Was muss ich beachten, wenn mein Gast Zöliakie hat?

Nachdem ich in meinen letzten Beitrag geschrieben hatte, wie schwierig ich die Kommunikation über die Ernährung bei Zöliakie, das Fragen nach Inhaltsstoffen und Zubereitung finde, erreichten mich gerade auf Twitter viele Rückmeldungen. Danke euch dafür.

Klar ist, dass es immer dann zu den unangenehmsten Situationen kommt, wenn man als Gastgeber sich eigentlich große Mühe gegeben hat und extra etwas glutenfreies für den Gast mit Glutenunverträglichkeit bereithält. Und dann isst er es nicht. Kann es nicht essen. Weil ein Detail nicht bedacht wurde, weil er sich unsicher ist. Weil er eben super genau sein muss. Das finde ich als Gast furchtbar fies und es fühlt sich undankbar an, was ich auf keinen Fall bin oder sein will. Und für den Gastgeber auch.

+++ ACHTUNG +++
Dies ist der Beitrag einer Betroffenen, die selbst noch viel lernen muss und ganz sicher keine Expertin ist.

Also dann mal anders herum überlegt: Wie könnte das denn klappen?

Unwissenheit ist keine Schande

Ich wusste vor meiner Diagnose nur ganz grob, was Gluten ist. Irgendwas mit Weizen und so. Dass es in viel mehr Getreidesorten drin steckt, dass auch theoretisch glutenfreie Alternativen wie Mais oft kontaminiert sind, dass man überhaupt so wahnsinnig genau auf kleinste Mengen achten muss, so vieles mehr, wusste ich einfach nicht.

Und auch ich hätte für jemanden mit Glutenunverträglichkeit versucht einen glutenfreien Kuchen aufzutischen, wie ich für meinen Bruder schon ewig auf vegane Alternativen achte bei Einladungen. Ich kann euch garantieren: Mein Ergebnis wäre für einen Zöliakiepatienten hoch problematisch gewesen. Denn das Thema ist schlicht sehr umfassend, die Fallstricke zahlreich. Ich versuche nun ein paar einfache Regeln und Infos für euch zu sammeln.

Stell (viele) Fragen und informiere dich!

Der erste Schritt ist einfach offen zu fragen, gerne auch deinen Gast im Vorfeld. Frage nach weiteren Unverträglichkeiten, was du unbedingt beachten solltest oder ob das, was du dir überlegt hast für ihn passt. Das schafft nicht nur dir Klarheit, sondern vermittelt auch Vertrauen. Wenn du nachfragst, dich informierst, signalisierst du „ich achte wirklich darauf“ und vor allem sind im Gegenzug Nachfragen bei Unsicherheit leichter für deinen Gast.

Was ist Gluten und wo versteckt es sich?

Gluten ist ein Klebeeiweiß, das in den meisten Getreidesorten vorkommt (Weizen, Dinkel, Roggen, handelsüblichen Hafer, Gerste, Grünkern,…). Darüber hinaus entsprechend in allen Lebensmitteln, die daraus bestehen oder es enthalten. Cousous, Bulgur und Graupen sind zum Beispiel reines Gluten. Produkte, die Gluten enthalten, müssen dieses zwingend in den Zutaten angeben.

Die Zöliakie-Austausch-Gruppe erklärt auf ihrem Merkzettel für glutenfreies Einkaufen recht kompakt und übersichtlich, auf welche Stichworte du in Inhaltsangaben von Lebensmitteln achten musst. Ausführliche Informationen bietet auch die Deutsche Zöliakie Gesellschaft zur Auswahl glutenfreier Lebensmittel.

Im Zweifelsfall ist es super, wenn ein Produkt ausdrücklich als „glutenfrei“ gekennzeichnet ist. Diese Kennzeichnung unterliegt strengen Regeln, ebenso wie die durchgestrichene Ähre als Symbol.

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Nachfragen sind gut und wichtig, denn das Thema ist komplex. Oft denkt man nicht die Kleinigkeiten. Dann macht man aus glutenfreien Zutaten einen Eintopf und kontaminiert in zum Beispiel über die Würze. So enthalten viele Sojasoßen Gluten und auch Maggi und ganz viele Würzmischungen. In Rahmspinat versteckt sich Weizen, in Soßen und Dressings. Gerstenmalzextrakt süßt viele Produkte…

Bewahre Verpackungen auf oder bitte um Inhaltsangaben

Auch wenn du dir sicher bist, bewahre doch vielleicht die Verpackungen der verwendeten Produkte auf. Sollten Zweifel aufkommen, kann man dort nachsehen. Wusstest du, dass Gerstenmalzextrakt in Schokolade für einen Zöliakie-Patienten ein riesiges Problem ist? Ich wusste das vorher nicht und fände es nicht sonderlich kurios, wenn das jemand übersehen würde, der nicht tief in der Materie drin steckt.

Wenn du Essen bestellst, dann bitte doch um eine konkrete Liste mit den Allergenen bei den einzelnen Speisen. Vielleicht erklärst du auch vorher, dass es um Zöliakie geht, dann reagieren gute Restaurants auch meist und weichen bei Soßenbindern etc auf glutenfreie Alternativen aus. Zumindest kann dein Gast aber dann nachsehen, welche Speisen auf dem Buffet für ihn ok sind und welche nicht.

Es muss sich nicht ein ganzes Buffet nach einem Gast richten und komplett glutenfrei sein. Aber es wäre doch schade, wenn kein einziges Gericht passen würde oder er sich nicht zu essen traut, weil die verwendeten Zutaten unklar sind.

