Wochenbett-Frust: Mit dem Kind kommt der After-Baby-Kleiderschrank

Kerstin —  20. Oktober 2015 — 12 Kommentare

Vorwort:

Heute erkläre ich zum einen den männlichen Lesern das für sie bisher schwerverständliche Phänomen der Frau, die in einem übervollen Kleiderschrank kein tragbares Kleidungsstück finden kann. Und zum anderen bitte ich euch – liebe LeserINNEN – mir als meine virtuelle Selbsthilfegruppe mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.


Es gibt ja ganz unterschiedliche Menschen auf diesem hübschen Planeten und völlig unterschiedliche Lebenswelten. So gibt es Heidis, die sechs Wochen nach der Entbindung Unterwäsche in schwindelerregenden Highheels auf Laufstegen spazieren tragen. Und es gibt Kerstins, die sechs Wochen nach der Geburt in Joggerbuchse und Birkenstock durch das Haus schluffen. Von hohen Hacken würde ich gerade vor Müdigkeit runterkippen und in Spitze holt man sich derzeit im deutschen Herbst vor der Tür ganz sicher den Tod oder mindestens eine Männer-Grippe.

Trotzdem ist beides wahrscheinlich völlig ok und ich habe hier auch gerade keine Ambitionen irgendwas über diese dusselige Afterbabybody-Debatte zu schreiben. Meine Meinung dürfte bekannt sein und ich halte es auch für (bei erwachsenen Frauen) hoffentlich selbstverständlich, dass man sich nicht Vollzeit-It-Girls-Muttis mit persönlichem Ernährungsberater, Fitnesstrainer, Bodystyler, Make-Up-Artist, Friseur und weiterem Personal als Vorbild nimmt.

Aber sobald die erste Glückshormon-Keule nach der Geburt ein wenig verblasst und man vom Wochenbett in den Alltag katapultiert wird, ist er wieder da:

Mein Frust vor dem Kleiderschrank!

Ich könnte jeden Morgen, wenn ich mich versuche vernünftig anzuziehen, einen Tobsuchtsanfall kriegen. Ich fühle mich unfassbar unwohl in meiner Haut Kleidung. Natürlich ist mein Körper derzeit nicht der gleiche Körper wie vor der Schwangerschaft oder gar vor den Schwangerschaften. Das erwarte ich auch gar nicht.

Ich gehöre zu den Frauen, die ziemlich viel Gewicht in der Schwangerschaft zulegen. Deutlich mehr als die hübschen Ratgeber und Durchschnittswerte so suggerieren. Das liegt an meinem Hang zu Wassereinlagerungen, an dem Bedürfnis meines Körpers sich gegen Hungersnöte zu wappnen und meiner absoluten Freude am Essen während dieser Zeit. Dieses Mal waren es deutlich mehr als 20 kg. Natürlich sind die noch nicht weg!

***

***

Ich habe gleichmäßig am ganzen Körper verteilt noch ordentlich „Babyspeck“ für den Notfall einer massiven Hungersnot in Europa während meiner Stillzeit. Alles an mir ist Dank des Hormon-Cocktails und meiner Sport-Abstinenz weich (böse Zungen würden es wabbelig nennen). Um die Körpermitte trage ich einen mütterlichen Rettungsring. Das ist jetzt nicht zwingend sexy und ich bin da auch nicht gerade verliebt in mein Spiegelbild. Aber ich finde es völlig ok für den Moment.

Aber ich passe so nicht in meine Klamotten! Argh!

Meine Umstandsklamotte ist mir zu weit geworden. Da fehlt der prächtige, pralle Bauch, damit die Hose sitzt und gut aussieht. In meine normale Kleidung könnte ich mich allenfalls mittels Tannenbaumtrichter reinschießen. Dann quillt oben und unten noch ein bisschen Speck raus und ich bin den ganzen Tag damit beschäftigt, dieses zwickende, zwackende, schlechtsitzende Kleidungsstück zurechtzuzupfen. Das nervt! Das ist unbequem wie Hölle! Und das sieht vor allem denkbar unvorteilhaft aus! So fühle ich mich gerade unfassbar unwohl.

