Von Hexen, Haarbändern und Freunden

Die Zwillinge sind angekommen in der Kurklinik und berichten mir am Telefon von ihren Freunden. Die Tochter weiß zwar nicht, wie ihre Freundin heißt, aber zum Schwimmen haben sie sich schon verabredet. Das dürfte mit zwei Freischwimmern für den Traummann jetzt auch fast entspannt sein.

Der Zwillingsbruder hat auch einen Kumpel zum Kloppen, was auch immer das heißen mag. Passenderweise heißt der genauso wie sein kleiner Bruder und mit dem kloppt er sich ja wahnsinnig gerne. Was letzterem sehr fehlt. Krümel trauert daheim. Alles ist doof ohne die Großen. Er mag auch nirgendwohin ohne Mama und so ist der Feiertag fast ein Segen.

Mir graut ein wenig vor dem Kindergarten morgen und dass dann die Patentante abholen wird. Denn Krümelchen findet das alles blöd. Womit er aber im Prinzip genau den Beweis führt, warum er hier geblieben ist. Denn in der Kurklinik hätte er nicht mit den Zwillingen in den Kindergarten gedurft, hätte eine andere Gruppe besuchen müssen.

Und so sehr ihn hier alles ohne die Geschwister stresst, so wäre es ein Unding gewesen, ihn alleine in eine fremde Kindergartengruppe zu geben. Er mag sowas nicht. Gar nicht. So wäre die Kur vermutlich nicht sonderlich erholsam für den Traummann.

Ich erhole mich hier derweil prima und schaffe es, mir mit einer leichten Bewegung den ersten Hexenschuss im Leben zu verpassen. Meine Mama ist schockiert, ich eher fasziniert, dass ich bei meiner Sportmuffeligkeit es geschafft habe, fast 38 Jahre keinen gehabt zu haben.

So begleitet mich heute nicht nur Krümel auf Schritt und Tritt durch den Vatertag, sondern auch seine Wärmerobbe, die ich mir für den schmerzenden Rücken ausgeliehen habe. Jetzt schmerzt nicht nur (immer noch) der dämliche Knöchel, ich stakse auch wie eine ziemlich alte Frau durch die Gegend.

Den Kurenden haben wir ein Päckchen gepackt heute mit Süßkram, vergessenden Kleinigkeiten, der heiß ersehnten Fußballcappy für den Sohn und zwei neuen Haarbändern aus Stoffresten für die Schwester.

Genäht habe ich heute also. Trotz schmerzenden Rücken. Auch ein Shirt für mich, denn für die anstehende Familienfeier am Nachmittag mangelte es mir im Kleiderschrank an sauberen Oberteilen, die nicht drohen bei jeder Bewegung zu platzen. Ich kann schneller neue Klamotten nähen, als waschen und trocknen.

Auf Dauer ist das aber keine Lösung und langsam nehmen die Rundungen so zu, dass ich wirklich kaum noch was im Schrank habe, das passt. Ein eigentlich gutes Zeichen, dass der Darm nun offensichtlich wieder richtig Nahrung aufnimmt und verwertet, aber aus meinem Plan dann dafür sportlicher zu werden, wurde ja irgendwie nix. Das sportlichste an mir ist derzeit die Bandage am Knöchel, der immer noch unangenehm schmerzt, wenn ich ein paar Mal zuviel die Treppen rauf und runter gerannt bin.

Ich muss wohl neuen Stoff bestellen. Eine andere Lösung sehe ich gerade nicht.

Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.