Bisher auf dem Blog zum Thema Zöliakie:
* Jahresrückblick 2018 mit der Diagnose
* Eine romantische Pizza
* Die Wissenschaft des perfekten Einkaufs

Vermeide Kontamination! Wie bitte was?!

Pingeligste Sauberkeit im Umgang mit den Lebensmitteln ist der Schlüssel bei Zöliakie – vor allem wenn man keinen komplett glutenfreien Haushalt hat. An dieser Stelle scheitert nämlich gerne das „Ich habe für meine Freundin einen glutenfreien Kuchen“-Ding in einer unangenehmen Geschichte. Du hast sogar darauf geachtet, dass die Schokolade für den Guss glutenfrei war! Und doch kann ich ihn nicht essen. Warum?

Backform. Mixer. Besteck… Die Zubereitung war nicht so, dass sie eine Kontamination unwahrscheinlich macht. Wichtig ist, dass ihr im Hinterkopf habt, dass diese Kontaminationsgefahren keine Frage der grundsätzlichen Hygiene in eurer Küche ist. Es ist einfach so, dass in den meisten Küchen viele glutenhalten Lebensmittel vorhanden sind bzw verarbeitet werden. Diese hinterlassen Spuren, ob Krümel im Backofen oder winzigkleine Brotkrumen im Holzschneidebrett, Mehlstaub auf der Arbeitsplatte, im Lüfter des Mixers oder an euren Händen. Das ist für Menschen mit Zöliakie ein Problem.

Einen tollen Beitrag mit vielen Informationen zur Hygiene im Haushalt findet ihr bei der DZG. Die wichtigsten Punkte sind wohl:

  • Alles was mit den Speisen in Berührung kommt, sollte vorher gründlich gespült worden sein, die Arbeitsfläche sauber, die Geschirrtücher frisch.
  • Die Hände müssen gewaschen werden, vor allem wenn du gerade direkt vorher mit glutenhaltigen Speisen hantiert hast.
  • Nutze keine Geräte (Waffeleisen, Mixer,…), in denen sonst glutenhaltige Speisen zubereitet werden.
  • Nutze für die Speisen besser keine Holzlöffel oder ähnlich poröses Material, denn die lassen sich nicht gründlich genug reinigen.
  • Backformen kannst du zum Beispiel mit Backpapier auslegen. So können garantiert keine Reste von anderen Kuchen an dein glutenfreies Backwerk gelangen.
  • Stelle die glutenfreien Speisen auf dem Tisch/Buffet möglichst weit von den glutenhaltigen Speisen entfernt auf. So kann nämlich ein Baguette-Korb, in den ständig jemand reingreift viele Krümel weit verteilen.
  • Extra Besteck, dass nicht getauscht werden sollte. Im glutenfreien Kartoffelsalat einen anderen Löffel als im glutenhaltigen Nudelsalat, der dann bitte auch dort bleibt.

Die einfachste und sicherste Variante für den Kaffeeklatsch

Es gibt auch TK-Torten zu kaufen (zB schwedische Mandeltorte), die als glutenfrei gekennzeichnet sind. Mit sauberen Händen auf einen sauberen Teller geben, einen Kuchenheber nur für diesen Kuchen dazu und zur Sicherheit die Verpackung aufbewahren. Fertig!

Es gibt auch Backmischungen für glutenfreie Muffins, die man mit dem Schneebesen zusammenrühren kann (umgeht das Mixer-Problem) und dann mit den Papierförmchen backt.

Ich hoffe, meine bisher noch sehr bescheidender Wissenstand, konnte euch etwas weiterhelfen.
Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

3 comments

  1. Wow, ich bin Ärztin (zugegebenermaßen noch in Weiterbildung) und wusste tatsächlich nicht, dass das mit der Kontamination so krass ist bei Zöliakie! Danke für’s aufklären!

    1. Ich wusste es nicht. Meine Freundin aber zu auch nicht in dem Umfang. Ärztin. Solange das nicht ins eigene Fachgebiet fällt und du keine Betroffenen konkret beraten musst, finde ich das total ok.
      Was mich eher irritiert hat, ist das Unwissen über die Krankheit im Vorfeld der Diagnose. Wie viele Ärzte aller Fachrichtungen auf interessante Ideen kommen und doch keiner bei mir Zöliakie vermutete als Ursache. Nehmen wir mal meinen Hausarzt davon aus, der bei mir zumindest immer Darmprobleme vermutete, wenn auch nicht ursächlich für die drängendsten meiner Beschwerden.
      Meine Diagnose hätte deutlich schneller kommen können, zumal bei mir bereits 2016 eine Dünndarmbiopsie klar auffällig war. Nur drang die Information nie zu mir durch. Man sagte mir damals, ich leide an Reizdarm. Ach müßig darüber heute zu schreiben. Will nur sagen: Wichtiger wäre, wenn über alle Fachbereiche hinweg, mehr Ärzte diese Krankheit als mögliche Ursache für eine irre Vielfalt von Symptomen auf dem Schirm hätten. Diagnostizieren und eben auch konkret Betroffene später beraten, können dann gerne die Fachleute. Das muss nicht jeder Arzt können.

  2. Hallo Kerstin, ich kann mich erinnern, als ich Kind war, hatte ein Onkel in der Verwandtschaft Zoeliakie.Fuer ihn gab es statt Kuchen immer Eis zum Kaffee, natuerlich heiss beneidet von uns Kindern.Waere das vielleicht heute noch eine Alternative fuer Gastgeber?

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