Unsere ersten Schritte als Mini-Großfamilie

Kerstin —  18. September 2015 — 3 Kommentare

Heute vor zwei Wochen ging die lange erste gemeinsame Nacht zu Ende. Der Krümel hatte sie auf meiner Brust verbracht. Laut schimpfend, dass man ihn dann doch so ins Leben katapultiert hatte. Wäre es nach ihm gegangen, er hätte vermutlich gerne noch ein paar Stunden oder gar Tage weiter immer wieder Anlauf genommen, angetestet und nochmal kurz pausiert. Aber 12 Stunden nach dem Blasensprung war der Anstupser nun einmal fällig geworden. Was kann ich dafür, dass mein Körper dann gleich genervt den Sprint hinlegt?!

Den darauf folgenden Tag und die komplette nächste Nacht verschlief er dann erschöpft. Und seitdem sind wir im stetigen Wechsel zwischen „Wow, der pennt ja NUR!“ und „Kann der Krümel vielleicht endlich mal schlafen?!“. Aber eigentlich wollte ich euch ein wenig darüber erzählen, wie das denn nun so ist, so mit einem einzelnen Baby. Und mit den beiden „Großen“, die sind ja auch noch da und nun eben große Geschwister. Tja…

Baby schläft

Ein chilligen Einling zum Verwöhnen

Und dann noch nen chilligen Einling zum Verwöhnen wünschte sich der Zwillingspapa mal vor vielen Monaten, unsere Zwillinge waren selbst erst wenige Wochen alt. Lassen wir mal außen vor, dass wir uns auch riesig über ein weiteres Doppelpack gefreut hätten (hat nicht sollen sein), ich selbst hätte nicht mit großen Unterschieden gerechnet. Ich habe die Zwillinge nicht als so extrem anstrengend empfunden, hatte aber eben nie den Vergleich. Jetzt hab ich ihn.

Es ist unfassbar einfach, einen reif geborenen Einling zu stillen! Ich bin schockiert. Mein größtes Problem war, dass die Milchbar quasi sofort wieder mit dem alten Angebot die Türen öffnete – 1,5 Jahre nach Geschäftsaufgabe – und der einzige Kunde eben kein Großabnehmer war. Aber seit wir uns aufeinander eingestellt haben, kommen die nimmersatte Raupe und ich super klar. So nen Einling kann man ja quasi im Vorbeilaufen stillen! Keine Burg aus Stillkissen bauen, kein Geturne und Gezappel, bis alle richtig positioniert sind. Einfach Krümel schnappen und zack, da hat er auch schon die Zapfstelle anvisiert und lässt garantiert nicht mehr los, bis er in Rekordgeschwindigkeit vollgetankt hat.

Auch so ein Unterschied: Die Zwillinge waren fit nach der Geburt, aber sehr zart und an der Nahrungsaufnahme nicht sonderlich interessiert. Sie haben wochenlang ziemlich unmotiviert und nur wenig effizient vor sich hingenuckelt. Das scheint auch nicht an der unerfahrenden Erstmama gelegen zu haben, denn der Krümel beweist nun, dass es auch unter den Babys einfach echte Naturtalente gibt. Hoffentlich gewöhnt er sich diesen rasanten Zug bis zur Pubertät und Entdeckung der hopfenhaltigen Genussmittel ab. Sonst wird das noch spannend.

Was die Stillerei allerdings wiederum etwas spannender macht: Wir haben immer höchst interessiertes Publikum. Sonnenschein und Prinzessin müssen sich dann auch immer an die Mama kuscheln und genau gucken, was der Krümel da macht und wie er das macht. Und natürlich müssen sie ihn ganz dringend jetzt eben küssen und umarmen und streicheln. Geht gar nicht anders. Sonnenschein erklärt auch prima, warum er nicht aus der Brust trinkt, sondern nur das Baby: Sonnenschein darf nämlich schon Pizza essen und Sokolade und Musli und Nubeln und Bonbons und Eis und Sokolade und MAMA ICH WILL SOKOLADE!!! Prinzessin will auch haben. Natürlich.

