Was geht die das an? Die Schuleingangsuntersuchung

Wenn Mama am wenigsten Zeit hat, hat sie die meisten Ideen im Kopf… sei es für Näharbeiten – bestellt fleißig Stoffe und Schnittmuster –, Bücher – die unbedingt gelesen werden möchten – UND Blogtexte.

Gerne wollte ich Euch an unserem ersten Urlaub im Zelt Teil haben lassen. Ich habe im Urlaub auch zwischendurch brav ein paar Stichworte und Begebenheiten aufgeschrieben, damit ich nicht alles sofort wieder vergesse, wenn der Alltag startet. Bald starten wir als komplette Murmel-Familie unseren ersten Pauschal-Urlaub mit Flugreise und all in. Ich habe übrigens jetzt zwei Vorschul-Murmels. Dazu wollte ich Euch auch noch ein bisschen was erzählen. Die Entscheidung darüber, welche Schule es denn werden soll, lässt mich schlagartig alt und (noch) grau(er) werden.

Es gibt im Moment vieles, was mich umtreibt und worüber ich schreiben könnte und eigentlich auch will… aber Ihr ahnt es bereits: es kommt ein „aber“ ein ziemlich großes „ABER“ sogar. ZEIT! Meine To-Do-Listen erschlagen mich und ich weiß nicht, was ich zuerst und zuletzt machen soll.

Trotzdem! Manchmal passieren Dinge, die muss ich raushauen. Da müsst Ihr dann leider oder durch. Ihr habt die Wahl: Lesen oder nicht.

SCHULE – an sich schon ein schwieriges Thema für mich, über das ich hoffentlich bald mal separat schreiben werde. Aber bevor die Murmels in die Schule dürfen, gibt es so nette Fragebögen und eine sogenannte „Schuleingangsuntersuchung“.

Von unseren Kita-FreundInnen hat erst eine Bescheid bekommen. Sie hat sich da inhaltlich erst auf mein Nachbohren zu geäußert. Vermutlich findet sie es einfach nicht so diskussions- und hinterfragungswürdig wie ich… Eigentlich pflegen wir nämlich einen recht regen Austausch.

Auslöser für mich, nachzubohren, wie bei uns die Bögen und Untersuchungen aussehen war ein Tweet meiner lieben Blogger- und Twitterfreundin @estheruiuiui vom gleichnamigen Blog.

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Das Uiuiui-Kind ist im gleichen Alter wie die Murmels und wird auch im kommenden Jahr eingeschult. Esther hat vergangene Tage den Fragebogen und den Termin bekommen. Grundsätzlich finde ich ca. 14 Tage Vorlauf recht ambitioniert – mein dienstlicher Kalender hat teilweise schon bis in das nächste Jahr hinein recht volle Tage und nicht alle Termine kann ich absagen oder schieben. Von daher hoffe ich einfach auf das nötige Quäntchen Glück. Die Terminplanung ist hierbei dennoch meine geringste Sorge.

Natürlich ist es richtig, dass vor der Einschulung die Schulreife der Kinder festgestellt oder eben nicht festgestellt wird. Natürlich macht es Sinn, wenn ein besonderer Förderbedarf bereits im Vorfeld festgestellt und entsprechende Maßnahmen initiiert werden können. Es auch absolut ok, den Impfstatus abzufragen und ggf. noch mal über das Impfen aufzuklären.

UND trotzdem:

Die Fragen in dem Bogen gehen für mich in manchen Bereichen eindeutig zu weit!

Meine Schwangerschaft war für mich eine der persönlichsten, intensivsten und vor allem intimsten Phasen meines Lebens. Da ich zwei gesunde und stets „altersgemäß“ entwickelte Kinder zur Welt gebracht habe, empfinde ich Fragen zu meiner Schwangerschaft und zur Geburt der Murmels als übergriffig. Sie stehen für mich in keinem Kontext zu einer 6,5 Jahre später stattfindenden Einschulung meiner Kinder.

Warum ist es für eine Schuleingangsuntersuchung relevant, ob meine Kinder vielleicht schon mal im Krankenhaus waren? So lange es keine Ursache ist, die einer Beschulung entgegensteht oder aus der eine chronische, den Schulalltag tangierenden Erkrankung abzuleiten ist? Ausgerenkter Arm vor 5 Jahren? Platzwunde vor 4 Jahren? Eingequetschter Finger vor 6 Monaten?

Ist es wichtig, ob meine Kinder mit 10 oder 18 Monaten gelaufen sind? Ob sie mit 2 oder erst mit 3 trocken waren?

Was für Schlüsse werden aus solchen Antworten gezogen?