Aber welche Alternativen habe ich?

  • EHaare färbeninfach die Umstandsklamotte weitertragen, auf Joggerbuchse und Pullover vom Traummann umsteigen ist bequem. Ständig Kartoffelsack-Look ist aber nicht mein Fall.
  • Luft anhalten, Rollen ignorieren und sich in die Vor-Schwangerschafts-Kleidung schießen. Das sieht definitiv schlimmer aus als der Sack&Asche-Look und ist zudem noch unbequem.
  • Eine neue Garderobe zulegen, die passt. Dazu bin ich einfach zu geizig, um mir jetzt alles zwei Kleidergrößen größer zu kaufen für ungefähr ein halbes Jahr (Nach dem Abstillen der Zwillinge verschwanden damals meine Notreserven von 10 kg ziemlich plötzlich und auch beim Krümel werde ich vermutlich nicht zur Langzeitstillerin.)
  • Ganz schnell weiter abnehmen und an meinem Körper arbeiten. Sport und Diät und so. An dieser Stelle schüttle ich mich vor Lachen und werde wahrscheinlich noch bis heute Abend grinsen. Für Sport habe ich keine Zeit (und kein Bock) und für Diät definitiv keine Nerven (und kein Bock).
  • Hilft es vielleicht, sich mit einer neuen Frisur abzulenken? Pinke Stoppel auf dem Kopf könnten vielleicht generell einfach jeden vom Rest meines Anblicks ablenken

Also? Hat jemand ne Idee?

Sonst treibe ich den Traummann noch die nächsten fünf Monate täglich mit meinem quengeligen „Ich habe nichts anzuziehen“ vor dem prall gefüllten Kleiderschrank in den Wahnsinn.

Eure Kerstin

P.S.: Falls ihr keinen Rat für mich habt, aber es euch ähnlich gehen sollte, dann freue ich mich umso mehr, wenn ihr meiner Selbsthilfegruppe beitretet. Lasst uns einfach hier gemeinsam in den Kommentaren ein bisschen rumjammern und nöhlen. 

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

12 Antworten zu Wochenbett-Frust: Mit dem Kind kommt der After-Baby-Kleiderschrank

  1. 

    Ich kann dich so gut verstehen!!! Meine Tochter ist jetzt 11,5 Wochen alt und auch das Problem mit dem Bauch. Und ich bekomme, obwohl ich nur 5-8 kg mehr wiege (je nach ausgangsgewicht vor der Schwangerschaft) nicht mehr meine Hosen über die Beine, geschweige denn den Knopf zu, sollte mal eine etwas weiter sein.
    Ich habe den Kleiderschrank meiner Schwestern mal bemüht (beide sind praktischerweise größer und schwerer als ich) und mir noch ein paar Sachen gekauft – damit kann ich sehr gut leben, oft waschen muss ich dank Baby ja eh.

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  2. 

    Ich verstehe dich so gut! Ich hab mir dann doch ein paar Übergangssachen besorgt. Ich hatte auch keine bessere Idee. Ich hoffe du findest einen Weg dich bald wieder wohl zu fühlen in deinen Klamotten 🙂

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  3. 

    Ich würde dir auch empfehlen, ein paar preiswerte „Übergangsklamotten“ zu besorgen. Es kann aber auch passieren, dass du sie dann doch länger benutzt. 😉
    Bei mir ist es so, dass ich genauso viel wiege wie vor den Schwangerschaften, aber mir trotzdem kein einziges Kleidungsstück von dieser Zeit mehr passt. 😦

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  4. 

    Ich habe mir damals beim 1. Kind 2 oder 3 Hosen gekauft, damit wenigstens untenrum was halbwegs passendes für auf die Strasse da war. Obenrum war ja eh Stillkleidung angesagt, aber auch da stockte ich mit ein paar knöpfbaren Teilen 2 Nummern größer als normal auf. Beim 3. Kind im Sommer war es am einfachsten: Röcke mit breitem Hüftgummi oder Kordelzug passten von Größe 44 bis 40.
    Meine alten Hosen bekam ich oft erst lange nach dem Abstillen wieder über die Hüften – das Becken und der Speck dort brauchten einfach was länger.
    Also: kauf dir ein paar günstige Teile neu oder stöber bei Kleiderkreisel oder so – es hebt die Laune tierisch und du brauchst dir keinen Sportstress zu machen!

