Unsere ersten Schritte als Mini-Großfamilie: Der kleine Bruder

Prinzessin und Sonnenschein wussten, was passieren würde. Wir hatten oft genug darüber gesprochen und auch fleißig Bücher gelesen. Sie waren keineswegs überrascht, als eines morgens die Oma statt Mama oder Papa in ihr Zimmer kam. Natürlich! „Baby tommt. Mama in Tantenhaus is.“ Das Thema war geklärt und sie nahmen es wie selbstverständlich, ja irgendwie schon als überfällig hin.

Leider hat es der Papa abends nicht mehr rechtzeitig nach Hause geschafft, dass sie ihn noch gesehen hätten. Der Krümel kam erst, als die Zwillinge schon lange wieder schlummerten. Problemlos hatten sie sich von den Omas ins Bett bringen lassen. Am nächsten Morgen stürmten sie quasi gleich nach dem Frühstück die Säuglingsstation. Prinzessin kam schon aufgeregt nach ihrem Bruder rufend vorneweg gelaufen. Sonnenschein hatte sein heiliges Playmobil-Motorrad dabei. Sie stürzten sich regelrecht auf den Krümel, Mama war weit weniger interessant.

Sie mussten ihn streicheln und umarmen, küssen und drücken, dass einem Angst und Bange werden konnte, denn Zweijährige können sehr stürmisch in ihrer Zuneigung sein. Aber der Krümel nahm es hin. Ein wenig enttäuschend war nur, dass selbst das blinkende Blaulicht des Motorrads ihm keine Reaktion entlocken konnte. Dabei hatte es der Sonnenschein extra für ihn mitgebracht und das soll was heißen, denn damit darf sonst NIEMAND spielen.

Der Abschied war tränenreich und zog sich wohl auch noch lange hin. Nachmittags hatten wir daher den schlauen Plan, den Krümel gemeinsam vorher bei den Schwestern abzugeben und dann noch kurz Krankenwagen zu gucken. Aber auch ein Abschied draußen vor der Tür mit spannenden RTWs im Hintergrund änderte nichts daran, dass vor allem Prinzessin noch viele Tränen zu Hause vergießen musste, weil sie doch zu ihrem kleinen Krümel-Bruder wollte.

Der Reiz des Neuen

Es war klar: egal wann ich nach Hause gegangen wäre, die ersten Tage würden sie nicht von ihm weichen und so kam es dann auch. Sie saßen neben mir, wenn ich stillte. Sie streichelten währenddessen das Köpfchen. Sie untersuchten die zarten Finger und zupften an den Füßen. Sie guckten sich ganz genau an, was alles an dem kleinen Bruder so dran war und beschnupperten ihn intensiv. Und wer gerne daran glaubt, dass das Geschlecht im Leben keinerlei Auswirkungen hat, der überlese bitte, dass sich große Unterschiede im WIE ergaben:

Die große Schwester war von Anfang an sehr zart und vorsichtig. Solange sie konzentriert ist, kann man ihren vorsichtigen Bewegungen absolut vertrauen. Der große Bruder zeigt eher eine stürmische Neugier und will alles untersuchen. Feingefühl fehlte dabei anfangs völlig. Er umarmt herzlich und fest, mit all seiner Kraft. Er dreht das Köpfchen in seine Richtung *ruck*, um einen Schmatzer zu verpassen und döppt auch schneller als Mama gucken kann das Köpfchen in die Badewanne, um beim Haare schamponieren zu assistieren.

Aber nach und nach lässt dieser Überschwang nach und auch Sonnenschein lernt seine Kräfte zu dosieren, wenn er den Krümel herzt. Prinzessin hilft ganz fleißig, den kleinen Bruder zu versorgen und bringt der stillenden Mama das mal wieder vergessene Spucktuch herbei. Der Krümel wird niemals gewickelt, ohne dass sie mit ihrem Höckerchen neben dem Wickeltisch darüber wacht: „Der mag das nis!“ Sonnenschein spielt derweil den großen Beschützer und murmelt beim Autofahren immer in die Autoschale neben sich hinein: „Alles is gut, Krümel. Alles is gut. Nis Anst haben.“

Eifersucht gibt es bisher keine. Trotzdem ist es anstrengend, denn wie groß der Anteil ihrer aktuellen Entwicklungsphase (formerly known as Trotzphase) und wie groß der Anteil des Brüderchens an ihren teils heftigen IchWillJetztAufmerksamkeit!!!-Anfällen ist, lässt sich schlecht sagen. Besonders wenn wir Besuch bekommen, wird es hier derzeit laut. Sehr laut! 😉 Die Zwillinge wollen eben nicht überhört oder gar übersehen werden. Das verhindern sie ziemlich erfolgreich.

Perfekte große Geschwister

Das schönste und auch das anstrengste zugleich in den gut zwei Wochen zu fünft bisher zu Hause ist die Zuneigung der Zwillinge zu ihrem kleinen Bruder. Der Krümel ist der neue Mittelpunkt, um den sich auch die großen Geschwister drehen. Sie weichen ihm nicht von der Seite.

Als Eltern geht uns beim Anblick das Herz auf. Zumindest solange, bis uns mal wieder fast der Atem stockt, weil gerade ein Zwilling austestet, wie stark man die kleinen Fingerchen wohl verbiegen kann. Wir haben gerade viel zu lernen, denn wir müssen unseren kleinen, großen Kindern vertrauen im Umgang mit dem Baby-Bruder und ihn doch ein wenig vor ihrer Grobmotorik bewahren. Wir wollen den Krümel ja nicht fernhalten oder wegen ihm immer schimpfen.

Baby mit Geschwistern
Foto von Mareen Meyer

Und der Krümel?

Der nimmt jedes Kreischen seiner Geschwister als gewohntes Hintergrundgeräusch hin, lässt sich seelenruhig knutschen und umarmen. Er scheint schon aus dem Bauch heraus das wilde und meist laute Chaos bei uns zu Hause als sein zu Hause angenommen zu haben. Seine Familie ist halt stürmisch. <3

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

2 comments

  1. Ich kann mir ungefähr vorstellen, wie ♥ig und zugleich anstrengend diese Fühsorge der Zwillinge sein kann.
    Wir haben hier ja eher das Gegenteil. Der große Sohn fand die Tochter ziemlich unspannend bis zu dem Moment, als sie sich gezielt bewegen konnte. Ab da war sie doof ;o) Und nun, nach 2 Jahren, sind sie wie Feuer und Wasser – sie können nicht (lange) miteinander, aber auch nicht wirklich ohneeinander. Wobei ich aber mittlerweile denke, dass das mehr eine Charaktersache ist…

    Alles Liebe ♥
    Nadine

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