausforderung für alle. Aber wenn man sich nahezu gar nicht mehr sieht… das geht nicht lange gut. Missverständnisse, Missstimmungen, gegenseitiges Unverstanden fühlen. Überlastung und Überforderung. Dinge, die man eigentlich gerade gar nicht gebrauchen kann und welche die Gesamtsituation noch viel unerträglicher machen.

Aber auch hier gab es ein Weihnachtswunder. Die Zeit über Weihnachten und Silvester konnten wir (fast) vollständig miteinander verbringen. Ich bin zu Weihnachten reich beschenkt worden. Beschenkt worden mit Zeit. Zeit mit Menschen, die ich liebe.

Das neue Jahr

Ich weiß nicht, was das neue Jahr für uns bringt. Pläne und Vorsätze habe ich keine. Ich wünsche mir, dass es ein gutes Jahr wird und ich hoffe, dass es nicht so schlimm wird. Ich weiß, dass das fürchterlich nach Resignation klingt. So fühlt es sich aber nicht an. Die Situation ist gerade, wie sie ist. „Nicht so schlimm“ bedeutet für mich vielleicht nicht unbedingt gut, aber zumindest OK.

Das vergangene Jahr war teilweise richtig schlimm für mich. Angst, Schmerz, Überforderung, Allein gelassen fühlen, weder Luft noch Raum zum atmen. Sowohl den Sommer- als auch den Herbsturlaub habe ich gedanklich mit einem Bein im Auto verbracht, da es Papa sehr schlecht ging. Da hätte ich mich über ein „OK“ schon sehr gefreut. Mit OK kann ich leben.

Ich wünsche Euch allen ein gesundes Jahr. Ein Jahr, das für Euch mehr als nur „OK“ ist. Ein besonderes Jahr, so, wie Ihr es Euch wünscht <3

Ich bin zufrieden, wenn mein 2019 „OK“ ist.

Viele liebe Grüße

Eure Tanja, Murmelmama

Mein Name ist Tanja. Ich bin alleinerziehende, getrennt lebende, berufstätige Mama eines sechsjährigen Zwillingspaares - meine Murmels. Auf Twitter findet Ihr mich unter @Murmelmum und hier im Blog hat die liebe Kerstin mir ein kleines Dauergast-Apartment eingerichtet :-)

4 comments

  1. Liebe Tanja,

    schön, wieder von dir/euch zu lesen!
    Alles Gute und ich drücke ganz fest die Daumen, dass 2019 für euch mindestens „OK“, vielleicht sogar ein bisschen „gut“ wird :o*

    Alles Liebe,
    Nadine

    1. Herzlichen Dank, liebe Nadine, für Deine lieben Wünsche.

      Natürlich hoffe ich, wieder regelmäßiger schreiben zu können, aber den Vorsatz hatte ich bekanntlich schon öfter… und immer kam irgendwie zu viel Leben und zu wenig Zeit dazwischen.

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