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  5. 
    Mama in Hamburg 20. Oktober 2015 um 22:39

    Ich bin ja so froh, dass es nicht nur mir so geht. Die Umstandsjeans verrutscht beim Tragen und die Hosen von vor der Schwangerschaft passen noch nicht wieder. Um passende Klamotten zu kaufen bin ich ebenfalls zu geizig und hoffe ja, dass bald die alten Sachen wieder passen. Ich habe dann ein bisschen Geld in einen passenden Jeansrock investiert, der mit verschiedenen Leggins getragen wird. Die Oberteil-Frage wurde durch neu gekaufte Stillshirts geklärt und außerdem gibt es hier mehr passende Sachen von vor der Schwangerschaft im Kleiderschrank. Es ist aber auch wirklich eine Frechheit, dass kein Schwangerschaftsratgeber einen darauf vorbereitet, dass man noch lange Zeit ein Klamotten-Problem haben wird und dass der Blick aufs Spiegelbild nicht unbedingt angenehm ist (da hilft dann nur der Blick aufs wunderbare Baby, dann weiß man, dass es sich gelohnt hat).

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  6. 

    Du schreibst mir aus der Seele! Das ist irgendwie alles nix, was ich mir da täglich zusammenkrame. Es zwackt und zwuckt und das, was drin steckt, kenn ich so nich. Vorteil: Uns bleibt nicht so viel Zeit, uns Gedanken darüber zu machen (wird aber gerade mehr), aber irgendwie schwingt die Unzufriedenheit latent mit den wabbeligen Oberarmen mit durch den Tag. Flatternd winke ich dir von meinem Stillkissen aus zu! 😘

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  7. 

    Hier, ich bin auch betroffen! Der Sohn ist 17 Wochen alt und ich habe noch gute 8 Kg mehr als früher (ach damals… Schnief!). Untenrum rette ich mich aktuell mit 2 Jeggings und einer Jeans, die mir früher leicht zu groß war und die ich kluges Kleiderschrank-Eichhörnchen zufällig noch gelagert hatte. Ansonsten hilft auch der Frühschwangerschaftstrick mit Reißverschluss auf lassen, Lücke mit Haagummi überbrücken und das ganze mit Bauchband abdecken (das drückt auch die schlimmsten Rettungsringe zumindest etwas weg). Schlabberpulli drüber – geht schon.

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  8. 

    Kenn ich ;o) Meine Kids schenkten mir jedes Mal zusätzliche 10kg, die irgendwie immer noch nicht weg sind. Denn zu meinem Leidwesen half bei mit weder Stillen noch Abstillen. Diäten find ich doof und für soviel Sport wie ich machen müsste, um abzunehmen, hab ich keine Zeit. Von daher ist es jetzt so wie es ist und wenn wieder mehr Zeit ist, machen wir uns dann mal an den Abbau. Von daher hat es sich bei mir durchaus gelohnt, die Garderobe zu erweitern…

    Mein Tipp für dich: Leg dir ein paar passende Hosen zu. Und gegen das „weiche“ Gefühl helfen wunderbar (enge) bauchbänder oder ShapeWare. Das „Zusammenpressen“ regt wunderbar die Rückbildung an und sorgt auch für Unterstützung des Bindegewebes. Und man sieht locker 1 Kleidergröße schlanker aus :o)

    Alles Liebe ♥
    Nadine

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  9. 

    Nach meinen Zwillingen und dem ständigen Krankenhaus Horror hab ich die 12kg aus der Schwangerschaft fast komplett in 4 Wochen runter gehabt. 2kg halten sich noch. Und trotzdem sehe ich aus wie im 6. Monat schwanger. Wabbelhüfte und Riesenwampe …nur nicht so kugelig fest wie davor. Und die Entbindung ist schon gute 5 Monate her 😤 Aber für Sport fehlt mir die Zeit (und Lust und Energie) und für Diät die Nerven 😆

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