Eine Frage werde ich beantworten. Die Frage, ob meine Kinder regelmäßig Sport machen. Diese Frage werde ich sogar mit einer Erklärung beantworten:

„Leider gibt es bei uns keine Kindersportangebote, die mit einer Vollzeit-Berufstätigkeit vereinbar sind.“

Kinderturnen um 14 Uhr. Fußball 15 Uhr. Tanzen 14.30 Uhr. Shit happens, liebe Murmels. Eure Mama muss arbeiten und kann erst Angebote ab 16/16.30 Uhr mit Euch wahrnehmen.

Die befreundete Kita-Mutter berichtete von einem zusätzlichen Bogen mit Fragen zum „Charakter des Kindes“. WTF…

Wutanfälle, Konzentrationsfähigkeit usw. Trifft „eindeutig zu, teilweise oder gar nicht“!

Das sind rein subjektive Einschätzungen. Der Murmelpapa würde den Fragebogen vermutlich ganz anders ausfüllen als ich – ebenso die Erzieherinnen, Großeltern, Freunde…

Die meisten Menschen kennen die Wut meiner Tochter nicht. Selbst wenn einer schon mal das (zweifelhafte) Vergnügen hatte, richtet sich diese Wut nahezu immer gegen mich. Ich müsste wahrheitsgemäß antworten „eindeutig“, beim Murmelpapa stünde vermutlich „teilweise“ und meine liebe Kerstin würde wahrscheinlich „gar nicht“ antworten.

Da ich in der Schule nicht neben der Maus sitzen werde, ist die Wut, die sie mir gegenüber an den Tag legt für die Schule uninteressant.

Die subjektiv unterschiedlichen Einschätzungen müssen noch nicht mal an den Kindern liegen: mich stressen, nerven, überfordern andere Dinge als z. B. den Murmelpapa. Natürlich wird er dadurch Fragen anders einschätzen, gewichten und beantworten.

Was für eine Relevanz hat daher ein Fragebogen, den wir gar nicht objektiv beantworten können?

Wir sollen die kompletten U-Hefte der Kinder mitbringen zur Untersuchung. Warum? Ist eine Kopie der letzten U nicht ausreichend? Da das Kreuzchen bei „altersgemäß entwickelt“ gesetzt ist, sind die vorherigen Sachen doch überholt. Selbst, wenn ein Kind zwischendurch dieses Kreuzchen einmal nicht bekommen hat, ist das doch durch eine spätere Untersuchung überholt.

Vor 1,5 Jahren schrieb ich über unsere unsägliche und den Murmels unzumutbare U 8 und die Sorge einer daraus resultierenden Stigmatisierung des Sohnes. Ist dieser Zeitpunkt durch die Vorlage des U-Heftes jetzt gekommen? Was für Auswirkungen hat das für den Sohn? Was konstruieren die daraus?

Auf der Homepage unserer Kreisstadt ist übrigens zu lesen, dass die betreffende Schule ein „Entwicklungs- und Gesundheitsgutachten“ der Kinder erhält. Alle Gutachten, die ich in meinem Leben gesehen habe – egal, ob medizinische oder bautechnische – waren sehr detailliert. Für mich bedeutet das, dass der Schule nicht nur die Schulreife und der individuelle Entwicklungsstand mitgeteilt wird…

Der Murmelpapa und ich sind nicht immer einer Meinung. Wir haben auch nicht immer die gleiche Einschätzung unserer Kinder. Wir sind unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmung und Empfindungen. UND WIR WAREN UNS LANGE NICHT SOOOOO EINIG!

Wir werden bei der Schuleingangsuntersuchung ALLE notwendigen Auskünfte erteilen. Ja! ABER: Antworten auf Fragen, die wir als übergriffig und irrelevant (es sei denn, sie erklären uns die Relevanz) empfinden bzw. nur rein subjektiv zu beantworten sind, werden wir verweigern. Sie können den Impfpass einsehen und die letzte U-Untersuchung.

Unsere Kinder haben Persönlichkeitsrechte und eine Privatsphäre – noch ist es unsere Aufgabe, diese zu schützen.

Natürlich stellen sich in diesem Zusammenhang weitere Fragen:

Was konstruiert das Gesundheitsamt aus unserer Teil-Verweigerung. Was und wie wird es der Schule gegenüber kommuniziert? Nimmt die Schule unsere Verweigerung vielleicht persönlich? Fällt das auf unsere Kinder zurück? Müssen sie das in irgendeiner Art und Weise ausbaden?

Fragen, die ich (noch) nicht beantworten kann.

Aber eines kann ich tun: Ich kann meinen Kindern erklären, warum wir so handeln. Ich kann meinen Kindern beibringen, dass sie alleine entscheiden, wem sie was und wie viel Persönliches von sich erzählen. Dass sie nichts erzählen müssen, was sie nicht wollen.

