Halbzeit. Die Einlingsschwangerschaft einer Zwillingsmutter.

Es ist schon ein paar Tage her, dass das Krümelchen heimlich still und leise Bergfest feiern konnte. In unserem allgemeinen Chaos hier ist der Tag an mir ziemlich vorübergegangen. Diese Schwangerschaft ist so anders als die vorherige. Vor zwei Jahren hätte ich euch jederzeit im Tiefschlaf auf den Tag genau sagen können, was die Schwangerschafts-Uhr geschlagen hat. Aktuell bin ich vermutlich schon in der 22. Schwangerschaftswoche! Glaube ich zumindest. Möglicherweise ist es auch die 23., aber das ist ja nicht so relevant. Alles ist so anders.

Das Nilpferd und die Elfe

Ich habe  auch dieses Mal einen ziemlich großen, runden Bauch. Der ist tatsächlich verdammt groß und ich habe auch schon ordentlich Gewicht (über 10 kg) zugelegt. 😉 Aber das steht in keiner Relation zu 2013!

Es ist Ende März 2013 und ich mutiere so langsam zu einem dicken Nilpferd. Optisch und vor allem gefühlt. Bewegung fällt mir immer schwerer, mein Ehering passt schon lange nicht mehr auf meinen Finger und baumelt an einer Kette um den Hals. Schicke Schuhe kann ich vergessen. Es gibt kaum noch Schuhe, in die ich überhaupt reinkomme. Mit grob geschätzten 20 kg zusätzlichem Gewicht fühle ich mich anmutig wie das eingangs erwähnte große graue Flusspferd auf dem Trockenen.

Schwangerschaft
Halbzeit mit Zwillingen (2013)

Im Vergleich bin ich heute eine zarte Elfe. Ich trage immer noch meinen Ehering am gewohnten Finger und bisher hatte ich noch kein Bedürfnis auf „bequeme“ Schuhe umzusteigen. Der Bauch ist mir ständig im Weg, wenn ich mich bücken muss und als Bauchschläferin verfluche ich ihn vor allem nachts. Aber es gibt keine Kurzatmigkeit, kein Hecheln und Pausieren beim Treppensteigen. Ich kann noch problemlos auf dem Boden sitzen und behaupte, dass ich noch nicht in den typischen Watschelgang einer Schwangeren verfallen bin.

Mit den Zwillingen war das alles anders. Die Schwangerschaft trug das Prädikat „entspannte Bilderbuch-Zwillings-Schwangerschaft“ und war körperlich so ungleich belastender. Schon früh lebte ich damals im Schongang, zwangsweise. Immer schwebte das Angstgespenst „stationärer Aufenthalt“ über einem und machte sie zeitig mit markanten vorzeitigen Wehen bemerkbar, wenn man auch nur einen Hauch zuviel getan hatte.

Die Frühgeburt. Letztendlich schien sie in den Augen vieler unabwendbar. Es war nie die Frage, ob die Zwillinge zu früh kommen würden, sondern eher wieviel zu früh. Da zählte man natürlich die Wochen mit (ich wurde ja ständig danach gefragt), auch wenn man selbst da meist ganz ruhig und zuversichtlich war. Den beiden war es egal. Sie kamen ihrer dickköpfigen Mutter zur Liebe erst wie verabredet im Juli zur Welt. 😉

Mama ist schwanger!

Schwangerschaft
Halbzeit mit Einling (2015)

Heute kann ich mich nicht schonen. Das kann man möglicherweise beruflich. Vielleicht kann man auch den Zustand des Haushalts ignorieren (ich habs noch nicht geschafft). Im Familienleben geht das zumindest mit Kleinkindern nicht einmal theoretisch. Ich habe hier zwei kleine Wirbelwinde um mich herum, die es als Einladung zum Toben interpretieren, wenn Mama sich auf das Sofa setzt. Ich bin ständig in Bewegung und habe auch gar nicht das Gefühl, dass mir das schadet. Vieles geht langsamer und abends bin ich oft richtig platt, aber es läuft.

Die Zwillinge halten mich auch vom Nachdenken ab. Und das ist vermutlich gar nicht mal so übel. Manches Mal würde ich mir Ruhe für mich wünschen. Vielleicht ist es fast schade, dass diese Schwangerschaft so nebenbei und wenig bewusst läuft, aber mir hilft das. Diese Schwangerschaft hat für mich einfach nicht schön begonnen. Die extreme Übelkeit, die belastende Müdigkeit und vor allem der Verlust des Zwillings. Meine „Großen“ lassen mich nicht in traurigen Gedanken versumpfen.

Hin und wieder habe ich eine ruhige Viertelstunde, in der das Krümelchen sich kräftig tretend mit mir ganz leise unterhält. Dann zeigt es mir, dass es da ist und dass es sich auf uns freut. Dann steichel ich meinen Bauch und freue mich auf das Krümelchen. Bevor ich Zeit finde weiteren – für mich immer noch sehr grausamen – Gedanken nachzuhängen, geht mein wildes Leben als Zwillingsmutter weiter.

Das zweite Mal ist anders

Die zweite Schwangerschaft ist so ganz anders. Denn keine Schwangerschaft ist wie die andere. Und ja, Zwillingsschwangerschaften sind zumindest körperlich ungleich belastender. Emotional kann eine Einlingsschwangerschaft definitiv mehr von einem verlangen, denn das hängt an ganz anderen Dingen als der puren Anzahl Kinder im Bauch. Ganz bestimmt wird aber keine Schwangerschaft mehr so sein wie die erste. Wenn eine Mutter schwanger wird, dann ist sie eben eine schwangere Mutter. Aber einen Gang zurück schalten?

Meine Kinder sind noch keine zwei Jahre alt. Sie zeigen auf Mamas Bauch und sagen „Baby“. Aber was das heißt, dass ahnen sie vermutlich nicht einmal. Für sie bedeutet das nur, dass man auf Mamas Bauch nicht hopsen darf, wenn sie auf dem Sofa liegt. Immerhin schon etwas, oder?

Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

3 comments

  1. Hey Kerstin, obwohl wir uns in der Wirklichkeit gar nicht kennen, muss ich öfter mal an dich und deinen Verlust in dieser Schwangerschaft denken. Ich glaube, das ist einfach mit das härteste, was einen treffen kann. Und dann noch all die Hormone und die Herausforderungen des Alltags… Ich wünsch dir und deinem Mann noch ganz viel Kraft! Julia

  2. Pingback: Liebe werdende Zwillingsmama, bitte hab keine Angst!

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