Kleinkind-Pubertät im Doppelpack

Kerstin —  27. November 2015 — 5 Kommentare

Wir leben aktuell in einem wohl-organisierten Chaos. Also irgendwie funktioniert unser Alltag, aber ich weiß nicht genau wie. Es muss nur eine Kleinigkeit passieren und wir geraten ins Straucheln, denn es ist anstrengend derzeit. Sehr anstrengend.

Ja, natürlich. Das Baby. Klar.

Das muss gewickelt werden, gestillt und geschuckelt, gebadet, gestreichelt und geherzt. Es muss ständig zu irgendeiner U-Untersuchung oder Impfung, es hat Termine beim PEKiP und der Babymassage. Dazu diese Wäscheberge, der Haushalt, der Einkauf, die ganzen Termine, die Zwillinge sind ja schließlich auch noch da.

Aha! Da wird es interessant!

Ja, natürlich. Wir haben ein Baby. Aber wir haben eben nicht nur ein Baby. Eigentlich ist das Baby mehr so nen Mitläufer. Wir haben auch nicht zwei Babys wie damals. Nein, wir haben zwei Zweijährige! Das bedeutet hier herrscht aktuell die Kleinkind-Pubertät im Doppelpack. Nicht nur Chaos² sondern eben auch Wut², Streit², Weinen².

Die Zwillinge haben Phase.

Die Prinzessin muss alles alleine machen. Das ist soweit noch ok; ich lasse die beiden schon immer gerne bei ihrem Wunsch irgendwas selber zu machen gewähren. Macht mir schließlich theoretisch das Leben leichter. Es braucht nur Geduld. Und Zeit. (Achtung hier steckt das Problem: beides ist derzeit knapp in unserem Alltag)

Wesentlich anstrengender ist ihre Jaulerei. Prinzessin jault fast den ganzen Tag. „Mama ich will tinken“ jammert sie verdurstend. „Ja, ich hole dir Wasser.“ „Ich will Wasser tinken!“ jault sie so fürchterlich missverstanden auf. „Ja, ich hole doch schon welches. Hier ist der Becher.“ „Ich will aber Taß tinken!“ heult sie in den höchsten Tönen unter großem Leid. Da hilft es wenig, dass ich ihr natürlich auch ein Glas gebe. Mit Wasser. Sie weint.

Sie muss weinen. Dazu braucht sie keinen Widerspruch, kein Verwehren, kein Ablehnen, keinen Streit und keinen Schmerz. Leider ist die jaulende Prinzessin oft kaum zu verstehen vor lauter Gejammer. Deswegen spurt Mama nicht sofort und muss dreimal nachfragen. Das löst dann größere Verstimmungen aus. Das Kind heult hysterisch, Mama versteht noch weniger, ihr ahnt es?!

Der Bruder hat währenddessen eher verzweifelte Wut. Sonnenschein hat schon länger anhaltende Krisen mit seinem eigenen Willen. Leider weiß er oft selber nicht, was er will. Will das aber so doll, dass er darüber völlig verzweifelt. Ausrastet und natürlich absolut unverständliches Zeug brüllt. Mama steht dann da immer etwas belämmert da, denn sie würde ja gerne, aber…

Außer dem Problem, dass er einiges ganz doll will, hat Sonnenschein auch das Problem, dass er einiges auf keinen Fall will. Möhren zum Beispiel. Oder Hosen. Hosen anziehen ist Folter. Hosen anziehen ist Kinderquälerei. Jeden Morgen, wirklich jeden einzelnen Morgen bricht die Verzweiflung aus ihm heraus. „NICHT ANZIEHEN!!!“ „Sonnenschein du musst eine Hose anziehen. Es ist kalt.“ „Ich will nicht angezogen werden!“ „Aber wir wollen doch rausgehen. Draußen ist es kalt.“ „NICHT ANZIEHEN! NICHT HOSE ANZIEHEN! NEIN! DIE TILLERT MICH!“ Ich weiß langsam nicht mehr weiter. Ich hatte den Jeansstoff im Verdacht, aber Cord geht auch nicht. Ich hatte den engen Hosenbund im Verdacht, aber Latzhose geht auch nicht. Sonnenschein weint wirklich bitterlich und es macht mir auch überhaupt keinen Spaß, ihn anziehen zu müssen. Aktuell geht es halbwegs. Wenn ich ihn in Strumpfhosen und/oder Joggerbuchse rumlaufen lasse. Das löst nur Protest und keine Verzweiflung aus.

