Colorblock Pulli für Kinder

Leiharbeiterin in der Bekleidungsindustrie

Was habe ich denn die letzten Wochen so getrieben, wenn nicht geschrieben?

Sport?

Also wenn wir das mit dem Arbeiten, der Familie, dem Haushalt und dem Gedöns mal weglassen, geht es ja um meine kleinen Auszeiten. Klar, da habe ich sonst viel und gerne geschrieben. Jetzt würde ich gerne behaupten, dass ich endlich angefangen habe Sport zu machen, aber ich habe mir immerhin neues Equipment dafür gekauft, denn das ist immer super, sowas da zu haben. Die Yogamatte im Haus erspart den Orthopäden. Hoffentlich.

Kultur?

Ich habe auch nicht gelesen. Obwohl ich so wahnsinnig gerne lese und eine gebildete Person bin. (Zumindest versuche ich manchmal den Eindruck zu erwecken.) Ich habe mir auch vorsorglich reichlich gute Sachbücher und hochgelobte Romane gekauft. Sie sehen super aus auf dem Beistelltisch. Gelesen habe ich dann einmal das Gesamtwerk von Jane Austen als Ebook und hatte dann keine Lust mehr. (Zu anstrengend im Kopf.) Seitdem bauen die Kinder aus den Büchern ganz ansprechende Parkgaragen für ihre Autos. So sehen diese irgendwie durchaus bereits gelesen aus. Immerhin.

Haus & Hof?

Gartenarbeit fand ich früher mega! Jetzt saß ich aber lieber dösend auf der erschreckend leeren Terrasse um. Irgendwie hat unserer Garten dieses Jahr von Corona nicht profitiert. Mögen andere sich dort ausgetobt haben, ich war sogar zu faul die Blumenkästen alle zu bestücken. Und jetzt ist eh Herbst.

Da wollte ich übrigens eigentlich ganz viel Basteln mit den Kindern. Kastanienkränze und bunte Fensterbilder und sowas! Voll die romantische Vorstellung. Hat aber irgendwie nicht geklappt.

Die Wahrheit ist wenig schillernd

Die Wahrheit ist, dass ich mich stumpf habe berieseln lassen. Meist von Podcasts. Und dabei habe ich genäht. Soviel genäht, dass mich mein Co-Elter hier schon als Leiharbeiterin nach Südostasien verschicken wollte.

In einem Monat waren es für die Kinder fünf Pullover, zwei Lagarmshirts, zwei T-Shirts und drei Hosen. Dazu noch Geschenke für das Patenkind und einen Neuerdlings, zahlreiche Masken und kleine Täschen um diese aufzubewahren. Ganz wunderhübsche Sachen sind dabei herausgekommen. Langsam könnte ich echt in der Bekleidungsindustrie anfangen, denn ich bin schnell und nähe pragmatisch.

drei halb fertig genähte Pullover
Massenproduktion der benötigten Kinderoberbekleidung aus den Sweat-Resten, die gerade greifbar sind.

Die Kleiderschränke der Kinder waren nämlich leer.

Also nicht so richtig leer, aber der komplette Inhalt zu kurz. Das kommt ja immer sehr überraschend, wenn nach den kurzen Hosen und T-Shirts plötzlich irgendwas mit LANGEM Arm und Bein benötigt wird. Klamotten schrumpfen bei uns alle, wenn sie mehr als zwei Monate im Schrank liegen um zwei Größen. Ich schwöre!

Und während ich bei Krümel dann einfach nur den Inhalt der beiden Kleiderschränke aus dem Nachbarzimmer reinschaufeln muss, sind die Kleiderschränke der Großen spätestens dann leer. Dieses Mal blieb wirklich nichts über, dass Handgelenke oder Knöchel nur im Ansatz bedeckte.

Was tun, wenn die ganze Kinderkleidung geschrumpft ist?

Der erste Schritt in so einem dramatischen Fall ist bei mir der Gang in den Keller. Ich suche den Schrank mit Erbstücke nach der entsprechenden Größe durch. Da war dieses Mal nicht so wahnsinnig viel zu holen.

Dann schaue ich hier und da mal in unserem Second Hand Laden gegenüber rein, ob ich dort ein paar hübsche Teile ergattern kann. (Hauptsächlich für den Ältesten wurde ich auch fündig). Für Online Shopping ist merkwürdigerweise gar nicht meins (ob neu oder gebraucht) und Flohmärkte sind ja gerade nicht.

Jetzt werden die bestehenden Lücken eruiert und mittels ratternder Nähmaschine aufgefüllt. Ich nähe dabei nicht diese Knaller-Boah-Wow-Kleidchen, sondern tragbare Alltagspullover und Gedöns. Und wenn die Pullover nicht aus 15 Schnittreifen bestehen und mit zig Aufnäher versehen werden, geht das halt fix.

Reste müssen dann noch gekauft werden. Unterwäsche, Socken, Strumpfhosen, Jeans, eine Winterjacke für die Große und selbstverständlich für jedes Kind Schuhe.

Ist ja quasi nur noch Kleinkram. Summiert sich auch gar nicht für drei Kinder.

Blöderweise habe ich quasi nix von diesen genähten Sachen fotografiert. Was verschenkt wurde, verließ das Haus ohne fotografischen Beweis und der Rest landete so fix in unserer Wäscherotation, dass ich kaum noch weiß, was aus dem letzten Nährausch stammte.

Das ist jetzt ungünstig. Also für den Blogbeitrag und dessen visueller Untermalung.

Na denkt euch jetzt einfach gefüllte Kleiderschränke.
Eure Kerstin

Kerstin ist Mitte 30, seit Sommer 2013 Mutter von einem Zwillingspärchen. Der Sonnenschein, seine Zwillingsschwester die Prinzessin und das kleine Krümelchen (2015) halten sie gut auf Trab, wenn sie nicht gerade arbeitet, bastelt, backt, liest, im Netz rumwühlt,… Gerne macht sie auch alles gleichzeitig. Der beste Ehemann der Welt passt schon auf, dass das Chaos nicht ausartet.

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