Wer hat an der Uhr gedreht? Meine drei Schlafstörungen…

Kerstin —  4. November 2015 — 8 Kommentare

Das Baby ist gerade acht Wochen alt.

Aus dieser schlichten Aussage ergibt sich die zwangsläufige Schlussfolgerung, dass wir müde sind. Eltern acht Wochen alter Babys sind immer müde. Denn im Alter von acht Wochen lassen Standard-Babys in der Grundversion ihre Eltern niemals wirklich zur Ruhe kommen. Schon gar nicht nachts.

Es gibt immer wieder Gerüchte von merkwürdigen Luxusausführungen, die angeblich mit der Zusatzfunktion „Durchschlafen“ ab Werk ausgestattet sind. Aber ich halte diese Erzählungen für wenig glaubhaft. Meine beiden ersten Modelle des Typs Baby sind mittlerweile bekannterweise zwei Jahre alt und haben ausgiebig im fein aufeinander abgestimmten Modus bewiesen, dass erwachsene Menschen auch eineinhalb Jahre Schlafmangel irgendwie überleben können. (Wir hatten ja keine andere Wahl.)

Das neue Baby aka Krümel macht es wie seine großen Geschwister, wobei er natürlich andere ihm eigene Varianten der Schlafstörung nachts aufführt. Eigentlich ist das Krümelchen ja ein sehr gemütliches Baby und leicht zufrieden zu stellen, aber er braucht regelmäßig Nahrungszufuhr. Nachts ist das Schlafen so anstrengend, dass er die Abstände seiner Snacks gerne kurz hält. Und wer viel isst, der muss auch viel. Der kleine Kerl erledigt das zwar bequem im Halbschlaf, aber dabei gibt er den überwiegenden Teil der Nacht eine Sinfonie von Geräuschen von sich, die wahrlich faszinierend ist. Leider können wir dabei nicht schlafen.

Zeitumstellung

Neulich war Zeitumstellung. Die Zeitumstellung ist eine absolut perverse Erfindung Eltern hassender Menschen. Diese Menschen wollen Eltern für ihre wahnsinnig bescheuerte Idee, Kinder in die Welt zu setzen, möglichst ausgiebig quälen. Anders ist es nicht zu erklären, dass alle halbe Jahre ein mühsam gefundener Rhythmus auf so brachiale Art zerstört wird.

Kinderlose mögen sagen: „Eine Stunde, jetzt stellt euch nicht so an.“ Diesen kinderlosen möchte ich meine Zwillinge schicken, die nun völlig am Rad drehen. Morgens beginnt der Tag auch schon mal vor 5 Uhr, denn Prinzessin treibt es früh aus den Federn. Der Sonnenschein wird mit geweckt, auch wenn er gerne noch weiter schlummern würde. Bis zum Frühstück haben wir dann schon den ein oder anderen Heulanfall zweier müder Kleinkinder gehabt. Mittags sacken die Köpfe fast auf die Teller, egal wie früh wir essen. Und trotz Mittagsschlaf: Nach 16:00 Uhr herrscht übermüdete Quengellaune, ab 18:00 Uhr liegt die Wahrscheinlichkeit für dramatische Eskalationen bei 95%.

Normalerweise wuppt der Zwillingspapa das Doppelpack mit links abends ins Bett. Er spielt sogar den Helden und duscht sie im Alleingang. Aber seit der Zeitumstellung herrscht Chaos und Gebrüll. Da macht es Krümels Abendlaune auch nicht einfacher. Der jüngste Chaot der Familie besteht ja abends auf seinen Platz auf Mamas Arm und hat kaum bessere Laune als seine Geschwister.

Schlaf Kindlein Schlaf

Liegen die dann doch irgendwann im Bett, finden sie nicht in den Schlaf und quäken noch ewig. Noch einmal Krümel küssen, noch einmal trinken, noch einmal Schnuller suchen, Krümel wurde nicht korrekt geküsst, der Schnuller ist weg, die Puppe liegt nicht richtig, der Teddy fehlt, dem Krümel hat man überhaupt noch gar nicht richtig Gute Nacht gesagt,…!!!

Welchen Anteil an diesem Drama nun genau die Zeitumstellung, irgendeine Entwicklungsphase oder das neue Geschwisterchen hat, weiß ich nicht. Ändert am Ergebnis aber auch nichts und ist daher zu vernachlässigen.

Schlafen die Zwillinge, warte ich müde darauf, dass der Krümel zu Ruhe findet. Irgendwann schwanke ich mit ihm ins Bett, um dann im zwei Stundentakt angefordert zu werden und in der zweiten Nachthälfte meinem Söhnchen beim Verdauen zuzuhören. Herrlich, sag ich euch. Morgens um kurz vor 5 Uhr springe ich dann fröhlich und ausgeschlafen aus dem Bett, wenn Prinzessins Stimmchen mich herbei flötet. *

Es ist alles eine Phase, eine Phase, eine Phase,… und die nächste Phase kommt bestimmt.

Bitte lasst die nächste Phase irgendwas mit tagelang schlafen sein. Ich hätte es nötig.

Liebe Grüße an mitleidende Eltern

Eure Kerstin

*Dieser Satz kann Spuren von Ironie Wahnsinn enthalten.

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

8 Antworten zu Wer hat an der Uhr gedreht? Meine drei Schlafstörungen…

  1. 

    Standard-Babys in der Grundversion – herrlich, Kerstin!! Ich wusste tatsächlich nicht, dass man mit der Mutterschaft automatisch an einem Durchschlafkontest teilnimmt – wir liegen da ganz weit hinten – aber der Angeberei Anderer zufolge … Die Zwillbos haben eher den Krümel-Rhythmus, inklusive Verdauungssymphonie. Allerdings haben wir keine älteren Geschwisterkinder 😁😁😁 ich denk an dich!

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  2. 

    Viele liebe, hochempathische und mittlerweile mit (6) und (3) relativ ausgeschlafene Grüße an alle Chaos-Augenringe. ❤

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  3. 

    Ich grüße auch – nur noch halb mitleidend (2 × fast 2 und 1 x 3,5 Jahre). Es wird besser!

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  4. 

    Nachdem ich von 9,5 Jahren Mama sein zwischenzeitlich 6 Jahre super schlafen konnte, kam vor 2 Jahren unsere Kleine und schläft auch seit ca. nem halben Jahr endlich bis 7 Uhr durch. Es könnte also langsam besser werden. Aber in etwa 8 Woche (wenn man von den durchschnittlichen 37 Wochen ausgeht) kommen unsere Zwillinge zur Welt und mir graut, mir graut, mir graut. Werde ich je wieder schlafen??? Theoretisch weiß ich ja, dass es besser wird, aber ich ahne nur, wie müde ich dann akut sein werde. Hilfe!!

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Trackbacks und Pingbacks:

  1. Ostern. Ein Familienfest. Mit ohne nicht viele Bilderkes. « Chaos² – Familienwahnsinn im Doppelpack - März 28, 2016

    […] Die Zeit wurde ja auch noch umgestellt, was bei uns aber derzeit irgendwie eh nichts macht. Wir sind da quasi dauerhaft ausm Takt. Die Zwillinge suchen nach dem Frühstück im strömenden Regen draußen Eier. Macht Conni im Buch auch so. Also ohne Regen. Aber halt draußen. Unser Osterhase hantierte wegen dieses ausdrücklichen Wunsches mit Gefrierbeuteln. […]

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