Das ist doch zum Haare ausreißen: Die Zwillinge können sprechen. In ganzen Sätzen. Sie sprechen für ihr Alter beide wahnsinnig gut und haben dank ihrer in Endlosschleife plappernden Mama einen irren Wortschatz, aber sie sind aktuell kaum zu verstehen. Sie müssen ja immer weinen, heulen, jaulen, wüten, kreischen. Und Mama bemüht sich zwar, ist aber auf der Frequenz ungewollt schwerhörig.

Es ist anstrengend. Verdammt anstrengend.

Wenn man den halben Tag von zwei Seiten angemotzt wird, wenn nur gejammert und geschimpft wird, dann kostet das Nerven. Ich will ja kooperieren. Ernsthaft! Echt!

Aber irgendwo ist oft meine Geduld und mein Langmut arg strapaziert. Da hab ich dann nicht mehr so richtig Lust verständnisvoll zu sein. An besonders pubertären Tagen habe ich auch gar keine Energie mehr, verständnisvoll zu sein. Selbst wenn ich Lust hätte.

Wir haben gute Tage und wir haben eher beschissene Tage. Oft eskalieren gute Tage dann innerhalb von zwei Minuten und drehen sich unrettbar. Alles nur weil Mama irgendetwas falsch gemacht hat oder weil die Haferflocken alle sind oder auf dem Teller eine Spur Möhre zu finden war oder der Spielzeugschraubendreher nicht zu finden ist oder der Stuhl im Weg steht oder die mütterliche Spaßbremse nicht erlaubt, dass man mit Papas Teppichmesser spielt.

So ist das Leben. Chaotisch. 😉


Emma erlebt mit ihren Zwillingen derzeit vergleichbares und hat darüber gebloggt. Ich habe uns sofort wiedererkannt, auch wenn hier noch niemand ohne Windel rumläuft. 

Ich möchte auch noch einen zweiten Teil zu Streit & Geschwisterliebe schreiben, sollte mich unser Alltag lassen. 😀 Wir wüssten gerne, ob es euch ähnlich geht? Und vor allem: WANN HÖRT DAS AUF?! 

Sollte es Zwillingseltern geben, die diese Phase überlebt haben, bitte melden. Danke.

 

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Kerstin

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Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

5 Antworten zu Kleinkind-Pubertät im Doppelpack

  1. 

    Hier – überlebt! Auch wenn ich es mir damals kaum hätte vorstellen können. Bei uns war es weniger die Maulerei sondern das ewige: ich will nicht, egal um was es ging. Und das wegrennen in alle Richtungen, und egal was ich sagte man hörte darauf nicht. Heute können sie tatsächlich eine längere Zeit ruhig spielen ohne etwas zu zerstören oder anzustellen.

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  2. 

    Ich schieb mal ne virtuelle Umarmung rüber :o)
    Hier gibt’s zwar keine Zwillinge, trotzdem gibt es Ähnlichkeiten. der Große wird jetzt zwar immer ruhiger, ausgeglichener, ‚vernünftiger‘ (das 5-Jahres-Update steht kurz bevor *grins*), dafür motzt/jault/wütet die Kleine mehr und mehr. Ich komme mir also vor, als würde diese Phase nie enden ;o)

    Alles Liebe ♥
    Nadine

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  3. 

    aaaahh das kommt mir so bekannt vor! Die beiden sind kurz vor zwei und es ist noch nicht ganz so schlimm, aber es deutet sich an … Wenn ich mir vorstelle, ich hätte noch ein Krümelchen dazu … Du bist echt unglaublich!

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  4. 

    Bei uns war es vor ein paar Tagen genau so nur ohne Zwillinge. Hat auch schon gereicht. Nun ist es vorbei und es geht uns wieder gut miteinander. Leider hilft nur: irgendwie durchhalten.

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  5. 

    Bringt ziemlich genau auf den Punkt, was hier bei unserem Zweijährigen abgeht. Und der 5jährige übt sich dazu auch in präpupertären Starällüren. Es ist … eben genau, wie Du schreibst 😀
    Aber wir können nicht anders, als sie trotzdem zu lieben wie verrückt. So ist das eben.

    Alles Gute für 2016,
    JuliSta

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