Habt Ihr diesbezüglich bereits Erfahrungen gesammelt? Wie seid Ihr damit umgegangen? Wie hat sich das für Euch angefühlt?

Steht Euch das Thema auch erstmalig bevor? Wusstet Ihr bereits, was da auf Euch zu kommt? Wie geht Ihr damit um bzw. wie fühlt es sich für Euch an?

Ich weiß, Fragen über Fragen… Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr Eure Erfahrung bzw. Vorstellungen mit mir teilen würdet.

Ich übe doch noch.

Alles Liebe

Eure Murmelmama oder auch „Mama in Ausbildung!“

Mein Name ist Tanja. Ich bin alleinerziehende, getrennt lebende, berufstätige Mama eines fünfjährigen Zwillingspaares - meine Murmels. Auf Twitter findet Ihr mich unter @Murmelmum und hier im Blog hat die liebe Kerstin mir ein kleines Dauergast-Apartment eingerichtet :-)

7 comments

  1. Danke für deinen Beitrag! Wir haben uns fast 1 zu 1 die selben Fragen gestellt, als wir diesen Fragebogen vor ein paar Monaten von der Kita bekommen haben (Übrigens noch im vorletzten Kitajahr). Komischerweise haben die anderen Mütter unsere Bedenken und Entrüstung absolut nicht geteilt und ich dachte schon wir sind die einzigen, denen das ganze sauer aufstoßt. Wir haben uns, unserem Sohn zuliebe, dafür entschieden auch den fragwürdigen Frageteil zu beantworten. Wir wollten verhindern, dass unser Sohn durch unsere Weigerung irgendwelche Nachteile hat. Im Nachhinein ärgere ich mich aber manchmal, dass wir es so gemacht haben. Liebe Grüße
    Yvonne

    1. Hallo Yvonne,
      danke, dass Du uns an Deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
      Sollten die uns schlüssig erklären können, wofür es im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung relevant ist, bekommen sie die Antworten.
      Meine Schwangerschaft ist und bleibt mein Tanzbereich und den werde ich mit denen definitiv NICHT teilen.
      In unserem Umfeld habe ich eine ziemlich heftige Debatte los getreten und es wird fleißig diskutiert und hinterfragt – ich mag das.
      LG Tanja

  2. Hallo Tanja,
    Ich verstehe Deine Sorge und Auffassung.
    In Bayern fand diese Untersuchung vor knapp 30 Jahren im Kindergarten statt. Ohne Beisein der Eltern.
    Mein Bruder sprach damals nicht mit jedem Fremden. Ihm wurden daraufhin autistische Züge unterstellt. Das bestätigte NIEMAND aus seinem Umfeld und bewahrheitete sich auch nicht.
    Seither weigerte sich meine Mutter erfolgreich gegen jeden Kontakt ihrer Kinder mit einem Amtsarzt.
    Ich hoffe für Euch, dass alles Weitere in Eurem Sinne verläuft.
    Lieben Gruß, Elisabeth

  3. Hallo!
    Ich bin Andrea, Mama von 5jährigen Zwillingen (auch Junge&Mädchen). Meine Kinder werden erst nächstes Jahr eingeschult und ich wußte ehrlich gesagt bisher gar nichts von solchen Befragungsbögen.
    Sicherlich werde ich auch nicht alles ausfüllen, ohne zu hinterfragen!
    Mich interessiert auch sehr, mit welcher Methode den Kindern das Schreiben beigebracht wird an der Grundschule in unserem Ort (leider steht nichts darüber auf der Homepage)- ich halte nämlich überhaupt nichts von diesem „Schreiben nach Gehör“ oder wie dieser Blödsinn heißt. Wäre für mich ein Grund, eine andere Schule auszusuchen, trotz der damit verbundenen logistischen Schwierigkeiten.

    1. Die Murmels werden auch erst im nächsten Jahr eingeschult. In unserem Umfeld geht das jetzt los mit den Fragebögen und Untersuchungen.
      Wir selber haben noch nichts bekommen.
      Bei uns lehren meines Wissens alle nach dieser Methode. Ich bin da auch nicht überzeugt von, aber kann es leider auch nicht ändern.

  4. Unser großer Sohn wurde ja dieses Jahr schon eingeschult und demnach ist es hier schon 1,5 Jahre her, dass wir diesen Wisch ausgefüllt haben. Und jetzt schäme ich mich ein bisschen… Ich habe mich zwar auch sehr darüber gewundert, was die da alles wissen wollten, habe es aber brav ausgefüllt. Bei den anderen 2 Kids werde ich da auf alle Fälle mehr hinterfragen…

    LG,
    Nadine

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