Vergessen? Verdrängt?

Man vergisst und man verdrängt so einiges. Zum Beispiel weiß man, dass ein Baby nachts ständig wach wird, aber wie sich so ein Stillabstand von 90 Minuten anfühlt, das hat man verdrängt. Das fühlt sich nämlich an wie 2 Minuten! Und der Schlafmangel tut fast körperlich weh.

Das kann nur der himmlische Duft so eines Zauberwesens heilen. ❤

Ansonsten hat der Krümel bisher auch keinen Rhythmus. Mal schläft er eine Stunde und mal vier am Stück, mal sind die Nächte die Hölle und mal sind sie total ok. Tagsüber würden böse Zungen behaupten, dass er einfach so mitlaufen würde. Aber die haben keine Ahnung, denn der Krümel kann überhaupt noch gar nicht laufen! Geschweige denn das Tempo seiner Geschwister mithalten.

Er schläft meistens einfach. Abgelegt im Laufstall, der quasi als Sicherung vor der Neugier der Zwillinge dient. Eine Wiege wie bei den beiden war uns eben wegen der beiden zu riskant. Die hätte gerne mal nen Überschlag hingelegt oder hätte beim nächsten Rugby-Turnier Bruder gegen Schwester beim Finale im Wege gestanden.

Abends wenn die beiden im Bett sind, holt der Mini dann die Anhänglichkeit raus und spielt „der-den-man-nicht-ablegen-kann“ bis in die frühen Morgenstunden. Das ist auch schön, wenn er sich seine Portion Nähe holt, und ich genieße es, suche aber noch nach einer Stunde am Tag, in der ich schlafen darf. Wenn mir dieser Antrag auf Schlaf demnächst mal bewilligt würde, wäre ich die glücklichste Frau der ganzen Welt*.

Eigentlich wollte ich euch noch was zu den Geschwistern erzählen, aber jetzt habe ich schon soviel geschrieben und gleich kommen die „Großen“ mit Papa wieder von ihrem Friseurtermin zurück und der Krümel zieht auch schon wieder sein Näschen so kraus, als wolle er sagen: Mama macht dich startklar, ich hab gleich ein Hüngerchen.

Ich nutze daher die verbliebenen 2 Minuten, um eine kurze Pause zu machen.

Herzliche Grüße, Eure Kerstin

*Ich glaube, ich bin schon längst die glücklichste Frau der Welt, aber das würde so vermessen klingen. Tun wir mal diplomatisch tun und behaupten, ich wäre am zweit- oder drittglücklichsten. Wir kennen ja die Wahrheit, aber PSSSST! Müssen ja auch die Kinder nicht unbedingt spitz kriegen, dann bemühen sie sich nicht mehr so. 😉

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

3 Antworten zu Unsere ersten Schritte als Mini-Großfamilie

  1. 

    Toll geschrieben und so witzig der Vorausblick in Richtung hopfenhaltige Genussmittel 🙂 du siehst auch auf diesem Bild so glücklich und zufrieden (und müde) aus, wie es nur frischgebackene Mütter tun. Saug den Babygeruch ein, wann immer es geht! Den verlieren sie nach und nach und der fehlt einem (also mir mit 9-Monats-Baby) mit am meisten aus der Anfangszeit. Alles Liebe! Vivi

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  2. 

    Ach toll! Zwillingsstillenderweise lese ich deine Zeilen und freue mich mit euch! Alles Liebe!

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Trackbacks und Pingbacks:

  1. 6 Monate als Miniatur-Großfamilie « Chaos² – Familienwahnsinn im Doppelpack - März 3, 2016

    […] ist ja schon verdammt entspannt. Zumindest unserer war das bis vor einigen Wochen tatsächlich. Der Krümel lief einfach mit. Die Zwillinge tobten ihre Kleinkind-Pubertät aus und das Baby strahlte dazu […]

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